Tour-Rückblick

Cooler Cantlay, Vorteil Europa

Patrick Cantlay knackt den FedExCup-Jackpot und Team Europa geht mit einem Vorsprung in den Finaltag des Solheim Cup. Der Rückblick aufs Wochenende.

06. September 2021

Artikel teilen:

Bei der Tour Championship ist die Entscheidung gefallen. Der beste Spieler der PGA-Tour-Saison 2020/21 wurde ausgezeichnet und ist um 15 Millionen US-Dollar reicher. Beim Solheim Cup geht es dagegen nicht ums Geld, sondern um die Ehre. Hier konnte sich Europa in eine aussichtsreiche Position für das Finale spielen. Der Rückblick:

PGA Tour


(Patrick Cantlay, Photo by Kevin C. Cox/Getty Images)

Es entwickelte sich schon relativ früh in der Woche ein privates Duell zwischen Patrick Cantlay und Jon Rahm um den 15-Millionen-Jackpot, der an den Sieger der Tour Championship und damit den FedExCup-Champion geht. Der Weltranglistenerste aus Spanien war der einzige, der den bereits vor dem Turnier bestehenden Abstand auf den Führenden in der Saisonwertung wettmachen und mit Cantlay, der derzeit sein bestes Golf spielt, mithalten konnte. Am Ende reichte es jedoch trotz der geteilt besten Turnierleistung in East Lake nicht ganz zum großen Coup für Rahm.

Der amtierende US-Open-Champion blieb die letzten 28 Löcher fehlerfrei, konnte dabei aber auch nur zwei Birdies spielen. Ein Spaziergang für Cantlay waren die Back Nine jedoch keineswegs. Der 29-Jährige, der in der Vorwoche seinen dritten Saisonsieg feierte und entsprechend in der Pole Position nach Atlanta reiste, spürte Rahms Atem bis zum Schluss und benötigte auf der 18 ein Birdie, um nicht erneut über das Stechen gehen zu müssen - wie bei der BMW Championship, als er Bryson DeChambeau am sechsten Extra-Loch bezwang. Cantlay wurde seinem neuen Spitznamen "Patty Ice" aber einmal mehr gerecht und haute sein Eisen 6 auf dem abschließenden Par 5 3,5 Meter an den Stock. "Das war mein bester Schlag der Woche", so der US-Amerikaner.


(Jon Rahm und Patrick Cantlay, Photo by John Adams/Icon Sportswire via Getty Images)

Am Loch zuvor, der 17, kam Cantlay aber nochmal ins Wanken, nachdem ihm eine Serie von Fehlschlägen einen anspruchsvollen Zwei-Meter-Putt zum Bogey ließ. Das Doppel-Bogey konnte von der Karte gehalten werden und so rettete er den knappen Vorsprung auf die 18, wo Rahm zum Eagle chippte, sich letztlich aber mit dem Birdie und damit dem Trostpreis von fünf Millionen US-Dollar zufriedengeben musste. "Ich habe alles gegeben, aber es hat nicht gereicht", so die Nummer eins der Welt. "Patrick hat großartiges Golf gespielt und er hatte zum Start der Woche vier Schläge Vorsprung. Auch wenn ich die Woche über besser war als er, hat er es verdient. Das Up-and-Down auf der 17 und der zweite Schlag in die 18 machen es noch beeindruckender. Ich denke man kann sagen, dass er es gewonnen hat." Es fühle sich jedoch auch etwas komisch an, gleichzeitig enttäuscht und fünf Millionen gewonnen zu haben, so Rahm.

Für Cantlay war es der bislang größte Erfolg seiner Karriere, die der Kalifornier beinahe wegen einer hartnäckigen Rückenverletzung beenden musste. Nach einer dreijährigen Pause fühlte er sich jedoch wieder fit und konnte sich so langsam aber stetig in die Weltspitze vorarbeiten. "Ich spiele Golf, um diese Momente zu erleben, in denen ich gegen die besten der Welt spiele", so Cantlay, der nun auch ein Kandidat auf die Auszeichnung zum "PGA Tour Player of the Year" ist. "Das ist, warum ich so hart arbeite. Das ist, warum ich dieses Spiel liebe." Dass der Saisonerfolg mit dem größten Scheck in der Welt des Golfs verbunden ist, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. "Das Geld ist nicht was mich antreibt, dieses Spiel zu spielen. Turniere gewinnen, Golf unter Druck zu spielen und gute Schläge machen - dafür trainiere ich und dafür habe ich mein ganzes Leben trainiert." Wie cool er mit Drucksituationen umgehen kann, bewies "Patty Ice" in den vergangenen beiden Wochen. In dieser Form könnte er auch beim Ryder Cup, für den er sich bereits bei der BMW Championship sicher qualifizierte, ein wichtiger Faktor für die US-Amerikaner werden.

Zum Leaderboard >>>

Solheim Cup


(Leona Maguire und Mel Reid. Photo by Gregory Shamus/Getty Images)

Es sind zwar noch zwölf Punkte zu vergeben, und doch steht gefühlt schon jetzt der Star des Solheim Cups in Toledo, Ohio, fest. Leona Maguire, die als erste Irin überhaupt an dem Kontinentalvergleich teilnimmt, kam bislang in jeder der vier Sessions zum Einsatz und holte bereits 3,5 Punkte. Der 26-jährige Rookie feuerte an den ersten beiden Tagen ein regelrechtes Feuerwerk ab und ließ sich zu keinem Zeitpunkt eine Nervosität anmerken. Annäherungen trafen die Fahne, und lag der Ball mal etwas weiter vom Loch entfernt, lieferte Maguires Putter die Show. "Ich hatte fantastische Partnerinnen, mit denen ich mich so wohl gefühlt habe", so die vor Energie nur so strotzende Irin, die am Sonntag beide Sessions an der Seite von Mel Reid bestritt. Und der Engländerin war es dann auch zu verdanken, dass sie ihr Match am Nachmittag noch teilten, nachdem diese einen Traumschlag in das 18. Grün spielte.

Schon zuvor standen weitere Punktgewinne für die Europäerinnen fest. Sowohl Carlota Ciganda und Nanna Koerstz Madsen (1auf) als auch Charley Hull und Emily Pedersen (3und2) gewannen ihre Matches. Einzig Sophia Popov und Celine Boutier blieben am Sonntagnachmittag aus europäischer Sicht punktlos. Dabei sorgte die Deutsche, die auch schon ihr Match am Vortag verlor, erneut für einige Highlights. Nachdem das französisch-deutsche Duo zwischenzeitlich 3down lag, drehte Popov auf den Back Nine nochmal etwas auf und stemmte sich gegen die Niederlage. Ein langer Birdie-Putt auf der Zehn und eine starke Annäherung auf der Zwölf (Par 3) gaben den beiden Hoffnung. Als das Match an der 13 wieder A/S stand, schien das Momentum bei Popov/Boutier zu liegen, jedoch kämpften sich die beiden Rookies aus den USA, Yealimi Noh und Mina Harigae, mit drei Birdies auf den nächsten vier Löchern zurück und gewannen so letztlich mit 3und1.

In der Gesamtabrechnung geht Europa mit einem knappen Vorsprung von zwei Punkten (9-7) in den Finaltag. Mit zwölf ausstehenden Einzeln ist also noch alles offen. Sollte es aber zu dem Fall kommen, dass es am Ende 14 zu 14 steht, dann geht der Solheim Cup erneut an die Titelverteidigerinnen aus Europa. Catriona Matthew könnte die erste europäische Kapitänin werden, der das gelingt.

Zum Leaderboard >>>

European Tour


(Rasmus und Nicolai Hojgaard, Photo by Luke Walker/Getty Images)

Die Familie Hojgaard kommt aus dem Feiern gar nicht mehr raus. Beim European Masters war es noch Rasmus, der seinen dritten European-Tour-Titel holte und nur eine Woche später durfte sich nun auch Zwillingsbruder Nicolai in die Siegerliste eintragen. Damit schrieben die 20-jährigen Dänen ganz nebenbei Geschichte. Denn noch nie zuvor konnten zwei Brüder bei zwei aufeinanderfolgenden Turnieren auf der European Tour gewinnen. "Ich war ziemlich emotional, als ich den letzten Putt lochte und rüber zu meinem Caddie und zu Rasmus mit meiner und seiner Freundin schaute", so Nicolai, der sich erst dank eines Birdies auf der 18 den Titel bei der Open d’Italia sicherte.

Mit einem Gesamtergebnis von 13 unter Par setzte der Youngster die Bestmarke im Marco Simone Golf Club, wo 2023 der Ryder Cup stattfinden wird. "Dort könnte ich mich definitiv auch spielen sehen", so Nicolai über sein großes Ziel. Nach einem Lieblingsspielpartner müsste er sich nicht so lange umschauen. "Mein Bruder und ich würden sehr gerne zusammenspielen." Hinter Nicolai Hojgaard, der als letzter Spieler ins Feld der Open d’Italia gerutscht war, teilten sich Tommy Fleetwood und Adrian Meronk Platz zwei bei -12.

Bester Deutscher in Rom wurde Maximilian Kieffer bei -4. Als geteilter 27. machte der 31-Jährige sogar einen Platz gut im Race to Dubai und rangiert dort nun auf dem 40. Platz. Marcel Siem benötigte einen Schlag mehr und wurde 34. bei -3. Martin Kaymer und Sebastian Heisele scheiterten nach zwei Runden am Cut. Zumindest für Kieffer und Kaymer geht es von Rom direkt weiter nach Wentworth, wo ab Donnerstag die BMW PGA Championship stattfindet.

Zum Leaderboard >>>

Challenge Tour


(Yannik Paul, Photo by Matthew Lewis/Getty Images)

Yannik Paul befindet sich weiter in Topform. Nach zwei Top-15-Resultaten in Folge steigerte sich der 27-Jährige bei der British Challenge nochmals und beendete das im The Belfry ausgetragene Event auf dem geteilten dritten Rang. Für Paul war dies seine bis dato beste Platzierung auf der Challenge Tour. Auch das damit verbundene Preisgeld in Höhe von knapp 14.000 Euro bedeutete einen neuen persönlichen Rekord. Paul, der seine Golfkarriere in den USA begann, spielte die ganze Woche über äußerst solide und glänzte insbesondere am Finaltag mit der besten Runde des Tages. Nur 65 Schläge (-7) benötigte er am Sonntag und verbesserte sich damit um zehn Plätze auf dem Leaderboard. Im Road to Mallorca ging es rauf auf den 16. Rang, womit er aktuell die European-Tour-Karte sicher hätte. Noch stehen jedoch einige Turniere auf dem Programm. Als nächstes macht die Challenge Tour im Wittelsbacher Golfclub Halt. Dort findet erstmals die Big Green Egg German Challenge statt.

Zum Leaderboard >>>

Korn Ferry Tour

Auch wenn Stephan Jäger die Korn Ferry Tour Championship nicht mitspielte, steht seit Sonntag fest, dass der Deutsche eine volle Spielberechtigung für die kommende PGA-Tour-Saison erhält. Als Gewinner der Saisonwertung ("The 25") ist der Münchner damit auch bei der Players Championship 2022 gesetzt. Jäger gewann in der abgelaufenen Saison zwei Events und wurde zudem vier Mal Zweiter. Mit Matthias Schwab qualifizierte sich auch ein Österreicher für die nächste PGA-Tour-Saison. Der 26-Jährige beendete die Finals-Wertung auf dem neunten Rang und ist damit erstmals Tour-Mitglied in den USA. Die neue Spielzeit beginnt bereits in zwei Wochen in Napa, Kalifornien.

Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies European Tour, Creekhouse Ladies Open: Karolin Lampert T12, Leticia Ras Anderica T44 und Leonie Harm 60.
  • European Tour, Open d'Italia: Maximilian Kieffer T27, Marcel Siem T34 und Sebastian Heisele & Martin Kaymer CUT
  • Challenge Tour, British Challenge: Yannik Paul T3, Velten Meyer T12, Jonas Kölbing T53 und Dominic Foos, Moritz Lampert, Matthias Schmid, Hinrich Arkenau, Philipp Mejow & Carl Siemens CUT
  • Ladies Access Series, Flumserberg Ladies Open: Charlotte Back 2., Verena Gimmy T15, Luisa Dittrich T36, Sonya Knebel T50, Sydney Marie Harz T58, Anastasia Mickan T61 und Sandy Voss, Patricia Isabel Schmidt & Maria-Theresa Licka CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel