Tour-Rückblick

Masson lächelt und Woods steht

Caroline Masson kämpft sich aus ihrem mentalen Loch heraus und Tiger Woods legt die Krücken ab. Der Rückblick aufs Wochenende.

11. Oktober 2021

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Nach jedem Regenschauer scheint auch irgendwann mal wieder die Sonne. Dies dürfte sich Caroline Masson am Wochenende gedacht haben, die im Regen von New Jersey so etwas wie ihr Comeback feierte. Apropos Comeback: Kehrt Tiger Woods bald wieder auf den Platz zurück? Zumindest ein Bild von einem Turnier seines Sohnes macht etwas Hoffnung. Dies und mehr im Rückblick:

LPGA Tour


(Caroline Masson, Photo by Rich Graessle/Icon Sportswire via Getty Images)

Ein überladener Kalender und ausbleibende sportliche Erfolge sorgten dafür, dass Caroline Masson nach dem verpassten Cut bei der Women's open in Carnoustie eine Auszeit vom Tourleben nahm. "Ich war mental in keinem guten Zustand", so die Deutsche, die schon damals offen über ihre mentalen Probleme sprach. "Man hat zwei Möglichkeiten: Entweder sagt man nichts und gräbt sich in sein kleines Loch ein oder man spricht darüber. Ich denke, je mehr man über mentale Gesundheit reden kann, desto mehr wird es einem helfen." Die 32-Jährige sprach von der mental schwierigsten Zeit ihrer Karriere. Zum Founders Cup nach New Jersey reiste Masson mit einem Top-15-Ergebnis im Gepäck, nachdem sie die Wochen davor meist am Cut scheiterte.

Dass die mehrmalige Solheim-Cup-Spielerin ihr mentales Tal überwunden zu haben scheint, zeigte sie an den vier Tagen im anspruchsvollen Mountain Ridge Country Club. In allen vier Runden blieb Masson in den Sechzigern und glänzte allen voran an einem nasskalten Finaltag mit der besten Leistung im gesamten Feld. "Man könnte meinen, ich fühle mich bei solchen Bedingungen sehr wohl, weil ich es aus Deutschland gewohnt bin", scherzte die gebürtige Gladbeckerin nach einer fehlerfreien 64 (-7). "Aber eigentlich hatte ich einfach nur eine gute mentale Einstellung." Schlag für Schlag kämpfte sich Masson durch den Regen von New Jersey und dank der sieben Birdies kletterte sie bis auf Rang zwei vor. Dies war ihr bestes Ergebnis auf der LPGA Tour seit Oktober 2019. "Ich kann es nicht in Worte fassen, wie viel mir dieses Resultat bedeutet." Abschließend bedankte sich Masson noch bei ihrem Team, das ihr in dieser schwierigen Zeit zur Seite stand und nun auch endlich wieder etwas zu feiern hat.


(Ko Jin-young, Photo by Sarah Stier/Getty Images)

Zu feiern hatte am Sonntag auch Ko Jin-young einiges. Zum einen machte sie den Start-Ziel-Sieg beim Founders Cup perfekt. Zum anderen egalisierte sie mit ihrer 14. Runde in den Sechzigern in Folge den Rekord von Annika Sörenstam. Bis zur 17. Bahn am Sonntag blieb die Südkoreanerin gar 114 Löcher in Folge Bogey-frei. Damit brach sie auch einen Rekord von Tiger Woods, der einst 110 Löcher in Serie ohne Bogey auskam. Für die 26-Jährige war es ganz nebenbei eine erfolgreiche Titelverteidigung, nachdem sie den Founders Cup bereits 2019 gewinnen konnte. Ihr insgesamt zehnter LPGA-Titel war der dritte in ihren vergangenen sieben Starts. Bei dieser Form ist es fast nur noch eine Frage der Zeit, bis Ko wieder die Führung im Rolex Ranking übernimmt. Aktuell thront hier immer noch Nelly Korda an der Spitze der Weltrangliste.

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Tiger Woods

Mehr als sieben Monate ist der tragische Autounfall des Superstars Tiger Woods nun schon her. Eine Rückkehr auf die Tour ist für den 15-fachen Major-Sieger noch nicht absehbar und doch machte ein Bild, das am Wochenende in den sozialen Medien auftauchte, zumindest etwas Mut. Denn erstmals seit Ende Februar ist der 45-Jährige wieder ohne Krücken zu sehen gewesen. Bei einem Turnier seines Sohnes Charlie waren Woods und seine Freundin Erica Herman als Zuschauer und Unterstützer des zwölfjährigen Sprösslings vor Ort. Das beim Unfall nahe Los Angeles schwer in Mitleidenschaft gezogene rechte Bein vom Familienvater war dabei mit einem Ärmel geschützt.

Auf Gehhilfen scheint Woods jedoch nicht mehr angewiesen zu sein, was dafürspricht, dass er sein Bein zumindest wieder belasten kann. Davon war er im April, als er das letzte Mal ein Bild von sich und seinem Hund postete, noch weit entfernt. Schon beim Ryder Cup in Whistling Straits erwarteten einige die Anwesenheit des Hall of Famers. Woods verzichtete jedoch auf die Reise nach Wisconsin und verfolgte den haushohen Sieg seiner Nation lieber von zuhause aus. Laut der Aussagen von Captain Steve Stricker und einigen Spielern war er aber trotzdem in Teamabsprachen involviert. Woods‘ Zustand scheint weiter bergauf zu gehen und jedes Bild von ihm macht den Fans Hoffnung auf eine Rückkehr auf die große Bühne.

PGA Tour Latinoamerica

Auf der PGA Tour Latinoamerica fand am Wochenende das letzte offizielle Event der Saison statt und eigentlich sollten am Sonntag die Spieler gefeiert werden, die sich beim Dev Series Final in Mexiko eine Tourkarte für die lateinamerikanische Golfliga sichern konnten. Jedoch überschattete die Woche ein tragischer Vorfall in Runde eins, als Alberto Olguin, Caddie des Venezuelaners Manuel Torres, am letzten Loch zusammenbrach und anschließend umgehend ins Krankenhaus geliefert wurde. In einer offiziellen Meldung hieß es, dass ein Notallpersonal den Mexikaner auf dem Platz wiederbelebte und in ein nahegelegenes Hospital brachte. Dort verstarb Olguin wenig später. Eine Angabe der Todesursache blieb aus. Torres spielte das Turnier tapfer zu Ende.

Ein solcher Zwischenfall ereignete sich traurigerweise nicht zum ersten Mal bei einem Event der Dev Tour in dieser Saison. Bereits im Juni erlitt der Caddie Edgar Preciado eine Herzattacke in seinem Hotel und verstarb wenig später trotz ärztlicher Notfallbehandlung.

PGA Tour Champions


(Phil Mickelson und Jim Furyk, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Ist dieser Mann zu gut für die PGA Tour Champions? Diese Frage dürfte man sich im Anbetracht der bislang gezeigten Leistungen von Phil Mickelson auf der US-amerikanischen Seniorentour durchaus stellen. Der 51-Jährige spielte am Wochenende sein viertes Event und ging zum dritten Mal als Sieger hervor. Beim Constellation Furyk & Friends setzte sich Lefty an einem spannenden Finaltag mit zwei Schlägen vor dem Spanier Miguel Ángel Jiménez durch. "Ich habe Spaß hier", so Mickelson über seine beeindruckenden Ergebnisse auf der PGA Tour Champions. "Ich kenne alle Spieler hier. Wenn ich auf der PGA Tour spiele, kenne ich zwei Drittel der Jungs nicht." Der amtierende PGA-Champion scheint sich äußerst wohl zu fühlen auf der Ü50-Tour und wird auch in dieser Saison noch einige Turniere mitspielen. Der Konkurrenz könnte das weniger gefallen.

Ob Mickelson auch noch im Kampf um den Charles Schwab Cup eingreifen kann, hängt von seinen verbleibenden Ergebnissen ab. Aktuell führt den noch Bernhard Langer an, der sich bei der Turnierpremiere mit einer starken Schlussrunde am Sonntag in die Top Ten vorkämpfte. Nach einer etwas enttäuschenden zweiten Runde (73, +1), machte der Deutsche dank einer 67 (-5) noch 14 Plätze auf dem Leaderboard gut und wurde geteilter Siebter. Der Zweitplatzierte im Charles Schwab Cup und Gastgeber in Jacksonville, Jim Furyk, holte als geteilter Vierter aber ein paar Punkte in der Saisonwertung auf.

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European Tour


(Rafa Cabrera-Bello, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Dass ein Spanier seine heimische Open gewinnen würde, davon gingen die meisten Experten schon vor der Open de Espana aus. Jedoch hielt am Sonntag nicht der große Favorit Jon Rahm die begehrte Trophäe vor heimischem Publikum in den Händen, sondern es war Rafa Cabrera-Bello, der sich in einem engen Finale gegen Landsmann Adri Arnaus durchsetzte. Dank eines Birdies am ersten Extra-Loch sicherte sich der Ryder-Cup-Spieler aus 2016 seinen vierten European-Tour-Titel. "Diese Trophäe stand definitiv auf meiner Bucket List", so Cabrera-Bello, der sich damit in einer Riege mit den Spaniern Seve Ballesteros, Sergio Garcia und Miguel Ángel Jiménez befindet. Sie alle gewannen die heimische Meisterschaft und auch Rahm durfte sich schon zwei Mal in die Siegerliste eintragen, scheiterte jedoch in diesem Jahr an der Mission "Titel-Hattrick". Der Weltranglistenerste wurde geteilter 17., nachdem er am Samstag nur eins über Par blieb und diesen Rückstand am Sonntag nicht mehr aufholen konnte.

Für Cabrera-Bello war es das Ende einer langen Leidenszeit. Als er bei der Open de Espana 2019 Zweiter wurde, belegte er noch den 34. Rang in der offiziellen Weltrangliste. Vor der dieswöchigen Ausgabe fand sich der 37-Jährige auf dem 231. Platz wieder. "Ich ging in meiner vermutlich schlechtesten Form seit einem Jahrzehnt in diese Woche“, erklärte der glückliche Sieger nach dem "sehr besonderen" Erfolg. Im Race to Dubai rückte Cabrera-Bello nun vor auf Rang 30 und ist damit sicher beim Saisonfinale in Dubai dabei. Zuvor steht aber in der kommenden Woche ein weiteres Heimspiel auf dem Programm. Dort geht es dann nach Valderrama zum Andalucia Masters. Die heimischen Fans werden auf einen weiteren Erfolg einer ihrer Landsmänner hoffen. Wer es am Ende wird, ist dabei zweitrangig.

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Legends Tour


(Thomas Gögele, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Beim Riegler & Partner Legends hoffte man ebenfalls auf einen Heimsieg. Markus Brier kam frisch von seinem ersten Titel auf der Legends Tour in seinen Heimatclub Murhof, konnte mit der Spitzengruppe jedoch nicht ganz mithalten. Der Österreicher überzeugte an den ersten beiden Tagen mit Runden von 69 und 67 Schlägen, fiel am Sonntag aber nach einer 71 (-1) zurück auf den geteilten achten Rang. Dafür spielte der Deutsche Thomas Gögele ganz oben mit und wurde geteilter Dritter mit fünf Schlägen Rückstand auf den souveränen Sieger Mauricio Molina aus Argentinien, für den es der erste Sieg auf der Seniorentour war.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies Access Series, Terre Blanche Ladies Open: Patricia Isabel Schmidt, Katharina Keilich & Verena Gimmy CUT und Maria Theresa Licka WDN
  • European Tour, Open de Espana: Maximilian Kieffer T21 und Matti Schmid CUT
  • PGA Tour Champions, Constellation Furyk & Friends: Bernhard Langer T7
  • LPGA Tour, Cognizant Founders Cup: Caroline Masson 2., Sophia Popov T60, Sandra Gal 71. & Esther Henseleit CUT
  • PGA Tour, Schriners Children's Open: Stephan Jäger CUT
  • Symetra Tour, Symetra Tour Championship: Isi Gabsa T17 und Sophie Hausmann CUT
  • Legends Tour, Riegler & Partner Legends: Thomas Gögele T3

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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