Golf & Camping

Camping-Golf im Trend

Caravans sind auch bei Spitzenclubs gerne gesehen. 

04. September 2020

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Der Urlaub im Wohnmobil in Deutschland boomt derzeit mehr denn je. So zumindest sagen es die Zahlen, die der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) in regelmäßigen Abständen auf der Grundlage der Berichte des Statistischen Bundesamts veröffentlicht. Nach dem Spitzenjahr 2018 konnte auf den deutschen Campingplätzen auch 2019 mit insgesamt 35.756.382 Übernachtungen wieder ein deutliches Plus von 3,5 Prozent verzeichnet werden. Der erneute Anstieg der Campingübernachtungen nach dem Ausnahmesommer 2018 zeigte einmal mehr, dass der Boom der vergangenen Jahre weiter anhält und sich Camping als Urlaubsform nachhaltig etabliert hat. Natürlich hat Corona 2020 alles durcheinandergewirbelt - fest steht aber, dass die Nachfrage an Campingurlauben dabei noch mehr gestiegen ist. /

Früher Tabu, heute keine Seltenheit: "Wohnmobile sind zur Gewohnheit geworden"

Vom Aufwärtstrend auf den deutschen Campingplätzen kann auch der eine oder andere deutsche Golfclub-Manager berichten, wenn auch nicht in dieser Dimension. Waren früher Wohnmobile auf den Parkplätzen von Golfplätzen die Ausnahme und teilweise sogar ein Tabu-Thema bei einigen Clubs, ist diese Situation heute längst nichts Außergewöhnliches mehr. "Das ist in den Jahren mehr geworden, bestätigt Berthold Apel", Geschäftsführer des Hamburger Golf-Club in Falkenstein. Der GC St. Leon-Rot zählt laut Clubmanager Eicko Schulz-Hanßen 40 bis 60 Wohnmobile und Wohnwägen, die beim renommierten Club in Baden-Württemberg pro Saison für ein paar Golfrunden teilweise mehrere Tage Halt machen.

In Bayern, das deutschlandweit mit 6,4 Millionen Nummer eins bei Campingübernachtungen im Jahr 2019 war, können Verantwortliche von Golfclubs diesen Trend ebenfalls bestätigen. Beim Golfclub München Valley waren nicht nur die Golf-Heroes mit ihrem pinken Wohnwagen zu Gast. Sondern weitere zehn Wohnwägen haben den Club im Süden Münchens im vergangenen Jahr besucht. Beim Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee kommen solche Besuche laut Geschäftsführer Yasin Turhal zwar eher selten vor. Bei speziellen Turnieren wie den Berlin Open dafür umso öfter.

Keine Nachteile oder Beanstandungen

Dass Golfer in Wohnwägen möglicherweise Umsatzeinbußen für angeschlossene Hotels, für die Gastronomie im Clubhaus, den eigenen Shop auf den Anlagen oder für die sportlichen Einrichtungen mitbringen könnten, sehen die befragten Clubmanager nicht. Weder in wirtschaftlicher noch in anderer Hinsicht. Eine Wohnmobil-Kolonne auf dem eigenen Parkplatz werde von den Clubmitgliedern nicht als störend oder behindernd empfunden. Zu Beschwerden sei es laut den Verantwortlichen des GC Valley noch nie gekommen.

Es störe auch nicht die Tatsache, dass die clubeigenen sanitären Anlagen von den Wohnmobil-Golfern mehr genutzt werden könnten als von anderen Gästen. In St. Leon-Rot will man jeden Greenfee zahlenden Golfgast mit der gleichen Gastfreundlichkeit behandeln. "Selbstverständlich können entsprechende Gäste die Sanitäranlagen des Clubs nutzen", betont Schulz-Hanßen.

Infrastruktur noch nicht so weit und nicht ausgewiesen

Bezüglich der Anzahl von Stellplatzkapazitäten auf den Parkplätzen von Golfclubs besteht bei einigen Clubs noch Ausbaubedarf. Auf den Homepages von Golfclubs findet man kaum Hinweise für Gäste mit Wohnmobilen. Diese können allerdings meist telefonisch erfragt werden. Auch die erforderliche Infrastruktur für Wohnmobile mit Elektro- und Wasseranschlüssen sowohl Müllentsorgungsmöglichkeiten findet man bis dato auf deutschen Golfanlagen kaum.

Große Golfclubs wie in St. Leon-Rot haben allerdings durchaus große Kapazitäten, auf ihrer befestigten Parkplatzfläche für bis zu 200 Fahrzeuge auch einige Wohnmobile gleichzeitig unterzubringen. Bei anderen Clubs ist man da noch nicht ganz so weit. Bis zu vier Stellplätze könne der GC Valley Club auf einmal stellen. Beim Thüringer Golfclub Drei Gleichen Mühlberg hätten theoretisch bis zu zwei Wohnwägen gleichzeitig Platz. Der Thüringer Club macht sich da wie so einige Golfclubs lieber die Nähe des 500 Meter entfernt gelegenen öffentlichen Campingplatzes zu Nutzen. "Wir haben einige Golf-Mitglieder, die das gerne so praktizieren", berichtet Clubmanagerin Katrin Schwarz.

Wohnmobile gerne gesehen – auch in den deutschen Spitzenclubs

Ebenso verweist auch der GC Lärchenhof Gäste mit Wohnmobil auf öffentliche Standplätze in der Umgebung. Der Club in Pulheim hat keine expliziten Stellplätze, sei aber immer stets bereit, eine Lösung für Golfgäste mit Wohnmobil auf der eigenen Anlage zu finden. Wenn Platz ist, könne man auch auf dem Parkplatz stehen bleiben.

Bei den meisten Golfclubs sind auf den Parkplätzen bis dato noch keine speziellen Anschlüsse vorhanden. Angesichts der steigenden Elektromobilität macht man sich allerdings über Ladesäulen für Elektroautos bereits intensiv Gedanken. Der GC St. Leon-Rot hatte laut Schulz-Hanßen die Errichtung von Elektroladesäulen für E-Autos in Planung. In diesem Zuge wolle man auch über eine verbesserte Infrastruktur mit Strom- und Wasseranschlüssen für golfende Wohnmobilbesitzer nachdenken. Der Parkplatz könnte in diesem Zusammenhang um zwei bis vier Stellplätze ergänzt werden, auch wenn die Planungen noch nicht abgeschlossen sind. Unabhängig vom Ausgang der Planung will der Clubmanager die Vielzahl an deutschen Wohnmobil-Urlauber weiterhin herzlich empfangen. "Wir sehen Gäste mit Wohnmobil sehr gerne", sagt Schulz-Hanßen.

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, mit Trainerlizenzen im Fußball und Tennis stieß 2018 zum Golf.de-Redaktionsteam hinzu. Heimatclub: G&LC Gut Rieden in Starnberg.

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