Menschen

Irgendwas fehlt

Das Masters findet in diesem Jahr ohne Tiger Woods statt. Eine Abwesenheit, die man in Augusta spürt.

07. April 2021

Artikel teilen:

Würstchen im Schlafrock, ein Filet mignon mit Kartoffelpüree und zum Nachtisch der klassische Apple Pie. So sah eine der möglichen Kombinationen in dem von Dustin Johnson zusammengestellten Menü für das diesjährige Champions Dinner aus. Die ehemaligen Sieger des Masters ließen es sich am Dienstagabend vor Turnierbeginn einmal mehr gutgehen. Doch irgendwas fühlte sich dieses Mal anders an. An der großen Tafel in den altehrwürdigen Räumlichkeiten des Augusta National Golf Clubs blieb nämlich ein Stuhl leer. Es war der Platz von Tiger Woods, der dieses Jahr nicht an dem besonderen Abendessen teilnehmen konnte.

Der fünffache Masters-Sieger nimmt seit 1998 am Champions Dinner teil und war zuletzt im vergangenen Jahr für das Menü verantwortlich, nachdem er beim Masters 2019 sein großes Comeback feierte. Ob Woods in dieser Woche mitspielen würde, war bereits seit Januar fraglich. Ein weiterer operativer Eingriff am Rücken ließ den Masters-Start zu einem Wettlauf gegen die Zeit werden. Zwei Tage, nachdem der 45-Jährige seinen Fans in einem TV-Interview leise Hoffnung auf eine baldige Rückkehr machte, verunglückte er bei einem Autounfall schwer. Das sportliche Comeback rückte plötzlich komplett in den Hintergrund. An ein Masters mit Woods dachte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.

Nach mehreren Wochen im Krankenbett verließ der zweifache Familienvater Mitte März das Krankenhaus und befindet sich seitdem in seiner Heimat Florida. Hier will er sich vollständig von den Operationen am rechten Bein erholen. Wann Woods wieder beschwerdefrei gehen und dann irgendwann vielleicht auch wieder Bälle schlagen kann, darüber lässt sich nur spekulieren. Bis dahin ist ihm aber jegliche Art von Unterstützung gewiss. Wie zum Beispiel die in Form eines Besuches von Rory McIlroy. Wie der Nordire auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des Masters verriet, schaute er kürzlich bei Woods vorbei und stellte dabei nicht nur fest, dass es seinem Idol deutlich besser geht als er es vermutete. McIlroy nahm dabei auch einiges an frischer Inspiration mit nach Hause. 

Justin Thomas besuchte seinen guten Freund allein zwei Mal in der vergangenen Woche. "Wenn ich zuhause bin, versuche ich immer wieder zu ihm rüberzugehen", so der 27-Jährige, der die letzten Jahre immer eine Einspielrunde in Augusta an der Seite von Woods und Fred Couples spielte. Das neue Ritual musste dieses Mal ausfallen. "Ich folge ihnen dabei wie ein Welpe", beschrieb Thomas die gemeinsamen Runden mit den ehemaligen Masters-Champions. "Egal wo sie hingehen - ich komme mit. Wenn sie von irgendwo aus chippen, dann chippe ich auch von dort." 

Man wird das Gefühl nicht los, dass Augusta etwas fehlt, wenn Woods nicht anwesend ist. Egal ob als Inspiration, Trainingspartner oder eben als Champion beim traditionellen Dinner. Man kann allen Beteiligten nur wünschen, dass der Stuhl nicht ein zweites Mal frei bleibt.


(Tiger Woods, Fred Couples und Justin Thomas, Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel