Masters

Japans Golfsonne geht auf

Hideki Matsuyama gewinnt das Masters Tournament und ist damit Japans erster männlicher Major-Sieger.

12. April 2021

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2011 betrat Hideki Matsuyama im Alter von 19 Jahren erstmals die große Golfbühne. Als amtierender Asia-Pacific-Champion erhielt er einen Startplatz in Augusta und schaffte als einziger Amateur den Cut beim Masters Tournament. Folglich wurde dem Japaner der Silver Cup für den "Low Amateur" übergeben. Zu diesem Zeitpunkt war Matsuyama noch weit weg von der PGA Tour und sammelte stattdessen in seiner Heimat die entsprechende Wettkampfpraxis, um 2013 ins Profilager zu wechseln. Nur kurz darauf wagte er sich ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten und qualifizierte sich dank starker Ergebnisse in den USA für die PGA Tour. Seitdem ist Matsuyama, der beim Memorial 2014 seinen ersten PGA-Tour-Titel feierte, nicht mehr aus der Weltspitze wegzudenken.

Trotz zahlreicher Erfolge, darunter zwei WGC-Siege, sowie einem zwischenzeitlichen zweiten Rang in der offiziellen Weltrangliste, war es nie so wirklich laut geworden um den so schüchtern wirkenden Matsuyama. Er ist keiner der schillernden Persönlichkeiten, die auch durch ihr Auftreten abseits des Platzes auffallen. Bezeichnend, dass die Öffentlichkeit erst sechs Monate nach seiner Hochzeit von seiner Frau Mei und einen Monat nach der Geburt seines ersten Kindes von eben jenem erfuhren. Der mittlerweile in Florida lebende Matsuyama trennt Privates von Beruflichem wie kaum ein anderer auf diesem hohen Niveau. Einzig allein die Leistungen auf dem Platz sind das, mit dem man den inzwischen 29-Jährigen in Verbindung bringt.


(Hideki Matsuyama mit Caddie Shota Hayafuji, Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)

Dass allein dies ausreichen kann, um bei einem Major im Mittelpunkt zu stehen, bewies Matsuyama beim 85. Masters. Nach einer überragenden 65 (-7) in Runde drei, lag die Konkurrenz schon vier Schläge zurück. Doch wenn irgendwo ein Polster nicht groß genug sein kann, dann am Finaltag in Augusta. Hier wurden schon etliche bereits sicher geglaubte Siege aus den Händen gegeben. Zu anspruchsvoll spielt sich der Par-72-Kurs des Augusta National GC. Die Drucksituation, am Ende des Tages als Träger des grünen Jacketts vor dutzenden von Kameras zu stehen, tut ihr übriges. Matsuyama schien von all diesen Umständen wenig beeindruckt.

Zwar startete der Führende nach drei Tagen mit einem Bogey in die Finalrunde, woraufhin sein Vorsprung kurzzeitig auf einen Schlag schmolz, jedoch überzeugte er über weite Strecken des Sonntages mit präzisen Eisenschlägen und jeder Menge Gefühl um die Grüns. Drei Birdies spielte Matsuyama auf den vorderen Neun und so konnte er auch Bogeys Nummer zwei, drei und vier relativ problemlos wegstecken. Als der US-Amerikaner Xander Schauffele nämlich zu einem späteren Zeitpunkt auf zwei Schläge heranrückte, jagte dieser seinen Abschlag auf der 16 ins Wasser und kassierte das Doppel-Par. Matsuyama profitierte also auch davon, dass niemand seiner Verfolger zu einer wirklichen Aufholjagd startete.


(Xander Schauffele gratuliert Hideki Matsuyama, Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)

Einzig der Low Amateur von 2011 schien seine Nerven beim diesjährigen Masters im Griff zu haben und so feierten die Japaner ihren ersten männlichen Major-Sieger aller Zeiten, nachdem man bereits bei den Damen zwei Siege einfahren konnte. Daran änderte auch ein abschließendes Bogey nichts mehr. Matsuyama rettete einen Schlag Vorsprung ins Ziel und war damit nur eine Woche nach Landsfrau Tsubasa Kajitani, die das Augusta National Women’s Amateur gewann, die zweite japanische Sonne, die an diesem geschichtsträchtigen Ort aufging. Sein Gesamtscore von zehn unter Par war das höchste Siegerergebnis beim Masters seit Sergio Garcias Titelgewinn 2017 (-9). Für Matsuyama, der dank dieses Erfolges um mehr als zwei Millionen US-Dollar reicher ist, war es zudem der erste PGA-Tour-Titel seit dem WGC-Bridgestone Invitational 2017.

Zehn Jahre nach seinem Masters-Debüt schrieb Matsuyama nun also sein zweites Kapitel in Augusta. Nicht nur für ihn persönlich, sondern für ein ganzes Land ist es der größte Golfmoment aller Zeiten. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist dem Masters-Sieger 2021 spätestens jetzt gewiss. Und auch wenn Matsuyama vermutlich nie ein Mann der großen Worte sein wird, wie das kurze Interview bei der Übergabe des Green Jackets zeigte - solange er durch seine Leistungen auf dem Platz für Schlagzeilen sorgt, wird das dem bescheidenen Japaner mehr als recht sein.

Das fast perfekte Masters-Debüt


(Will Zalatoris, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

In seiner ersten Saison auf der PGA Tour feierte Will Zalatoris sein Masters-Debüt. Und besser hätte es (fast) nicht laufen können. Der 24-Jährige, der 2018 Profi wurde, spielte erst sein drittes Major überhaupt und setzte den Führenden Matsuyama früh unter Druck. Dank zwei Birdies zum Auftakt seiner Finalrunde rückte Zalatoris zwischenzeitlich auf einen Schlag heran, kassierte aber postwendend auf der Drei das Bogey und musste so den Japaner wieder langsam davonziehen lassen. Mit insgesamt nur 70 Schlägen am Sonntag sicherte sich der Kalifornier dennoch den alleinigen zweiten Platz und die damit verbundenen 1,24 Millionen US-Dollar Preisgeld.

Den dritten Platz teilten sich Schauffele und der Ex-Masters-Champion Jordan Spieth bei -7. Gerade Schauffele wird einer vergebenen Chance auf den ersten Major-Sieg nachtrauern, notierte er neben dem Doppel-Par auf der 16 auch schon ein Doppel-Bogey auf den Front Nine. Dies waren am Ende zwei Fehler zu viel. Für Spieth, der 2015 ins grüne Jackett schlüpfte, war es ein weiterer Schritt in Richtung alter Form, nachdem er in der Woche vor dem Masters seine knapp vierjährige Durststrecke mit einem Sieg bei der heimischen Texas Open beendete.

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Die beste Runde des Finaltages spielte Jon Rahm, der sich mit einer 66 (-6) auf den geteilten fünften Rang vorschob. Für den Spanier war es das erste Turnier seit der Geburt seines Sohnes Kepa. Entsprechend breit war Rahms Grinsen an den Tagen in Augusta.

Bernd Wiesberger gab seine gute Ausgangsposition nach zwei Tagen (T6) mit zwei hohen Wochenendrunden aus der Hand. Einer 74 vom Samstag ließ der einzige Österreicher im Feld eine 78 folgen und wurde so bis auf den geteilten 40. Rang durchgereicht. Bernhard Langer scheiterte genauso wie der Weltranglistenerste Dustin Johnson am Cut.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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