Tour-Rückblick

Woods' Tiefpunkt, Langers Höhepunkt

Abseits von Dustin Johnsons Masters-Sieg verzweifelt Tiger Woods an einem Bach und Bernhard Langer zeigt es den jungen Wilden. Der Rückblick aufs Wochenende.

16. November 2020

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Präzision schlägt Länge

Dustin Johnson hin oder her. Für Golf-Deutschland stand der Sieger des Masters 2020 bereits nach zwei Runden fest. Denn mit Bernhard Langer stellte eine deutsche Golflegende einen neuen Rekord bei dem ruhmreichsten Turnier der Welt auf. Mit seinen 63 Jahren schaffte er als ältester Spieler in der Geschichte des Masters den Cut. Doch damit nicht genug. Der zweifache Masters-Champion konnte auch noch am Wochenende mit den teilweise 40 Jahre jüngeren Profis mithalten.

Und das trotz der kräftezehrenden Bedingungen im vom Regen aufgeweichten Augusta National Golf Club. So spielte Langer unter anderem am Sonntag an der Seite von Bryson DeChambeau (27), der mit seinen Längen vom Tee neue Maßstäbe im Profigolf setzt. Der Senior aus Anhausen hatte da eine ganz persönliche Antwort drauf: Präzision.


(Bryson DeChambeau und Bernhard Langer, Photo by Rob Carr/Getty Images)

Auf diese kommt es im Augusta National Golf Club nämlich viel mehr an als auf pure Gewalt vom Tee. Zum Vergleich: DeChambeau schlug seine Abschläge in der vergangenen Woche durchschnittlich 60 Meter weiter als der deutsche Altmeister, der von allen Spielern, die den Cut geschafft haben, der Kürzeste war.

In der Kategorie der Präzision vom Abschlag belegte Langer jedoch den ersten Platz mit 87,5 Prozent getroffener Fairways. DeChambeau traf auf die Woche gerechnet zehn Spielbahnen weniger. Kombiniert man dies mit der starken Leistung auf den Grüns - Langer benötigte im Durchschnitt nur 1,54 Putts pro Loch (fünftbester Wert im Feld) - so konnte sich der 63-Jährige im direkten Duell knapp durchsetzen und sich mit einem Gesamtergebnis von drei unter Par unter den besten 30 platzieren. Aber egal wie man es dreht und wendet: Langers Woche in Augusta war eine für die Geschichtsbücher.


(Tiger Woods, Photo by Rob Carr/Getty Images)

Zehn auf der Zwölf

So sehr wie es auf dem hügeligen Augusta National Golf Club teilweise auf und ab geht, so hatte auch Tiger Woods seine Höhen und Tiefen. Was zu Beginn so aussah als könnte der fünffache Masters-Sieger Ansprüche auf die Titelverteidigung stellen, entwickelte sich im weiteren Verlauf des Turniers zu einem stetigen Kampf gegen weitere Schlagverluste. Bei einem Gesamtergebnis von fünf unter Par - nach zehn gespielten Löchern am Donnerstag lag er bereits bei -4 - ging es in die Finalrunde, in der sich Woods lange Zeit ganz ordentlich schlug. Bis er am Abschlag der Zwölf ankam. Das ikonische Par 3 namens "Rae’s Creek" sollte für den 44-Jährigen zu einem wahren Debakel werden.

Nicht nur sein erster Schlag landete im Wasser vor dem Grün. Auch der nächste Versuch vom Fairway wurde nass. Erst beim dritten Anlauf konnte Woods das kleine Bächlein überwinden, nur um seinen bereits sechsten Schlag aus dem Bunker hinter dem Grün erneut im Wasserhindernis zu versenken. Nach bereits drei Strafschlägen landete endlich der achte Schlag auf dem Grün. Zwei Putts später verschwand Woods‘ Ball im Loch und der 15-fache Major-Sieger notierte das höchste Ergebnis seiner Profikarriere: die "10" - auf einem Par 3.

Mit einem Gesamtergebnis von vier über Par und ordentlich Wut im Bauch ging es auf die letzten sechs Löcher, von denen er fünf Löcher in Birdie spielte. Eine kleine Wiedergutmachung war ihm gelungen. Nach der 68 (-4) aus Runde eins hatte Woods aber sicherlich mit mehr geliebäugelt als dem geteilten 38. Rang, der es am Ende wurde.


(Dustin Johnson, Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Starke Zahlen

Dass Dustin Johnson der jüngste Besitzer eines grünen Jacketts ist, davon könnte man inzwischen Wind bekommen haben. Einige der folgenden Statistiken dürften aber neu sein:

  • Mit einem Gesamtergebnis von 20 unter Par stellte Johnson nicht nur einen neuen Masters-Rekord auf. Er teilte auch das niedrigste Siegerergebnis bei Majors allgemein. Nur Henrik Stenson (2016, Open Championship) und Jason Day (2015, PGA Championship) konnten eines der vier großen Turniere bei -20 beenden.
     
  • Johnson kassierte an allen vier Tagen in Augusta zusammengerechnet nur vier Bogeys - zwei davon in der Finalrunde. So wenige Schlagverluste notierte vor ihm kein anderer Masters-Champion. Der Bestwert lag bis dato bei fünf.
     
  • Auch in Sachen Annäherungen war Johnson ganz oben dabei. Mit 60 von 72 getroffenen Grüns teilte er den Rekord von Tiger Woods, den er bei seinem Sieg 2001 aufstellte. Bei dieser Zahl muss man jedoch hinzufügen, dass diese Statistik erst seit 1983 existiert.
     
  • Der Masters-Erfolg war Johnsons zweiter Major-Sieg nach der US Open 2016 in Oakmont, einem Ort, an dem schon viele Major-Entscheidungen gefallen sind. Vor dem US-Amerikaner konnten erst fünf Spieler sowohl in Oakmont als auch in Augusta ein Major gewinnen. Die Namen sind einem geläufig: Jack Nicklaus, Ben Hogan, Sam Snead, Gene Sarazen und Angel Cabrera.
     
  • Johnsons Triumph kam natürlich nicht von ungefähr. Mit dem Sieg in Augusta beendete er nun nur eines seiner vergangenen sieben Turniere nicht unter den besten Zwei (T6 US Open). Hinzukommt eine unglaubliche Performance bei den Major-Turnieren dieses Jahrs. Nach der Absage der Open Championship fanden nur drei statt. Rechnet man Johnsons Gesamtergebnisse bei diesen drei Events zusammen, so kommt man auf einen unglaublichen Wert von 26 unter Par. Bryson DeChambeau liegt in dieser Wertung auf dem zweiten Rang mit -18. Nicht umsonst ist Johnson die aktuelle Nummer eins der Welt.


(Pep Angles, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Was sonst noch geschah?

Zugegeben. Die Turniere, die parallel zum Masters stattfinden, haben es nicht leicht auf sich aufmerksam zu machen. Aus deutscher Sicht lohnt sich jedoch der Blick über den Tellerrand hinaus. Denn sowohl auf der Challenge als auch auf der Ladies European Tour gab es jede Menge positive Ergebnisse.

So konnten bei der Andalucia Challenge in Cádiz gleich drei Deutsche glänzen. Während Lokalmatador Pep Angles mit einem Gesamtergebnis von 14 unter Par den Titel holte, beendeten Marcel Schneider und Allen John das vorletzte Turnier der Saison auf dem geteilten fünften Rang bei -7. Hurly Long benötigte einen Schlag mehr und wurde geteilter Achter. Neben dem Trio qualifizierten sich auch Alexander Knappe und Nicolai von Dellingshausen für das Saisonfinale auf Mallorca. Wer nach diesem Turnier in den Top 15 der Saisonwertung liegt, erhält die Spielberechtigung für die European Tour.


(Esther Henseleit, Credit: Tristan Jones)

In Richtung Saisonfinale geht es auch auf der Ladies European Tour. Hier fand mit dem Saudi Ladies International das drittletzte Event des Jahres statt und es war ein besonderes. Denn zum ersten Mal in der Geschichte spielten professionelle Golferinnen ein kompetitives Turnier in Saudi Arabien. Austragungsort war der Royal Greens Golf & Country Club in King Abdullah Economic City. Gebührend gefeiert wurde das Debüt mit dem höchsten Preisgeld auf der LET - abseits der Majors versteht sich. Insgesamt wurden eine Million US-Dollar an die 67 Damen, die den Cut schafften, ausgeschüttet - mit Ausnahme der marokkanischen Amateurin Ines Laklalech.

Zu denen, die am Wochenende noch dabei waren, zählten auch sieben Deutsche. Die beste von ihnen war Laura Fünfstück bei einem Gesamtergebnis von sechs unter Par. Für den geteilten sechsten Rang erhielt sie knapp 23.000 US-Dollar. Zudem verbesserte sich Fünfstück auf den achten Rang im Race to Costa del Sol. Mit Esther Henseleit (-2) beendete eine weitere Deutsche das historische Turnier in den Top 20.

Die deutschen Ergebnisse im Überblick:

Masters: Bernhard Langer, T29

Challenge Tour, Andalucia Challenge de Cádiz: Allen John & Marcel Schneider T5, Hurly Long 8., Alexander Knappe T21, Nicolai von Dellingshausen T26, Haiko Dana 59., Marcel Siem Aufgabe, Dominic Foos & Moritz Lampert CUT

Ladies European Tour, The Saudi Ladies International: Laura Fünfstück T6, Esther Henseleit T16, Olivia Cowan T22, Sophie Hausmann T33, Leonie Harm 37., Karolin Lampert T52, Carolin Kauffmann 67., Franziska Friedrich & Sarina Schmidt CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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