Tour-Vorschau

Dem Aufstieg so nah

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem Saisonfinale auf der Challenge Tour sowie dem Auftakt des Südafrika-Swings auf der European Tour.

18. November 2020

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Challenge Tour

Obwohl die diesjährige Challenge-Tour-Saison bereits im Januar eröffnet wurde, konnten bis dato erst zehn Events stattfinden. Zum Vergleich: 2019 bestand der Kalender noch aus 27 Turnieren. Der Grund für die geringe Anzahl an Stationen liegt auf der Hand: Aufgrund der Corona-Pandemie kehrte die Challenge Tour erst im Juli aus ihrer knapp fünfmonatigen Zwangspause zurück. Hinzukamen ein spielfreier August und nur ein Turnier im Oktober. Bei all den Einschränkungen und wenigem Golf, das gespielt wurde, ist man trotzdem froh, dass die Saison mit dem Challenge Tour Grand Final einen gebührenden Abschluss findet.

Doch auch hier ist vieles anders. Nicht nur dient der T-Golf & Country Club auf Mallorca erstmals als Austragungsort des Saisonfinals. Auch hat der abgespeckte Kalender eine Auswirkung auf die zu vergebenden Tickets für die European Tour. Normalerweise qualifizieren sich nämlich die besten 15 der Saisonwertung für die erste Liga. In diesem Jahr stehen aber nur fünf Aufstiegsplätze zur Verfügung. Der Kampf um die begehrten Tourkarten wird also härter und spannender denn je. Alle 45 Starter in dieser Woche haben noch eine Chance auf die Top 5.


(Marcel Schneider, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Die beste Ausgangsposition aller Teilnehmer hat aber Marcel Schneider. Der 30-Jährige führt das Ranking seit seinem zweiten Rang bei der Austrian Open an. Und das, obwohl er noch keinen Titel in diesem Jahr holen konnte. Dies wird er selbstverständlich noch ändern wollen. Jedoch steht die Verteidigung seiner Führung im Vordergrund. Zumal Schneider der erste Deutsche werden könnte, der die Challenge Tour Order of Merit für sich entscheidet.

Neben Schneider wird auch Hurly Long versuchen, seine Position im Ranking zu halten. Der Gewinner der Italian Challenge rangiert nämlich als Fünfter gerade noch so auf einem der begehrten Plätze. Mit satten 62.000 Punkten, die an den Sieger des Grand Finals gehen, - Schneider führt die Wertung mit 95.088 Punkten an - gilt in dieser Woche aber: Angriff ist die beste Verteidigung. Die Konkurrenz sitzt den Top 5 nämlich im Nacken.


(Nicolai von Dellingshausen, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Angreifen müssen auch Nicolai von Dellingshausen, Allen John sowie Alexander Knappe, wollen sie in der kommenden Saison bei den ganz großen europäischen Turnieren mitspielen. Von Dellingshausen hat als 31. des Road to Mallorca - wie die Order of Merit offiziell heißt - rechnerisch die geringsten Chancen auf eine der fünf Tourkarten. Die Form des 27-Jährigen macht aber Hoffnung. Von seinen letzten fünf Turnieren beendete er zwei in den Top 15. Darunter war ein geteilter elfter Platz bei der Andalucia Challenge de Espana, dem ersten von drei aufeinanderfolgenden Events auf spanischem Boden.

John geht von Rang 25 ins Finale. Nervenstärke bewies der gehörlose Ludwigshafener bereits in der vergangenen Woche, als er sich seinen Platz im Finale mit einem geteilten fünften Rang sicherte. Davor verpasste er vier Cuts in Folge. Die Rückkehr zur guten Form kommt also gerade rechtzeitig.

Der letzte verpasste Cut liegt bei Knappe schon eine ganze Weile zurück. Genau gesagt: Neun Monate. Denn seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Juli sammelte der zweifache Challenge-Tour-Sieger in jedem Turnier Preisgeld. Den größten Scheck sicherte er sich bei der Euram Bank Open, die er auf dem geteilten dritten Rang abschloss. Eine ähnlich starke Vorstellung beim Saisonfinale könnte Knappe reichen, um sich eines der fünf begehrten Tickets zu sichern.


(Randpark Golf Club, Photo by Luke Walker/Getty Images)

European Tour

Bevor es auf der European Tour ins Saisonfinale geht, steht noch ein dreiwöchiger Südafrika-Swing auf dem Programm. Eröffnet wird dieser von der Joburg Open im Randpark Golf Club. Das Turnier kehrt nach einer knapp dreijährigen Auszeit endlich zurück und wird seit seiner Erstaustragung im Jahr 2007 von den Local Heroes dominiert. Nur vier Mal kam der Gewinner nicht aus dem Gastgeberland. Zuletzt 2017, als Shubankar Sharma seinen ersten Titel auf der European Tour holte. Der Inder tritt in dieser Woche endlich zu seiner lang ersehnten Titelverteidigung an.

Seinen Durchbruch auf der European Tour feierte auch einst Marcel Siem in Südafrika. 2004 setzte er sich im Stechen gegen die Franzosen Raphael Jacquelin und Grégroy Havret durch und gewann die Dunhill Championship in Johannesburg. Siems anschließende Durststrecke war lang. Über acht Jahre musste er auf European-Tour-Titel Nummer zwei warten. Inzwischen stehen vier Trophäen in der Vitrine des Ratingers. Die letzte gewann er beim BMW Masters 2014 - seinem größten Erfolg als Profi. Seitdem scheint sich Siem in einer Sportlichen Abwärtsspirale zu befinden. Das letzte Mal, dass der inzwischen auf Weltranglistenposition 987 abgerutschte 40-Jährige das Race to Dubai in den Top 100 abschloss, war 2016.


(Marcel Siem bei der Dunhill Championship 2004, Photo by Warren Little/Getty Images)

Doch Siem gibt nicht auf. So sehr ihm seine oftmals impulsive Art auf dem Golfplatz im Weg stehen mag, so stark ist auch der Wille, zu alter Stärke zurückzukehren. Mit #mywayback lässt sich in den sozialen Medien Siems Weg verfolgen. Bei seinem jüngsten Update auf Facebook verkündete er auch, warum er sich in der vergangenen Woche trotz überstandenen Cuts bei der Andalucia Challenge frühzeitig aus Spanien verabschiedete:

"Am Donnerstag bin ich benachrichtigt worden, dass ich die nächsten drei Wochen auf der European Tour in Südafrika spielen kann. Die Chancen möchte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und perfekt vorbereitet dort am Montag schon ankommen. Durch den ganzen Corona Mist wäre ich nicht vor Dienstag angekommen, wenn ich Runde 4 beendet hätte, da es wirklich viel weniger Flugangebote gibt. Bitte Daumen drücken für die nächsten drei Wochen.“ Der Fokus liegt also voll auf dem Südafrika-Swing. Denn welcher Ort bietet sich besser für das Comeback besser als das Land, in dem die einstige Erfolgsgeschichte begann?


(Sophia Popov, Photo by Mike Comer/Getty Images)

LPGA und PGA Tour

Eine Woche nach der großen Masters-Woche in Augusta steht in den USA wieder der Golf-Alltag auf dem Programm. Die Damen der LPGA Tour hatten drei Wochen spielfrei, um sich körperlich und mental auf den Saisonendspurt vorzubereiten. Immerhin steht in der Vorwoche der Tour Championship (17. bis 20. Dezember) noch das vierte Major-Turnier des Jahres an. Zunächst feiert aber mit der Pelican Women’s Championship in Belleair, Florida, ein neues Event seine Premiere. 1,5 Millionen US-Dollar werden bei diesem Turnier insgesamt ausgeschüttet und neben acht Damen aus den Top Ten der Weltrangliste sind mit Sandra Gal, Sophia Popov und Caroline Masson auch drei Deutsche am Start.


(Bernd Wiesberger, Photo by Patrick Smith/Getty Images)

Bei den Herren der PGA Tour geht es parallel um mehr als das vierfache an Preisgeld. Zwar ist die RSM Classic kein neues Turnier im Kalender der ertragreichsten Golfserie der Welt. An ihre Ansetzung muss man sich jedoch zunächst noch gewöhnen. Denn normalerweise folgt dem Masters das RBC Heritage auf Hilton Head Island. Diese seit 1983 bestehende Tradition muss aber aufgrund der Corona-Pandemie gebrochen werden.

Der Leistungsdichte im Feld tut dies keinen allzu großen Abbruch. Zwar fehlen die großen Namen wie Dustin Johnson oder Jon Rahm. Für das vorletzte Turnier des Jahres haben dann aber doch einige Masters-Teilnehmer die dreistündige Autofahrt in den Süden Georgias auf sich genommen. So auch Bernd Wiesberger, der das Major auf dem 58. Platz abschloss.

Turniere mit deutscher Beteiligung in der Übersicht:

European Tour, Joburg Open: Marcel Siem

LPGA Tour, Pelican Women’s Championship: Sophia Popov, Sandra Gal und Caroline Masson

Ladies European Tour, Saudi Ladies Team International: Sophie Hausmann, Franziska Friedrich, Esther Henseleit, Karolin Lampert, Carolin Kauffmann, Leonie Harm, Sarina Schmidt, Olivia Cowan und Laura Fünfstück

PGA Tour Latinoamérica, LOCALiQ Series Championship: Velten Meyer

Challenge Tour, Challenge Tour Grand Final: Nicolai von Dellingshausen, Allen John, Alexander Knappe, Hurly Long und Marcel Schneider

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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