Golfmarkt

Preissteigerungen durch Golfboom

Mehr aktive Golfer lassen die Preise in der Golfbranche nach oben schnellen - und Kapazitäten weniger werden.

29. Oktober 2021

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Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 war in Gesprächen mit deutschen Clubmanagern und Golfanlagenbetreibern nicht selten zu vernehmen, dass auf den jeweiligen Anlagen große Zuwächse bei den aktiven Mitgliedern erzielt wurden. Diese gestiegene Nachfrage kann manch ativer Golfer auf der Suche nach freien Startzeiten auf großen Golfanlagen bestätigen. Und auch die Mitgliederstatistik des Deutschen Golf Verbands (DGV), die für das Jahr 2020 über 651.417 Mitglieder und ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 1,4 Prozent ausweist, dokumentiert diesen jüngsten Golfboom in Deutschland während Pandemie-Zeiten. In den USA sind ähnliche Zuwächse zu erkennen, die in der jüngsten Vergangenheit zu einem Katalysator für eher negative Auswirkungen geworden sind: Die Plätze werden knapper - und allles wird teurer. /

So zumindest gibt es ein Bericht der National Golf Foundation (NGF) wieder. Die Organisation, die sich sowohl aus aktiven Golfern als auch aus Interessenvertretern der Branche zusammensetzt, hat im Jahr 2020 mehr als 500 Millionen gespielte Golfrrunden in den USA gezählt. Dies entspricht einem Wachstum von mehr als 60 Millionen Runden gegenüber dem Vorjahr.

Greenfees steigen um elf Prozent

Nach Angaben des NGF haben mehr als ein Drittel der Kurse in den USA ihre Spitzen-Greenfees in der Saison in diesem Jahr um durchschnittlich elf Prozent erhöht. Das ist der größte Anstieg seit Jahren. Mehr als zwei Drittel der Kursbetreiber teilten dem NGF mit, dass sie 2020 einige Änderungen an der Gebührenstruktur vorgenommen haben, indem sie den Zeitraum der "Spitzensätze" bei den Gebühren verlängert, ihre Kosten insgesamt erhöht oder eine andere Schichteinteilung vorgenommen haben. Während des größten Teils des Jahres 2021 betrugen die durchschnittlichen Kosten für eine Abschlagszeit auf einem 18-Loch-Platz 38 US-Dollar, während die durchschnittliche 9-Loch-Runde auf 21 US-Dollar sprang.

Auch in der Golfindustrie soll sich das gestiegene Golfinteresse widergespiegelt haben. Hier soll mehr Umsatz denn je verzeichnet worden sein. Laut eines Berichtes von Golf.com können sich US-amerikanische Hersteller vor Aufträgen derzeit teilweise nicht retten. Zusätzliches Personal muss eingestellt werden. Wochenendschichten mit Extra-Löhnen seien demnach bei US-amerikanischen Herstellern von Golfausrüstung derzeit nicht ganz unüblich.

Auswirkungen der gestiegenen Preise

Die Nachfrage übersteigt derzeit das Angebot und die Kosten steigen. Soweit ist dieser Prozess aus wirtschaftlicher Sicht leicht zu erklären. Auf der anderen Seite stellt sich bei diesem Trend hingegen die komplexere Frage, wie die steigenden Preise zukünftig den Golfmarkt verändern werden. Und inwiefern dadurch der Golfboom abflachen und sich die Zahl der aktiven Golfer wieder reduzieren wird. In welcher Art und Weise sich gestiegene Preise auf die Qualität auswirken, wird der US-amerikanische Golfer fortan verstärkt verfolgen.

Ebenso gespannt werden mit Sicherheit auch deutsche Clubmanager und Golfanlagenbetreiber diese Entwicklungen mit sinkenden Kapazitäten und gestiegenen Preise beobachten. Ein Szenario, das möglicherweise auch bald auf den deutschen Golfmarkt zurollen könnte.

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, stieß 2018 zum Redaktionsteam hinzu. Golferische Heimat: Gut Rieden in Starnberg

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