Tour-Rückblick

Tiger-Tribut und Popov-Power

Beim ersten WGC des Jahres trägt man rot und Sophia Popov macht dort weiter, wo sie vergangenes Jahr aufgehört hat. Der Rückblick aufs Wochenende.

01. März 2021

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Eine Legende würdigt bei ihrem Comeback nach mehr als einem Jahrzehnt Pause eine andere Legende, die am Dienstag schwer verunglückte. Und damit war sie nicht allein. Das letzte Tour-Wochenende des Monats Februar bot jede Menge emotionale Momente. Aber auch erfreuliche deutsche Ergebnisse. Wir fassen zusammen.

World Golf Championships

Trotz der Bedeutung des erstens WGCs des Jahres, wurde am Wochenende deutlich, welches Thema aktuell vieles überschattet: Der Unfall einer Golflegende, die diesen Sport in den vergangenen zwei Jahrzehnten so sehr prägte wie kein Zweiter. Tiger Woods befindet sich seit Dienstag im Krankenhaus und gab der Öffentlichkeit bislang nur via seines Managements Updates zu seinem Gesundheitszustand nach dem schweren Autounfall in Los Angeles. Am Sonntag gab es aber Anlass, sich nun doch erstmals persönlich an seine Twitter-Follower zu wenden.


(Rory McIlroy, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Denn am Finaltag der WGC-Workday Championship in Florida war Tigers Aura omnipräsent. Mit einer Aktion würdigten viele Spieler den 15-fachen Major-Sieger, indem sie sich so kleideten, wie es ihr großes Vorbild traditionell am Sonntag eines Turniers tut. So trugen unter anderem Tommy Fleetwood, Justin Thomas, Jason Day oder auch Rory McIlroy das ikonische rote Polo zur schwarzen Hose. Tony Finau setzte dem Tribut die Krone auf, als er mit umgedrehter Kappe auf die Anlage des Concession Golf Clubs kam.

"Damit wollte einfach jeder zeigen, was er [Tiger] uns bedeutet", sagte McIlroy über die Aktion. "Ich denke, dass wenn es keinen Tiger Woods gäbe, dann wäre die Tour und der gesamte Golfsport in einer schlechteren Position." Eine Nachricht, die offensichtlich beim Empfänger ankam. Denn Woods meldete sich noch am Abend zu Wort: "Es ist schwer zu beschreiben, wie gerührt ich heute war, als ich den Fernseher anschaltete und überall die roten Shirts sah. An jeden Golfer und Fan: Ihr helft mir wirklich sehr in dieser harten Zeit."


(Collin Morikawa, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Einen sportlichen Tribut in Form des Titelgewinns zollte Collin Morikawa, der als erster Spieler seit Woods vor dem 25. Lebensjahr bereits ein Major sowie ein WGC gewinnen konnte. Das anschließende Sieger-Interview fügte sich perfekt in das beherrschende Thema des Finaltags ein und ließ Morikawa, der vor einem Monat seinen Großvater verlor, etwas emotional werden: "Tiger bedeutet mir alles. Er hatte den Unfall und hoffentlich geht es ihm gut und er erholt sich schnell. Aber ich denke, wir sagen ihm nicht oft genug Danke. Deswegen an dieser Stelle: Danke, Tiger Woods. Manchmal verlieren wir Menschen zu früh." 2020 triumphierte der 24-Jährige bei der PGA Championship, die erst sein zweiter Major-Start überhaupt war.

Zwar erinnerte Morikawa optisch nicht an sein Idol, da ihn sein bestelltes rot-schwarze Outfit nie erreichte, jedoch präsentierte er sich golferisch in Tiger-Manier. Mit einer 69 (-3) verteidigte der US-Amerikaner die Führung, die er nach einem Bogey zu Beginn seiner Runde zwischenzeitlich mit Billy Horschel teilen musste. Vier Birdies zwischen den Löchern 5 und 12 stellten jedoch ein komfortables Polster her und so gewann Morikawa letzten Endes mit einem Gesamtergebnis von 18 unter Par und drei Schlägen Vorsprung auf die namhafte Konkurrenz.

Geteilte Zweite wurden Viktor Hovland, Brooks Koepka und Horschel, der nach zwei Bogeys auf den Back Nine den Kontakt zu seinem Landsmann verlor. McIlroy beendete das Turnier auf dem geteilten sechsten Platz mit Louis Oosthuizen und Webb Simpson. Der Weltranglistenerste Dustin Johnson fiel nach einer 78 (+7) am Finaltag auf den geteilten 54. Rang zurück. Das war sein erstes Ergebnis außerhalb der Top 12 seit Juli vergangenen Jahres.

LPGA Tour


(Annika Sörenstam, Photo by Ken Murray/Icon Sportswire via Getty Images)

Bei der Gainbridge LPGA in Orlando entdeckte man am Finaltag ebenfalls rote Polos. So schloss sich unter anderem Annika Sörenstam bei ihrem Comeback nach 13-jähriger Pause der Aktion an, nachdem sie am Freitag sensationell den Cut schaffte. Die 50-Jährige, die in ihrer Karriere zehn Major-Titel feierte, erhielt am Donnerstag noch eine Strafe aufgrund einer fehlerhaften Information eines Regelhüters, antwortete an Tag zwei aber mit einer starken 71 (-1) und landete somit punktgenau auf der Cut-Marke. Wer glaubt, Sörenstam nun wieder häufiger auf der LPGA Tour abschlagen zu sehen, wird enttäuscht. Als Besitzerin eines Hauses am 16. Loch des Kurses von Lake Nona, wird der Auftritt bei ihrem Heimspiel in Orlando eine Ausnahme bleiben.

Deutsche Golffans dürfen sich dafür wohl noch auf einige starke Vorstellungen der ersten deutschen Major-Siegerin aller Zeiten freuen. Denn Sophia Popov scheint in diesem Jahr daran anzuknüpfen, wo sie vergangene Saison aufhörte. Beim erst zweiten LPGA-Event des Jahres erreichte die British-Open-Siegerin erneut die Top Ten und rangiert damit aktuell auf dem siebten Platz in der Saisonwertung. Popov unterzeichnete bei der Gainbridge LPGA vier 70er-Runden in Folge und beendete das Turnier bei acht unter Par. 21 Schläge vor Sörenstam, die den letzten Platz belegte.

Popov erhielt für den geteilten achten Rang knapp 39.000 US-Dollar Preisgeld. Zudem war es ihr zehnter Cut in Folge. Die 28-Jährige ist von der LPGA Tour nicht mehr wegzudenken und kann in dieser Form mit Sicherheit noch um den ein oder anderen Titel mitspielen.


(Familie Korda, Photo by Julio Aguilar/Getty Images)

Bislang gleicht die neue LPGA-Saison gleicht einer Familienangelegenheit. Nachdem Jessica Korda die Saisoneröffnung für sich entschied, konnte dieses Mal Schwester Nelly den Titel holen. Die jüngere Tochter des ehemaligen Tennisstars Petr Korda setzte sich bereits am Samstag an die Spitze des Leaderboards und ließ mit einer 69 (-3) in der Finalrunde nichts mehr anbrennen. Mit einem Gesamtergebnis von 16 unter Par hatte sie am Ende drei Schläge Vorsprung auf Lexi Thompson und Lydia Ko.

PGA Tour Champions


(Alex Cejka, Photo by Carmen Mandato/Getty Images)

Es sah zunächst richtig gut aus für Alex Cejka bei seinem Champions-Debüt. Dank eines starken Monday Qualifiers rückte der 50-Jährige ins Feld der Cologuard Classic in Tucson, Arizona. Anlaufschwierigkeiten auf der neuen Tour waren zumindest an den ersten beiden Tagen nicht zu erkennen. Cejka ging als geteilter 15. in den Sonntag und hatte nur einen Schlag Rückstand auf Landsmann Bernhard Langer. Eine 78 (+5) in der Finalrunde trübte die Anfangseuphorie jedoch und so wurde es lediglich Rang 38. Mit nur einem Sieg auf der PGA Tour ist Cejka auf Einladungen oder eben erfolgreiche Qualifikationsrunden angewiesen, um in ein elitäres Champions-Feld zu rücken.

Darüber muss sich Langer selbstverständlich keine Gedanken machen. Woche für Woche schlägt der 63-Jährige auf der legendären Seniorentour ab und auch bei der Cologuard Classic erzielte er erneut ein Top-Ergebnis. Auch wenn die Finalrunde mit 73 Schlägen eher durchwachsen verlief, wurde Langer geteilter 14. mit Ernie Els und Kenny Perry. Phil Mickelson holte zwar nicht seinen dritten Titel beim dritten Turnier, nahm dafür aber ebenfalls am Tiger-Tribut teil. Wie das zustande kam, erzählte er im Anschluss an seine Finalrunde selbst:

Den Titel holte sich Kevin Sutherland dank zwei Birdies auf den letzten drei Löchern. Für den US-Amerikaner war es der zweite Sieg in dieser Saison, die sich ausnahmsweise über zwei Jahre streckt. Bereits bei der Charles Schwab Cup Championship im November war Sutherland erfolgreich. Das nächste Turnier der PGA Tour Champions findet erst Mitte April in Florida statt.

Die Ergebnisse der Deutschen:

LPGA Tour, Gainbridge LPGA: Sophia Popov T8, Caroline Masson T44 & Sandra Gal CUT

PGA Tour Champions, Cologuard Classic: Bernhard Langer T14 & Alex Cejka T38

PGA Tour, Puerto Rico Open: Stephan Jäger T58

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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