Interview

"Das bedeutet mir viel!"

Im Mercedes-Benz-Interview spricht Bernhard Langer über seinen Alters-Rekord beim Masters.

14. November 2020

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- Herzlichen Glückwunsch! Sie sind der älteste Golfer, der je den Cut beim Masters geschafft hat. Sie müssen stolz darauf sein, dass Sie mit 63 immer noch Rekorde aufstellen.

"Ja, das bin ich ein bisschen, um ehrlich zu sein. Wenn Sie an all die Legenden denken, die dieses Turnier gespielt haben - Leute wie Gary Player, Arnold Palmer, Jack Nicklaus und so weiter. Daher bedeutet es mir viel, der älteste Golfer zu sein, der den Cut gemacht hat. Ich habe Tommy Aaron beim Champions Dinner am Dienstag gesehen und ihm gesagt, dass sein Rekord eine beeindruckende Leistung ist. Aber ich warnte ihn, dass ich diese Woche eine Chance hätte. Er lachte und wünschte mir Glück. Und jetzt ist es passiert. Ich kenne Tommy seit mehr als 30 Jahren wegen des Champions Dinners und weil er viele Jahre lang an Wettkämpfen teilnahm. Er ist ein Gentleman. Wir haben Respekt voreinander. Wissen Sie, es ist nicht einfach, hier den Cut zu schaffen. Es ist kein einfacher Golfplatz, besonders in den vergangenen Jahren ist der Platz immer länger geworden, so dass es für uns 50- und 60-Jährige schwer ist. Es ist nicht verwunderlich, dass Tommys Rekord so lange bestand."

- Fühlt sich das für Sie in den letzten Tagen nicht irgendwie an wie eine Art Masters-Marathon?

"Ja, das tut es. Meine erste Runde hatte sich verzögert, so dass ich am Donnerstag erst gegen 15 Uhr abschlug. Ich habe also buchstäblich 36 Löcher in einer Zeitspanne von 24 Stunden auf einem sehr nassen und hügeligen Golfplatz gespielt. Ich war nach meiner zweiten Runde ziemlich müde. Ich musste am Freitagmorgen um 4 Uhr aufstehen, also habe ich die Nacht davor versucht, um 21 Uhr ins Bett zu gehen, um ungefähr sieben Stunden Schlaf zu bekommen, aber 21 Uhr ist früher als ich normalerweise ins Bett gehe. Ich war nicht sehr glücklich, als dieser Alarm losging."

- Sie haben in der ersten Runde eine 68 geschossen, Ihre beste Masters-Runde seit 2001. Was hat Sie daran besonders gefreut?

"Ich hatte gute Drives, habe gut geputtet und mein kurzes Spiel war ziemlich gut. Wenn ich das Grün verpasst hatte, habe ich den Ball die meiste Zeit ziemlich nah ans Loch gechipt. Wenn man gut puttet und den Ball mit dem Driver im Spiel halten kann, ist das auf diesem Platz viel wert. Ich habe in der ersten Runde nicht viele Fehler und ein paar Birdies gemacht, was sehr schön war."

- Ihr letztes Loch am Donnerstagabend war Augustas erste Bahn. Das war Ihr zehntes Loch des Tages und Sie haben es im Halbdunkel gesehen.

"Das erste Loch ist sehr lang. Ich musste den Driver und ein Hybrid schlagen, und dann habe ich einen Putt aus etwa siebeneinhalb Metern zum Birdie gelocht. Dann beendete ich die Runde am Freitagmorgen, was besonders erfreulich war, weil ich die ersten neun gespielt habe und ich denke, sie sind etwas schwieriger als die hinteren neun."

- Sind die Grüns mit der Sonne am Freitag und der Brise in Ihrer zweiten Runde schneller geworden?

"Sie waren am Freitagmorgen um 7.30 Uhr vielleicht etwas schneller und ganz früh am Morgen weich, aber dann neigen sie dazu, langsamer zu werden In meiner zweiten Runde gab es Höhen und Tiefen. Es lief nicht ganz so solide oder konstant. Schließlich habe ich das letzte Loch geschafft, um eins über Par zu beenden, aber es war immer noch keine schlechte Runde."

- Vor dem Wochenende stehen wir nun vor einem faszinierenden Leaderboard. Wer ist Ihr Favorit?

"Es gibt viele Kandidaten da oben. Dustin Johnson mag zu diesem Zeitpunkt der Favorit sein, aber es ist schwer zu sagen, zumal das Feld an der Spitze dicht beieinander ist. Vielleicht wird es nach Runde drei noch enger sein. Tiger Woods ist immer noch da, aber es gibt viele andere, viele großartige Champions, und alle kennen den Golfplatz. Die meisten von ihnen haben den Golfball sehr weit geschlagen. Die einzige Überraschung für mich ist Bryson DeChambeau, der bei zwei über liegt. Er läuft sogar Gefahr, den Cut zu verpassen."

- Was halten Sie von DeChambeaus mächtigem Spiel?

"DeChambeaus Spiel scheint für ihn zu funktionieren. Er gewann die US Open, da er den Platz mit seiner Power in die Knie gezwungen hat. Selbst wenn er ins Rough schlägt, kann er den Ball mit einem Wedge oder einem Eisen 9 von dort aus spielen und fast jedes Par 4 erreichen, selbst wenn es 500 Yards lang ist. Das ist ein anderes Golf. Ich habe im Sommer mit ihm in Texas bei einem PGA-Tour-Event neun Löcher Proberunde gespielt und er war sehr beeindruckend. Er schlägt den Ball vom Abschlag über Bäume und attackiert Grüns über Linien, an die andere nicht einmal zu denken wagen. DeChambeau hat Golf auf ein ganz neues Niveau gebracht. In Bezug auf die Längen sagt DeChambeau, Augusta sei ein Par 67 für ihn. Das Problem ist, dass es hier auch auf Präzision und die Putts ankommt. In diesen Bereichen hat er diese Woche noch nicht geliefert."

(Interview: Apollo18 GmbH)

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