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Zehn Strafschläge nach Balltausch

Mark Hensby spielt in der ersten Runde der Palmetto Championship einige Löcher mit dem Ball eines Kollegen und wird dafür bestraft.

12. Juni 2021

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Mit Strafen kennt sich Mark Hensby bereits aus. 2017 wurde der Australier für ein Jahr von der PGA Tour gesperrt, da er gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen haben soll. Damals war eine nicht abgegebene Urinprobe bei der Sanderson Farms Championship der Grund allen Übels. Seit dem Vorfall spielte Hensby nur ein PGA-Tour-Event. Die Palmetto Championship, die in dieser Woche in South Carolina stattfindet, war sein zweites. Wirklich gut wird der 49-Jährige das Ausweichturnier zur RBC Canadian Open nicht in Erinnerung behalten. Dabei traf Hensby den Ball über weite Strecken der ersten Runde gar nicht so schlecht. Nur war dieser Ball eine Zeit lang gar nicht seiner.

Denn wie Hensby nach acht gespielten Löchern bemerkte, befand sich auf seinem Titleist ProV1 ein kleiner Punkt. "Ich habe meinen Caddie gefragt: 'Was ist dieser Punkt auf dem Ball? Ich habe den noch nie bemerkt; haben die irgendetwas am neuen ProV1 geändert?'", erklärte der Sieger der John Deere Classic 2004. Auch Hensbys Spielpartner konnten nicht weiterhelfen. Fest stand jedenfalls: Der Ball, den Hensby nach einem Wasserschlag auf der vierten Bahn aus seiner Tasche zog, war nicht seiner. Regeltechnisch hatte dieses Missgeschick folgende Auswirkungen: Hensby erhielt für jedes Loch, das er mit dem "fremden" Ball absolvierte, jeweils zwei Strafschläge.


(Sieger der John Deere Classic 2014: Mark Hensby, Photo by Al Messerschmidt/WireImage)

Am Ende wanderten also satte zehn Strafschläge auf Hensbys Karte. Statt bei zwei über Par, lag er damit bei zwölf über Par. Am Ende kam Hensby mit einer 84 (+13) ins Clubhaus. "Ich habe eigentlich ganz ordentlich gespielt", so der Unglücksrabe, der nicht mehr zur zweiten Runde antrat. "Aber nach der Strafe war es natürlich hart. Und es war schade, weil ich wusste, dass mein Turnier beendet ist." Ein Rätsel wollte Hensby aber noch gelöst haben: Wie kam der fremde Ball in seine Tasche? Nach etwas Recherche kam Licht ins Dunkle. So ereignete sich wohl am Putting-Grün vor der Runde ein versehentlicher Balltausch mit einem Kollegen.

"Ich habe wohl irgendwie Pats [Pat Perez] Ball aufgehoben und er meinen", sagte Hensby. "Wenn man beide Bälle anschaut, ist es schwer, einen Unterschied zu bemerken. Es ist nicht so, als sei einer rot und der andere schwarz." Lediglich der kleine Punkt, der die "Low Spin"-Version des ProV1 kennzeichnet, sei ein erkennbarer Unterschied. Perez wiederum habe den falschen, also Hensbys Ball, nicht aus seiner Tasche gezogen und musste daher keine Strafe befürchten. "Dass Mark [Hensby] diese Strafe selbst aussprach, sagt vieles über ihn und die Integrität dieses Spiels aus", erklärte der PGA-Tour-Turnierdirektor Ken Tackett.

Dass ein PGA-Tour-Profi mit einem falschen Ball spielt, ist jedoch kein Novum. Auch Russell Henley passierte dies bereits einmal bei der Mayakoba Golf Classic 2019. Damals erhielt der US-Amerikaner acht Strafschläge und verpasste den Cut. Aufgefallen war ihm der Regelverstoß beim Signieren von Autogrammen nach der Runde. Deutlich härter wurde dieses Vergehen noch vor der Regel-Revolution zu Beginn des Jahres 2019 geahndet. Damals waren es noch vier - statt nun zwei - Schläge pro Loch. Am frühzeitigen Aus für Hensby änderte diese Minderung jedoch nichts. Dafür fiel ihm der Balltausch einfach zu spät auf.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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