Tour-Vorschau

Flaggschiff und Deutschland-Comeback

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der BMW PGA Championship und einem neuen Challenge-Tour-Event in Deutschland.

08. September 2021

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Die PGA Tour schnauft nach einem spannenden Saisonfinale erstmal kurz durch und überlässt so dem Flaggschiff-Turnier der European Tour die Bühne. Hier steht vieles im Zeichen des Ryder Cups, der nur noch wenige Wochen entfernt liegt. Außerdem dürfen sich deutsche Golffans über ein neues Turnier auf der Challenge Tour freuen. Die Vorschau:

European Tour


(Blick auf das erste Tee, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Als wäre die BMW PGA Championship nicht schon als solches eines der Highlights im Kalender, markiert es in diesem Jahr obendrein die letzte Gelegenheit für die europäischen Spieler, sich für den in zwei Wochen anstehenden Ryder Cup zu empfehlen. Padraig Harrington wird im Anschluss an das Flaggschiff-Event der European Tour seine drei Captain’s Picks bekanntgeben und wenn man nicht gerade Ian Poulter oder Sergio Garcia heißt, dann sollte man die Woche in Wentworth nochmals nutzen. Mit Jon Rahm, Viktor Hovland, Rory McIlroy, Paul Casey und Tommy Fleetwood stehen fünf Namen bereits sicher für das europäische Team fest.

Auch Tyrrell Hatton und Matt Fitzpatrick dürften ihre Flüge nach Whistling Straits schon gebucht haben. Die letzten beiden der insgesamt neun automatisch qualifizierten Plätze sind derzeit von Lee Westwood sowie Shane Lowry besetzt. Das Rennen um diese beiden Tickets dürfte bei der BMW PGA Championship aber nochmals Fahrt aufnehmen. Denn Bernd Wiesberger und Victor Perez lauern nur knapp dahinter und ein Top-Ergebnis bei einem Event der Rolex Series gibt bekanntlich extra viele Punkte. Ein großes erstes Treffen des europäischen Teams gibt es in dieser Woche jedoch nicht. Auch wenn die PGA Tour eine Pause einlegt, reisten McIlroy, Rahm und Casey nicht nach Surrey. Gleiches gilt für Garcia, der mit großer Wahrscheinlichkeit eine der drei Wild Cards erhält und nach einem anstrengenden Saisonfinale in den USA lieber die Beine hochlegt.


(Billy Horschel, Photo by Warren Little/Getty Images)

Trotz der Abwesenheit einiger Topstars, kann sich das Feld in dieser Woche immer noch sehen lassen. Mit Hovland und Titelverteidiger Hatton sind zwei Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste am Start. Billy Horschel und Adam Scott geben in Wentworth einen ihrer seltenen Auftritte auf der European Tour. Wobei der US-Amerikaner Horschel als Vierter des Race to Dubai auch durchaus Ambitionen haben dürfte, beim Saisonfinale in Dubai um den Gesamtsieg zu kämpfen. Seinen ersten Titel auf der European Tour feierte die Nummer 28 der Welt beim WGC-Match Play im März. Und auch bei der BMW PGA Championship konnte Horschel bereits überzeugen. 2019 wurde er hier geteilter Vierter. Für Scott ist es die sechste Teilnahme an dem Event, das seit 1972 ausgetragen wird.

Ihr Zuhause hat die BMW PGA Championship 1984 gefunden, als man erstmals auf dem West Course des Wentworth Club zu Gast war. Inzwischen gastiert die European Tour hier aber nicht mehr. Vielmehr ist es das Heimturnier. Wentworth gilt nämlich als das Hauptquartier der globalen Tour und entsprechend hoch ist der Stellenwert dieses Events, das mit acht Millionen US-Dollar zu den höchstdotierten Turnieren im Kalender zählt. Die Spieler erwarten in Wentworth einen vergleichsweise kurzen Par-72-Platz, der ein strategisches Vorgehen abverlangt. Jede Menge Bäume, clever platzierte Bunker und dichtes Rough bestrafen verzogene Abschläge sofort. Strafschläge lauern ebenfalls auf dem Harry-Colt-Design aus 1927, denn Wasserhindernisse sind hier keine Seltenheit. Die Ergebnisse aus den vergangenen beiden Jahren zeigen aber, dass die Verschiebung der BMW PGA Championship in den Spätsommer mehr Birdies zulässt als bei den Ausgaben zuvor. So gewann Danny Willett 2019 mit einem Gesamtergebnis von 20 unter Par. Nur einmal wurde im Wentworth Club ein noch niedrigeres Siegerresultat erreicht (An Byeong-hun, 2015, -21).


(Bernhard Langer mit seiner Familie 1995, Mandatory Credit: Steve Munday/ALLSport

Den letzten deutschen Erfolg in Wentworth feierte Bernhard Langer 1995. Für den zweifachen Masters-Champion war es der dritte Erfolg beim Flaggschiff-Event. Damit ist er noch immer der Rekordsieger bei diesem Turnier - gemeinsam mit Peter Alliss, Sir Nick Faldo und Colin Montgomerie. Martin Kaymer kam bei der BMW PGA Championship noch nie über Platz sieben (2016) hinaus. Im vergangenen Jahr wurde die deutsche Nummer eins hier geteilter Zehnter, jedoch spricht die aktuelle Form nicht unbedingt für ein weiteres Top-Ergebnis in dieser Woche. Bei drei seiner vergangenen vier Starts verpasste Kaymer den Cut. Etwas besser lief es zuletzt für Maximilian Kieffer. Die Nummer 40 im Race to Dubai reist mit zwei Top-30-Ergebnissen im Gepäck nach Surrey, wo er aber in den vergangenen beiden Jahren jeweils den Cut verpasste.

Challenge Tour


(Das Clubhaus des Wittelsbacher Golf Clubs)

Die Challenge Tour begrüßt ein neues Turnier in ihrem Kalender. Die Big Green Egg German Challenge feiert in dieser Woche ihre Premiere und beendet damit das fünf Jahre lange Warten auf ein weiteres Challenge-Tour-Event auf deutschem Boden. Zuletzt gastierte die zweite Liga 2015 im Hartl Resort. Für das neue Turnier verlässt man zwar die Rottaler Gegend, jedoch bleibt man in Bayern, und schlägt die Zelte im Wittelsbacher Golf Club bei Ingolstadt auf. Hier schlängelt sich einer der schönsten Plätze Deutschlands durch 200 Jahre alte Linden und Eichen, die auf Land stehen, auf dem früher die Pferde der bayrischen Könige gezüchtet wurden. 1986 durfte sich dann der niederländische Architekt Joan Dudok van Heel auf dem Park-ähnlichen Gelände austoben und erschuf eine Wiese, die den Spielern insbesondere durch die schmalen Fairways einiges abverlangen dürfte.

Es ist aber nicht so, als verfüge das Teilnehmerfeld in dieser Woche nicht über genügend Qualität, um auch in Neuburg an der Donau für niedrige Ergebnisse zu sorgen. Sowohl der Sieger der British Challenge, Hugo Leon, als auch der Gewinner der B-NL Challenge Trophy aus der Woche davor, Alfredo Garcia-Heredia, sind vertreten. Gleiches gilt für den aktuell Führenden im Saisonranking, Santiago Tarrio. Aus deutscher Sicht zählt Hurly Long zum Favoritenkreis, nachdem er zuletzt Fünfter in den Niederlanden wurde. Der 14. im Gesamtklassement feierte im vergangenen Jahr seinen ersten Sieg auf der Challenge Tour und kann nun auf heimischem Boden einen großen Schritt in Richtung European-Tour-Karte machen.


(Marcel Siem, Photo by Luke Walker/Getty Images)

Der beste Deutsche der laufenden Challenge-Tour-Saison sagte seinen Start beim Heimevent schweren Herzens ab. Nach anstrengenden Wochen auf der European Tour legt Marcel Siem eine Pause ein, um auch sein Zwicken in der Schulter auszukurieren. "Auf Raten der Ärzte wollen wir die Sache diese Woche genauer anschauen und der Schulter als Vorsichtsmaßnahme auch ein paar Tage Ruhe geben", schrieb der 41-Jährige auf Facebook. "Die Saison war bis hierhin extrem kräftezehrend, ich habe aktuell bereits fünf Wochen am Stück gespielt, bin kreuz und quer mit meinem Auto gefahren, von Deutschland nach Schottland, über England nach Tschechien, in die Schweiz und bis nach Rom und letzte Nacht dann die schlappen 1.500 Kilometer zurück nach Hause." Dort steht nun also erstmal Erholung auf dem Programm, ehe der Saisonendspurt auf der Challenge Tour ruft.

Ein weiterer Deutscher, den man für diese Woche im Auge behalten sollte, ist Yannik Paul. Der 27-Jährige wurde in der vergangenen Woche geteilter Dritter und beendete damit das dritte Turnier in Folge unter den besten 15. Paul ist dank dieser starken Serie bis auf Rang 16 in der Saisonwertung vorgerückt und darf sich somit berechtigte Hoffnungen auf einen Aufstieg in Liga eins machen. Insgesamt gehen bei der Big Green Egg German Challenge, die übrigens auch von der VcG unterstützt wird, 29 Deutsche an den Start.

Wer bei dem Deutschland-Comeback dabei sein will, kann hier Tickets erwerben >>>

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour Champions, Ascension Charity Classic: Bernhard Langer und Alex Cejka
  • Ladies European Tour, Swiss Ladies Open: Carolin Kauffmann, Sarina Schmidt, Karolin Lampert, Leticia Ras-Anderica, Franziska Friedrich, Sandra Gal und Sophie Witt
  • European Tour, BMW PGA Championship: Martin Kaymer und Maximilian Kieffer
  • Challenge Tour, Big Green Egg German Challenge: Marcel Schneider, Hurly Long, Yannik Paul, Velten Meyer, Nick Bachem, Matthias Schmid, Marc Hammer, Jannik de Bruyn, Freddy Schott, Benedict Staben, Philipp Mejow, Michael Hirmer, Max Rottluff, Finn Fleer, Max Ölfke, Timo Vahlenkamp, Philipp Katich, Bernd Ritthammer, Max Schmitt, Nicolai von Dellingshausen, Alexander Knappe, Moritz Lampert, Jonas Kölbing, Dominic Foos, Thomas Rosenmüller, Hinrich Arkenau, Allen John, Christian Bräunig und Julian Kunzenbacher
  • Legends Tour, Scottish Senior Open: Thomas Gögele
  • Forme Tour, Forme Tour Championship: Lukas Euler und Jeremy Paul

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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