Handicap Papa

Testen. Testen. Testen.

Unser Handicap-Papa-Kolumnist findet längst vergessene Schätze und geht testen. Was sonst?

10. März 2021

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Eine noch schlechtere Idee, als sich während einer Pandemie auf unsere Regierenden zu verlassen, ist: Während einer Pandemie mit der Familie umzuziehen. Aber wie sich das für schlechte Ideen gehört, mussten wir die natürlich gleich mal ausprobieren. Im letzten Monat stand also bei uns der Möbelwagen vor der Tür. Zwar sind wir nur innerhalb unserer Stadt umgezogen - für Stress, Chaos und Bandscheibenvorfälle hat es trotzdem gereicht.

Selbst Kleinigkeiten mussten von langer Hand geplant werden. Banale Besorgungen entpuppten sich zum Staatsakt. Einen 6er Dübel im Baumarkt besorgen? Da kam man zu DDR-Zeiten schneller an einen Trabbi heran.

Stimmung im Keller

Natürlich wussten wir schon Anfang des Jahres, was da auf uns zu kommt. Dementsprechend haben wir auch nicht den Spahn gemacht, sondern uns vorbereitet - Kartons bestellt, Kartons gepackt, ausgemistet etc.pp. Kurz vor dem Umzugstermin, kam dann der Klassiker: "Ähhh, wollen wir noch mal in den Keller schauen?"

Nachdem wir in die Kammer des Schreckens hinabgestiegen waren, konnte man nur konstatieren: Wir im Keller. Stimmung auch. Insignien aus 15 Jahren gemeinsamen (Familien-) Lebens moderten hier fröhlich vor sich hin und mussten entweder entsorgt oder verpackt werden. Ich erbarmte mich und nahm den Kampf gegen den Wust auf. Die alte Babyschale (ach, wie süß), ein sich in Auflösung befindender Dachgepäckträger (das Auto dazu ist schon seit Jahren in Polen), die zweifelhafte DVD-Sammlung aus Single-Tagen (*********).

Perlen der Golfhistorie

Doch dann stieß ich auf eine echte Goldader: eine beachtliche Anzahl von Golfschlägern, die ich während meiner Laufbahn zusammengekauft hatte - und seit Jahren nicht mehr benutzte. Ich kam mir vor wie ein Paläontologe, der Eisschicht für Eisschicht abträgt und so in die Geschichte zurückschaut. Jeden Schläger konnte ich einer wirren Phase meines Golferlebens zuschreiben. Zum Beispiel ein 23 Grad Cobra Baffler Hybrid aus dem Jahre 2009. Damals absolute Hot Shit. Ich hatte es mir während meiner Slice-Hochphase gekauft, in der Hoffnung, das Wundermittel gefunden zu haben. Schön auch, der TaylorMade R9 SuperTri Driver. Ein völlig fehlgeleiteter Impulskauf, nachdem ich ein Fitting-Video mit Martin Kaymer gesehen hatte. Vor zehn Jahren, wohlgemerkt! Daneben fand ich noch jede Menge Putter, Wedges und - mein Highlight - eines der ersten Driving Iron von Mizuno. In völliger Selbstüberschätzung gekauft und nach einer Range-Session, mit ausschließlich getoppten Bällen, direkt in die Keller-Quarantäne verbannt. 

Doch wie das mit alten Bekannten ist, die man jahrelang nicht gesehen hat: über die ein oder andere Unzulänglichkeit hat sich der goldene Schleier der Vergangenheit gelegt. Ich war regelrecht euphorisiert, als ich diese alten Perlen meiner Golfkarriere entstaubte und in einem ebenfalls musealen Bag zusammenpackte.

Testen. Testen. Testen.

Die vergangenen Monate haben gezehrt, für Ratlosigkeit und jede Menge Unmut gesorgt. Das hatten wir ja schon hier des Öfteren. Aber endlich kann ich mit den Ansagen, die uns täglich um die Ohren schwirren, auch mal was anfangen: "Testen. Testen. Testen", sagen sie. Okay! Mache ich! Drum habe ich natürlich schon einen Termin auf der Driving Range eingebucht, um alle wiedergefundenen Perlen erneut zu testen. Ich freue mich schon wie ein kleines Kind. Lässt mich der 15 Jahre alte Odyssey White Hot 2-Ball doch noch zum Putt-Gott werden? Ich werde natürlich berichten! 

Finden Sie auch immer mal wieder alte Perlen der Golfhistorie in den Untiefen Ihrer Behausung, die neu getestet werden müssen? Oder testen Sie gerade neues Material? Ich freue mich auf Rückmeldung von Ihnen. Dann erscheint hier demnächst ein schönes Test-Special. Denn mal unter uns: In Sachen Testen können sich doch alle von uns Golfern mal eine gehörige Scheibe abschneiden.

Fabian Kendzia

Fabian Kendzia
Handicap-Papa-Kolumnist

I Alter: 44 Jahre I Wohnort: Erfurt, Thüringen I festangestellt in einer Werbeagentur I Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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