Tour-Vorschau

Kaymer in Austria und Champion Cejka

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der Austrian Golf Open sowie dem nächsten Auftritt von Alex Cejka auf der PGA Tour Champions.

14. April 2021

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Viel Zeit zum Durchatmen nach der großen Masters-Woche bleibt einem als Golffan nicht. Weder die European noch die PGA Tour gönnt sich eine Pause. Zum Glück. Denn in Österreich steht Martin Kaymer vor einem Comeback im Nachbarland und zählt als zweifacher Major-Sieger zu den prominentesten Namen im Feld. Zudem tritt Bernhard Langer nur wenige Tage nach seinem verpassten Cut beim Masters auf der PGA Tour Champions an, wo er zum zweiten Mal auf einen deutschen Kollegen trifft.

European Tour


(Gewinner der Austrian Open 2020, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Die Beziehung zwischen der European Tour und Österreich hing trotz ihrer langen Historie zuletzt am seidenen Faden. 2018 diente der Standort als Testlauf für das Shot Clock Masters, bei dem mit einer Zeitbegrenzung für die Schlagausführung schnelles Spiel gefordert war. Ein Jahr drauf machte man einen großen Bogen um die Alpenregion, ehe man 2020 die Rückkehr aus der Corona-Pause in Atzenbrugg feierte. Profitiert von der chaotischen Lage, hoffte man darauf, auch in diesem Jahr wieder einen Platz im Kalender der European Tour zu ergattern. Jedoch blieb Österreich zunächst außen vor. Mit der kurzfristigen Absage des Portugal Masters kam aber auch wieder das Event im Diamond Country Club nahe Wien ins Gespräch.

“Während der Pandemie mussten wir bei der Planung sehr beweglich bleiben“, erklärte European-Tour-Chef Keith Pelley die "Entscheidung in letzter Sekunde" im März. Einmal mehr kam den österreichischen Veranstaltern ihre zuletzt immer häufiger abverlangte Flexibilität zugute. Und so findet erstmals seit 2017 wieder ein reguläres European-Tour-Event in Atzenbrugg statt - ohne Stoppuhr, aber auch ohne Fans. In der vergangenen Saison war die Austrian Open noch ein co-sanktioniertes Turnier mit der Challenge Tour. Entsprechend niedriger war der Wettbewerb auch dotiert. Für dieses Jahr verdoppelte man das Preisgeld auf eine Million Euro und somit spielt die Austrian Golf Open - das "Golf" fügte man dem Namen dieses Jahr wieder hinzu -  in einer Liga mit den Kenia-Events im vergangenen Monat.


(Martin Kaymer, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Viele große Namen nehmen das erste European-Tour-Event nach dem Masters in Augusta nicht mit. Nur fünf Top-100-Spieler sind gemeldet. Zu denen zählt auch Martin Kaymer, 99. der offiziellen Weltrangliste. Als zweifacher Major-Sieger wird er versuchen, an die deutschen Erfolge aus den Neunzigern anzuknüpfen. Damals gewann Bernhard Langer die Premiere der Austrian Open 1990 und Alex Cejka trug sich fünf Jahre später in die Siegerliste ein. Zudem verpasste Marcel Schneider im vergangenen Jahr nur knapp den dritten deutschen Erfolg bei den Nachbarn und wurde Zweiter hinter dem Schotten Marc Warren, der seinen Titel in dieser Woche wegen einer Rückenverletzung nicht verteidigen kann.

Für Kaymer ist es das erste Turnier seit der Honda Classic im März und der erste European-Tour-Auftritt seit dem Saudi International im Februar. Während er in Florida deutlich am Cut scheiterte, erreichte er damals in der Wüste die Top 20. Unklar also, in welche Richtung das Pendel in dieser Woche ausschlägt. Zumal Kaymer erst einmal bei diesem Turnier teilnahm (2007). Dafür feierte er 2003 den Gewinn der Österreichischen Amateurmeisterschaften. Neben der deutschen Nummer eins schlagen gleich acht weitere Deutsche in Atzenbrugg ab. Darunter auch der Zweitplatzierte aus der vergangenen Saison, Schneider.


(Matthias Schwab, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Aus österreichischer Sicht liegen die größten Titelhoffnungen auf Matthias Schwab, der als einziges European-Tour-Mitglied seines Landes an den Start geht. Der Mann aus Schladming wartet zwar noch auf seinen ersten Titel auf der großen Bühne, erreichte in diesem Jahr aber schon zwei Mal die Top Ten - zuletzt bei der Kenya Savannah Classic. Als 43. des Race to Dubai ist er der viertbestplatzierte Spieler in der Saisonwertung, der in dieser Woche mitspielt. Nur Justin Harding, Kurt Kitayama und Rasmus Hojgaard blicken auf eine noch bessere bisherige Spielzeit. Schwab will der erste Österreicher seit Bernd Wiesberger (2012) werden, der das Heimturnier gewinnt. Markus Brier gelang dies gleich drei Mal.

PGA Tour Champions

Seit Dezember ist Alex Cejka für die PGA Tour Champions startberechtigt. Zumindest was das Alter angeht. Einen Startplatz hat der 50-Jährige bei den Seniorenevents nämlich nicht sicher. Der einzige Weg in das limitierte Feld führt über die Montagsqualifikation, die Cejka schon im Februar einmal gewann und folglich bei der Cologuard Classic sein Champions-Debüt feierte. Der Gewinner der Puerto Rico Open 2015 beendete das damalige Event in Tucson auf dem geteilten 38. Rang nach einer schwachen 78er Schlussrunde.


(Alex Cejka, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

In dieser Woche steht mit der Chubb Classic das dritte Event des Jahres auf dem Programm und erneut schaffte es Cejka über den Monday Qualifier ins Feld der besten Ü50-Golfer der Welt. Dank einer 64 (-8) im Forest Country Club in Fort Myers, Florida, darf sich "Chubby" ein zweites Mal mit Spielern wie Ernie Els oder Miguel Angel Jiménez messen.

Natürlich ist auch Bernhard Langer in dieser Woche am Start. Der aktuell Zweitplatzierte im Charles Schwab Cup verpasste zwar den Cut beim Masters, blickt aber auf einige Erfolge in Naples zurück. Langer gewann hier bereits drei Mal und wurde bei der 2019er Ausgabe nur von Jiménez im Stechen geschlagen. Als Top-Favorit geht aber wohl Kevin Sutherland ins Turnier. Der US-Amerikaner führt die Saisonwertung vor Langer an, nachdem er die Cologuard Classic gewinnen konnte, und spielte zuletzt 13 Runden in Folge unter Par. Generell zählt Sutherland zu den konstantesten Spielern auf der Tour. Seit seinem Debüt 2014 beendete er knapp die Hälfte seiner gespielten Turniere in den Top Ten.

LPGA Tour


(Brooke Henderson, Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Nachdem die Lotte Championship im vergangenen Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, kehrt das Hawaii-Event in dieser Woche zurück. Das mit zwei Millionen US-Dollar dotierte Turnier wurde bei seinen vergangenen beiden Austragungen von der Kanadierin Brooke Henderson gewonnen. Die letzte Spielerin, der auf der LPGA Tour ein Hattrick gelang, war Inbee Park bei der Women’s PGA Championship (2013 bis 2015). "Das ist definitiv eine seltene Möglichkeit und deswegen wäre es schön, das beste daraus zu machen", so Henderson, die im zarten Alter von 23 Jahren bereits neun Siege auf der LPGA Tour feierte.

Abgesehen von den guten Erinnerungen an die Gegend muss sich aber Henderson wie all ihre Konkurrentinnen auf einen neuen Platz einstellen. Erstmals in der Turniergeschichte spielt man nämlich im Kapolei Golf Club, der bereits von 1996 bis 2001 ein LPGA-Event beheimatete.


(Caroline Masson, Photo by Ken Murray/Icon Sportswire via Getty Images)

Aus deutscher Sicht kommen zwei Damen in den Genuss der paradiesischen Stimmung auf Oahu. Während es für Caroline Masson bereits der fünfte Auftritt auf der LPGA Tour in dieser Saison ist, spielt Esther Henseleit erst ihr zweites Turnier, nachdem sie bei der LPGA Drive on Championship den Cut verpasste. Die Konkurrenz hat es jedenfalls in sich. Von Nelly Korda über Lydia Ko bis hin zu Lexi Thompson sind die meisten Topstars am Start. Um den großen koreanischen TV-Markt zu bedienen, beginnt die Lotte Championship bereits am Mittwoch und endet am Samstag.

PGA Tour

Das Masters 2021 ist in den Büchern und damit steht die Vorbereitung auf das nächste Major der Saison, die PGA Championship im Mai, im Fokus der besten Spieler der Welt. Wie üblich leidet das erste Event nach einem der großen Highlights etwas unter seinem Platz im Kalender. Jedoch kann sich das RBC Heritage in dieser Woche nicht über fehlende Star-Power beschweren. Fast die Hälfte der 88 Masters-Teilnehmer traten die Reise von Augusta nach Hilton Head an, um den Sieger des mit 7,1 Millionen US-Dollar dotierten Events zu ermitteln. Mit Patrick Cantlay und Dustin Johnson sind unter anderem zwei Spieler aus den Top Ten des FedExCup am Start.


(Webb Simpson, Photo by Streeter Lecka/Getty Images)

Als Titelverteidiger tritt Webb Simpson an. Der erfahrene Ryder-Cup-Spieler fühlte sich schon immer wohl auf dem Par-71-Kurs des Harbour Town Golf Links, kann er sich hier sein gutes Eisenspiel zunutze machen. Dieses ist nämlich bei den im Durchschnitt kleinsten Grüns auf der Tour besonders gefragt. Daher zählt auch Corey Conners zu den Top-Favoriten in dieser Woche. Der Kanadier verdiente sich dank seiner präzisen Annäherungen in Augusta einen geteilten achten Platz und belegt aktuell den zehnten Rang in der Statistik "Greens in Regulation". Mit Sepp Straka ist auch ein Österreicher in South Carolina am Start.

Die Deutschen im Einsatz:

  • European Tour, Austrian Golf Open: Hurly Long, Martin Kaymer, Alexander Knappe, Marcel Schneider, Maximilian Kieffer, Sebastian Heisele, Max Schmitt, Nicolai von Dellingshausen und Bernd Ritthammer
  • PGA Tour Champions, Chubb Classic: Alex Cejka und Bernhard Langer
  • Korn Ferry Tour, MGM Resorts Championship: Stephan Jäger und Lukas Euler
  • LPGA Tour, Lotte Championship: Esther Henseleit und Caroline Masson
  • Symetra Tour, Casino del Sol Golf Classic: Isi Gabsa und Sophie Hausmann

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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