Tour-Vorschau

Pro-Debüt für deutsches Top-Talent

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der Dubai Moonlight Classic sowie einem kleineren Event auf der PGA Tour.

27. Oktober 2021

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Auf vielen Touren heißt es in dieser Woche nochmal durchatmen, bevor die Saisonfinals anstehen. Einzig die Ladies European Tour sowie die PGA Tour sind im Einsatz. Und insbesondere beim Nacht-Event in Dubai lohnt sich ein Blick aus deutscher Sicht. Denn hier gibt eine 15-Jährige aus Berlin ihr Profi-Debüt. Doch auch auf Bermuda will ein Deutscher eine Rolle spielen. Die Vorschau:

Ladies European Tour


(Chiara Noja, Credit: Tristan Jones/LET, Flickr)

Mit zwölf Jahren war sie bereits Scratch-Golferin. Mit 13 spielte sie erstmals in einem Profi-Turnier. Und in dieser Woche gibt Chiara Noja ihr Debüt als Proette. Die 15-jährige Berlinerin, die im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach England auswanderte, sorgte schon vor einem Jahr für Schlagzeilen, als sie eine Einladung zur Omega Dubai Moonlight Classic erhielt. Damals war sie frisch nach Dubai gezogen und wollte sich bei dem einzigartigen Event unter Flutlicht einen Namen machen. Nach einer 86 in Runde zwei wäre Noja aber am liebsten gar nicht erst zur Finalrunde angetreten. In einem dreistündigen Gespräch mit ihrem Coach gab er ihr jedoch zu verstehen: 'Entweder spielst du oder das war’s mit deiner Golfkarriere, weil davon wirst du dich nie wieder erholen.' Statt frühzeitig aufzugeben, stellte sich Noja der Herausforderung und unterschrieb eine starke 73 am Finaltag.

Rückblickend war diese Woche in ihrer neuen Heimat eine prägende Erfahrung. "Ich habe gelernt, Misserfolge zu akzeptieren", so Noja, die seit ihrem Debüt mehrmals auf der LET Access Series, also der zweiten europäischen Liga, abschlug und dort unter anderem bei einem Event in Belgien Zweite wurde. "Ich habe immer gedacht, dass jeder irgendwann mal scheitert, aber ich habe nicht gedacht, dass es auch mir passieren kann. Man weiß nicht, wie man reagiert, bis man es selbst einmal erlebt hat." Ursprünglich verfolgte die Teenagerin das Ziel, einmal in ihrem Leben beim Augusta National Women’s Amateur anzutreten. Wie für so viele Golferinnen könnte es aber beim Traum bleiben. Denn nun entschied sich Noja doch schon frühzeitig, den Amateurstatus abzugeben, um ihre ersten Schritte als Proette zu gehen. Ein Profi-Turnier in Augusta sucht man bei den Damen vergebens.

Doch welches Turnier würde sich für das Profi-Debüt besser anbieten als die Dubai Moonlight Classic nur unweit Nojas Heimatclubs Jumeirah Golf Estates entfernt. "Ins Profilager zu wechseln, ist ein großer Schritt. Insbesondere hier in Dubai. Die Dubai Moonlight Classic ist wahrscheinlich das Event, zu dem ich emotional die größte Verbindung habe." Wenn es von Mittwoch bis Freitag auf dem Falco Course im Emirates Golf Club um das erste offizielle Preisgeld ihrer Karriere geht, wird Noja mit einer anderen Einstellung auf dem Platz stehen als noch vor einem Jahr. "Ich war damals eine komplett andere Person", so die groß gewachsene Deutsche, die viele Jahre ihrer Kindheit in Karlsruhe verbrachte. "Über das vergangene Jahr habe ich sehr viel am mentalen Aspekt des Spiels gearbeitet. Durch die Wettbewerbe habe ich mehr Selbstbewusstsein aufgebaut und akzeptiert, dass jeder irgendwann mal scheitern wird. Aber es geht darum wieder aufzustehen."

Mit ihren 15 Jahren konnte Noja bereits viel mediale Aufmerksamkeit auf sich lenken. Ihr Auftreten ist eine Erscheinung, die von ihrer Athletik an Spielerinnen wie Nelly Korda oder Michelle Wie erinnert. Mit einer Körpergröße von 1,83 Metern schlägt sie den Ball etwa 260 Meter vom Tee und zählt damit zu den längsten Spielerinnen auf der Ladies European Tour. Nicht umsonst bezeichnet Noja die ehemalige Nummer eins Korda als ihre Inspiration. "Wenn ich sie sehe, sehe ich irgendwie mich selbst." Bis sie in diese golferischen Sphären gelangt, steht aber noch ein langer Weg bevor. Den nächsten Schritt geht sie in dieser Woche in Dubai. Und da ist es fast zweitrangig, wie Noja am Ende abschneidet. Wertvoll wird diese Erfahrung allemal sein.

 

PGA Tour


(Stephan Jäger, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

So richtig rund läuft es für Stephan Jäger in dieser Saison noch nicht. Bei zwei von drei Turnieren verpasste er den Cut und so gewinnen Wochen wie diese noch mehr an Bedeutung. Denn das Feld der Butterfield Bermuda Championship zählt definitiv nicht zu den stärksten im PGA-Tour-Zirkus. Namen wie Danny Willett, Patrick Reed oder Matt Fitzpatrick stechen heraus, weswegen sich auch ein Jäger als amtierender Gesamtsieger der abgelaufenen Korn-Ferry-Tour-Saison nicht verstecken muss.

Der Platz dürfte dem gebürtigen Münchner auch entgegenkommen. Der Port Royal GC in Southampton bevorzugt eher die präzisen als die langen Spieler, was sich auch an der bisherigen Siegerliste widerspiegelt. 2019 gewann hier Brendan Todd und im vergangenen Jahr beendete Brian Gay eine siebenjährige Durststrecke. Beides Spieler, die in der Statistik "Driving Distance" am unteren Ende zu finden sind. Während das Preisgeld bei der Bermuda Championship nicht an die großen Summen der vergangenen beiden Stationen herankommt, werden auch hier 500 FedExCup-Punkte an den Sieger vergeben.

Die Deutschen im Einsatz:

  • Ladies European Tour, Dubai Moonlight Classic: Karolin Lampert, Olivia Cowan, Chiara Noja und Esther Henseleit
  • PGA Tour, Butterfield Bermuda Championship: Stephan Jäger

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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