Ryder Cup

Fünf Geschichten zum Ryder Cup

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der 43. Ausgabe des Ryder Cups.

22. September 2021

Artikel teilen:

Es ist endlich soweit. Drei Jahre nach dem dominanten Erfolg der Europäer in Paris, treten Rory McIlroy und Co. zur Titelverteidigung in der Fremde an. Die 43. Ausgabe des Ryder Cups steht in Whistling Straits auf dem Programm und wir legen unseren kompletten Fokus auf das große Highlight, bei dem auch ein Deutscher sowie erstmals ein Österreicher mitmischen. Die Vorschau:

Kapitän Kaymer


(Bernd Wiesberger, Martin Kaymer und Matt Fitzpatrick, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

"Er ist jung genug, um mit den jüngeren Spielern etwas gemeinsam zu haben, hat aber auch den Respekt vor den älteren Spielern", so beschreibt Caddie Craig Connelly das Profil seines Arbeitgebers Martin Kaymer, der in dieser Woche erstmals nicht als Spieler beim Ryder Cup teilnimmt, sondern Kapitän Padraig Harrington als Assistent zur Seite steht. Der Deutsche ist einer von fünf Vize-Kapitänen im europäischen Team, das in Whistling Straits versucht, den Titel zu verteidigen. Kaymers Expertise dürfte auf kaum einem anderen Platz so wertvoll sein wie auf dem Pete-Dye-Design an der Küste des Lake Michigans. Immerhin gewann die ehemalige Nummer eins der Welt hier seinen ersten Major-Titel, als er bei der PGA Championship 2010 Bubba Watson im Stechen schlug und wenige Monate später die Spitze der Weltrangliste erklomm.

An Ryder-Cup-Erfahrung mangelt es dem 36-Jährigen bekanntlich auch nicht. Vier Mal trat er bereits für das europäische Team an und 2012 machte er das "Wunder von Medinah" mit seinem berühmten Zwei-Meter-Putt perfekt. In dieser Woche erhält Kaymer einen neuen Blickwinkel auf den prestigeträchtigen Wettkampf. Der gebürtige Düsseldorfer arbeitet im Hintergrund, analysiert und motiviert. "Ich habe natürlich alles versucht, mich Sportlich für das Team zu qualifizieren, muss mir aber eingestehen, dass es einfach nicht gut genug war", sagte Kaymer vor dem Abflug in die USA. "An einem gewissen Punkt muss man ehrlich sein, dass ich im Moment nicht zu den zwölf besten Spielern Europas gehöre."

Vier Herren, die aktuell zu den zwölf besten Spielern Europas zählen, sind Matt Fitzpatrick, Viktor Hovland, Tommy Fleetwood und Bernd Wiesberger. Und genau diese Spieler soll Kaymer in Sheboygan, Wisconsin, primär betreuen. Womöglich steht einer von ihnen am Sonntag vor einem ähnlich entscheidenden Putt wie es der deutsche Vize-Kapitän vor neun Jahren tat. Das entsprechende Rüstzeug dürften sie bis dahin vom "Helden von Medinah" an die Hand bekommen haben.

Österreich beim Ryder Cup


(Matt Fitzpatrick und Bernd Wiesberger, Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

94 Jahre nach der Premiere hinterlässt nun auch erstmals Österreich seine Fußspuren in der langen Geschichte des Ryder Cups. Die Augen einer ganzen Golfnation sind auf den Burgenländer Bernd Wiesberger gerichtet, der sich im letzten Moment als einziger Spieler ohne PGA-Tour-Karte für das europäische Team qualifizierte. "Von den Emotionen ist das eine ganz andere Kategorie von all dem, was ich bisher spielen durfte", freute sich der achtmalige European-Tour-Sieger auf sein Debüt. "Es ist etwas, worauf ich die ganze Karriere hingearbeitet habe." Die Ankunft in Milwaukee erfolgte am Montag mit einem Tour-Charter aus London, in dem neben einigen von Wiesbergers Teamkollegen auch Captain Harrington, inklusive des Ryder-Cup-Pokals, mitreisten. Für Wiesberger war dies der Beginn einer unvergesslichen Reise. "Im Endeffekt kann man nur alles aufsaugen. Ich will einfach die Situation genießen und für das europäische Team Punkte machen."

Im Gegensatz zu Kaymer verbindet Wiesberger nicht die besten Erinnerungen mit dem ikonischen Austragungsort. Bei der PGA Championship 2015 verpasste der 35-Jährige, wenn auch nur um einen Schlag, den Cut. Kaymers Platzkenntnisse dürften also äußerst willkommen sein, zumal die beiden, die sich schon seit vielen Jahren von der European Tour kennen, in ihrer Landessprache unterhalten können. Die Ryder-Cup-Woche begann für Wiesberger jedenfalls mit einem Erfolgserlebnis. In der ersten Einspielrunde am Dienstag setzte er sich gemeinsam mit Matt Fitzpatrick im Bestball gegen die englischen Teamkollegen Ian Poulter und Paul Casey durch. Wirklich entscheidend wird es aber erst ab Freitag, wenn vielleicht erstmals in der Geschichte des Ryder Cups ein Österreicher etwas zum Punktekonto der Europäer beiträgt. Die Unterstützung nicht nur einer ganzen Nation, sondern eines ganzen Kontinents, ist ihm gewiss.

Explosive Mischung


(Brooks Koepka und Bryson DeChambeau, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Als wäre in der Vergangenheit nicht schon genug über die Unterschiede in der Chemie der jeweiligen Teams gemutmaßt worden, dürften sich Steve Strickers Bemühungen, Harmonie bei den US-Amerikanern zu erzeugen, insbesondere auf zwei seiner Schützlinge konzentrieren, die nun schon länger die Blicke des jeweils anderen gemieden haben. Die viele Monate andauernde Fehde zwischen Bryson DeChambeau und Brooks Koepka wurde schon im Vorfeld des Ryder Cups mit Spannung erwartet, erlebt in dieser Woche jedoch allem Anschein nach nicht ihren Höhepunkt, sondern wird im Sinne des Teamgedankens beiseitegeschoben. "Wir haben zusammen Abend gegessen und es war gut", so DeChambeau, der sich aufgrund der Anfeindungen auf und teilweise neben dem Platz aus der Öffentlichkeit zurückzog, für den Ryder Cup jedoch erstmals wieder seit langer Zeit vor die Mikrofone trat. "Dies ist ein Team-Event. Ich bin darauf fokussiert, dem Team USA dabei zu helfen, zu gewinnen, und das ist ehrlicherweise der Grund, warum ich hier bin. Hierbei soll es nicht wieder um mich gehen."

Liegt das Kriegsbeil zwischen den beiden Longhittern also begraben? Laut DeChambeau darf man sich auf etwas freuen, das zumindest Interpretationsspielraum offenlässt. "Ich denke, da könnte etwas Lustiges auf uns zukommen, aber darauf gehe ich nicht weiter ein." Eine Paarung DeChambeau/Koepka wäre vermutlich zu viel des Guten. Auf der anderen Seite könnte ein solcher Schachzug auch die entsprechenden Prozentpunkte bei den US-Amerikanern herauskitzeln. Was sich Stricker für die drei Wettkampftage auch überlegt, für die Zuschauer gibt diese explosive Mischung eine extra Portion Würze in das Duell USA gegen Europa.

USA wirklich Favorit?


(Jordan Spieth und Justin Thomas, Photo by Patrick Smith/Getty Images)

Den Sieger beim Ryder Cup vorherzusagen, kommt in etwa dem Wurf einer Geldmünze gleich. Blickt man auf die nackten Zahlen, gehen die US-Amerikaner, wie eigentlich jedes Jahr, als Favoriten in das Duell. Die durchschnittliche Weltranglistenposition beim Team USA liegt bei 9, während die Europäer bei Position 30 rangieren. Hinzukommt der Heimvorteil, der im Anbetracht der Corona-Umstände noch gewaltiger ausfallen dürfte, da nur äußerst wenige europäische Fans die Reise nach Wisconsin antreten. Im ewigen Vergleich haben die US-Amerikaner die Nase mit 26 zu 14 Punkten noch immer weit vorne, wobei dieser Fakt etwas hinkt, da der Ryder Cup erst seit 1979 zwischen USA und Europa stattfindet und nicht mehr nur noch Großbritannien und Irland vertreten sind. Laut der Buchmacher sind die US-Amerikaner auch in dieser Woche wieder favorisiert.

Zum US-amerikanischen Team >>>

Der Ryder Cup wird aber nicht auf dem Papier entschieden. Aus dem Einzelsport wird in dieser einzigartigen Woche ein Teamsport, bei dem mehr Faktoren eine Rolle spielen als die reine Spielstärke. Der Solheim Cup vor wenigen Wochen war ein weiterer Beleg dafür, wie stark der Zusammenhalt innerhalb des europäischen Teams ist. Die europäischen Damen gewannen gegen die klar favorisierten US-Amerikanerinnen - und das auf fremdem Terrain in Ohio.

Auf ein ähnliches Ende hofft auch Harrington mit seinen zwölf Schützlingen, die im Durchschnitt 34,6 Jahre alt sind. Die US-Amerikaner kommen dagegen auf ein Durchschnittsalter von gerade mal 29,1. Die Erfahrung könnte also einer dieser Faktoren werden, zumal die Hälfte des US-Amerikanischen Teams aus Rookies besteht. Europa hat derer drei. Der Ryder-Cup-MVP spielt ebenfalls in blau. Sergio Garcia hat so viele Punkte bei diesem Event gesammelt wie kein anderer vor ihm. In Kombination mit seinem Landsmann und dem Weltranglistenersten Jon Rahm wird sich Harrington mit Sicherheit ein paar Punkte von seinem spanischen Duo ausrechnen. Doch genug in die Glaskugel geschaut. Am Sonntag wird abgerechnet und nur zwei Mal in den vergangenen 20 Jahren hielt Europa am Ende nicht den Pokal in den Händen. Als Favoriten gingen sie jedoch nur äußerst selten in die Woche.

Eine Ode an Irland


(Bahn 8 von Whistling Straits, Photo by PGA of America/Getty Images)

Auch wenn die 43. Ausgabe des Ryder Cups in den USA stattfindet, schwebt in dieser Woche ganz viel irische Luft mit. Und dies liegt nicht nur am europäischen Kapitän und dessen Landsmann Shane Lowry, der erstmals beim Kontinentalvergleich teilnimmt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die beiden Iren in Whistling Straits an die heimische Landschaft erinnert fühlen. Genau diesen Anspruch verfolgte Pete Dye nämlich, als er den Auftrag von Herb Kohler entgegennahm, einen Platz an den Lake Michigan zu bauen, der wie der berühmte irische Linkskurs Ballybunion aussehen sollte. Das Land, das der Architekt zur Verfügung gestellt bekam, hatte nur wenig mit dem zu tun, was man dort inzwischen bestaunen darf. "Flach wie ein Pfannkuchen" soll es an der Küste gewesen sein. Die ikonischen Dünen von Whistling Straits sind also alle handgemacht. Genauso wie die knapp 1.000 Bunker, die den Platz schmücken. Ein architektonisches Meisterwerk, das schon mehrere Major-Events austragen durfte, nun aber erstmals das größte Highlight im Golfsport beheimatet.

Im Hinblick auf den Ryder Cup wurde eine Veränderung am Setup vorgenommen. Aus dem eigentlichen Par 5, der elften Bahn, wurde ein Par 4, womit sich der Kurs in dieser Woche als Par 71 spielt. Die Länge ist mit 6.757 Metern stattlich und wie die Resultate aus den vergangenen Turnieren zeigte, kommt der Platz durchaus den Longhittern, also Spielern wie DeChambeau oder Dustin Johnson entgegen. Daher rechnete auch Kaymer mit einem Setup der Gastgeber, das sich eher durch breite Fairways, kurzes Rough und schnelle Grüns auszeichnet und somit den US-Amerikanern in die Karten spielt.

Irgendwie möchte man auf US-amerikanischer Seite das irische Design mit Sicherheit zu den eigenen Gunsten nutzen, was jedoch allein schon aufgrund der Platzwahl schwierig werden könnte. "Der Kurs ist definitiv anders als die amerikanischen Ryder-Cup-Plätze, auf denen in den letzten Jahren gespielt wurde", so Niki Wiesberger, der seinen Bruder in dieser Woche begleitet und glaubt, dass der exponierte Whistling Straits nicht die typischen amerikanischen Stärken hervorhebt. Allzu unwohl dürften sich die Europäer auf dem irischen Verschnitt also nicht fühlen.

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour Champions, Pure Insurance Championship: Bernhard Langer und Alex Cejka
  • Challenge Tour, Open de Portugal: Marcel Schneider, Hurly Long, Max Rottluff, Jonas Kölbing, Dominic Foos, Hinrich Arkenau, Allen John, Marc Hammer, Moritz Lampert, Alexander Knappe und Jannik De Bruyn
  • LPGA Tour, Arkansas Championship: Caroline Masson, Sandra Gal, Sophia Popov und Esther Henseleit
  • Symetra Tour, El Dorado Shootout: Sophie Hausmann und Isi Gabsa

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

Ähnliche Artikel