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Handicap Papa

Robert rockt

Seine Tochter spielt jetzt Tennis - eigentlich viel Stoff für unseren Handicap-Papa-Kolumnisten. Doch dann trifft er Robert. Und der rockt!

13. Mai 2022

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Hier sind doch kosmische Kräfte im Spiel! Da fährt meine Sport-Ikone der 80er in den Bau ein - und kaum hat er dort die Pritsche angewärmt, da erwärmt sich meine Tochter ausgerechnet für: TENNIS! Kein Quatsch. Werde ich möglicherweise gerade Zeuge des allumfassenden Zyklus von Alpha und Omega? Ein neuer Stern wird geboren, während ein anderer verglüht. Oder bin ich einfach noch etwas neben der Spur, weil ich selbst gestern einen geglüht habe? Vermutlich.

Also, unsere Tochter geht jetzt zum Tennis. Sie hat bereits ihre ersten Probestunden hinter sich und ist ganz begeistert. Die Aussicht auf die neusten Adidas-Tennis-Sneaker tun dabei natürlich ihr Übriges. Aber egal, ich finde es super. Ist Tennis doch keine so schlechte Voraussetzung, um zu gegebener Zeit doch noch die LPGA Tour aufzurollen. Und darüber wollte ich hier eigentlich ausschweifend exegieren. Doch dann traf ich Robert!

Früher war nicht alles schlecht

Robert ist ein sehr alter Bekannter von mir. Früher, als ich noch die Schlagzeugstöcke statt der Wedges schwang, war Robert oft mit von der Partie. Ich, Mitglied einer mittelbekannten Deutschrock-Band und Robert ein Hardcore-Fan dieser Truppe - der seine Zuneigung zu uns dadurch zum Ausdruck brachte, dass er bei unseren Konzerten genauso betrunken war wie wir, mitsang und in Ermangelung jeglichen Publikums uns als einziger das Gefühl gab, echte Rockstars zu sein. 

Roberts und unsere Kernkompetenz - viel trinken können - passten einfach so gut zusammen, dass Robert später sogar ab und an mit uns auf Tour ging. Dort verkaufte er unsere T-Shirts und CD’s. CD’s! Es ist schon lange her.

Nun traf ich Robert wieder. Natürlich in einer Bar. Und auch wenn wir zwei sehr unterschiedliche Laufbahnen eingeschlagen haben, hier zeigte sich: Unsere Kernkompetenz hatten wir uns bewahrt. Um nicht zu sagen: noch ein wenig ausgefeilt. 

Robert rockt

Nun muss ich dazu sagen: Im Gegensatz zu mir - der schon immer eine angepasste Weichwurst war, die sich die Haare lang wachsen ließ, weil es alle anderen taten, die Depeche Mode gehört hat, weil es die Klassen-Schönheit cool fand - war Robert qua Geburt eine coole Sau, ein echter Rock’n’Roller. Nie angepasst. Vollbart, Trucker-Cap, Tattoos. Und viel wichtiger! Robert hatte schon immer die bessere Musik gehört. Bis auf den Ausrutscher seines Daseins als Fan unserer Truppe.

Jetzt sitzen wir also in dieser Bar, hören Robert-Musik (Motörhead) und Robert lässt die Bombe platzen: "Du spielst doch Golf und schreibst auch immer mal drüber, ne? Ich spiele ja jetzt auch Golf. Hab gerade Platzreife gemacht. Rockt!"

Der wahre Handicap Papa

Ich hatte mit so ziemlich allem gerechnet - Übertritt zum Hinduismus, Tourmanager der Kastelruther Spatzen, baldige Geschlechtsumwandlung - aber dass Robert mit GOLF SPIELEN beginnen würde? Hammer! Aufgeregt fragte ich ihn aus, um stante pede meinen Senf dazuzugeben: Wo Platzreife gemacht? ("Arrg, das sind Gauner!") Schon ein Birdie gespielt ("Wird noch!")? Welches Equipment ("Alles Schrott, ich mach Dir ne Liste")? Ich war so aufgeregt und sabbelte Robert in einem Anfall überbordender Begeisterung derart voll, dass ich beinahe Roberts eigentliche Botschaft niedergequatscht hätte: Die Antwort auf die Frage, weshalb er eigentlich mit Golf angefangen hat.

Robert war nun auch zweifacher Vater und voll im Job am Start. Gemeinsam mit einem alten Punk-Freund - Robert hatte natürlich immer auch die cooleren Freunde - drosch er des Öfteren ein paar Bälle übers Feld. So eine Art Crossgolf. Es war ein schöner Ausgleich für Robert, den er schließlich kultivieren wollte. Also Tag der offenen Tür eines Clubs besucht und zack: infiziert. Platzreife. Fertig. Das Tolle allerdings: Robert ist, wie schon immer - ob beim Musikgeschmack oder Durchtrinken - auch in Sachen Golf vor allem eins: konsequent. Ob er denn seine Kids mit auf den Platz nehmen würde, fragte ich ihn eifrig im Handicap-Papa-Modus. Sein "Bistduirre! Ich will meine Ruhe!", ging etwas in Lemmys Bassgewitter von Ace of Spades unter. Aber ich verstand sofort. Robert betreibt Golf auf ganz uneitle Art und Weise komplett egoistisch, als seinen Sport. Ihm geht's um das Spiel. Sein Spiel. Er genießt den Platz und die Ruhe. Und nach einer Runde kommt er ausgeglichen zur Familie zurück. Verbandsgewurschtel, Monatsbecher und Svarowski bestickte Scorkartenhalter kommen für ihn gleich nach Phil Collins und Simple Minds. Robert ist der Handicap Papa, der ich gerne sein würde. Robert rockt. Ich freue mich auf eine Runde mit ihm.

Bleiben sie sportlich, gesund und fröhlich.

Fabian Kendzia

Fabian Kendzia
Handicap-Papa-Kolumnist

I Alter: 44 Jahre I Wohnort: Erfurt, Thüringen I festangestellt in einer Werbeagentur I Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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