Tour-Vorschau

Die Champions übernehmen

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem zweiten Champions-Major des Jahres und einer Matchplay-Premiere auf der LPGA Tour.

26. Mai 2021

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Eine historische Major-Woche liegt hinter uns. Doch anstatt erstmal durchatmen zu können, legen die Champions umgehend nach und suchen ihren Sieger der PGA Championship 2021. Auf den Hauptprotagonisten aus Kiawah muss beim zweiten Major des Jahres aber verzichtet werden. Doch auch abseits vom Major-Trubel stehen interessante Events auf dem Programm. Deswegen Bühne frei für die Vorschau:

Senior PGA Championship


(Gewinner der Senior PGA Championship 2019: Ken Tanigawa, Photo by Matt Sullivan/Getty Images)

Eine Woche nachdem sich Phil Mickelson auf Kiawah Island zum ältesten Major-Sieger aller Zeiten küren ließ, steht nun die Seniorenversion der PGA Championship auf dem Programm. Kurioserweise wäre Mickelson auch für dieses Event startberechtigt gewesen. Der 50-Jährige entschied sich jedoch für die Charles Schwab Challenge auf der PGA Tour. Seine Kollegen auf der PGA Tour Champions werden sich über diese Entscheidung nicht beschweren, wäre "Lefty" doch als einer der Top-Favoriten in das zweite Senioren-Major des Jahres gegangen.

Dabei wäre ein Start für Mickelson in dieser Woche durchaus von großem Interesse gewesen, auch im Hinblick auf die dann im kommenden Jahr anstehende Titelverteidigung bei der PGA Championship. Steve Stricker, Alex Cejka und Co. messen sich nämlich im Southern Hills Country Club, also jenem Platz, der 2022 die PGA Championship beheimatet. Auf der anderen Seite fanden auf dem Par-71-Platz in Tulsa, Oklahoma, seit 1946 bereits 15 Major Championships statt. Southern Hills ist also alles andere als Neuland für die besten Golfer der Welt und Mickelson wird sich daher auf andere Erfahrungswerte verlassen können.


(Die 18. Spielbahn des Southern Hills Country Club, Photo by PGA of America/Getty Images)

Interessant wird es zu beobachten sein, wie lang sich der Platz für die Senioren spielen wird. Die offizielle Vermessung lautet 6.840 Meter, inklusive zwei Par-5-Löcher mit über 550 Meter Länge. Die Weite vom Tee könnte also ein Faktor werden. Die vielleicht ideale Generalprobe für diesen Test, insbesondere was die Weite anbelangt, spielte Stricker in der vergangenen Woche, als er geteilter 44. bei der PGA Championship wurde. Immerhin fand dieses Turnier auf dem längsten Platz in der Major-Geschichte statt. Auch deswegen wird der US-Amerikaner als Top-Favorit in dieser Woche gehandelt. Hinzukommen herausragende Ergebnisse auf der PGA Tour Champions aus der jüngeren Vergangenheit. Strickers Bilanz aus seinen vergangenen drei Starts: T3, Sieg und Zweiter.

Gleich dahinter wird auch schon Cejka genannt. Der Rookie gewann das erste Champions-Major des Jahres und ist seitdem festes Mitglied der Tour. Cejka kann also befreit aufspielen und sich auf seine konstanten Leistungen aus den vergangenen Wochen stützen. Gleiches gilt für Landsmann Bernhard Langer, der die Senior PGA Championship zuletzt 2017 gewinnen konnte. Zudem beendete er drei der vergangenen vier Turniere unter den Top Ten. Nur der letzte Titel liegt schon etwas länger zurück - zumindest für Langers Verhältnisse. Seit März 2020 wartet der 63-Jährige auf Champions-Sieg Nummer 42. Eine solche Durststrecke vom gebürtigen Anhausener gab es das letzte Mal vor neun Jahren.


(Bernhard Langer, Photo by Tracy Wilcox/PGA TOUR via Getty Images)

Die Senior PGA Championship ist ganz nebenbei auch das erste Event der europäischen Legends Tour seit Dezember 2019. 31 Senioren schickt die Tour für das Major ins Rennen, darunter den Österreicher Markus Brier, der auch schon beim letzten Major dabei war, das in Southern Hills stattfand - nämlich die PGA Championship 2007.

European Tour


(Fans am 16. Grün bei der Made in Denmark 2017, Photo by Warren Little/Getty Images)

Nach einer Corona-bedingten Absage im vergangenen Jahr kehrt einer der beliebtesten Stopps zurück auf die European Tour. Die Made in HimmerLand, wie das Event in Farsö nun heißt, wurde seit ihrer Erstaustragung im Jahr 2014 von den vielen lautstarken dänischen Fans getragen und gab somit ein wirklich stimmungsvolles Gesamtbild ab. Auf diese lautstarke Unterstützung muss aus bekannten Gründen bei der dieswöchigen Ausgabe verzichtet werden und so fehlt dem mit 1,5 Millionen Euro dotierten Event sein Markenzeichen. Insbesondere die kurze 16. Spielbahn des Himmerland-Kurses, bei dem normalerweise hunderte von Fans auf den Hügeln rund um das Grün sitzen und für elektrisierende Stadionatmosphäre sorgen, büßt ordentlich an Charme ein.

Einen interessanten Test bietet der Par-71-Parkland-Kurs aber dennoch. Dafür sorgen zum einen die vielen Höhenunterschiede. Zum anderen war der Wind bei den vergangenen Ausgaben stets ein Faktor. So auch 2019, als Bernd Wiesberger mit einem Gesamtergebnis von 14 unter Par knapp vor Robert MacIntyre gewann.


(Max Schmitt, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Auf diese Woche blickt auch Max Schmitt gerne zurück, feierte er hier mit einem vierten Rang den bislang größten Erfolg seiner European-Tour-Karriere. Ein ähnliches Ergebnis könnte der 23-Jährige auch in dieser Woche gebrauchen. Wirklich rund läuft es in der aktuellen Saison nämlich noch nicht. Schmitts bislang bestes Resultat war ein geteilter 33. Rang bei der Austrian Golf Open. Bei drei seiner sechs Starts verpasste er den Cut.

Deutlich erfolgreicher läuft die Spielzeit für Maximilian Kieffer, der aktuell den 23. Rang im Race to Dubai belegt. Zwei zweite Plätze im April machten Hoffnung, dass es bald klappen könnte mit dem ersten Titel auf der Tour. Nun gilt es wieder an diese starken Auftritte anzuknüpfen, nachdem Kieffer die vergangenen beiden Cuts verpasste.

Mit einer deutlich ansteigenden Form reist Marcel Siem nach Dänemark. Die Nummer 521 der Welt wurde in der vergangenen Woche Vierter auf der Challenge Tour und will sich bei seinem ersten European-Tour-Start seit Dezember beweisen. Zumal die Made in HimmerLand der letzte Test vor der Porsche European Open in Hamburg ist. 2017 erreichte Siem einen geteilten zehnten Rang im Himmerland Golf & Spa Resort.

LPGA Tour


(Kapitänin des europäischen Solheim-Cup-Teams: Catriona Matthew, Photo by Mark Runnacles/R&A/R&A via Getty Images)

Die LPGA Tour hat ein neues Event auf die Beine gestellt, das mit Spannung erwartet wird. Denn das Bank of Hope LPGA Match-Play ist eine der wenigen Möglichkeiten im Jahr, die besten Spielerinnen der Welt im direkten Duell gegeneinander antreten zu sehen. An den ersten drei Tagen - beginnend am Mittwoch - werden die Siegerinnen sowie Zweitplatzierten aus den 16 Gruppen ermittelt, ehe am Wochenende zwei Sessions pro Tag durchgezogen werden. Besonderes Augenmerk liegt in dieser Woche auf den möglichen Kandidatinnen für den Solheim Cup, der Anfang September im Inverness Club stattfindet. Die jeweiligen Kapitäninnen Pat Hurst (USA) und Catriona Matthew (Europa) werden also Stift und Zettel bereitlegen, um sich eventuelle Captain’s Picks vorzumerken.

Von den beiden deutschen Starterinnen wäre mit Sophia Popov aktuell eine sicher für das große Saisonhighlight qualifiziert. Dank ihres Erfolges bei der Women’s Open im vergangenen Jahr hat die erste deutsche Major-Siegerin sehr gute Karten, ihr Solheim-Cup-Debüt zu geben. Das Match Play in dieser Woche ist also ein guter Test für Popov, ihre Qualitäten im Frau-gegen-Frau-Duell einzuordnen. In der Gruppenphase trifft sie als Top-Gesetzte auf die Südkoreanerinnen Sung Hyun Park und Hee Young Park sowie die Australierin Su Oh.


(Caroline Masson beim Solheim Cup 2019, Photo by Jamie Squire/Getty Images)

Deutlich schwerer wird das Weiterkommen für Caroline Masson. Die 32-Jährige muss sich unter anderem gegen die Nummer eins der Welt, Jin Young Ko, durchsetzen. Ihr Auftaktmatch bestreitet sie gegen die erfahrene Schwedin Anna Nordqvist, an deren Seite sie alle ihre vier Solheim Cups spielte. Masson steht mit Sicherheit allein aufgrund ihrer großen Erfahrung im Kontinentalvergleich weit oben auf Matthews Liste. Ein Weiterkommen in dieser Hammergruppe würde ihre Ambitionen, im September Teil des Teams zu sein, unterstreichen.

Die Bühne für die Turnierpremiere, die mit 1,5 Millionen US-Dollar dotiert ist, bietet der berüchtigte Shadow Creek in Las Vegas. Die Oase in der Wüste Nevadas war schon Schauplatz von zahlreichen Showdowns wie dem großen "The Match" zwischen Tiger Woods und Phil Mickelson oder dem CJ Cup 2020. Ob die saftig-grünen Fairways oder die künstlich angelegten Wasserhindernisse - alles am Tom Fazio-Design wirkt etwas aufgesetzt und übertrieben und passt daher perfekt ins Gesamtbild der bunten Casino-Metropole.

Die Deutschen im Einsatz:

  • European Tour, Made in HimmerLand: Marcel SchneiderMax Schmitt, Bernd Ritthammer, Nicolai von Dellingshausen, Marcel Siem, Maximilian Kieffer und Sebastian Heisele
  • Challenge Tour, Irish Challenge: Jeremy Paul, Alexander Knappe, Michael Hirmer, Yannik Paul, Hinrich Arkenau, Moritz Lampert und Julian Kunzenbacher
  • Ladies European Tour, Ladies Italian Open: Olivia Cowan, Laura Fünfstück, Sarina Schmidt, Carolin Kauffmann, Franziska Friedrich und Leticia Ras-Anderica
  • Korn Ferry Tour, Evans Scholar Invitational: Stephan Jäger und Max Rottluff
  • PGA Tour Champions, Senior PGA Championship: Bernhard Langer und Alex Cejka
  • Symetra Tour, Mission Inn Resort an Club Championship: Sophie Hausmann und Isi Gabsa

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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