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Die Besten ihrer Klasse

Verkürzte Saisons, aufgeplusterte Turnierkalender und fehlende Planungssicherheit. Wir geben einen Überblick über die weltweiten Profitouren.

04. Januar 2021

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Anfang März wurde es ernst. Die Corona-Pandemie traf alle Teile der globalisierten Welt und damit auch die professionellen Golftouren. Eine Unterbrechung des Spielbetriebs war unausweichlich. Turniere wurden nach und nach abgesagt. Eine Rückkehr des Profigolfs erschien ungewiss. Schnell mussten Mittel und Wege gefunden werden, wie man die laufende Saison irgendwie retten kann. Je größer die Tour desto wichtiger war die Austrgaung von Events.

Immerhin stecken dort finanzstarke Sponsoren sowie Werbepartner dahinter und auch das TV-Geld muss fließen. Doch wie so häufig: Wo Geld sitzt, dort ist auch ein Weg. Bei der einen Tour wurde dieser früher, bei der anderen später. gefunden Und da man hier schnell man den Überblick verlieren kann, haben wir alles sortiert und kompakt zusammengefasst. Wo wurden Saisonsieger gekürt? Wann wird wieder gespielt? Und wie will man die verlorenen Wochen aufholen? Eine Übersicht:

European Tour

Was Keith Pelley und seine Mannen aus dieser Corona-Saison noch gezaubert haben, fand weltweit Anerkennung. Trotz der viermonatigen Unterbrechung zwischen März und Juli kam man in der vergangenen Spielzeit auf insgesamt 38 Turniere. Im regulär abgelaufenen Vorjahr waren es nur acht Stationen mehr. Hinzukamen die geringen Reisestrapazen, die man als Spieler auf sich nehmen musste. Teilweise konnte mit dem Auto von Turnier zu Turnier gereist werden. Die European Tour kam also gut durch die Krise und fand so am 13. Dezember in Dubai ihren Klassenbesten. Ungewöhnlich spät, finden im Dezember normalerweise bereits die ersten Turniere der neuen Saison statt.


(Lee Westwood und Keith Pelley, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Zwar gewann Matthew Fitzpatrick mit der DP World Tour Championship das Saisonfinale, jedoch war es am Ende Lee Westwood, der mit einem hauchdünnen Vorsprung den Gesamtsieg im Race to Dubai für sich entschied. Für den Engländer war es nach 2000 und 2009 bereits das dritte Mal, dass er die begehrte Harry Vardon Trophy erhielt. Nur drei Spieler schafften dies häufiger: Colin Montgomerie (8), Seve Ballesteros (6) und Peter Oosterhuis (4). Mit Westwood wurde nicht nur jemand zum Spieler des Jahres gekürt, der mit der Abu Dhabi HSBC Championship eines der vier Rolex-Series-Events gewann. Der 47-Jährige setzte sich im Sommer zudem stark für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ein und fungierte im Juli unter anderem als Gastgeber des British Masters. Ein wahres Aushängeschild der European Tour eben, dieser Lee Westwood.

Ausblick: Natürlich hat das Jahr 2020 auch noch Auswirkungen auf die kommende Saison. Der Startschuss erfolgt erst am 21. Januar in den Vereinigten Arabischen Emirate, wo mit der Abu Dhabi HSBC Championship gleich mal eines der höchstdotierten Turniere des Jahres stattfindet. Insgesamt umfasst der Kalender 44 Events, von denen zwei aber noch nicht offiziell verkündet wurden. Der Umfang nähert sich also wieder dem Pensum der "normalen" Jahre an. Neben dem Kalender sind auch die Kategorien und Spielberechtigungen der jeweiligen Profis betroffen. An denen ändert sich nämlich im Vergleich zur Vorsaison ausnahmsweise nichts. Wer also das Race to Dubai 2020 außerhalb der Top 115 abschloss, hat Glück gehabt, und darf auch in diesem Jahr wieder auf der European Tour abschlagen.

Ladies European Tour

Bei den europäischen Damen musste man gar eine fünfmonatige Pause kompensieren. Ein unmögliches Unterfangen, weswegen der Kalender um fast die Hälfte schrumpfte. Zwölf Turniere fanden im vergangenen Jahr nur statt und vier davon gingen an Emily Kristine Pedersen. Als erste Spielerin seit mehr als 30 Jahren gewann die Dänin drei LET-Events in Folge und damit war ihr natürlich auch der Gesamtsieg der Order of Merit nicht zu nehmen. Pedersen hatte am Ende fast drei Mal so viele Punkte gesammelt wie Julia Engstrom, die im Race to Costa del Sol Zweite wurde. Aus Sportlicher Sicht hätte das Corona-Jahr also besser nicht laufen können für die 24-Jährige, die 2015 als LET Rookie des Jahres ausgezeichnet wurde.


(Emily Kristine Pedersen, Photo by Mateo Villalba/Quality Sport Images/Getty Images)

Für die LET, die ohnehin schon seit Jahren mit spitzem Bleistift kalkuliert, war es ein hartes Jahr. Jedoch drang man in neue Gefilde vor, die sich in der Zukunft als äußerst ertragreich erweisen dürften. Denn erstmals fand mit der Saudi Ladies International ein professionelles Damenturnier in Saudi-Arabien statt. Nur bei den zwei großen Events in Schottland wurde mehr Preisgeld ausgeschüttet. Eine weitere von Corona gebeutelte Saison könnte man aber wahrscheinlich nur noch sehr schwer über die Bühne bringen.

Ausblick: Ein im Zuge des sommerlichen UK Swings auf der European Tour co-sanktioniertes Event mit der LPGA Tour und ein neues Turnier in Finnland. Das sind die beiden großen Ankündigungen der vergangenen Monate. Ansonsten wartet man seitens der Ladies European Tour noch auf die Veröffentlichung des finalen Kalenders für 2021. Ein Saisonstart im Januar ist daher nicht unbedingt zu erwarten. Im vergangenen Jahr ging es mit zwei Events in Australien Ende Februar los. Ähnliches Szenario ist auch für diese Saison denkbar. Immerhin ist man in Melbourne auch in der Lage, vom 8. bis 21. Februar die Australian Open im Tennis auszutragen.

PGA Tour

Als erste aller internationalen Golftouren wagte man sich bereits im Juni zurück in den regulären Spielbetrieb und hielt somit den Schaden einigermaßen in Grenzen. Zwar musste man die Open Championship komplett absagen und mit der US Open sowie dem Masters zwei Majors in den Kalender 2020/21 verschieben. Jedoch fand das Saisonfinale in Atlanta nur eine Woche später als ursprünglich geplant statt. Dort wurde Dustin Johnson nach insgesamt drei Saisonsiegen zum FedExCup-Champion 2020 gekürt.


(Dustin Johnson, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Der Übergang in die neue Spielzeit verlief nahtlos. Ohne Pause ging das Mammutprogramm der PGA Tour weiter und schon das zweite Event der neuen Saison war ein Major. Der Kalender 20/21 beinhaltet 52 Events, womit man schon jetzt auf das Niveau von der letzten Saison vor der Pandemie kommt. Nach 13 gespielten Turnieren gleicht das Bild an der Spitze des aktuellen FedExCup dem aus der vergangenen Saison. Masters-Sieger Johnson führt. Auf Rang zwei liegt der Gewinner der US Open 2020, Bryson DeChambeau.

Ausblick: Die PGA Tour scheint auch in diesem Jahr unbeirrt ihren Weg zu gehen. Bereits am 7. Januar steht mit dem Sentry Tournament of Champions das alljährliche Treffen der Turniersieger aus dem Vorjahr auf Hawaii an. Nach zwei Turnieren auf der paradiesischen Pazifikinsel reist man durch Kalifornien und Arizona, ehe Ende Februar das erste WGC der Saison auf dem Programm steht. Zwar fehlen die Zuschauer. Ansonsten fühlt sich hier aber alles so an wie immer.

PGA Tour Champions

Wie man es von den Senioren gewohnt ist, ging man es auf der PGA Tour Champions etwas gemächlicher an als auf der "Main Tour". Erst Ende Juli wurde hier wieder der Spielbetrieb aufgenommen und daher entschied man sich auch dazu, 2020 keinen Saisonsieger zu küren. Stattdessen baute man einen 40 Events umfassenden Kalender 20/21, der quasi zwei Spielzeiten kombiniert. Aus deutscher Sicht etwas schade. Denn hätte man die Saison bereits nach der Charles Schwab Cup Championship 2020 beendet, so wäre es einmal mehr Bernhard Langer gewesen, der sich die Trophäe des Saisonbesten gesichert hätte.


(Bernhard Langer, Photo by Stan Badz/PGA TOUR via Getty Images )

Der Deutsche, der den Charles Schwab Cup schon fünf Mal gewinnen konnte, führte die Saisonwertung zum Jahreswechsel knapp vor Ernie Els an. Von den 15 gespielten Turnieren beendete Langer zwölf in den Top Ten. Mit der Cologuard Classic gewann er eins. Einfach beeindruckend, wie der 63-Jährige Jahr für Jahr konstant seine Leistung auf den Platz bringt. Daran konnte selbst Corona nichts ändern und damit ist Langer auch 2021 der Gejagte.

Ausblick: Zwei Wochen nach der PGA Tour ist dann auch die Ü50-Kategorie auf Hawaii, um das Golfjahr 2021 einzuläuten. Die Mitsubishi Electric Championship ist das erste von insgesamt 25 Turnieren in diesem Jahr, in dem auch zwei neue Turniere Platz finden. Bis zum ersten Major des Jahres vergeht noch etwas Zeit. Erst im Mai steht mit der Regions Tradition das erste von fünf Major-Events auf dem Programm.

LPGA Tour

Als allerletztes fand man auch auf der LPGA Tour einen Abschluss des turbulenten Golfjahres 2020. Vier Tage vor Heiligabend gewann die Weltranglistenerste Jin Young Ko die CME Group Tour Championship und damit auch die Geldrangliste. Und das, obwohl sie im vergangenen Jahr nur vier LPGA-Events spielte. Dem höchsten Siegerpreisscheck (1,1 Millionen US-Dollar) im Damengolf sei Dank. Davor war Ko überwiegend in ihrer Heimat Südkorea aktiv, wo sie den Großteil der Corona-Pandemie verbrachte.


(Jin Young Ko, Photo by Michael Reaves/Getty Images)

Apropos Südkorea. Hinter Ko folgten mit Sei-young Kim und Inbee Park zwei Landsfrauen in der Geldrangliste, wodurch die vergangene LPGA-Tour-Saison fest in südkoreanischer Hand blieb. Die beste US-Amerikanerin war Danielle Kang auf Rang vier. Kang war es auch, die mit der Glenna Collet-Vare Trophy für den niedrigsten Rundenschnitt in der verkürzten Saison ausgezeichnet wurde.

Ausblick: Nach nur 18 Turnieren in der vergangenen Saison wird 2021 wieder auf 34 Events aufgestockt. Ende Januar geht es mit dem Tournament of Champions los. Der offizielle Saisonstart fällt auf den 25. Februar mit der Gainbridge Championship als erstes Event mit vollem Teilnehmerfeld. Ein Weihnachtsfinale wie im vergangenen Jahr wird es diese Saison nicht nochmal geben. Zumindest wenn alles nach Plan läuft. Denn nach diesem ist am 21. November Schluss.

Challenge Tour

Die zweite Riege der europäischen Profitour schleppte sich mehr schlecht als recht durch die Saison 2020. Nach den drei co-sanktionierten Events in Südafrika zu Jahresbeginn ging es erst im Juli in Österreich weiter. Immerhin wurde die Saison mit drei aufeinanderfolgenden Turnieren in Spanien seriös abgeschlossen, jedoch hatten lediglich elf Stationen zur Folge, dass statt der üblichen 15 nur die besten fünf Spieler der Saisonwertung mit einer vollen Tourkarte für die European Tour ausgestattet wurden.


(Richard Mansell, Pep Angles, Ondrej Lieser, Marcel Schneider und Matt Ford v.l., Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Zu denen gehörte auch Marcel Schneider, der nur ein Turnier ausließ und von den restlichen zehn Events drei in den Top Ten abschloss. Zwei Mal wurde er sogar Zweiter. Auf dem gleichen Platz beendete er das Road to Mallorca. Nur Ondrej Lieser war noch besser. Der Tscheche gewann zwei Events in Folge, darunter das Saisonfinale auf Mallorca.

Ausblick: Ähnlich wie bei der Ladies European Tour, lässt man sich auch auf der Challenge Tour noch etwas Zeit mit der Planung. Umso schwieriger für die Profis, ihr Jahr zu kalkulieren. Eins steht jedoch bereits fest. Wie bereits im vergangenen Jahr wird die Saison mit einem Südafrika-Swing eröffnet, der zwischen dem 11. und 28. Februar drei Turniere einschließt.

Korn Ferry Tour

In der zweiten US-amerikanischen Liga wurden im Frühling drei Monate lang kein Golf gespielt und so entschied man sich den gleichen Weg zu gehen wie die PGA Tour Champions. Die Saison 2020 fand keinen offiziellen Abschluss und die Punkte aus der vergangenen Spielzeit wurden mit ins neue Jahr übertragen. Der kombinierte Kalender umfasst damit knapp 50 Turniere, davon fanden 23 bereits statt. Diese Entscheidung hatte auch zur Folge, dass erstmals in der 31-jährigen Geschichte der Tour keine Tourkarten für die erste Liga vergeben wurden. Stattdessen stehen die Profis inmitten einer Marathonsaison, in der irgendwann längst vergessene Putts und Ergebnisse einen Einfluss auf die sportliche Zukunft haben können.


(Will Zalatoris, Photo by Jamie Sabau/Getty Images)

Aus deutscher Sicht kommt einem das Fortsetzen der Saison nicht entgegen. Immerhin konnte Stephan Jäger mit der Albertsons Boise Open ein Turnier gewinnen und hätte daher eigentlich eine der 25 Tourkarten sicher gehabt. Als Achtplatzierter der Saisonwertung rangiert der 31-Jährige aber immer noch in einer aussichtsreichen Position. Nach zehn Top-Ten-Ergebnissen im vergangenen Jahr wurde Will Zalatoris bereits mit einer temporären Spielberechtigung für die PGA Tour ausgestattet. Diese wusste er auch zu nutzen und spielte bereits drei Top-Ten-Resultate ein. Darunter einen geteilten sechsten Rang bei der US Open. Der US-Amerikaner führt zwar auch die Order of Merit der Korn Ferry Tour an, ist aber wohl auf diesen Umweg nicht mehr angewiesen.

Ausblick: Das letzte Turnier des Jahres 2020 fand bereits im Oktober statt. Kehrt die Tour wie geplant am 18. Februar in Florida zurück, hatte man entspannte vier Monate Pause. Mehr als zur Corona-Hochphase. Mit mehreren aufeinanderfolgenden Turnieren geht es sogar erst im März los. Das Saisonfinale ist auf Anfang September angesetzt und damit wäre man dann wieder im gewohnten Rhythmus.

Pro Golf Tour

Die in Deutschland beheimatete Satellite Tour kann ein durchaus positives Corona-Fazit ziehen: 13 von ursprünglich 20 geplanten Turnieren wurden ausgetragen und somit konnte man auch drei Aufsteiger auf die Challenge Tour küren. Die meisten Punkte sammelte Thomas Rosenmüller, der dank drei Siegen mehr als 28.000 Euro Preisgeld einnahm. Vor allem nach der viermonatigen Pause blühte der 23-Jährige auf. Dabei reicht ein Blick auf Rosenmüllers letzten vier Ergebnisse der Saison: T2, 1., 1., T3.


(Thomas Rosenmüller, Photo by Pro Golf Tour)

Ausblick: Der Saisonbeginn ist für April angesetzt. Das Tour-Finale für Oktober. Ein vollständiger Kalender wird noch gebastelt. Jedoch will man erneut mit 20 Turnieren planen. Das holprige vergangene Jahr hat gezeigt, dass die Pro Golf Tour eine gefestigte Institution im deutschen Golfsport ist und so wird sie auch im ersten Jahr nach dem großen Corona-Schlag ihren Weg gehen.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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