Tour-Vorschau

Langer, Woods und die bunte Stille

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem Masters Tournament in Augusta.

11. November 2020

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Am Montag wäre es das erste Mal so richtig laut geworden im Augusta National Golf Club. An der vierten Bahn lochte Jon Rahm zum Hole-in-One ein, nur um diesem perfekten Schlag ein weiteres Kunststück am Dienstag folgen zu lassen. Am zweiten Preview Day des Masters Tournament 2020 gelang ihm nämlich das nächste Ass. Dieses Mal aber auf der 16, wo die Spieler ihren Ball traditionsgemäß über den Teich schlittern lassen. Für die Nummer zwei der Welt kein Problem. Statt mit tosendem Applaus tausender Patrons musste sich Rahm, der ganz nebenbei auch noch seinen 26. Geburtstag feierte, mit vereinzelten Klatschern und einem High Five seines Caddies begnügen. Denn das diesjährige Masters ist anders. Anders als alle 83 Ausgaben zuvor.


(Jon Rahm mit Caddie Adam Hayes, Photo by Rob Carr/Getty Images)

Zum ersten Mal in der Geschichte des Turniers beschließt das Masters die Major-Saison. Normalerweise als inoffizieller Beginn der heißen Phase im April ausgetragen wurde das mit elf Millionen US-Dollar dotierte Event in den November verschoben. Bei all dem "hätte, wäre, könnte" ist man aber inzwischen einfach froh, dass dieses ruhmreiche Turnier überhaupt noch in diesem Jahr stattfinden kann und nicht gänzlich der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist. Denn allen Golffans wird so noch einmal ein wahres Schmankerl serviert, das an den heimischen TV-Geräten verfolgt werden kann. Beziehungsweise muss. Denn auf die Unterstützung der Patrons vor Ort müssen die 93 Teilnehmer nicht nur in den Einspielrunden verzichten. Erstmals wird das Masters ohne Publikum stattfinden.

Doch an diese Geisterstimmung konnten sich Spieler wie auch Zuschauer in den vergangenen Monaten bereits gewöhnen. Und so gilt es für alle, einen klaren Blick auf die bevorstehende Aufgabe zu haben. Neben der menschenleeren Anlage muss sich das Auge nämlich auch an die neuen Farben im Augusta National Golf Club gewöhnen. Denn statt der rosa blühenden Azaleen und dem weißen Blüten-Hartriegel mischen sich im November orange-rote Herbstblätter unter die charakteristischen grünen Pinien. Optisch ist das Masters im November also alles andere als ein Rückschritt. Vielmehr eine nette Abwechslung.


(Blick aufs zwölfte Loch des Augusta National, Photo by Patrick Smith/Getty Images)

Für die Anwärter auf das grüne Jackett hat die neue Ansetzung aber noch viel größere Auswirkungen. Denn der Par-72-Kurs im Augusta National wird sich anders spielen als im Frühjahr. Viele Spieler haben den Platz zu dieser Jahreszeit noch nie gespielt und müssen sich so auf neue Gegebenheiten einstellen.

Auch aus diesem Grund weilt Rory McIlroy bereits seit Samstag in Georgia und bereitet sich intensiv auf das Major vor, das ihm noch zum Karriere Grand Slam fehlt. "Es befindet sich vielmehr Bermudagras auf den Fairways und um die Grüns", sagte der Nordire. Die Grüns selbst seien so wie immer. "Aber die Fairways. Da war es nicht kalt genug, weswegen das Bermuda nicht absterben konnte. Dies wird es um die Grüns herum sehr interessant machen. Chippen wird deutlich anspruchsvoller."


(Rory McIlroy, Photo by Rob Carr/Getty Images)

Zudem seien die Fairways etwas körniger und weich. "Es gab viele Matschbälle und es sieht so aus als würde es Regen geben, was ein Thema werden könnte", so McIlroy weiter. "Es wird sich einfach ganz anders spielen. Und das, obwohl sie nichts am Platz geändert haben." Der vorhergesagte Niederschlag entwickelte sich zu einem Thema im Vorfeld des Turniers.

Auch Bernhard Langer, der einzige Deutsche, der in Augusta an den Start geht, sprach in einem Interview mit seinem Partner Mercedes-Benz bereits über das Wetter: "Es wird wohl etwas Regen geben, was den Platz länger und die Grüns langsamer macht. Ich hätte es lieber etwas härter, denn dadurch spielt sich der Kurs nicht nur anspruchsvoller. Es macht ihn auch etwas kürzer und die Platzkenntnis wird entscheidender."


(Bernhard Langer, Photo by Jamie Squire/Getty Images)

In Sachen Platzkenntnis kann Langer in dieser Woche vermutlich niemand seiner 92 Konkurrenten etwas vormachen. Für den zweifachen Masters-Champion ist es bereits die 37. Teilnahme an dem Turnier, das er erstmals 1985 gewinnen konnte. Damals war er einer der Besten der Welt. 35 Jahre später geht Langer als ältester Spieler im Feld an den Start. "Auf der einen Seite kann ich nicht glauben, dass ich der älteste Spieler bin", so der 63-Jährige. "Auf der anderen Seite bin ich sehr dankbar, dass ich selbst in diesem Alter noch mithalten kann. Das können nicht viele von sich behaupten." 

Auf der PGA Tour Champions ist Langer noch immer das Nonplusultra. Erst in der vergangenen Woche verteidigte er seine Führung im Charles Schwab Cup dank einer hervorragenden 64er Finalrunde beim Saisonfinale. "Ich habe fast mein Alter gespielt. Mein Spiel fühlt sich gut an." In Augusta müsse er sich auf das Eisenspiel und die kurzen Putts fokussieren. Denn längenmäßig kann er mit den jungen Wilden nicht mehr mithalten. Erst recht nicht bei einem aufgeweichten Platz.


(Tiger Woods beim Masters-Erfolg 2019, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Zu den jungen Wilden zählt sich auch Tiger Woods schon lange nicht mehr. Und doch kehrt der 44-Jährige 19 Monate nach seinem 15. Major-Sieg als Titelverteidiger nach Augusta zurück. In der Tat wirkt es so, als wäre das größte Comeback der jüngeren Sportgeschichte bereits länger her. Jedoch war es Woods, der am Dienstag zum fünften Mal in seiner Karriere das Menü zum Champions Dinner servieren durfte. Eine der Traditionen, die - im Gegensatz zum Par-3-Turnier - trotz Corona fortgeführt wurde. Einen kleinen Vorteil hatte die Masters-Verschiebung dann doch für Woods. Immerhin durfte er das grüne Jackett so lange im Schrank hängen haben wie noch kein anderer vor ihm.

Bevor Woods am Donnerstag seine Mission Titelverteidigung angeht, ist das begehrte Sacko aber wieder in der dafür vorgesehenen Garderobe im Clubhaus verschwunden. Zwei Masters-Siege in Folge, wie es ihm in den Jahren 2001/2002 einst gelungen war, trauen ihm die wenigsten zu. Bei drei der fünf Majors, die seit seinem jüngsten Erfolg in Augusta stattfanden, verpasste er den Cut. In diesem Jahr beendete Woods nur ein Turnier in den Top Ten. Generell nahm er 2020 erst an acht Events teil. Zuletzt bei der Zozo Championship im Oktober, wo er geteilter 72. wurde. Woods‘ Vorzeichen für sein 23. Masters könnten also deutlich besser stehen. Aber es ist 2020. Und da läuft alles irgendwie anders.

Was abseits vom Masters noch läuft (Deutsche):

Ladies European Tour, Saudi Ladies International: Leonie Harm, Laura Fünfstück, Olivia Cowan, Franziska Friedrich, Esther Henseleit, Karolin Lampert, Sophie Hausmann, Sarina Schmidt und Carolin Kauffmann

Challenge Tour, Andalucia Challenge de Cadiz: Nicolai von Dellingshausen, Moritz Lampert, Dominic Foos, Haiko Dana, Alexander Knappe, Marcel Schneider, Hurly Long, Marcel Siem und Allen John

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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