Tour-Rückblick

Allen Widerständen zum Trotz

Justin Thomas beendet eine Serie an Negativerlebnissen und in Katar fällt ein Monster-Putt zum Sieg. Der Rückblick aufs Wochenende.

15. März 2021

Artikel teilen:

Er hat es wieder getan. Der Stadium Course des TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach, Florida, bot einmal mehr die perfekte Szenerie für einen spannenden Titelkampf. Immerhin: Bei der Players Championship ging es um insgesamt 15 Millionen US-Dollar. 2,7 davon wanderten an den Sieger. Doch für den ist dieses Preisgeld nicht mal eine Randnotiz. Zu viele Dinge sind ihm in den vergangenen Monaten widerfahren, als dass der monetäre Lohn für seine harte Arbeit im Vordergrund stehen könnte. Weniger emotional, aber dafür etwas spektakulärer ging das Qatar Masters zu Ende. Spoiler: Putt aus 18 Metern.

PGA Tour

Aufmerksamen Zuschauern wird nicht erst bei der Players Championship das Fehlen seines langjährigen Sponsors aufgefallen sein. Nach einem verbalen Ausrutscher beim Tournament of Champions im Januar trennte man sich seitens des Klamottenherstellers Polo von Justin Thomas als Markenbotschafter. Eine Serie von Tiefschlägen in der noch jungen Karriere des 27-Jährigen nahm ihren Lauf.


(Paul und Justin Thomas, Photo by Stan Badz/PGA TOUR)

Einen Monat nach dem homophoben Fluch auf Hawaii verstarb Thomas‘ Großvater und Vorbild Paul. Ein Verlust, der bei allen Mitgliedern der Familie und insbesondere bei Justin ein tiefes Loch hinterließ. Ende Februar verunglückte zu allem Überfluss noch Tiger Woods bei einem schweren Autounfall. Der 15-fache Major-Sieger gilt für Thomas - wie für so viele seiner Generation - als Inspiration und Held der Kindheit. Beide pflegen ein sehr enges Verhältnis zueinander, weswegen der Unfall umso schwerer wog für den Mann, der in diesem Jahr schon einiges hat verkraften müssen.

Umso erstaunlicher, wie mental stabil sich Thomas am Finaltag der Players Championship präsentierte. Mit drei Schlägen Rückstand auf den Engländer Lee Westwood ging es für den PGA-Champion aus 2017 in die vierte Runde. Bei nahezu optimalen Bedingungen auf dem TPC Sawgrass schaltete Thomas zur Halbzeit einen Gang hoch und spielte die Löcher 9 bis 12 in fünf unter Par. Diese Serie war Grundlage für den 14. PGA-Tour-Sieg seiner Karriere, die im Jahr 2017 ihren bisherigen Höhepunkt erfuhr, als "JT" neben seinem ersten Major auch den FedExCup gewann.


(Justin Thomas mit der Players-Trophäe, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Am Sonntag war also der nächste große Titel an der Reihe. Dank zwei abschließenden Pars auf der ikonischen 17 und dem anspruchsvollen Schlussloch kam Thomas mit einer 68 (-4) ins Clubhaus und hielt damit den 20 Jahre älteren Westwood auf Abstand. Zu keinem Zeitpunkt der Finalrunde schienen dem US-Amerikaner die vergangenen Monate zu Kopf gestiegen zu sein. Erst im Siegerinterview konnte Thomas seine Emotionen nicht mehr zurückhalten und brach, auf den Tod seines Großvaters angesprochen, in Tränen aus. Wer mag es ihm verdenken. Paul wäre mehr als stolz gewesen auf seinen Enkel.

Westwood musste sich dagegen die zweite Woche in Folge einem seiner jüngeren Kollegen knapp geschlagen geben. Nachdem er beim Arnold Palmer Invitational Bryson DeChambeau zum Sieg gratulierte, verspielte er dieses Mal seine Chance auf den Titel auf dem Inselgrün der 17. Der Drei-Putt war am Ende ein Schlag zu viel und damit wartet Westwood weiterhin auf seinen ersten PGA-Tour-Titel seit der St. Jude Classic 2010. Trotz alledem kann man nur den Hut davor ziehen, in welch einer starken Form sich der 47-Jährige aktuell präsentiert. Sollte Westwood diesen Lauf fortsetzen, wird es vielleicht doch noch was mit dem ersten Major-Titel seiner Karriere. Die nächste Chance bietet sich beim Masters in drei Wochen.


(Bryson DeChambeau und Lee Westwood, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

Dort wird dann mit Sicherheit auch wieder DeChambeau ein Wörtchen mitreden wollen. Gemeinsam mit Westwood in der Finalgruppe unterwegs, fehlte ihm am Sonntag die nötige Präzision auf den Grüns, um seinen zweiten Titel in Folge zu holen. DeChambeau beendete die Players Championship bei zwölf unter Par zwei Schläge hinter dem Sieger Thomas. Gleiches galt für Brian Harman der sich den dritten Platz mit seinem Landsmann teilte. Die beiden Österreicher Sepp Straka und Bernd Wiesberger verpassten den Cut.

European Tour


(Antoine Rozner nach seinem Birdie-Putt auf der 18, Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Schlaggleich mit dem bereits im Clubhaus sitzenden Guido Migliozzi stand Antoine Rozner über seinem Birdie-Putt an der 18. Bahn des Education City Golf Clubs in Doha. Hätte man ihm zu diesem Zeitpunkt den Einzug ins Stechen mit dem Italiener angeboten, hätte der Franzose dies vermutlich blind unterschrieben. Immerhin hatte Rozner noch mehr als 18 Meter vor sich. Doch 27-Jährige las das Doppel-Break perfekt und spielte seinen Ball mit der idealen Geschwindigkeit Mitte Loch. "Der beste Putt" seines Lebens beförderte Rozner auf ein Gesamtergebnis von acht unter Par. Genug, um sich beim Qatar Masters seinen zweiten European-Tour-Titel in nur drei Monaten zu sichern.

"Ein Turnier zu gewinnen, ist ohnehin schon das beste Gefühl auf der Welt", so Rozner, der sich dank dieses Erfolgs unter die Top 70 der Weltrangliste verbesserte. "Es dann auch noch mit solch einem großen Putt auf der letzten Bahn zu machen; davon habe ich nicht mal geträumt. Das war verrückt." Für den Gewinner der Golf in Dubai Championship 2020 war es erst das 29 Event auf der European Tour, nachdem er sich 2019 über die Challenge Tour für die erste Liga qualifizierte. Migliozzi musste sich am Ende den zweiten Platz teilen mit Darren Fichardt und Gaganjeet Bhullar.


(Maximilian Kieffer beim Qatar Masters, Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Aus deutscher Sicht verlief das Qatar Masters eher durchwachsen. Von den drei deutschen Teilnehmern schaffte nur Maximilian Kieffer den Cut. Mit einem Gesamtergebnis von fünf über Par wurde er geteilter 50. und erhielt somit immerhin noch einen Preisscheck in Höhe von mehr als 5.000 Euro. Für Bernd Ritthammer und Sebastian Heisele war bereits nach zwei Runden Schluss. Matthias Schwab, der einzige Vertreter aus Österreich, wurde 71. und damit Vorletzter. Die nächste Chance auf Besserung bietet sich bereits in der kommenden Woche. Mit der Kenya Open steht das erste von zwei Turnieren in Kenia auf dem Programm.

Die Ergebnisse der Deutschen:

European Tour, Qatar Masters: Maximilian Kieffer T50, Sebastian Heisele & Bernd Ritthammer CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel