Tour-Rückblick

Vier deutsche Aufsteiger und ein Tee-saster

Beim Challenge Tour Grand Final sichern sich alle vier deutschen Starter die Tourkarte für die European Tour. Der Rückblick aufs Wochenende.

08. November 2021

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Die Challenge Tour erhielt insbesondere aus deutscher Sicht einen krönenden Abschluss auf Mallorca. Beim Finalturnier spielten Deutsche nicht nur um den Sieg mit. Sie durften sich auch allesamt über die Spielberechtigung für die kommende European-Tour-Saison freuen. Eine tragische Figur gab am Sonntag ein Schwede ab. Der Rückblick:

Challenge Tour


(Die 20 Aufsteiger von der Challenge Tour, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Vier Deutsche traten beim Challenge Tour Grand Final auf Mallorca an und alle vier durften am Ende der Woche eine Karte für die European Tour in den Händen halten. Am längsten fieberten die zahlreichen deutschen Fans im T-Golf & Country Club bei Yannik Paul mit, der als 19. der Gesamtwertung ins Finale ging und beinahe seinen ersten Sieg auf der Tour feierte. Der 27-Jährige war in der vorletzten Gruppe des Tages unterwegs und hatte auf der 18 einen Putt zum Eagle, der ihn in die alleinige Führung gebracht hätte. "Auf halbem Weg habe ich wirklich gedacht, dass er eine Chance hat", sagte Paul nach der Finalrunde. Statt eines Eagles wurde es nur das Par und somit musste sich der Rookie mit dem geteilten zweiten Rang zufriedengeben. Immerhin war dies sein bestes Saisonergebnis, was gleichbedeutend mit einer deutlichen Verbesserung im Gesamtklassement war.

Paul beendete die Saison als bester Deutscher auf Platz neun. Zweitbester Deutscher wurde Marcel Schneider nach einem geteilten 36. Rang auf Mallorca. Der Zweitplatzierte der Saison 2020 entschied sich erst im Juli, zurück auf die Challenge Tour zu gehen und gewann auf Anhieb die Kaskáda Golf Challenge. Bei der Open de Portugal folgte Saisontitel Nummer zwei und so probiert es der Gesamtelfte der abgelaufenen Spielzeit erneut, sich auf der European Tour zu behaupten.


(Marcel Siem, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Dass Marcel Siem über die Qualität verfügt, in Europas erster Liga mitzuhalten, stellte er bereits viele Jahre unter Beweis. Vier Titel feierte er bereits auf der European Tour. In diesem Jahr musste der 41-Jährige erstmals den vollen Weg über die Challenge Tour gehen. Siem gewann in Frankreich und wurde beim Saisonfinale geteilter 15., nachdem er zwischenzeitlich an der Spitze mitmischte. Eine späte Ungeduld stand ihm jedoch im Weg und so wurde er letztlich auch 15. im Road to Mallorca. "Ich bin echt stolz auf mich und habe einen guten Weg hingelegt", lautete Siems Fazit.

Der vierte Deutsche unter den Top 20 des Gesamtrankings war Hurly Long. Der 26-Jährige musste jedoch von allen Deutschen am meisten um die Tourkarte zittern. Long fand nie wirklich in das Turnier rein und wurde in den Hochrechnungen je nach Zeitpunkt auch mal nur auf dem 20. Platz des Road to Mallorca geführt. Jedoch spielte ihm die Konkurrenz letztlich in Karten und so reichte Long auch ein 43. Rang beim letzten Turnier der Saison, um als 17. aufzusteigen. Den Sieg beim Challenge Tour Grand Final sicherte sich Marcus Helligkilde mit einem Schlag Vorsprung. Damit stand der Däne auch als Gewinner des Road to Mallorca fest.


(Jesper Kennegard, Photo by Octavio Passos/Getty Images)

Ein anderer Skandinavier ging als Führender in den Finaltag, erlebte am Sonntag jedoch einen bitteren Einbruch, der ihm auch die Tourkarte kostete. Jesper Kennegard aus Schweden erwischte eine Runde zum Vergessen, die obendrein von einer kuriosen Regelüberprüfung überschattet wurde. Denn im Verlauf der Finalrunde bat einer von Kennegards Spielpartnern die Regeloffiziellen, dass sie doch bitte die Länge der Tees des 33-Jährigen überprüfen mögen. Diese dürfen nämlich nur eine Maximallänge von vier Inches (10,16 Zentimeter) betragen. Bereits am Vortag machte ein Video in den sozialen Medien die Runde, in denen der hochaufgeteete Ball von Kennegard thematisiert wurde.

"Erst haben sie mich an der dritten Bahn wegen meiner Tees befragt, dann nochmal an der Vier", so der Beschuldigte. "Ich wusste nicht warum, denn ich war mir eigentlich sicher, dass alles in Ordnung ist, sofern sie nicht die Regeln geändert haben." Nachdem die Regeloffiziellen also auf die vermeintliche Regelwidrigkeit aufmerksam gemacht wurden, holten sie das Maßband heraus und überprüften die Teelänge. "Was ich komisch fand, ist, dass niemand zu mir zurückkam und sagte, dass alles okay sei", erklärte Kennegard weiter. "Wenn man das nicht weiß, ist man sich die ganze Zeit unsicher, ob sie nicht plötzlich an der 15 zu einem kommen und sagen, dass etwas nicht passt." Seine 77er-Abschlussrunde wollte der Unglücksrabe aber nicht auf diesen Vorfall schieben. Kennegard rutschte auf den geteilten achten Rang ab und spielt damit auch kommende Saison wieder auf der Challenge Tour. An den langen Tees wird er vermutlich auch nächstes Jahr weiterfesthalten, auch wenn der ein oder andere Mitspieler vielleicht nochmal nachfragen könnte.

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Ladies European Tour


(Olivia Cowan, Credit: Tristan Jones/LET, Flickr)

Olivia Cowan konnte ihr gute Form auch beim Saudi Ladies International bestätigen und erspielte sich ihre dritte Top-Ten-Platzierung bei ihren letzten fünf Starts. Eine starke 66 (-6) katapultierte die 25-Jährige auf den geteilten fünften Rang bei einem Gesamtergebnis von zwölf unter Par. Das starke Abschneiden wurde mit einem Scheck in Höhe von knapp 29.000 Euro belohnt. Nur bei ihrem Erfolg beim ATS London Team Event verdiente sie in dieser Saison mehr. Mit dem gesammelten Punkte kletterte Cowan zudem auf Rang sechs in der Order of Merit. Bei nur noch zwei ausstehenden Turnieren ist sie damit auf einem guten Weg, ihre bislang beste LET-Saison abzuschließen (Siebte 2018 und 2019).

Fest steht bereits die Siegerin des Race to Costa del Sol. Denn Atthaya Thitikul ist nach einem zweiten Rang im Royal Greens Golf & Country der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen. Die Thailänderin führt überdeutlich, nachdem sie in dieser Saison zwei Turniere gewann und zehn weitere Events in den Top Ten abschloss. Thitikul ist mit 18 Jahren nicht nur Rookie, sondern auch die jüngste Gewinnerin der Order of Merit in der LET-Geschichte.


(Atthaya Thitikul und Lydia Ko, Credit: Tristan Jones/LET, Flickr)

Den Titel in Saudi-Arabien holte sich Lydia Ko äußerst souverän mit fünf Schlägen Vorsprung. An Tag drei zauberte die Neuseeländerin noch mit einem Platzrekord von 63 Schlägen und war damit auch am Finaltag nicht mehr einzuholen. Für Ko, die kein Mitglied auf der Ladies European Tour ist, war es der insgesamt sechste LET-Titel und der 22. Profisieg insgesamt.

Aus deutscher Sicht ebenfalls erwähnenswert war Chiara Nojas Abschneiden bei ihrem zweiten Auftritt als Proette. Denn trotz einer Schulterverletzung, die sich die 15-Jährige beim Aufwärmen vor der ersten Runde zuzog, schaffte sie den Cut und sammelte damit erstmals offizielles Tour-Preisgeld. Noja blieb sowohl an Tag zwei als auch Tag drei unter Par und beendete das Saudi Ladies International auf dem geteilten 40. Platz.

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European Tour


(Thomas Pieters, Photo by Warren Little/Getty Images)

Auch die European Tour befindet sich auf der Zielgerade und mit dem Portugal Masters fand das vorletzte Event vor dem Saisonfinale in Dubai statt. Auf dem Dom Pedro Victoria Golf Course spielten sich teils dramatische Szenen ab, als beispielsweise Matthieu Pavon in Führung liegend drei Bälle im Wasser der Zwölf versenkte und das Triple-Bogey auf dem Par 5 kassierte. Dieser Einbruch ermöglichte es den Verfolgern, nochmals heranzukommen und mit Thomas Pieters nutzte ein erfahrener European-Tour-Sieger den Fauxpas des Franzosen eiskalt aus. Der Ryder-Cup-Spieler sicherte sich mit einem Gesamtergebnis von 19 unter Par seinen fünften Titel auf der Tour. Damit spielte sich der 29-Jährige zum siebten Mal in Folge ins Feld der DP World Tour Championship.

Weniger um einen Platz im Saisonfinale als vielmehr um den Erhalt der Tourkarte spielte Lucas Bjerregaard, der 2017 noch das Portugal Masters gewann. Der Däne war seit 2,5 Jahren auf der Suche nach seiner Form und konnte in Portugal sein bestes Ergebnis seit drei Jahren erzielen. Der geteilte zweite Rang unter anderem mit Landsmann Nicolai Hojgaard bedeutete für Bjerregaard, dass er nun unter den Top 100 des Race to Dubai rangiert und damit die Tourkarte für die kommende Saison sicher hat. Die Tränen konnte der zweimalige European-Tour-Sieger im anschließenden Interview nur mit Mühe zurückhalten.

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PGA Tour


(Viktor Hovland, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Einen dominanten Sieg feierte Viktor Hovland bei der World Wide Technology Championship at Mayakoba. Der Norweger ließ mit drei Birdies auf den Front Nine bereits im frühen Verlauf der Finalrunde keine Zweifel aufkommen und gewann mit satten fünf Schlägen Vorsprung. Hovland konnte damit seinen Titel erfolgreich verteidigen, nachdem er im vergangenen Jahr noch ein Birdie auf der 18 benötigte, um nicht ins Stechen zu müssen. Der dritte PGA-Tour-Sieg für den Youngster hat eine Verbesserung auf Rang vier im FedExCup sowie den Sprung unter die Top Ten in der Weltrangliste zur Folge. Alleiniger Zweiter wurde der Lokalmatador Carlos Ortiz dank fünf Birdies auf den letzten sieben Löchern.

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PGA Tour Champions


(Ernie Els, Jim Furyk und Bernhard Langer, Photo by Tracy Wilcox/PGA TOUR via Getty Images)

Bernhard Langer geht als Führender des Charles Schwab Cup ins letzte Turnier der Saison. Der Deutsche hat damit die besten Karten, die begehrte Trophäe des Saisonbesten entgegenzunehmen. Bei der Timbertech Championship konnte sein ärgster Verfolger Jim Furyk aber nochmal etwas Boden auf den 64-Jährigen gutmachen. Der US-Amerikaner wurde in Florida geteilter Zweiter mit Miguel Angel Jiménez, der seinerseits auf den dritten Platz im Charles Schwab Cup vorrückte. Ernie Els, die neue Nummer vier, wurde geteilter Vierter. Langer kämpfte sich mit zwei 69er-Runden in Serie auf den geteilten elften Rang vor. Nach vier Top-Ten-Ergebnissen in Folge reichte es also erstmals wieder nicht für die besten Zehn.

Den Titel beim zweiten Event der Charles Schwab Cup Playoffs holte sich der Rookie Steven Alker, der erst seit August auf der Tour unterwegs ist. Der 50-Jährige führte sich gleich die ersten Wochen mit Top-Resultaten ein und verdiente mit seinem Sieg nun bereits knapp 900.000 US-Dollar auf der PGA Tour Champions. Das ist jetzt schon mehr als er in seinen drei vollen Jahren auf der PGA Tour an Preisgeld einnahm. Der Neuseeländer Alker geht nun als 22. der Gesamtwertung ins Finale.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies European Tour, Saudi Ladies International: Olivia Cowan T5, Leonie Harm & Chiara Noja T40 und Carolin Kauffmann, Franziska Friedrich, Karolin Lampert, Leticia Ras-Anderica & Sarina Schmidt CUT
  • PGA Tour, World Wide Technology Championship: Stephan Jäger CUT
  • Challenge Tour, Rolex Challenge Tour Grand Final: Yannik Paul T2, Marcel Siem T15, Marcel Schneider T36 und Hurly Long 43.
  • European Tour, Portugal Masters: Maximilian Kieffer T36
  • Legends Tour, Senior Italian Open: Thomas Gögele T26
  • PGA Tour Champions, Timbertech Championship: Bernhard Langer T11 und Alex Cejka 43.
  • PGA Tour Latinoamérica, PGA Tour Latinoamerica Qualifying Tournament USA 1: Velten Meyer T10

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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