Ryder Cup

Weder Wende noch Ende

Nach den ersten beiden Tagen beim 43. Ryder Cup deutet alles auf einen Sieg der überlegenen US-Amerikaner hin.

26. September 2021

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Auch wenn die Europäer seit der ersten Session am Freitag einem Rückstand hinterherhecheln, kann man der Mannschaft um Kapitän Padraig Harrington zu keinem Zeitpunkt ihren Kampfgeist abschreiben. So wie bei Shane Lowry, der am Samstagnachmittag im Einsatz war und sich gemeinsam mit Tyrrell Hatton gegen Tony Finau und Harris English ein packendes Match lieferte. 1auf gingen die Europäer auf die 18, doch als English das Par sicherte und Hatton kurz zuvor seinen Schlag aus dem Bunker deutlich zu kurz ließ, lag der Druck auf den Schultern des Open-Champions 2020. Verschiebt er seinen Par-Putt, teilt man die Punkte noch. Und der Rookie hielt dem Druck stand, lochte seinen Putt und holte damit seinen ersten Punkt beim Ryder Cup.  

Der Jubelschrei des Iren war vermutlich noch auf der anderen Uferseite des Lake Michigans zu hören. "Das ist die größte Woche meines Lebens", erklärte der vor Adrenalin nur so sprudelnde Lowry nach dem Punktgewinn. Das Resultat zu diesem Zeitpunkt mal ausgeblendet, bekam man den Eindruck: Europa lebt. Ob dieser emotionale Moment letzten Endes aber noch irgendeinen relevanten Einfluss auf das Endergebnis haben wird, darf zumindest angezweifelt werden. Zu groß ist der Vorsprung der US-Amerikaner bei nur noch zwölf zu vergebenen Punkten. Mit 11 zu 5 geht es in die Einzel am Sonntag. Ein solcher Rückstand wurde in der Geschichte des Ryder Cups noch nie aufgeholt. 

Für weitere positive Gefühlsausbrüche auf europäischer Seite sorgte einmal mehr Jon Rahm mit seinem Landsmann Sergio Garcia. Das spanische Duo gewann auch sein drittes Match und allen voran Rahm zeigte den US-Amerikanern Brooks Koepka und Jordan Spieth ihre Grenzen auf. Alle sechs Lochgewinne der Spanier gingen auf das Konto vom Weltranglistenersten, der erneut einen glühend heißen Putter im Bag hatte. Rahm sammelte damit bereits 3,5 Punkte an den ersten beiden Tagen in Whistling Straits. An ihm wird es am Ende definitiv nicht gelegen haben. 

An die eigene Nase müssen sich nach ihren bisherigen Vorstellungen andere fassen. Rory McIlroy verlor beispielsweise auch sein drittes Match, ohne überhaupt die 16. Bahn erreicht zu haben. Gemeinsam mit Ian Poulter verlor der Nordire 4 und 3 gegen Dustin Johnson und Collin Morikawa, die aber auch Golf auf allerhöchstem Niveau spielten. Das US-amerikanische Duo brachte auf den 15 gespielten Löchern einen kombinierten Score von acht unter Par ins Clubhaus. Für Johnson war es der vierte Sieg im vierten Match. 

Der vierten Paarung, die Harrington am Samstagnachmittag auf den Platz schickte, ging gegen Ende etwas die Puste aus. Nach 13 gespielten Löchern lagen Tommy Fleetwood und Viktor Hovland noch 1auf. Ihre Gegner Scottie Scheffler und Bryson DeChambeau notierten daraufhin aber vier Birdies in Serie und gewannen so mit 3 und 1. Die erhoffte Wende für die Europäer gab es am Samstagnachmittag also nicht. Und mit neun von zwölf Einzeln, die man am Sonntag gewinnen muss, stehen die Chancen auf eine Titelverteidigung wahrlich nicht gut. Doch es ist der Ryder Cup und Team Europa lebt.

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Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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