Solheim Cup

Viel Konstanz, vereinzelt Glanz

Fast die Hälfte der 17 Solheim Cups fanden mit deutscher Beteiligung statt. Ein Blick auf das große Highlight durch die deutsche Brille.

03. September 2021

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Es dauerte seine Zeit bis der Solheim Cup erstmals auch einen deutschen Stempel aufgedrückt bekam. 13 Jahre nach der Erstaustragung des weiblichen Pendants zum Ryder Cup war es endlich soweit. Elisabeth Esterl ging 2003 als erste Deutsche für Europa auf Punktejagd. Auf ihren extravaganten und farbenfrohen Kleidungsstil, für den die zweimalige LET-Siegerin bekannt war, musste sie beim uniformierten Team-Event zwar verzichten, der deutsche Solheim-Cup-Einstand hätte aber durchaus unscheinbarer ausfallen können.


(Elisabeth Esterl, Photo by David Cannon/Getty Images)

Esterl, zu dem Zeitpunkt 27 Jahre jung, holte im Barsebäck Golf & Country Club in Schweden 1,5 Punkte, verlor nur ihr Einzel, was letztlich aber nicht mehr von großer Relevanz war, da Europa souverän mit 17,5 zu 10,5 Punkten gewann und sorgte obendrein am zweiten Tag mit einem Traumschlag an der 17 für eines der Highlights der Woche. "Das werde ich niemals vergessen", so Esterl über den Moment, als die Fans eine Stimmung "wie im Fußballstadion" machten. Es sollte der letzte Solheim-Cup-Auftritt der gebürtigen Dingolfingerin bleiben. Trotz ihres zweiten LET-Erfolgs 2004 reichte es nicht zur erneuten Qualifikation. Der Solheim Cup 2005 fand entsprechend ohne deutsche Beteiligung statt.

2007 betrat eine weitere deutsche Debütantin die große Bühne. In ihrem erfolgreichsten Jahr als Profigolferin durfte Bettina Hauert auch zum Solheim Cup nach Halmstad reisen. Zwei Titel holte sie in der Saison und am Ende fehlte nicht viel zum Gewinn der europäischen Order of Merit. Trotzdem wurde sie zur Ladies European Tour Player of the Year ausgezeichnet. Beim Solheim Cup hatte Hauert dafür weniger zu feiern. Im Alter von 25 Jahren verlor sie damals ihre beiden Matches und musste am Ende zusehen, wie die US-Amerikanerinnen ihren 16-zu-12-Sieg feierten.


(Bettina Hauert, Photo by Andy Lyons/Getty Images)

Abgesehen vom Gefühl der unmittelbaren Enttäuschung, blickt Hauert aber mit Stolz auf das Erlebnis zurück. Erst im vergangenen Jahr reminiszierte sie in einem Interview für TaylorMade: "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Beim Solheim Cup mitzuspielen, ändert alles. Man spielt nicht für Geld oder persönliche Auszeichnungen. Man spielt für die Ehre. Es ist die wahre Seele des Spiels." Obendrein spielte die Hagenerin an der Seite ihres großen Vorbilds Laura Davies und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. "Als Kind wollte ich immer eine Runde Golf mit ihr spielen, weil ich gelesen habe, wie weit sie den Ball schlägt, wie gut sie spielt und welch ein netter Mensch sie im Allgemeinen ist."

Ob der Solheim Cup jemals Anja Monkes großer Traum war, bleibt nur zu vermuten. Jedenfalls blieb ihr das direkte Duell mit den US-Amerikanerinnen verwehrt. Und das trotz zwei LET-Siegen 2008 und einem weiteren Erfolg 2010. Somit reihte sich nicht die zweifache World-Cup-Spielerin in die Reihe der deutschen Solheim-Cup-Teilnehmerinnen ein, sondern es war Sandra Gal, die 2011 etwas überraschend eine der vier Wild Cards erhielt. Den Platz im Team verdiente sich die Düsseldorferin primär durch ihren ersten Sieg auf der LPGA Tour. Einen vollen Punkt beim Solheim Cup holte sie in Dublin jedoch nicht. Zwei ihrer drei Matches verlor sie, bei einem sprang immerhin ein halber Punkt heraus. Über den 15-zu-13-Sieg für Europa konnte sie sich aber natürlich dennoch freuen.


(Caroline Masson, Photo by Chris Graythen/Getty Images)

2013 feierte die nächste Deutsche ihren Solheim-Cup-Einstand. Im Alter von 24 Jahren und als Viertplatzierte der LET-Rangliste qualifizierte sich Caroline Masson direkt für das große Highlight im Colorado Golf Club. Und es sollte ein historischer Solheim Cup werden. Die Europäerinnen gewannen mit 18 zu 10 und holten damit nicht nur ihren ersten Sieg auf fremdem Boden. Es war gleichzeitig der höchste Triumph in der Geschichte des Kontinentalvergleichs. Auch Masson trug mit 2,5 Punkten zum deutlichen Erfolg bei. Zwar verlor die Debütantin ihr Einzel am Sonntag, dafür blieb sie aber bei ihren drei Einsätzen an den ersten beiden Tagen ungeschlagen. Vor allem mit ihrer schwedischen Namensvetterin Caroline Hedwall harmonierte Masson bestens.

Zwei Jahre später punktete das deutsch-schwedische Duo dann nicht mehr. Masson und Hedwall verloren ihren Fourball am zweiten Tag knapp mit 1auf. Der wohl größte Moment in der deutschen Solheim-Cup-Geschichte war aber das vierte Fourball-Match am ersten Wettkampftag. Hier traten nämlich Masson und Gal gemeinsam an. Und das alles vor heimischem Publikum im baden-württembergischen St. Leon-Rot. Vor einer großartigen Kulisse führte das deutsche Duo lange Zeit, eine lange Gewitterunterbrechung verursachte jedoch einen Abbruch wegen Dunkelheit und als das Match am nächsten Tag fortgesetzt wurde, gaben Masson und Gal die Partie fast noch aus der Hand. Letztlich war es Gal, die mit einem tollen Schlag auf der 18 einen halben Punkt rettete. "Der Schlag von Sandra tot an die Fahne war weltklasse, einer der besten, die ich in so einer Situation je gesehen habe", sagte Masson, die dank einer Wild Card ins Team rutschte.


(Caroline Masson und Sandra Gal, Photo by Thomas Niedermueller/Getty Images)

Für Gal war der Solheim Cup in Deutschland so etwas wie eine Wiedergutmachung nach dem etwas verpatzten Debüt im Jahr 2011. In St. Leon-Rot holte sie 2,5 Punkte und war damit viertbeste Europäerin. Masson punktete dagegen lediglich im Team-Match mit ihrer Landsfrau. Trotz deutlicher Führung vor dem Finaltag gelang Europa die Titelverteidigung nicht. Die USA holten am Sonntag 8,5 Punkte und siegten so hauchdünn mit 14,5 zu 13,5. Allzu enttäuscht war Gal damals nach der Niederlage aber nicht: "Das ist Sport. Ich glaube wir hatten dennoch eine wundervolle Woche mit großartigem Golf und einem unglaublichen Publikum." Ein Solheim Cup auf heimischem Boden erlebt man eben auch nicht alle Tage.

Während für Gal die zweite Solheim-Cup-Teilnahme ihre bis dato letzte war, entwickelte sich Masson zu einer absoluten Konstante im europäischen Team. Sowohl 2017 (Captain’s Pick) als auch 2019 war die Gladbeckerin wieder dabei. Damit nahm sie an vier Solheim Cups in Folge teil. 2017 in Iowa schenkte ihr die Kapitänin Annika Sörenstam vollstes Vertrauen und setzte sie an den ersten beiden Tagen drei Mal ein. Masson blieb jedoch glücklos und holte keinen Punkt. Erst im Einzel fand sie zu ihrer Form, was jedoch nichts am deutlichen Erfolg der US-Amerikanerinnen änderte (16,5 zu 11,5). Und auch 2019 in Gleneagles bekam man nicht die Masson zu sehen, die bei ihrem Solheim-Cup-Debüt 2013 so vielversprechend loslegte. Von drei Matches verlor sie zwei und so steht bei ihr eine persönliche Solheim-Cup-Bilanz von 3-8-3 (Siege-Niederlagen-Unentschieden). Viel wichtiger jedoch ist der Fakt, dass Masson zwei Mal den Solheim Cup gewann - so oft wie keine andere deutsche Spielerin.


(Sophia Popov, Photo by Brian Spurlock/Icon Sportswire via Getty Images)

In diesem Jahr in Toledo, Ohio, betritt ein neues deutsches Gesicht die Solheim-Cup-Bühne. Sophia Popov setzt ihre Cinderella Story fort, die sie mit ihrem Major-Sieg 2020 begann, und qualifizierte sich dank ihrer guten Platzierung im Rolex Ranking für das Team. "Ein absoluter Traum wird wahr", so die 28-Jährige. Die Vorzeichen könnten durchaus schlechter stehen. Denn Popov sammelte bereits jede Menge Team-Erfahrung wie beispielsweise beim Junior Solheim Cup 2009, der Espirito Santo Trophy oder der European Ladies‘ Team Championship und überzeugte zudem bei einem Match-Play-Event der LPGA Tour in dieser Saison. Dort schaffte sie es bis ins Finale und stellte damit ihre Fähigkeiten im direkten Duell unter Beweis. Allein, dass seit 2011 kein Solheim Cup mehr ohne deutsche Beteiligung stattfand, zeigt aber doch, wie gut es um das deutsche Damengolf bestellt ist. Und Popov schreibt das nächste Kapitel.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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