Sandra Gal

Gal zurück an der Spitze

Sandra Gal gelingt nach langer Leidenszeit mit Borreliose-Erkrankung auf der LPGA Tour erstmals wieder ein Spitzenergebnis.

08. Oktober 2021

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Vor ein paar Jahren noch hätte eine Meldung über eine starke 66er Runde von Sandra Gal auf der LPGA Tour wie jüngst in der ersten Runde des Cognizant Founders Cup wohl nicht so außergewöhnlich geklungen wie in diesen Tagen. Die gebürtige Düsseldorferin war nach einer Borreliose-Erkrankung zwei Jahre lang so gut wie ganz außer Gefecht gesetzt und konnte deshalb bis vor kurzem kaum mehr bei professionellen Golfturnieren mitspielen. Nun hat die 36-jährige Rheinländerin beim Turnier im US-Bundesstaat New Jersey erstmals wieder einen solch guten Score erzielt und liegt nach dem ersten Tag mit fünf Schlägen unter Par an zweiter Stelle. /

Die einstige Nummer 27 der Golfweltrangliste war dementsprechend gut gelaunt über die Rückkehr zu ihren besten Tagen nach einer rund zweijährigen Leidenszeit aufgrund der Infektionskrankheit. "Es verbessert sich von Tag zu Tag", sagte Gal gegenüber Golf Channel über ihre Gesundheit. "Es gibt immer wieder ein Auf und Ab. Manchmal ist es ein Kampf, aber insgesamt gibt es viele positive Dinge, die ich in den letzten Wochen erlebt habe. Also fühlte ich mich bereit rauszugehen und weiter daran zu arbeiten."

Lange Leidenszeit vorbei?

Es ist schon eine Zeitlang her, dass die zweimalige Solheim Cup-Spielerin zu den Top-Proetten auf der LPGA Tour gehörte. Genauer gesagt erlebte die sympathische Rheinländerin den bisherigen Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn vor ungefähr einem knappen Jahrzehnt. 2011 gewann sie bei der KIA Classic ihr erstes und letztes LPGA-Turnier. 2012 folgte dann mit Platz drei bei den US Women's Open das nächste Highlight. Bis 2018 inklusive der zweiten Solheim-Cup-Teilnahme (2015) sowie der Golf-Premiere bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro konnte sich Gal dank guter Ergebnisse auch noch lange Zeit in den Top 100 der Golfweltrangliste behaupten. Neben Landsfrau Caroline Masson gehörte Gal in der Spitze des deutschen Profi-Golfsports lange Zeit zum absoluten Zugpferd.

Mitte der Saison 2019 folgte dann die Borreliose-Erkrankung, die Gal dazu zwang, eine Pause einzulegen. In dieser Zeit kam Gal nur auf eine handvoll Turnierteilnahmen. 2020 waren es lediglich vier Einsätze, bei der Gal drei Mal den Cut verpasste und zwei Mal außerhalb der Top-45 landete. In der Weltrangliste rutschte Gal aus den Top 500. Die schwierige Zeit mit der Lyme-Borreliose, die grippeähnliche Symptome einschließlich überwältigender Müdigkeit verursacht, scheint Gal nun überwunden zu haben. Die bogeyfreie Runde zum Auftakt des Turnieres an der US-amerikanischen Ostküste war in diesem Sinne als eine Art Comeback der in Florida lebenden deutschen Proette zu bewerten. Zumal Gal bereits bei ihrem geteilten 15. Rang auf der Ladies European Tour Anfang September bei der Swiss Ladies Open mit einer 63er Runde am zweiten Tag ihr Können aufblitzen hatte lassen.

"Vorfreude hält mich am Leben"

Unabhängig davon, ob Gal die führende Koreanerin Jin Young Ko (63/-8) bei dem mit drei Millionen US-Dollar dotierten Turnier in Caldwell an der Spitze noch einholen kann und auf welcher Position sie den Wettbewerb abschließt, ist die Leistung der deutschen Proette als ein starkes Ausrufezeichen zu bewerten. Die in der Vergangenheit gesundheitlich gebeutelte Sportlerin blickte dementsprechend zuversichtlich voraus, um an ihre besten Zeiten bald wieder anknüpfen zu können. "Ich habe das Gefühl, dass noch viel gutes Golf in mir steckt und ich kann nicht einfach damit aufhören. Ich denke, es ist das beste Gefühl der Welt, wenn man einen tollen Schlag trifft oder wenn man einen Putt macht. Das weiß jeder, der Golf spielt. Die Vorfreude auf mehr davon auf Tour hält mich am Laufen", sagte die Frohnatur aus dem Rheinland, die immer wieder mit munteren Tanzeinlagen auf ihren Social-Media-Accounts punktet.

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Freier Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, stieß 2018 zum Redaktionsteam hinzu. Golferische Heimat: Gut Rieden in Starnberg

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