Tour-Rückblick

Charlie stiehlt die Show

Tiger Woods wird von seinem eigenen Sohn in den Schatten gestellt und auch die LPGA Tour ist endlich in der Weihnachtspause. Der Rückblick aufs Wochenende.

21. Dezember 2020

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PNC Championship

Der Schwung. Das rote Polo. Die Jubelfaust. Wer am Wochenende die PNC Championship in Florida verfolgt hat, könnte gedacht haben, er habe Tiger Woods mit seinem Mini-Me Golfspielen sehen. So sehr erinnerte einen der kleine Charlie an seinen Papa. Für das Vater-Sohn-Gespann natürlich nichts neues. Immerhin gilt Tiger als Mentor seines elfjährigen Sohnes und die beiden standen schon zigmal gemeinsam auf dem Platz. Die Öffentlichkeit machte aber große Augen. Nahezu jede Bewegung von Charlie wurde dokumentiert und kommentiert. Das soziale Netz war voll von Videos und Fotos der beiden Woods. Auf wem der primäre Fokus lag, war jedoch klar. Tiger wurde von seinem Sohn zumindest medial in den Schatten gestellt.

Eine ungewohnte Situation für den 15-maligen Major-Sieger, der eigentlich egal wo er abschlägt, die meisten Kameras anzieht. "Ich erlebe es zum ersten Mal, dass bei einem Turnier, bei dem Tiger Woods mitspielt, nicht er selbst der Star der Show ist", sagte Padraig Harrington, der ebenfalls mit seinem Sohn antrat. "Wir alle gehen über die Range und halten kurz an, um Charlie zuzuschauen. Es ist unglaublich, was er für eine Begeisterung auslöst." Bei all dem Trubel, der um das Woods-Duo herrschte, war aber besonders eine Parallele ganz entscheidend: Auch Charlie trifft die Kugel richtig gut.


(Charlie Woods, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Davon konnte man sich an den beiden Turniertagen überzeugen. Sonst hätten Tiger und Charlie das Familienevent, das im Scramble-Format ausgetragen wurde, nicht auf dem siebten Rang abgeschlossen. Und so bleibt einem aus Fansicht nur die Hoffnung, dass das vielversprechende Talent behutsam aufgebaut wird. Zu schnell wird aus der medialen Begeisterung ein medialer Druck, der sich meist negativ auf die Sportliche Entwicklung eines jungen Golfers auswirkt. Es wäre also wohl nicht schlecht, wenn in den nächsten Jahren eher wieder Tiger derjenige ist, der im Rampenlicht steht.

Bei der PNC Championship stand jedenfalls der Spaß im Vordergrund. Alle 20 Teams hatten über weite Strecken des Turniers ein Grinsen im Gesicht und genossen die familiäre Atmosphäre auf dem Golfplatz so kurz vor Weihnachten. Gerade für die aktiven Golfer eine willkommene Abwechslung und ein schöner Abschluss eines ansonsten turbulenten Jahres. Private Familienduelle wie das von Thomas und Woods sorgten nicht nur bei den Zuschauern an den TV-Geräten für Unterhaltung. "Es war umkämpft, spaßig und unvergesslich", sagte Justin Thomas, der gemeinsam mit seinem Papa Mike antrat. "Wir haben viel gescherzt."


(Mike und Justin Thomas, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Und am Ende werden sich Charlie und Tiger wohl einiges anhören müssen. Denn mit einem Gesamtergebnis von 25 unter Par gewann das Team Thomas das Turnier knapp vor Team Singh (-24). Vor allem die Leistung am Sonntag war beeindruckend. Auf 15 von 18 Löchern des Ritz-Carlton Golf Resorts notierten Justin und Mike Birdies und überflügelten somit die namhafte Konkurrenz.

Zu der zählte auch das Team Langer. Altmeister Bernhard trat mit Tochter Jackie zur Titelverteidigung an, musste sich nach Runden von 63 und 64 Schlägen aber mit dem geteilten zwölften Rang zufriedengeben. Vier Mal gewann Bernhard Langer die PNC Championship bereits, die erstmals 1995 ausgetragen wurde.


(Jackie und Bernhard Langer, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Eigentlich wollte der zweifache Masters-Sieger erneut mit Sohn Jason an den Start gehen. Nach einer Verletzung am Rücken, die er sich beim Tennisspielen zugezogen hat, musste er seine Teilnahme jedoch kurzfristig absagen und so musste Jackie, die vor acht Monaten erst Mutter wurde, einspringen. Die Vater-Tochter-Paarung trat zuletzt bei der 2018er-Ausgabe an. Gewinnen konnten die Langers in dieser Konstellation aber noch nicht.

LPGA Tour

Der Spaß stand beim letzten Turnier der LPGA-Saison nicht wirklich im Vordergrund. Bei der CME Group Tour Championship ging es nämlich um den größten Siegerpreisscheck (1,1 Millionen US-Dollar) im Damengolf. Und den sicherte sich die Nummer eins des Rolex Rankings, Jin Young Ko (-18). Die Südkoreanerin, die in Naples ihr viertes LPGA-Turnier des Jahres spielte, qualifizierte sich erst dank eines zweiten Rangs bei der US Women’s Open in der vergangenen Woche für das Saisonfinale und zementierte damit ihren Status als beste Spielerin der Welt.


(Jin Young Ko, Photo by Michael Reaves/Getty Images)

Ko notierte fünf Birdies auf den letzten sieben Löchern und gewann so mit einem komfortablen Vorsprung von fünf Schlägen. Für die 25-Jährige war es der siebte Titel auf der LPGA Tour. Äußerst ertragreich war obendrein auch noch. Geteilte Zweite im Tiburón Golf Club wurden Hannah Green und Sei Young Kim (-13), die unter anderem dank ihres Sieges bei der Women’s PGA Championship zur Rolex Spielerin des Jahres ausgezeichnet wurde.

Als einzige Deutsche qualifizierte sich Caroline Masson für die Tour Championship. Nach zwei guten Runden zum Auftakt verlor die Gladbeckerin einige Schläge am Wochenende und wurde so immer weiter durchgereicht auf dem Tableau. Mit einem Gesamtergebnis von drei unter Par beendete Masson das Saisonfinale auf dem geteilten 30. Rang. Das Jahr 2020 schloss die einmalige LPGA-Siegerin nach insgesamt zwei Top-Ten-Resultaten auf Platz 33 ab. Wer in der abgelaufenen Saison ein Turnier gewann, könnte theoretisch gleich in Florida bleiben. Denn am 21. Januar steht hier mit dem Tournament of Champions das erste Event der neuen Saison auf dem Programm.


(Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne, Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Sportlerin des Jahres

Für die deutsche Golfwelt stand die Sportlerin des Jahres bereits vor der Wahl fest. Das Komitee, das in diesem Fall aus Sportjournalisten und Mitgliedern des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS) besteht, entschied jedoch anders. Sophia Popov gewann mit der Women’s British Open zwar als erste deutsche Spielerin ein Major-Turnier, musste sich am Ende jedoch mit dem zweiten Rang bei der Wahl zu Deutschlands "Sportlerin des Jahres" begnügen. Geschlagen wurde sie nur von der Leichtathletin Malaika Mihambo. Damit gehen deutsche Golferinnen und Golfer auch bei der 74. "Sportler des Jahres"- Preisverleihung leer aus. Bereits 2010 und 2014 schaffte es Martin Kaymer nur in die Top vier.

Ergebnisse der Deutschen im Überblick:

PNC Championship: Jackie und Bernhard Langer, T12

LPGA Tour, CME Group Tour Championship: Caroline Masson, T30

"Sportlerin des Jahres": Sophia Popov, 2.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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