Tour-Rückblick

Nächster Sieg: Jäger erstklassig

Stephan Jäger feiert in Florida seinen zweiten Saisonsieg und Jordan Spieth ist zurück. Der Rückblick aufs Wochenende.

05. April 2021

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Ein aus deutscher Sicht ereignisreiches Wochenende liegt hinter uns. Auf der Korn Ferry Tour gab es einen schwarz-rot-goldenen Titelgewinn, bei den Amateurinnen in Augusta strahlten zwei Teenager, obwohl sie das Finale verpassten. Zudem wurde das erste LPGA-Major des Jahres ausgespielt und auf der PGA Tour feierte eine ehemalige Nummer eins ihr lang ersehntes Comeback. Der Rückblick.

Korn Ferry Tour

Man kann ihn inzwischen als einen absoluten Veteranen der Korn Ferry Tour bezeichnen. Stephan Jäger feierte bei der Emerald Coast Classic seinen sechsten Titel auf der Ausbildungstour der PGA Tour und ist damit nur noch ein Sieg vom Rekordsieger auf der Korn Ferry Tour, Jason Gore, entfernt. Für den gebürtigen Münchener war es zudem der zweite Erfolg in dieser Saison. Bei dem mit 600.000 US-Dollar dotierten Event im Raven GC in Destin, Florida, musste Jäger in die Verlängerung, nachdem der US-Amerikaner David Lipsky mit zwei Birdies zum Abschluss noch gleichzog. Jedoch wurde das Playoff bereits am ersten Extraloch entschieden. Ein Par reichte dem Deutschen, um sich den Siegerscheck in Höhe von 108.000 US-Dollar zu sichern.


(Stephan Jäger, Photo by Douglas P. DeFelice/Getty Images)

Jäger schob sich dank zwei 66er Runden am Wochenende sukzessive nach vorne und beendete das Turnier bei einem Gesamtergebnis von 14 unter Par. Mit diesem Erfolg verbesserte er sich auf den zweiten Rang in der Saisonwertung, womit er schon jetzt sicher für die kommende Spielzeit auf der PGA Tour qualifiziert ist. Sollte Jäger in dieser Saison einen weiteren Titel holen, wird man ihn sogar schon früher bei den großen Events abschlagen sehen. Vielleicht auch bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio, die er, wie er im Interview nach dem Turnier verriet, ins Auge fasst: "Ich habe in der Vergangenheit immer wieder mit dem deutschen Team gesprochen. Es wäre cool, Deutschland zu repräsentieren. Und wie oft kann man schon von sich behaupten, an Olympia teilgenommen zu haben."

Geplant ist ebenfalls ein Start bei der BMW International Open Ende Juni, wenn die European Tour in den Golfclub München Eichenried zurückkehrt, nachdem das Event im vergangenen Jahr abgesagt werden musste. Jäger versucht seit jeher das Event in seiner Heimat in seinen üppig gefüllten Kalender einzubauen. Die komfortable Position, in die er sich nun mit dem Sieg in Florida brachte, sollte die Chancen auf einen Start in Deutschland deutlich erhöhen.

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PGA Tour


(Jordan Spieth, Photo by Steve Dykes/Getty Images)

Pünktlich zum anstehenden Masters meldete sich Jordan Spieth mit seinem ersten Sieg seit der Open Championship 2017 zurück. Nachdem der Texaner bereits in den vergangenen Wochen zahlreiche Führungen aus der Hand gab, reichte es ausgerechnet bei seinem Heimturnier, der Valero Texas Open in San Antonio, endlich mal wieder zu einem Titelgewinn. Mit einem Gesamtergebnis von 18 unter Par siegte Spieth mit zwei Schlägen Vorsprung auf Charley Hoffman, der seinerseits bei der Texas Open 2016 seinen letzten Titel feierte.

1.351 Tage wartete Spieth nun auf PGA-Tour-Sieg Nummer zwölf, von denen er drei bei Major-Events holte - unter anderem beim Masters 2015. Der Erfolg in Augusta war der Grundstein für ein unglaubliches Jahr, in dem der damals 22-jährige Shootingstar fünf Turniere gewann und als zweitjüngster Spieler aller Zeiten die Nummer eins der Welt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wäre eine solch lange Durststrecke, wie sie Spieth die vergangenen knapp vier Jahre durchmachen musste, nicht denkbar gewesen. Den erfolgreichsten Golfer seit Tiger Woods plagten jedoch Schwungprobleme und so zweifelte er phasenweise sogar daran, jemals wieder eine Trophäe in den Händen zu halten.


(Jordan Spieth, Photo by Steve Dykes/Getty Images)

Diese Zweifel kann er nun beiseiteschieben. "Dies ist ein Riesensieg für mich", so ein sichtlich erleichterter Spieth nach einer 66 (-6) am Finaltag. "Ich habe mich richtig leicht gefühlt, wollte mit einem Lächeln rausgehen und einfach Spaßhaben." Genau diese Lockerheit fehlte ihm zuletzt. Mit diesem Erfolg im Rücken muss man Spieth auch in Augusta wieder auf dem Schirm haben. Immerhin bewies er bereits, wie gut ihm dieser Platz liegt. Auch wenn die Bilder von Spieth im grünen Jackett schon sechs Jahre zurückliegen. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass er erst 27 Jahre alt ist. Einem zweiten Durchbruch auf der Tour steht nichts im Weg.

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Augusta National Women’s Amateur

Auch wenn sich weder Paula Schulz-Hanßen noch Paula Kirner für die Finalrunde im Augusta National Golf Club qualifizieren konnte. Die beiden deutschen Amateurinnen werden das Augusta National Women’s Amateur vermutlich für immer in guter Erinnerung behalten. Denn trotz verpassten Cuts durften sie eine Runde über den Masters-Platz, den sie sonst nur aus dem Fernseher kennen, drehen. Eine Gelegenheit, die man selbst als eine international erfolgreiche Golferin nur selten erhält. "Ich habe das Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht herausbekommen", sagte die 19-jährige Kirner vom Frankfurter GC Golf.de.


(Tsubasa Kajitani, Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)

Den Titel bei der zweiten Ausgabe des prestigeträchtigen Events spielten die besten 30 Spielerinnen nach 36 Löchern unter sich aus. Als Führende in die Finalrunde ging die derzeit beste Amateurin der Welt, Rose Zhang. Die 17-jährige US-Amerikanerin konnte ihre Spitzenposition jedoch nicht verteidigen und wurde nach einer 75 (+3) geteilte Dritte. Die Titelentscheidung fiel in einem Stechen zwischen Tsubasa Kajitani und Emilia Migliaccio, die nach drei Tagen bei einem Gesamtergebnis von eins über Par Platz eins teilten. Die Japanerin Kajitani, die Nummer 26 des World Amateur Golf Ranking, entschied das Playoff mit einem Par auf dem ersten Extraloch für sich und machte sich damit auch erstmals außerhalb ihrer Heimat einen Namen. "Als ich in die USA kam, habe ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, ein Turnier zu gewinnen", erklärte Kajitani an der Seite ihres Übersetzers.

Beinahe hätte es auch die Österreicherin Emma Spitz ins Stechen geschafft. Nach zwei abschließenden Bogeys fehlte der 20-Jährigen jedoch am Ende ein Schlag auf das Spitzenduo. Trotzdem wird die Wienerin jede Menge Selbstvertrauen aus der Woche in Augusta mitgenommen haben. Die zweite österreichische Amateurin, Isabella Holpfer, verpasste die Finalrunde deutlich.

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LPGA Tour


(Aline Krauter, Photo by Michael Owens/Michael Owens)

Nicht nur in Augusta spielte der deutsche AmateurSport eine Rolle. Auch beim ersten Major des Jahres stand eine angehende Proette mit deutscher Herkunft auf dem Platz. Aline Krauter war sogar die einzige Amateurin in dem exzellent besetzten Feld und machte ihre Sache dafür ganz ordentlich. Bei ihrem Major-Debüt fehlten der Stuttgarterin zwar zwei Schläge zum Erreichen des Wochenendes. Ihre Entscheidung, lieber in Mission Hills als in Augusta abzuschlagen, wird die amtierende Siegerin der British Women’s Amateur Open trotzdem nicht bereut haben. Immerhin konnte sich Krauter so schon einmal ein Bild von der großen Profibühne machen.

Dort ist Sophia Popov seit ihrem Erfolg bei der British Open im vergangenen Jahr längst angekommen. Und bei der ANA Inspiration sah es lange so aus, als könnte sie erneut bei einem Major vorne mitspielen. Jedoch verspielte die 28-Jährige ihre gute Ausgangsposition mit zwei Wochenendrunden über Par. Am Sonntag reichte es sogar nur zu einer 78 (+6), mit der sie von Rang 17 bis auf den geteilten 60. Platz (+2) durchgereicht wurde. Wie sie später auf Instagram mitteilte, plagten sie starke Bauchschmerzen, von denen sie sich nun erholen müsste. Trotz dieses enttäuschenden Endes bleibt Popov auch nach dem ersten Major des Jahres in den Top 25 der Saisonwertung.

Caroline Masson beendete die ANA Inspiration einen Schlag hinter ihrer Landsfrau auf dem geteilten 63. Rang. Auch wenn die erfahrene Gladbeckerin nicht sonderlich zufrieden sein wird mit ihrer sportlichen Leistung in Rancho Mirage, Kalifornien, kann sie wenigstens auf jede Menge Birdies zurückblicken, von denen jedes Einzelne der Hilfsorganisation "Kinderlachen" zugutekommt. Verringert Masson jetzt noch die Ausrutscher - am Sonntag notierte sie ein Doppel- sowie ein Triple-Bogey - dann hat auch sie bald wieder mehr lachen zu lachen auf dem Platz.

Das breiteste Grinsen im Mission Hills Country Club hatte definitiv die Thailänderin Patty Tavatanakit. Die 21-Jährige hatte bis zur vergangenen Woche drei Top Tens in ihrer LPGA-Karriere, präsentierte sich aber am Finaltag wie ein alter Hase auf der Tour. Mit einer fehlerfreien 68 (-4) hielt sie die Konkurrenz auf Abstand und gewann mit zwei Schlägen Vorsprung auf Lydia Ko und sieben Zählern Vorsprung auf die geteilten Dritten. Ko stellte mit ihrer 62er Finalrunde sogar die beste je gespielte Runde bei einer ANA Inspiration ein.

Tavatanakit erspielte sich aber an den ersten drei Tagen ein Polster, das groß genug war, um sich den ersten Titel auf der LPGA Tour zu sichern. Auf der Symetra Tour war sie dagegen bereits drei Mal erfolgreich, nachdem sie 2019 ins Profilager wechselte.

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Die Ergebnisse der Deutschen:?

  • Augusta National Women's Amateur: Paula Schulz-Hanßen und Paula Kirner CUT
  • Korn Ferry Tour, Emerald Coast Classic: Stephan Jäger SIEG und Alex Cejka CUT
  • LPGA Tour, ANA Inspiration: Sophia Popov T60, Caroline Masson T63 und Aline Krauter CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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