Tour-Rückblick

Tragik als Konstante

Die 149. Open Championship zaubert vielen ein Lächeln ins Gesicht. Für manch einen bleibt aber nicht mehr als die Hoffnung. Der Rückblick aufs Wochenende.

19. Juli 2021

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Der Champion Golfer of the Year 2021 heißt Collin Morikawa. Bei seinem Open-Debüt blieb der erst 24-Jährige am Finaltag fehlerfrei und verwies Jordan Spieth auf den zweiten Rang (zum Abschlussbericht). Matthias Schmid gewann als erster Deutscher die Silver Medal. Wer sich aber erneut als etwas tragische Figur hinten anstellen muss und wer sich mit konstanten Leistungen bei Major-Events auskennt, erfahren Sie im Rückblick:

Er klopft weiter


(Collin Morikawa und Louis Oosthuizen, Photo by Warren Little/R&A/R&A via Getty Images)

Nach drei Runden in Royal St. George’s spitzte sich alles auf ein Duell zwischen Louis Oosthuizen und Collin Morikawa zu. Das südafrikanisch-amerikanische Duo ging in der finalen Gruppe auf ihre letzte Runde der 149. Open Championship. Ein Schlag trennte Morikawa vom Führenden Oosthuizen, der endlich seinen zweiten Major-Titel nach Hause bringen wollte. Seit seinem Open-Erfolg 2010 sammelte er neun Top-Ten-Ergebnisse bei Majors. Allein in diesem Jahr wurde er zwei Mal Zweiter. Bei der Open kam das zehnte Top-Ten-Resultat hinzu. Für den Sieg reichte es erneut nicht. "Wenn ich ihn spielen sehe, wie er seine Drives haut, da denke ich mir: 'Wow, so will ich auch spielen'", sagte Gewinner Morikawa nach der Runde über seinen Spielpartner. "Louis ist konstant. Er wird weiter an diesen Türen klopfen und ich bin mir sicher, er wird noch einige gewinnen. Er ist einfach zu gut."

Nette Worte, die Oosthuizen aber vermutlich nur mäßig trösten dürften. Der 38-Jährige selbst wollte kein Interview geben. Zu tief steckte der Frust über eine erneute Enttäuschung am Finaltag. Erst mit etwas Abstand äußerte er sich auf Twitter und bedankte sich bei den Fans, die ihn wie jedes Jahr tatkräftig unterstützten.

Am Ende wurde Oosthuizen geteilter Dritter. Damit erreichte er bei seinen vergangenen sechs Majors vier Mal die Top 3. Eine unglaubliche Konstanz, die Oosthuizen aber sehr gerne endlich gegen einen weiteren Major-Triumph eintauschen würde. Bis zur nächsten Gelegenheit muss er jedoch noch etwas warten. Erst im April nächsten Jahres geht es mit dem Masters weiter.

Westwoods Major-Rekord


(Lee Westwood, Photo by Harry Trump/R&A/R&A via Getty Images)

Spricht man über Konstanz bei Major-Events, dann fällt auch ziemlich schnell der Name Lee Westwood. Schon vor der Turnierwoche in Sandwich, Kent, war klar: Sollte der Engländer die 149. Open nicht gewinnen, dann steht er alleine an der Spitze einer Rangliste, aus der viele gerne gestrichen werden würde: Die meisten Major-Starts ohne Sieg. Vor der Woche lag Westwood hier noch in geteilter Führung mit Jay Haas (beide 87), doch nachdem der 48-Jährige die Open auf dem geteilten 59. Rang abschloss, war klar, dass Westwood ab jetzt der alleinige Rekordhalter mit 88 Majors ohne Sieg sein wird.

Westwood blickte bereits im Vorfeld der Open positiv auf diese Statistik. "Dieser Rekord ist schön", sagte der 25-fache European-Tour-Sieger. "Er zeigt, dass ich seit langer, langer Zeit ein guter Spieler bin. Es haben nicht viele Spieler in so vielen Majors gespielt wie ich." Ein Meilenstein, den Westwood mit Sicherheit in den kommenden Jahren noch erreichen will, ist das 100. Major. Doch diese Zahl soll dann idealerweise nicht mehr in Kombination mit dem Zusatz "ohne Titel" auftauchen. Dass die ehemalige Nummer eins noch immer vorne mitspielen kann, zeigte er erst im vergangenen Jahr, als er zum dritten Mal in seiner Karriere die European Tour Order of Merit gewann.

Die richtige Entscheidung


(Marcel Siem, Photo by Christopher Lee/Getty Images)

Soll er oder soll er nicht? Nach seinem ersten Sieg auf der Challenge Tour war sich Marcel Siem zunächst noch nicht sicher, ob der die Einladung zur Open Championship auch annehmen oder sich lieber komplett auf die Challenge Tour konzentrieren sollte, die parallel in Österreich ein Turnier spielte. Immerhin steht beim 41-Jährigen immer noch die Rückkehr auf die European Tour im Vordergrund und auf diesem Weg kann jedes Turnier entscheidend sein. Letztlich entschied sich Siem dann doch für das Major in England und gegen die Reise ins Nachbarland. Eine gute Entscheidung, wie sich nach der Woche in Sandwich mit Fug und Recht behaupten ließ.

Für Siem war es eine der besondersten Wochen seiner Karriere, was zum einen mit der starken Leistung und zum anderen mit der herzlichen Stimmung in Royal St. George’s zusammenhing. Der beste Deutsche im Feld beendete die 149. Open auf dem geteilten 15. Rang, was gleichbedeutend mit dem zweitbesten Major-Resultat seiner Laufbahn war. Die emotionale Bindung zu den etwa 30.000 Zuschauern pro Tag auf der Anlage war von Tag eins an herzerwärmend. Siem spazierte fast schon mit einem Dauergrinsen über den Platz und bejubelte jeden guten Schlag und gelochten Putt mit Emotionen, die auf den Zuschauerrängen mit tosendem Applaus quittiert wurden. Siem und Royal St. George’s - das hat gepasst. Und da die Open auch zur Rangliste der Challenge Tour zählt, erhielt der vierfache European-Tour-Sieger oben drauf noch einige wertvolle Punkte, die ihn auf den zweiten Rang des Rankings vorspülten. Damit kommt auch das Comeback auf die European Tour immer näher. Eine Einladung zur Open sollte man besser niemals ablehnen.

150 Minuten


(Kevin Kisner, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Mit 77 Spielern, die den Cut schafften, bedeutete dies, dass sich einer alleine auf den Weg machen und ohne Spielpartner über die Wiesen des Royal St. George’s Golf Club spazieren würde. Einen Marker, wie dies üblicherweise der Fall ist, bekam derjenige aus Corona-Gründen nicht an die Seite gestellt. Und so war es Kevin Kisner, der am Sonntag einen kleinen Finalsprint einlegte. Als Schlusslicht in die vierte Runde der Open Championship gestartet, marschierte der US-Amerikaner schnellen Schrittes über den hügeligen Platz und beendete seine letzten 18 Löcher in gerade einmal 150 Minuten.

Doch Kisner war nicht nur schnell unterwegs. Er spielte auch gleichzeitig seine beste Runde der ganzen Woche. Mit einer 68 (-2) konnte der immerhin noch ein paar Plätze auf dem Leaderboard gutmachen und wurde am Ende 73. (+5). Um 10.30 Uhr war Kisners Arbeitstag damit bereits beendet. Kein schlechter Start in einen Sonntag.

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Challenge Tour


(Hinrich Arkenau, Photo by Jan Hetfleisch/Getty Images)

Parallel zur 149. Open Championship in Royal St. George’s fand im GC Adamstal in Ramsau die Euram Bank Open statt. Während der Waliser Stuart Manley den dritten Challenge-Tour-Titel seiner Karriere feierte, sorgten auch zwei deutschsprachige Spieler für Furore. Zum einen überzeugte der Amateur Maximilian Steinlechner als bester Österreicher im Feld. Der 18. Rang war das bis dato beste Ergebnis auf der European beziehungsweise Challenge Tour für den 21-jährigen Tiroler.

Aus Deutschland feierte Hinrich Arkenau ein neues Karrierehoch. Der Mann vom Club zur Vahr beendete das österreichische Event auf dem fünften Rang drei Schläge hinter dem Sieger und verbesserte sich so auf den 49. Rang im Saisonranking. Mit 9.500 Euro an Preisgeld erhielt der 31-jährige Arkenau den bislang größten Preisscheck seiner Challenge-Tour-Karriere.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • LPGA Tour, Dow Great Lakes Bay Invitational: Caroline Masson T25 und Sophia Popov 41.
  • Challenge Tour, Euram Bank Open: Hinrich Arkenau 5., Yannik Paul T18, Velten Meyer, Freddy Schott Hurly Long T22, Moritz Lampert T31, Dominic Foos T41, Christian Bräunig T52, Allen John T62 und Michael Hirmer, Thomas Rosenmüller, Philipp Mejow, Jonas Kölbing, Alexander Knappe & Nick Bachem CUT
  • The Open Championship: Marcel Siem T15, Matthias Schmid T59 und Martin Kaymer & Marcel Schneider CUT
  • PGA Tour, Barbasol Championship: Stephan Jäger CUT
  • Ladies European Tour, Gant Ladies Open: Franziska Friedrich T26, Leticia Ras-Anderica T35, Sarina Schmidt T40, Leonie Harm T46 und Carolin Kauffmann & Karolin Lampert CUT
  • Korn Ferry Tour, Memorial Health Championship: Max Rottluff CUT
  • Symetra Tour, Danielle Downey Credit Union Classic: Sophie Hausmann T24 und Isi Gabsa T41
  • LET Access Series, Roma Alps LETAS Open: Patricia Isabel Schmidt T39 und Verena Gimmy & Luisa Dittrich CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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