Eine Runde mit - Thomas Dreßen

"Spaß haben, auch wenn der Driver mein Feind ist"

Golfende Profis anderer Sportarten und bekannte Persönlichkeiten im Porträt.

04. September 2020

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Er ist der deutsche Ski-Star. Nach einem schweren Sturz bei der Abfahrt in Beaver Creek Ende November 2018 musste Thomas Dreßen eine längere Verletzungspause mit Reha überstehen. Das Comeback war dann aber fast sensationell: Auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Sturz gewann Dreßen das erste Abfahrtsrennen der Saison in Lake Louise (Kanada). Nach einem dritten Platz in Wengen im Januar 2020 folgten die Siege bei den Abfahrtsrennen in Garmisch-Partenkirchen und Saalbach. Dreßen ist damit der erste Deutsche, der zwei aufeinanderfolgende Weltcup-Abfahrtsrennen gewann. In seiner Freizeit spielt der 26-Jährige gerne Golf. Im Gespräch hat der sympathische Bayer verraten, was er an Golf so schätzt, was er noch verbessern möchte und wen er gerne einmal auf der Runde dabei hätte.

  • Name: Thomas Dreßen
  • Meine Sportart/mein Beruf: Skirennläufer
  • Mein Golfclub: GC Traunsee Kirchham (Österreich) und G&LC Karwendel
  • Wohnort: Scharnstein (Oberösterreich)
  • Mein Handicap: 25,6
  • Ich bin zum Golfspielen gekommen über ... Freunde und Familie. Eigentlich hat das schon auf dem Ski-Gymnasium in Saalfelden begonnen, wo ein paar Mitschüler eine Verbindung zum Golfsport hatten. Da probiert man das dann schon mal aus. Ich habe meine Mama gefragt, ob ich auch mit Golf anfangen darf. Erst war sie eher skeptisch, kam aber dann aus einem Türkei-Urlaub zurück und hat gesagt, sie hätte jetzt die Platzreife gemacht. Die habe ich dann vor acht Jahren auch gemacht und so ging das los.
  • Darum spiele ich Golf: Weil es Spaß macht. Für mich ist Golf eine willkommene Abwechslung zum Leistungssport. Es ist wie ein Spaziergang in toller Natur, bei dem du aber doch irgendwie ein bisserl Wettkampf hast. Ein guter Mix. 
  • Mein Lieblings-Golfplatz heißt: Puh, am liebsten spiele ich eigentlich auf meinen Heimatplätzen, weil mir auch die Zeit fehlt, woanders eine Runde zu gehen. Außerdem weiß ich da auch, welchen Schläger ich nehmen muss und kenne die Längen. Wenn ich mit dem Leistungssport mal aufhöre, werde ich sicher die schönsten Plätze beispielsweise in den USA besuchen. Aber im Moment geht das noch nicht.
  • Ein grandioser Schlag, an den ich mich erinnern kann, ist...der Abschlag bei einem Golfturnier des Bayerischen Skiverbandes vor zwei Jahren im Allgäu. Da standen die ganzen Leute ums Tee herum und ich habe mein Eisen 5 super getroffen. Der Ball ist richtig brutal geflogen, das war ein gutes Gefühl.
  • Ein peinlicher Moment ist mir beim Golfspielen passiert bei … Da fällt mir ein Moment spontan eigentlich nicht ein. Nur vielleicht, dass der Driver so ein bisserl mein Feind ist. Manchmal hole ich ihn aus dem Bag und denke mir dann nach dem Schlag wieder, ich hätte ihn doch stecken lassen sollen. Ein Driver-Training würde mir sicher nicht schaden.
  • Das kann ich aus dem Golf in meinen Sport mitnehmen: Die Fähigkeit, sich auf den Punkt zu konzentrieren. Für den entscheidenden Schlag. Da ist Golf wie Skifahren. Wenn du einen schlechten Schlag hast, musst du das abhaken und beim nächsten Schlag wieder voll da sein. Wenn du am Berg einen falschen Schwung machst, ist das gleich wieder weg. Du darfst nicht grübeln und musst schon in der Sekunde danach wieder voll konzentriert sein. Diesbezüglich ist Golf ein gutes Konzentrationstraining.
  • Was im Golf gar nicht geht, ist... Verbissenheit. Es gibt zu viele Leute, auch im Golf, die sich zu sehr in etwas reinsteigern, obwohl es ja um gar nichts Großes geht. Daher spiele ich auch ungern Turniere. Ich finde: Wenn du keinen Spaß am Golf hast, solltest du es auch lassen.
  • Folgender Golf-Profi beeindruckt mich: Eigentlich beeindrucken mich alle Golfprofis. Es ist Wahnsinn, wie stark die mental sein müssen, um wirklich Erfolg zu haben – und das über mehrere Tage und Wochen. Golf verlangt in diesem Bereich sehr viel. Klar sind es dann vor allem Stars wie Tiger Woods oder Rory McIlroy, die ganz oben stehen, die mich am meisten beeindrucken. Vor allem Woods, wie er nach langer Pause wieder so stark zurückkam. Das war schon sehr beeindruckend.
  • Das will ich im Golf erreichen: Immer besser werden. Wie so viele Golfer. Klar geht es in erster Linie um den Spaß. Aber irgendwie bin ich dann doch zu sehr Leistungssportler. Ich glaube, dass ich an meinem kurzen Spiel, das beim Golf ja doch entscheidend ist, noch viel verbessern kann. Aber auch, dass ich mit meinem Driver mal konstant gerade schlagen kann – das wäre ein Ziel, das ich definitiv noch nicht erreicht habe.
  • Mein Traum-Flight wäre zusammen mit ... Auf jeden Fall mit meinem Ski-Kollegen Manu Schmid. Wir nehmen dann am besten noch Rory McIlroy und Fußballer Thomas Müller mit auf die Runde. Das wird sicher lustig.
  • Mein Motto in meiner Sportart/in meinem Beruf lautet: Einfach Spaß haben und locker bleiben! 

Thomas Kirmaier

Thomas Kirmaier
Freier Redakteur

Tauschte 2010 die Eishockey- gegen die Golfschläger. War 15 Jahre lang Sportredakteur bei Tageszeitungen und ist heute freier Autor. Golferische Homebase: Bad Griesbach.

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