Videospiel

PGA Tour 2K21: Und dann klingelte der Postbote

HB Studios und 2K Games veröffentlichen das erste große Golfvideospiel seit langem. Wir haben es angespielt.

04. September 2020

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Mit einem Ergebnis von -6 betreten wir die 17. Tee-Box. Auf den Markern das blau-goldene Players-Logo. Vor uns: das weltberühmte Inselgrün. Auf der linken Seite sitzen die erwartungsvollen Zuschauer unter blauem Himmel und wollen Spektakel sehen. Wir haben 142 Yards zur mittig gesteckten Fahne und müssen den Wind von rechts vorne einberechnen. Der Griff geht zum Eisen 9. Das Wasser ist ruhig, aber verlockend. Jetzt nur nicht nervös werden. Einfach das Grün treffen und dann an den Zuschauern vorbei zu unserem Ball spazieren.

Wir packen einen perfekten Schwung aus. Nicht zu schnell. Nicht zu langsam. Der Ball fliegt. Landet. Die Zuschauer bejubeln unseren soliden Abschlag und auch der Kommentator findet lobende Worte. Durchatmen. Plötzlich klingelt es an der Tür. Es ist der Postbote. Der Traum, wirklich gerade das 17. Loch des TPC Sawgrass vor hunderten von Zuschauern zu spielen und dabei sogar relativ unaufgeregt zu wirken, wird mit dem Drücken des Options-Knopfes zumindest für kurze Zeit unterbrochen. Doch nachdem wir dem Paketzusteller unsere Unterschrift gegeben haben (hat der gerade unseren Schlag gesehen?), tauchen wir wieder ein in die wunderschöne Welt des neuen Golfvideospiels von 2K Games. Denn so viel sei schon vorneweg gesagt: PGA Tour 2K21 macht Laune. Auch wenn es nicht frei von Kritikpunkten ist.

Bild: PGA Tour 2K21

Aber fangen wir vorne an. Nach vier Jahren ohne Triple-A-Golfspiel haben sich HB Studios (Videospielentwickler) und 2K Games (Label) zusammengeschlossen, um in die großen Fußspuren zu stapfen, die EA mit ihrer erfolgreichen Tiger-Woods-Spieleserie über mehr als zwei Jahrzehnte hinterlassen hat. Mit dem 2015 erschienenen Rory McIlroy PGA Tour, das durchwachsene Kritiken erhielt, zog sich der Spielepublisher-Riese EA aus dem Golfsegment zurück und überließ anderen die Bühne. Doch die Fans von virtuellem Golf mussten sich gedulden. Bis zum 21. August, dem offiziellen Release-Datum von PGA Tour 2K21, das für PS4, Xbox One, Windows PC und Nintendo Switch verfügbar ist.

Der Ansatz ist klar: HB Studios hat als Entwickler von The Golf Club über viele Jahre hinweg an einer detaillierten Golfspiel-Engine getüftelt, während 2K als Herausgeber von beispielsweise NBA 2K21 etliche Sportlizenzen sowie Erfahrungen in Sachen Grafik und Look im Gepäck hat. Diese Mischung soll die große Lücke füllen, die vor fünf Jahren hinterlassen wurde. Mit der PGA Tour als Lizenzpartner finden neben dem TPC Sawgrass 14 weitere originale Kurse sowie zwölf lizensierte Spieler ihren Weg ins Spiel. Justin Thomas ziert als ehemalige Nummer eins der Welt das Cover. Namen wie Matt Kuchar, Sergio Garcia und Ian Poulter sind ebenfalls vertreten. Tiger Woods oder deutsche Spieler werden vermisst.

Fingerspitzengefühl entscheidend

Auch wenn auf realistisches Gameplay gesetzt wird, ist der Start auch für Neueinsteiger nicht zu kompliziert. Übersichtliche Tutorials und die Option, sich vom Spiel unter die Arme greifen zu lassen, vereinfachen die ersten Runden merklich. Die Komplexität der Sportart lässt sich mit dem Controller natürlich nicht annähernd einfangen. Das Ausführen des Schwunges beschränkt sich aufs Betätigen des Joysticks und zahlreiche Anzeigen geben einem hilfreiche Informationen über Windstärke, Entfernung zum Loch und Ondulierungen auf dem Grün. Unkonzentriertheiten werden trotzdem wie auf dem Platz eiskalt bestraft. Und stellt man den Schwierigkeitsgrad mal auf "Legend", dann wünscht man sich doch manchmal einen Caddie an die Seite. Denn auf das HUD sowie visuelle Hinweise zum Schwung muss man hier verzichten.

Apropos Caddie: Den sucht man bei PGA Tour 2K21 vergebens. Vielmehr hat man das Gefühl, man läuft mit seinem zu Beginn des Spiels selbst erstellten Charakter von Schlag zu Schlag, ohne wirklich dazwischen mit jemandem zu interagieren. Denn auch Mitspieler sieht man nur in animierten Zwischensequenzen. Da geht dem Spiel leider etwas die Authentizität verloren, weswegen es stimmungstechnisch zu empfehlen ist, entweder lokal oder online gegen Freunde zu spielen. Die bekannten Formate Skins, Scramble oder Match Play sorgen für genügend Zock-Spaß. Wem die schnelle Runde für zwischendurch zu langweilig ist, sollte zum Karrieremodus greifen. Hier kann man sich mit seinem Spieler von der Q-School für die Korn Ferry Tour bis in die FedExCup-Playoffs hochspielen, wo man dann auf die zuvor genannten PGA-Tour-Stars trifft. Selbst spielbar sind Thomas und Co. übrigens leider nicht.

Bild: PGA Tour 2K21

Wirklich beeindruckend ist der Detailreichtum der verschiedenen Kurse. Dank Drohnen und anderer Technologien sind jeder Baum, jede Bunkerkante und jedes Clubhaus detailliert und realistisch integriert. Bei der Präsentation ließ man sich also nicht lumpen und konzentrierte sich lieber auf weniger und dafür detailliertere Aspekte. Das immersive TV-Gefühl verstärken die beiden Kommentatoren Luke Elvy (CBS) und Experte Rich Beem (PGA Tour). Und wenn man dann mal einen Traum-Putt eingelocht hat, kann man ihn in einer schönen Wiederholung nochmals bestaunen.

Neben dem Aussehen seines Charakters sind auch Kleidung sowie Bag-Inhalt individuell anpassbar. Hierbei kann man sogar auf die originalen Artikel der führenden Equipmenthersteller zurückgreifen. Wer also Glück hat, spielt auf der virtuellen Wiese mit den gleichen Schuhen und dem gleichen Besteck wie in seinem Heimatclub. Und wer schon immer mal seinen eigenen Platz designen wollte, kann dies auch ohne weiteres tun. Dies ist dann aber schon eher ein Langzeitprojekt. Inspiration kann man sich von veröffentlichten Kursen der Community holen. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Ordentliches Debüt

Fazit: Grundsätzlich kann man sagen, dass sich das Golf-Comeback auf der Konsole (oder eben PC) definitiv sehen lassen kann. Dies bezieht sich insbesondere auf die wirklich schöne Präsentation und die unzähligen Optionen, die man perfekt auf seine Wünsche anpassen kann. Wir empfehlen, den Schwierigkeitsgrad lieber etwas höher zu schrauben, da sich sonst die Langzeitmotivation frühzeitig einstellen könnte. Eine gewisse Herausforderung muss gegeben sein. Ist dies der Fall, sind Wut und Freude so eng beieinander, dass man sich manchmal wirklich schon fühlt wie auf der Wochenendrunde. Der MyPlayer-Karrieremodus bietet einen langen, steinigen, aber auch motivierenden Weg an die Spitze der FedExCup-Rankings. Mit den Münzen, die man im Laufe der Karriere erhält, kann man sich neue Kleidung oder Schläger kaufen.

Fehlen dürften einem definitiv die großen Events wie das Masters oder vielleicht sogar der Ryder Cup. Dies hängt aber natürlich mit dem Fehlen der vermutlich äußerst kostenintensiven Lizenzen zusammen, weswegen auch nur zwölf PGA-Tour-Spieler enthalten sind. Wer aber schon die alten Golfspiele mochte, wird auch bei PGA Tour 2K21 seinen Spaß haben. Denn genügend Tiefe bietet das neue Spiel von HB Studios und 2K allemal. Und es wäre doch auch schade, wenn es für die kommenden Jahre keinen Raum für Verbesserungen gäbe. Eine so lange Durststecke ohne neues Golfspiel soll es nämlich nicht nochmal geben.

Alle lizensierten Kurse und Spieler in PGA Tour 2K21

  • Atlantic Beach Country Club
  • Copperhead Course
  • East Lake Golf Club
  • Quail Hollow Club
  • Riviera Country Club
  • TPC Boston
  • TPC Deere Run
  • TPC Louisiana
  • TPC River Highlands
  • TPC San Antonio
  • TPC Sawgrass
  • TPC Scottsdale
  • TPC Southwind
  • TPC Summerlin
  • TPC Twin Cities
  • Justin Thomas
  • Cameron Champ
  • Bryson DeChambeau
  • Matt Kuchar
  • Kevin Kisner
  • Gary Woodland
  • Billy Horschel
  • Ian Poulter
  • Tony Finau
  • Jim Furyk
  • Sergio Garcia
  • Patrick Cantlay

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Redakteur

Daniel Dillenburg, Teil der Golf.de Redaktion seit 2013, erst als Volontär, danach frei, Baujahr 1994, geboren in England, Platzreife 2012 und immer noch Handicap 54, viel Sport machen, Fußball, Golf und Fitness, für Golf.de aus dem Taunus nach München gezogen. Heimatclub: GC Eschenried.

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