Tour-Vorschau

Elite-Treffen in Vegas‘ Oase

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem CJ Cup sowie der Scottish Championship.

14. Oktober 2020

Artikel teilen:

1989 erschuf Tom Fazio 20 Kilometer nordöstlich des Las Vegas Strips eine wahre Oase inmitten der Wüste Nevadas. Inzwischen ist der Shadow Creek Colf Course umgeben von Asphalt und Wohnhäusern. Zu seiner Zeit bekam Fazio ein fast grenzenloses Budget vom Immobilien-Tycoon Steve Wynn zur Verfügung gestellt, um sich seinen Traumkurs wie auf der Spielekonsole zusammenzustellen. Mit Bäumen gesäumte Fairways, spürbare Höhenunterschiede sowie zahlreiche Hindernisse in Form von Wasserfällen und kleinen Bächlein lassen den Par-72-Kurs, der 2008 nochmals vom Erschaffer selbst überarbeitet wurde, weniger wie ein Wüsten-, sondern vielmehr wie ein Resort-Platz wirken. Nicht umsonst bot Shadow Creek den perfekten Schauplatz für das Show-Match zwischen Tiger Woods und Phil Mickelson vor zwei Jahren.


(Shadow Creek Golf Course, Photo by twitter.com/PGATOUR)

Wer den "Public Course" spielen will, muss um die 500 Euro für eine der äußerst raren Teetimes hinblättern, auf eine Einladung hoffen oder eben PGA-Tour-Profi sein. Und zwar einer der besten. Denn beim dieswöchigen CJ Cup sind nur die Top 60 der abgelaufenen Saison startberechtigt. Das 78 Mann starke Feld wird mit prominenten Einladungen aufgefüllt und so ergibt schließlich ein absolutes Elite-Treffen, das schon fast an die Leistungsdichte eines Major-Turniers erinnert. So sind unter anderem die Top 5 der Welt (Dustin Johnson musste seinen Start aufgrund eines positiven Corona-Tests zurückziehen) sowie die ehemaligen FedExCup-Champions Justin Rose und Jordan Spieth vertreten. Deutsche sind bei dem mit knapp zehn Millionen US-Dollar dotierten Event, das eigentlich in Südkorea hätte stattfinden sollen, aufgrund der Corona-Pandemie jedoch nach Nevada verlegt wurde, nicht am Start.

Dagegen gibt Brooks Koepka sein Comeback nach zweimonatiger Zwangspause. Erneut war es das Knie, das dem viermaligen Major-Sieger in den vergangenen Wochen zu schaffen machte. Ausgerechnet bei der letztjährigen Ausgabe des CJ Cup rutschte Koepka auf nassem Untergrund weg und verletzte sich zum wiederholten Male an seiner ganz persönlichen Achillesferse, die ihm seit Beginn des vergangenen Jahres Probleme macht. Die ehemalige Nummer eins der Welt hat jedoch auch gute Erinnerungen an das noch junge Event. 2018 ging er als Sieger hervor. Die anderen beiden Ausgaben gewann Justin Thomas. Die prominenten Sieger zeigen, dass der CJ Cup, der ohne Cut auskommt, ein Kräftemessen der Besten ist und damit einen guten Härtetest für das im November stattfindende Masters Tournament in Augusta darstellt.


(Torrance Course, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Während die Saison auf der PGA Tour erst so langsam in Fahrt kommt, gönnt sich die European Tour nach zwei Turnieren der Rolex Series eine kleine Verschnaufpause. Mit der allerersten Ausgabe der Scottish Championship steht das erste von vier niedriger dotierten Events (je eine Million Euro Gesamtpreisgeld) in Folge auf dem Programm, ehe nach dem Masters (12. bis 15 November) nur noch das Saisonfinale in Dubai im Dezember ansteht. Nicht so pompös wie Shadow Creek, aber dafür nicht weniger spektakulär, kommt der Austragungsort des schottischen Premierenevents daher.

Nur wenige Kilometer außerhalb von St. Andrews dürfen sich die Teilnehmer auf typisches Linksgolf freuen. Denn der Torrance Course im Fairmont St. Andrews Resort bietet den Spielern alle Aspekte, die man sich auf den britischen Küstenplätzen wünscht. Spätestens am 16. Grün hält man mal kurz inne, um den wundervollen Blick über die königliche Stadt St. Andrews zu genießen. Ansonsten schmücken den 2001 eröffneten Kurs originale Grenzmauern alter Bauernhöfe, die in das Design eingebettet sind und durchaus ins Spiel kommen können.


(Hurly Long, Photo by Tullio M. Puglia/Getty Images)

Die Engländer Lee Westwood und Matt Wallace zählen zu den größten Namen im Feld, das unter anderem aus vier Rolex-Series-Siegern sowie zwei deutschen Spielern besteht. Während sich Marcel Schneider dank seines 32. Rangs im abgelaufenen Challenge-Tour-Ranking für Schottland qualifizierte, rutschte Hurly Long als Turniersieger der laufenden Saison in die Scottish Championship. Vor nicht mal zwei Wochen gewann der 25-Jährige die Italian Challenge Open und feierte so seinen ersten Challenge-Tour-Titel. Für Long ist es bereits der achte Auftritt auf der European Tour in dieser Saison. Über einen geteilten 34. Rang bei der Austrian Open kam er noch nicht hinaus. Beim selben Turnier in Atzenbrugg wurde Schneider, der aktuell die Rangliste auf der Challenge Tour anführt, Zweiter.

Weitere Deutsche im Einsatz:

PGA Tour Champions, Dominion Energy Charity Classic: Bernhard Langer

Symetra Tour, Mission Inn Resort and Club Championship: Isi Gabsa und Sophie Hausmann

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel