Tour-Rückblick

Langer, Sauerkraut und Olympia-Absagen

Bernhard Langer verrät bei der Senior Open sein Erfolgsgeheimnis und die Nummer eins der Welt muss für Olympia absagen. Der Rückblick aufs Wochenende.

26. Juli 2021

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Eine weitere Major-Woche liegt hinter uns und zumindest bei der Senior Open bestand lange Zeit Hoffnung auf einen deutschen Sieg. Der "ewige Bernhard" spielte einmal mehr vorne mit und erzielte letztlich ein Top-Ergebnis. Um Titel, oder vielmehr Medaillen, hätten auch Jon Rahm und Bryson DeChambeau gerne in der kommenden Woche gespielt. Beide mussten jedoch ihren Start bei den Olympischen Spielen in Tokio absagen. Dies und mehr im Rückblick:

Senior Open


(Bernhard Langer, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Er war als Titelverteidiger und Top-Favorit nach Sunningdale gereist. Nach vier gespielten Runden fehlte nicht viel zum fünften Titel bei der Senior Open für Bernhard Langer. Der Deutsche beendete das Major, das im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, auf dem vierten Rang, vier Schläge hinter dem Überraschungssieger Stephen Dodd. Langer blieb einzig am dritten Tag nicht unter dem Platzstandard des Sunningdale Golf Clubs (Par 70) und zeigte einmal mehr, dass auch im Alter von 63 Jahren noch mit ihm zu rechnen ist. Auf die Frage, wie er in diesem fortgeschrittenen Alter weiterhin so konkurrenzfähig sein kann, entgegnete er nach der ersten Runde: "Ich esse viel Sauerkraut und Würstchen."

Neben der ausgewogenen Ernährung sind vermutlich auch die guten Gene ein Faktor. "Meine Mutter wird in zwei Wochen 98", so Langer, der in der Nähe von Augsburg seine Wurzeln hat. "Aber ich arbeite viel: Ich habe Spaß zu trainieren, Golf zu spielen und liebe es zu gehen. Ich sitze nicht gerne im Cart und lasse mir helfen." Für den 41-maligen Gewinner auf der PGA Tour Champions war es das dritte Top-Ten-Ergebnis in Folge. Seinen letzten Sieg feierte Langer im März vergangenen Jahres. Nach dem letzten Major des Jahres steht zunächst eine kleine Pause auf dem Programm, ehe es Mitte August in Kanada weitergeht. Bleibt genügend Zeit für etwas Sauerkraut mit Würstchen.


(Stephen Dodd, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Mit dem Waliser Dodd als Senior-Open-Sieger rechneten vor der Woche die wenigsten. Der 55-jährige Legends-Tour-Spieler glänzte allen voran am Samstag, als er mit einer 62 (-8) die niedrigste Major-Runde im Seniorenbereich egalisierte und so die Führung übernahm. In einer weniger glanzvollen Finalrunde musste ein Birdie auf der 18 her, ansonsten hätte Dodd über das Playoff gehen müssen. Dort wäre er auf den Spanier Miguel Ángel Jiménez getroffen, der mit einer 65 (-5) die geteilt beste Runde des Tages spielte. "Meine Emotionen habe ich kontrolliert bekommen, meine Schläge aber weniger, was ein großes Problem war", so der Sieger, der zuvor bereits drei Mal auf der European Senior Tour gewann - darunter auch die Winstongolf Senior Open 2018. Der Sieg bei der Senior Open ist aber Dodds mit Abstand größter Erfolg seiner Karriere, in der er auch drei European-Tour-Titel holte.

Hinter Jiménez, dem in der dritten Runde ein Albatros auf der Eins gelang, beendete Darren Clarke das mit 2,5 Millionen US-Dollar dotierte Event auf dem dritten Rang. Alex Cejka, der zweite Deutsche neben Langer, wurde geteilter 18. bei -1.

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Olympische Spiele


(Bryson DeChambeau und Jon Rahm, Photo by Keyur Khamar/PGA TOUR via Getty Images)

Als hätten nicht ohnehin schon genügend prominente Namen ihren Start bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio abgesagt, wurden nun zwei weitere Topstars der langen Abwesenheitsliste hinzugefügt. Zunächst wurde bekannt, dass mit Bryson DeChambeau einer der vier US-Amerikaner wegen eines positiven Corona-Tests ausfallen und durch Patrick Reed ersetzt werden würde. Am Sonntag verkündete dann auch noch Jon Rahm, dass er ebenfalls positiv auf Covid-19 getestet wurde und daher nicht die Reise nach Tokio antreten kann. "Ich hätte so gerne als erster Spanier eine Olympische Goldmedaille im Golf gewonnen, aber leider hatte das Schicksal andere Pläne", so die Nummer eins der Welt auf Twitter. "Das ist eine großartige Erinnerung für uns alle, dass wir noch immer in einer Pandemie leben, es noch nicht zu Ende ist und wir weiter so gut es geht gemeinsam kämpfen müssen."

Rahm kündigte an, dass er die Spiele nun von zuhause aus verfolgen und seinen Landsleuten die Daumen drücken werde. Anders als bei den US-Amerikanern hieß es zunächst, dass bei den Spaniern niemand für den positiv getesteten Rahm nachrückt. Am Montagmorgen gab der spanische Golf-Verband dann aber doch bekant, dass Jorge Campillo seinen Landsmann ersetzen und ab Donnerstag im Kasumigaseki Country Club abschlagen wird. 

Für Rahm ist es schon das zweite Mal in zwei Monaten, dass ihm ein positiver Corona-Test eine einmalige Gelegenheit zunichtemacht. Bereits beim Memorial Tournament musste der US-Open-Champion in Führung liegend nach drei Runden aufgeben. Dabei sei der Spanier zu diesem Zeitpunkt bereits geimpft gewesen. Nur lag dies noch keine 14 Tage zurück, weswegen er überhaupt noch von der PGA Tour getestet wurde. Der laut Weltrangliste bestplatzierte Spieler in Tokio ist nun Collin Morikawa (3) vor Justin Thomas (4) und Xander Schauffele (5). Für Deutschland treten Maximilian Kieffer (213) und Hurly Long (269) an.

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Challenge Tour


(Yannik Paul, Photo by Valerio Pennicino/Getty Images)

Dieser Mann ist gekommen, um zu bleiben. Und bestenfalls soll es noch weiter nach oben gehen - und zwar so schnell wie möglich. Yannik Paul spielt in diesem Jahr seine erste Saison auf der Challenge Tour und schon jetzt lässt sich das Fazit ziehen: Von diesem Herrn werden wir in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch einiges hören. Bereits vor der Italian Challenge in der vergangenen Woche konnte Paul auf eine starke Serie von sieben geschafften Cuts in Folge, inklusive eines geteilten vierten Rangs bei der Irish Challenge Ende Mai, blicken. In Italien kam nun das zweite Top-Ten-Ergebnis des Jahres hinzu.

Der 27-jährige Paul beendete das Event im Margara Golf Club, das zu den höchstdotierten Turnieren im Challenge-Tour-Kalender zählt, auf dem geteilten sechsten Platz und verbesserte sich damit unter die Top 30 im Saisonranking. Zudem erhielt der Mann vom Desert Forest GC in Arizona 10.000 Euro Preisgeld, womit sein Jahresverdienst auf knapp 34.000 Euro anstieg. Mit Marcel Siem (2.) und Hurly Long (12.) rangieren nur noch zwei Deutsche vor Paul im Challenge Tour Ranking. Die Top 20 am Ende der Saison erhalten die Tourkarte für die European Tour. Sollte der Rookie seine starke Form beibehalten, könnte der glatte Durchmarsch in Liga eins auf Anhieb klappen.

Knapp an seinem ersten Titel auf der Challenge Tour schrammte der Österreicher Lukas Nemecz vorbei. Der 31-Jährige ging als geteilter Führender in den Finaltag und wurde letztlich nur vom Portugiesen Ricardo Gouveia geschlagen, der am Ende zwei Schläge Vorsprung hatte. Für Nemecz war es der zweite zweite Platz seiner Karriere, die er seit 2014 auf der Challenge Tour verbringt.

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Evian Championship


(Minjee Lee, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Der Finaltag der Evian Championship brachte eine glückliche Siegerin sowie eine tragische Verliererin hervor. Mit fünf Schlägen Vorsprung ging Lee6 Jeongeun in den Finaltag des vorletzten Majors der Saison, musste sich aber letztlich am ersten Extra-Loch im Stechen gegen Minjee Lee geschlagen geben. Bereits nach neun gespielten Löchern war das komfortable Polster der Südkoreanerin Lee6 dahin und zwischenzeitlich führte die US-amerikanische Teenagerin Yealimi Noh. Dank einer überragenden 64 (-7) war es aber Lee, die bereits früh eine Bestmarke im Clubhaus setzte (-18). Lee6 erholte sich von ihrem schwachen Start in die Finalrunde und notierte auf der 18 ein wichtiges Birdie zum Einzug ins Playoff.

Nach einem Wasserschlag ihrer Kontrahenten auf dem ersten Extra-Loch genügte der Australierin Lee ein Zwei-Putt-Birdie zum Gewinn ihres ersten Major-Titels. Damit holte erstmals in der Major-Geschichte der Evian Championship eine Spielerin aus Australien den begehrten Titel in Evian-les-Bains. "Es ist wirklich großartig, ein Major zu gewinnen", so eine überglückliche Lee, deren Bruder Min Woo erst kürzlich in Schottland seinen zweiten Titel auf der European Tour holte. Auch dort fiel die Entscheidung auf dem ersten Extra-Loch. Für die 25-Jährige war es der sechste Sieg auf der LPGA Tour, der standesgemäß mit einer Champagnerdusche durch ihre gute Freundin Lydia Ko gefeiert wurde.


(Esther Henseleit, Photo by RvS.Media/Vincent Galloux/Getty Images)

Aus deutscher Sicht verlief die Woche eher durchwachsen. Von den sechs angetretenen Damen erreichten drei den Cut. Esther Henseleit sowie Sophia Popov beendeten das erste von insgesamt vier aufeinanderfolgenden Turnieren in Europa auf dem geteilten 60. Rang. Als nächstes geht es zum co-sanktionierten Event nach Nordirland und zur Scottish Open, bevor Popov in Carnoustie versuchen wird, ihren Titel bei der Women’s Open zu verteidigen.

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European Tour

Ein ordentliches Profi-Debüt feierte Matthias Schmid bei der Cazoo Open. Eine Woche, nachdem der 23-Jährige die Silver Medal bei der Open Championship gewann, erhielt die neue deutsche Golfhoffnung eine Einladung nach Wales, wo er als einziger von sechs Deutschen den Cut schaffte. Schmid belegte nach Runden von 73 und drei Mal 70 Schlägen den geteilten 47. Rang bei insgesamt eins unter Par. Die nächste Chance sich zu beweisen, bietet sich dem Mann vom GC Herzogenaurach beim ISPS Handa Invitational, das in der kommenden Woche parallel zu den Olympischen Spielen stattfindet.


(Nacho Elvira, Photo by Warren Little/Getty Images)

Den Sieg bei der Cazoo Open sicherte sich Nacho Elvira mit einem Par auf dem ersten Extra-Loch. Kurz zuvor notierte er ein Bogey auf dem abschließenden Par 5 und musste daher ins Stechen mit Justin Harding, der eine starke 65 (-6) am Finaltag spielte. Für den Spanier war es im Alter von 34 Jahren der erste Titel auf der European Tour.

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PGA Tour


(Cameron Champ, Photo by Antranik Tavitian, Star Tribune via Getty Images)

Dehydriert und mit Schwindelgefühlen taumelte Cameron Champ am Finaltag über die Back Nine des TPC Twin Cities. Zwischenzeitlich musste sich der sichtlich gezeichnete US-Amerikaner auf seinen Knien abstützen, danke eines isotonischen Getränks aber fand er zurück zu Kräften und brachte seine Führung bei der 3M Open ins Ziel. Nach einer 66 (-5) in der vierten Runde gewann Champ mit zwei Schlägen Vorsprung auf Louis Oosthuizen, Charl Schwartzel und Jhonattan Vegas. Für den 26-Jährigen geht damit eine schwierige Zeit zu Ende, in der er zuletzt mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. "Ich habe mich um 180 Grad gewendet, inwiefern ich morgens aufwache, auf bestimmte Dinge reagiere und mich anpasse", so Champ, für den es der dritte Sieg auf der PGA Tour war. Zuvor verpasste der gebürtige Kalifornier bei seinen ersten 16 Starts des Jahres neun Cuts, einmal musste er sogar aufgeben. Dank des Sieges rückte Champ auf den 49. Rang im FedExCup vor und ist damit sicher bei den Playoffs im August dabei.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Evian Championship: Esther Henseleit & Sophia Popov T60, Olivia Cowan T70 und Leonie Harm, Aline Krauter & Caroline Masson CUT
  • European Tour, Cazoo Open: Matthias Schmid T47 und Sebastian Heisele, Marcel Schneider, Bernd Ritthammer, Max Schmitt & Nicolai von Dellingshausen CUT
  • The Senior Open Championship: Bernhard Langer 4. und Alex Cejka T18
  • Korn Ferry Tour, Price Cutter Charity Championship: Stephan Jäger T28
  • Symetra Tour, Twin Bridges Championship: Isi Gabsa T6 und Sophie Hausmann T28

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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