Ryder Cup

Die Tops und Flops des 43. Ryder Cups

Wir blicken auf die positiven sowie negativen Höhepunkte des Ryder Cups in Whistling Straits.

27. September 2021

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Abgesehen vom deutlichsten Sieg der modernen Ryder-Cup-Ära gab es weitere Höhepunkte von der Woche in Whistling Straits. Doch auch ein etwas kritischerer Blick auf das, was um den Ryder Cup herum geschah, muss erlaubt sein. Die Tops und Flops: 

Tops

Rookies rockten, der Platz als perfekte Bühne und Europa hält zusammen. 

Rookies und Youngsters


(Collin Morikawa und Xander Schauffele, (Photo by Darren Carroll/PGA of America via Getty Images)

Auf US-amerikanischer Seite gaben gleich sechs Spieler ihr Ryder-Cup-Debüt und bei den Europäern derer drei. Steve Stricker nutzte vier seiner sechs Wild Cards für Neulinge und ging damit durchaus ein gewisses Risiko ein, gleichzeitig einen erfahrenen Ryder-Cup-Spieler wie Patrick Reed zuhause zu lassen. Doch der Kapitän der USA setzte voll auf die formstarken Spieler und wurde letztlich belohnt. Dass angesichts des Rekorderfolgs die meisten Mitglieder des US-amerikanischen Teams eine positive Wochenbilanz vorweisen, ist nicht weiter verwunderlich. Aber dass mit Scottie Scheffler und Patrick Cantlay gleich zwei der sechs Rookies ungeschlagen blieben, ist schon eine Ansage. Zudem gewann Collin Morikawa bei seinem Debüt vier von fünf Matches. 

Nicht umsonst betonte Stricker im Anschluss an den Erfolg immer wieder, dass man hier die neue Generation der US-Amerikaner zu sehen bekam. Dies unterstreicht auch der Altersdurchschnitt des Teams von 29,4 Jahren. Dustin Johnson war mit seinen 37 Jahren der Oldie seiner Mannschaft und schlüpfte entsprechend in die Rolle des Wortführers. Zumindest die drei Tage in Whistling Straits gaben einem den Eindruck, dass die US-Amerikaner mit der diesjährigen Aufstellung ein stabiles Grundgerüst aufbauten, das die Europäer bei den kommenden Ryder Cups vor eine große Aufgabe stellen wird.


(Bernd Wiesberger und Viktor Hovland, Photo by Patrick Smith/Getty Images)

Doch auch bei den Europäern machten die Rookies und Youngsters einen guten Eindruck, auch wenn die jeweilige Punktausbeute dies nicht wirklich widerspiegelte. Viktor Hovland beispielsweise holte nur einen Punkt aus seinen fünf Matches, ließ aber über weite Strecken aufblitzen, welch eine Waffe er bei zukünftigen Ryder Cups werden kann. Allein dass der jüngste Spieler im Team keine Session aussetzte, zeigte, wie viel man dem 24-jährigen Norweger zutraute. Mit 26 Jahren zählt auch Jon Rahm noch zu den Jungen. Der Spanier war mit 3,5 Punkten der beste Europäer in der vergangenen Woche. Die beiden Rookies Bernd Wiesberger und Shane Lowry hatten ebenfalls ihre Glanzmomente, ließen aber etwas die Konstanz vermissen, was von den überragend aufspielenden US-Amerikanern eiskalt bestraft wurde. Wiesberger fiel immer wieder durch seine Nervenstärke auf den Grüns auf und Lowrys Emotionalität könnte den Europäern auch in den kommenden Jahren noch weiterhelfen. 

Whistling Straits


(Das erste Loch von Whistling Straits, Photo by Keyur Khamar/PGA TOUR via Getty Images)

Neben den US-Amerikanern war auch der Austragungsort ein absoluter Gewinner. Nicht nur bestach Whistling Straits immer wieder optisch mit wunderschönen Panoramaeinstellungen über die Dünen hinab auf den Lake Michigan, auch bot der linksähnliche Platz dem Ryder Cup eine perfekte Bühne für spannende Duelle. Viele Löcher auf dem Pete-Dye-Design waren wie gemacht für Matchplay. Anspruchsvolle Par-3-Löcher, angreifbare Par 4s und lange Par-5-Bahnen, die verzogene Schläge mitunter hart bestraften. Mal lag der Ball in einem Busch, mal in einem der vielen Bunker. Die Folge waren zahlreiche Zauber-Rettungsschläge wie der von Jordan Spieth an Tag eins, als er seinen Ball aus einer misslichen Lage am Hang neben die Fahne zaubert und dabei fast selbst im Lake Michigan landete. Und dies alles schaffte Whistling Straits, ohne unfair zu wirken. Bei einem etwas engeren Spielstand mit mehr Spannung hätte sich der zweifache PGA-Championship-Gastgeber noch mehr auszeichnen können. 

Europas Zusammenhalt


(Jon Rahm, Sergio Garcia und Rory McIlroy, Photo by Warren Little/Getty Images)

Wenn man im Vorfeld der Woche die Spieler oder Verantwortlichen zu den Gründen für die europäische Dominanz beim Ryder Cup in den vergangenen Jahren befragte, lautete die Antwort meist: Der Teamgeist sei wichtiger als jegliche spielerische Qualität der Einzelspieler, die bei den US-Amerikanern meist höher eingeschätzt wird. Immerhin handelt es sich hierbei immer noch um einen Teamwettbewerb, der anders als die regulären Turniere auf der Tour nicht alleine gewonnen werden kann. Und auch wenn man in Whistling Straits so deutlich verlor wie seit 1979 noch kein anderes Team zuvor, war eine Sache am Sonntagnachmittag klar. Am Teamgefüge der Europäer scheiterte es nicht. 

In jeder Szene war der europäische Zusammenhalt spürbar und die Reaktionen nach den Einzeln am Sonntag zeigten dies. Rory McIlroy brach beispielsweise in Tränen aus und betonte, wie stolz er sei, Teil dieses Teams zu sein. Ian Poulter konnte seine Gefühle am Mikrofon mit Mühe zurückhalten und bekräftigte die tolle Stimmung in der Mannschaft und welch großartigen Job Kapitän Padraig Harrington leistete. "Es ist nicht fair, dass jetzt über Padraigs Entscheidungen diskutiert wird", so der erfahrene Ryder-Cup-Spieler, der schweren Herzens zugab, dass es vielleicht sein letzter Auftritt bei seinem Lieblingsevent war. Man war einmal mehr mit vollem Herzen dabei, doch dieses Mal setzte sich dann doch die spielerische Qualität der US-Amerikaner durch, die ihrerseits ebenfalls einen harmonischeren Team-Spirit gefunden haben als noch in der Vergangenheit. 

Flops 

Respektlose Fans, voreilige Schlüsse und fehlende Spannung. 

Fans


(Fans beim 43. Ryder Cup, Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Vorneweg sei erstmal festzuhalten, dass die Entscheidung absolut richtig war, den Ryder Cup nicht im vergangenen Jahr durchzudrücken und dabei auf die Anwesenheit von Zuschauern vor Ort zu verzichten. Dieses Event lebt von den Emotionen. Und die Emotionen werden erst durch das Zusammenspiel aus Spielern und Fans lebendig. Dass aufgrund der Reisebeschränkungen kaum europäische Unterstützer für Stimmung sorgen konnten, war dabei aber schon ein Wehrmutstropfen und vermutlich auch einer von mehreren Faktoren, die zu diesem deutlichen Sieg führten. Die fast ausschließlich aus US-Amerikanern bestehende Zuschauerschaft hätte sich und dem Event jedoch einen großen Gefallen getan, hätte man sich Sportlich etwas fairer verhalten. 

Dass der Ryder Cup erst durch seine jahrzehntelange Rivalität zwischen den USA und Europa erst so richtig zum Leben erweckt wurde und dass dabei auch die entsprechenden Sympathien klar geäußert werden, ist das eine. Bei all der Unterstützung für das eigene Team aber den Respekt vor den Gegnern zu bewahren, ist das andere. Und dies war in Whistling Straits leider häufig nicht der Fall. Auffällig oft wurden schlechte Schläge oder verpasste Putts der Europäer so lautstark bejubelt wie ein Punktgewinn der US-Amerikaner. Respektlose Unruhe während der Konzentrationsphasen der Spieler führte dazu, dass sogar die US-Spieler ihre "Fans" beruhigen mussten. "Boo-Rufe" bei der Vorstellung am ersten Tee wurden zur täglichen Routine. "Wenn ich einige der Kommentare von den Zuschauern beim Ryder Cup höre, weiß ich das höfliche Publikum beim Solheim Cup zu schätzen", äußerte sich unter anderem auch Sophia Popov bei Twitter. So schön eine aufgeheizte Stimmung beim Ryder Cup auch ist, Golf ist immer noch ein Gentlemen-Sport - egal ob auf oder neben dem Platz. 

Europäisches System in Frage stellen


(Paul Casey, Padraig Harrington, Viktor Hovland und Lee Westwood, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Schon im frühen Verlauf der Woche zeichnete sich die drückende Dominanz der US-Amerikaner ab. In den ersten drei Sessions gewannen die Europäer nur zwei der zwölf Matches. Bereits am Freitag wurden die ersten Stimmen laut, das europäische Nominierungssystem müsse überdacht werden, da man nicht mit dem bestmöglichen Team nach Whistling Straits angereist sei. Äußerungen, die angesichts der europäischen Chancenlosigkeit auf einen nahrhaften Boden fielen, jedoch auf den zweiten Blick etwas voreilig erscheinen. Zunächst stellt sich doch die Frage, wen man statt der zwölf angetretenen Spieler hätte mitnehmen sollen. Namen wie Justin Rose oder Victor Perez wurden dabei häufiger in den Ring geworfen. Doch weder bei den beiden laut der offiziellen Weltrangliste stärksten nichtnominierten Europäern noch bei jüngeren Spielern wie Robert MacIntyre oder Rasmus Hojgaard wäre man vor der Woche in Whistling Straits ohne weiteres davon ausgegangen, dass sie das Leistungsniveau im europäischen Team anheben. 

Man solle sich - so wurde es immer wieder aufgegriffen - ein Vorbild an der Zusammenstellung des US-amerikanischen Teams nehmen, das sich in diesem Jahr aus sechs automatisch qualifizierten Spielern und ebenso vielen Captain’s Picks zusammensetzte. Über entsprechend mehr Entscheidungsmöglichkeiten verfügte Steve Stricker, der sich bei seiner Auswahl für die vermeintlich formstärksten US-Amerikaner entschied und somit beispielsweise den in den vergangenen Wochen wenig spielenden Patrick Reed zuhause ließ. Blickt man aber auch hier auf das OWGR, so war Reed der einzige nicht nominierte Spieler, der besser platziert war als der schlechtplatzierteste Nominierte im OWGR, Scottie Scheffler. Wirklich kreativ waren Strickers sechs Captain’s Picks also auch nicht wirklich und so bleibt es reine Spekulation, ob Harrington im Falle einer Aufstockung der Wild Cards auf eine andere Teamkonstellation gekommen wäre, als man sie in der vergangenen Woche zu sehen bekam.


(Lee Westwood, Sergio Garcia, Jon Rahm und Luke Donald, Photo by Warren Little/Getty Images)

Zudem setzte sich das europäische Team noch nie aus mehr als vier Captain’s Picks zusammen und so schlecht liest sich die Titelbilanz der vergangenen zwei Jahrzehnte nun auch nicht. Seit 2002 gewann man sieben der zehn Ryder Cups und bei einigen Ausgaben qualifizierten sich gar zehn der zwölf Spieler über das alt bewährte European sowie World Ranking. Selbstverständlich wird man bei den Europäern bei der Aufarbeitung der bitteren Klatsche mögliche Fehler analysieren und Schlüsse ziehen müssen. Ob man dabei aber die Qualifikationskriterien in Frage stellen sollte, ist zumindest mal strittig. Vielleicht kann man auch einfach das Fazit ziehen, dass die US-Amerikaner aktuell ganz klar die Nase vorn haben, was alleine der Blick auf die Weltrangliste zeigt: Acht der Top-Ten-Spieler kommen aus den USA. Jon Rahm ist der einzige auf europäischer Seite. Zum Vergleich: 2010, 2012, 2014 und 2018 waren es noch derer vier bei den Europäern. Manchmal liegt die Begründung viel näher als man denkt. 

Stecker früh gezogen


(Tyrrell Hatton, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Wer am Sonntagabend etwas Spannendes im TV schauen wollte, schaltete vermutlich eher zur Entscheidung bei der Bundestagswahl als zu den Einzeln beim Ryder Cup. Denn während das politische Rennen um die neue Regierungsbildung nur um wenige Prozentpunkte auseinanderlag, war der Sieger des Kontinentalvergleichs schon deutlich früher absehbar. Ehrlich gesagt schien der Stecker schon nach den klassischen Vierern am Samstagvormittag gezogen, als die USA mit 9 zu 3 in Führung ging. Irgendwie hatte man aus europäischer Sicht aber trotzdem noch bis zum Schluss die Hoffnung, dass dieses so oft zitierte "Wunder aus Medinah" nochmal überboten werden kann. Die US-Amerikaner taten den Zuschauern diesen Gefallen aber nicht und so musste man den Europäern dabei zu sehen, wie ihnen mit jeder Stunde bewusster wurde, dass der Ryder Cup nun für zwei Jahre in den USA bleibt, bis es 2023 in Rom in die nächste Runde geht. Dann aber hoffentlich wieder mit etwas mehr Spannung bis zum Ende. 

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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