Tour-Rückblick

Trotz Schmerzen: Langer gewinnt Charles Schwab Cup

Bernhard Langer sichert sich nach einer kräftezehrenden Saison den Gesamtsieg auf der PGA Tour Champions. Der Rückblick aufs Wochenende.

15. November 2021

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Als wäre die Konstellation vor dem Saisonfinale auf der PGA Tour Champions nicht schon spannend genug gewesen, sorgte eine Verletzung bei Bernhard Langer für noch mehr Dramatik. Letzten Endes wurde der Hall of Famer für seinen Kampfeswillen belohnt - und zwar mit dem sechsten Charles Schwab Cup seiner Karriere. Doch dies war nicht die einzige besondere Geschichte vom Wochenende. Der Rückblick:

PGA Tour Champions


(Jim Furyk, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Dieses Tour-Finale hatte alles - und noch viel mehr. Als Führender des Charles Schwab Cups ging Bernhard Langer in das letzte Event der Saison. Der ärgste Verfolger des Deutschen, Jim Furyk, hätte ihm den Sieg in der Gesamtwertung unter anderem mit einem abschließenden Titelgewinn noch entreißen können. Aber auch andere Szenarien wären bei der Charles Schwab Cup Championship möglich gewesen, weswegen Langer eine gute Woche benötigte, um sich zum sechsten Mal zum Spieler der Saison küren zu lassen. Umso schockierender die Szenen zu Beginn seiner ersten Runde, als Langer mit schweren Rückenproblemen zu kämpfen hatte und gar vor einer Aufgabe stand. "Solch schlimme Schmerzen hatte ich seit 30 Jahren nicht mehr", so der 64-Jährige nach einer 68 (-3) zum Auftakt. Langer war also angeknockt und öffnete den Verfolgern in der Gesamtwertung nochmal die Tür.

Doch Langer wäre nicht Langer, wenn er nicht auch diese heikle Situation gemeistert hätte. Nach einer 72 (+1) am Freitag, spielte der zweimalige Masters-Champion eine 63 (-8) am Samstag und unterschrieb damit die geteilt beste Runde des Turnierverlaufs. Selbst seinen Ball aus dem Loch holen, konnte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Und doch kämpfte Langer bis zum Schluss. Am Finaltag befand er sich nach fünf gespielten Löchern sogar wieder in Schlagdistanz zur Spitze. Ein Eagle auf der Fünf ließ den Rückstand zwischenzeitlich auf zwei Zähler schmelzen. Im weiteren Verlauf der Runde kassierte Langer jedoch drei Bogeys, bevor er auf der 17 ein letztes Mal zum Birdie lochte. Schon früh war also klar, dass der 42-malige Sieger auf der PGA Tour Champions das Rennen um den Charles Schwab Cup nicht mehr selbst in der Hand hatte.


(Bernhard Langer und Phil Mickelson, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Langer musste auf Schützenhilfe seiner Konkurrenten hoffen, die nicht auf den Namen Furyk hörten. Der US-Amerikaner ging als Führender in den Finaltag und schien die ersten drei Tage alles im Griff zu haben. Doch am Sonntag zeigte dann auch der 51-Jährige Nerven und kassierte in der entscheidenden Phase zwei Bogeys. Eine fehlerfreie Schlussrunde gelang dagegen Phil Mickelson, der mit insgesamt sechs Birdies die Führung bei -19 übernahm und damit uneinholbar davoneilte. Als dann auch Steven Alker mit zwei abschließenden Birdies ins Clubhaus kam, benötigte Furyk bereits ein Eagle auf der 18 (Par 5). Sein Holz verzog er jedoch in Richtung Tribüne auf der linken Seite und damit konnte auch Langer, mit seinem Enkelkind auf dem Schoß beim Essen sitzend, erstmals durchatmen. Mickelson stand in diesem Moment als Gewinner des Turniers fest, was gleichbedeutend mit der Einstellung eines Rekords war. Nur Jack Nicklaus schaffte es vor ihm, von seinen ersten sechs Events auf der PGA Tour Champions vier zu gewinnen.

Furyk wurde nach einer 71 (Par) zum Abschluss geteilter Fünfter und Langer sicherte sich zum sechsten Mal in seiner Karriere den Charles Schwab Cup. Als einziger Spieler nahm er an allen 39 Turnieren der Saison 2020-21 teil. In 24 von ihnen erreichte er die Top Ten - zwei Turniere gewann er. Auf die Frage, was ihn auch noch im Alter von 64 Jahren zu solchen Höchstleistungen ansporne, antwortete er mit den simplen und zugleich schönen Worten: "Ich liebe dieses Spiel." Und die Liebe war in der vergangenen Woche offensichtlich stärker als jeder Schmerz, den Langer in Phoenix, Arizona, begleitete.

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Ladies European Tour


(Olivia Cowan, Credit: Tristan Jones/LET, Flickr)

Bei der vierten und damit letzten Station der Aramco Team Series sah es lange nach einem souveränen Start-Ziel-Sieg für Olivia Cowan aus. Die 25-Jährige führte seit der ersten Runde und hatte bei noch einem zu spielenden Loch zwei Schläge Vorsprung. Auf der 18. Bahn des Royal Greens Golf & Country Clubs versenkte Cowan dann aber ihren Ball im Wasserhindernis und notierte schließlich das Doppel-Bogey. In Kombination mit einem Birdie der Slowenin Pia Babnik rutschte die Deutsche auf Platz zwei und wartet damit weiter auf ihren ersten Einzeltitel auf der Ladies European Tour.

Einen Teamsieg feierte Cowan bereits beim ersten Aramco-Team-Series-Event der Saison in London. Und auch wenn es nun in Jeddah nicht ganz zum zweiten Erfolg des Jahres reichte, kann die gebürtige Homburgerin schon jetzt auf eine starke Saison zurückblicken. Bei noch einem ausstehenden Turnier in dieser Spielzeit rangiert Cowan auf Platz fünf der Gesamtwertung. Eine Chance hat sie also noch, die Saison vielleicht doch noch mit dem lang ersehnten Einzeltitel abzuschließen.

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Die Teamwertung in Jeddah ging zum zweiten Mal in Folge an das Team Pedersen. Die Dänin, die im vergangenen Jahr das Race to Costa del Sol souverän gewann, spielte gemeinsam mit Hannah Burke, Krista Bakker und dem Amateur Ahmed Al Subeay und musste am Ende ins Stechen mit der Waliserin Lydia Hall. Pedersen machte den Titel mit einem Eagle am zweiten Extra-Loch perfekt.

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European Tour


(Joachim B. Hansen mit seiner Familie, Photo by David Cannon/Getty Images)

Der dänische GolfSport kommt aktuell aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Neben Pedersen in Saudi-Arabien holte nämlich auch Joachim B. Hansen einen Titel in Europas höchster Spielklasse. Der 31-Jährige behauptete sich an einem spannenden Finaltag in den Jumeirah Golf Estates in Dubai gegen den Italiener Francesco Laporta sowie Bernd Wiesberger. Die Dubai Championship war das letzte Turnier vor dem Saisonfinale, bei dem nur die besten 50 des Race to Dubais antreten dürfen. Hansen ergatterte sich mit seinem zweiten Titelgewinn auf der European Tour einen der 50 Plätze und stockte das dänische Aufgebot für die DP World Tour Championship damit auf vier Teilnehmer auf. Zudem war es der vierte dänische Sieger bei den vergangenen zehn Events auf der European Tour.

Ein deutscher Erfolg liegt schon deutlich länger zurück. Und auch in dieser Saison besteht nur noch eine Gelegenheit, dieser siebenjährigen Durststecke ein Ende zu bereiten. Mit Martin Kaymer und Maximilian Kieffer sind aber immerhin zwei Deutsche für das Dubai-Finale qualifiziert. Und beide konnten bei der Generalprobe auf dem Fire Course überzeugen. Kaymer beendete das Turnier bei 18 unter Par und wurde damit geteilter 13., fünf Schläge hinter dem Sieger. Für den zweimaligen Major-Sieger war es das beste Ergebnis seit dem zweiten Platz bei der BMW International Open in München. Kieffer glänzte am Wochenende mit zwei 66er-Runden in Folge und kletterte somit bis auf den geteilten 17. Rang. Als nun 49. des Race to Dubais sicherte er sich als einer der letzten Spieler ein Ticket für das Finale.

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Aufgrund mehrerer Absagen für die DP World Tour Championship durfte sich auch noch der 54. des Race to Dubais, James Morrison, über eine einwöchige Verlängerung seiner Saison freuen. Neben den abwesenden Viktor Hovland und Justin Rose gab auch Jon Rahm am Wochenende bekannt, dass er die Reise nach Dubai nicht antreten werde und lieber die Zeit bei seiner Familie verbringen wolle. "Nach langen Diskussionen mit meinem Team, kam ich zur schwierigen Entscheidung, nicht nach Dubai zu reisen", so der Weltranglistenerste und Dritte des Race to Dubais. "Die lange Saison mit ihren vielen Höhen und Tiefen hat mir viel abverlangt. Ich habe das Gefühl, meine Batterien erstmal wieder aufladen zu müssen und dies im Dasein meiner Familie zu tun." Collin Morikawa und Billy Horschel, Nummer eins und zwei im Race to Dubai, kommt dieser Umstand durchaus entgegen. Beide könnten Geschichte schreiben als erste US-Amerikaner, die die europäische Order of Merit gewinnen.

PGA Tour


(Jason Kokrak mit dem Maskottchen der Houston Astros, Photo by Leslie Plaza Johnson/Icon Sportswire via Getty Images)

Zur Halbzeit der Houston Open lag Jason Kokrak noch zehn Schläge hinter der Spitze. Nach 72 gespielten Löchern durfte er sich über seinen dritten PGA-Tour-Sieg in den vergangenen 13 Monaten freuen. Der US-Amerikaner zauberte am Wochenende Runden von 66 und 65 Schlägen auf den anspruchsvollen Par-70-Kurs des Memorial Parks und überflügelte damit die Konkurrenz bestehend aus Kevin Tway, Scottie Scheffler und Kramer Hickock. Entscheidend für das Titelrennen war Kokraks Birdie-Serie von Bahn 13 bis 16, die Tway und Scheffler auf den geteilten zweiten Rang verwies. Den Schlag des Tages gelang Matthew Wolff, der mit guten Siegchancen in die Finalrunde gegangen war, jedoch mit frühen Bogeys nach hinten durchgereicht wurde. Auf der Neun lochte er seinen Abschlag und war damit zwischenzeitlich wieder vorne dabei. Mit einer 72 (+2) beendete Wolff die Houston Open auf dem geteilten elften Rang.

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LPGA Tour


(Lexi Thompson und Nelly Korda, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Am Ende musste ein Stechen zwischen vier Topstars herhalten, um die Siegerin der Pelican Women’s Championship zu bestimmen. Nach vier gespielten Runden teilten sich Nelly Korda, Lydia Ko, Sei Young Kim und Lexi Thompson den ersten Rang bei 17 unter Par. Damit traten beim vorletzten Event der Saison vier Damen aus den Top 13 der Weltrangliste direkt gegeneinander an. Dem ganzen Drama gingen späte Fehler der US-Amerikanerinnen Korda und Thompson voraus. Korda kassierte auf der 17 ein Triple-Bogey, auf das sie mit einem Birdie antwortete und Thompson beendete ihre Runde mit zwei Bogeys. Etwas unerwartet ging es also zu viert zurück auf die 18 des Pelican Golf Clubs und erneut gelang Korda das Birdie, das ihr dieses Mal zum Gewinn ihres vierten Saisontitels genügte. Damit festigte sie nicht nur ihren Platz an der Spitze der Weltrangliste, sie übernahm auch die Führung in der Saisonwertung, die in dieser Woche in Naples ihren Abschluss findet.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Ladies European Tour, Aramco Team Series - Jeddah (Einzel): Olivia Cowan 2., Chiara Noja T26, Karolin Lampert T38, Leonie Harm & Leticia Ras Andérica T63, Franziska Friedrich T72, Sarina Schmidt T77 und Carolin Kauffmann T101
  • Ladies European Tour, Aramco Team Series - Jeddah (Team): Team Cowan 11., Team Lampert T22 und Team Harm T29
  • PGA Tour, Houston Open: Stephan Jäger T35
  • LPGA Tour, Pelican Women’s Championship: Isi Gabsa T40, Caroline Masson & Esther Henseleit T47 und Sophia Popov CUT
  • European Tour, Dubai Championship: Martin Kaymer T13 und Maximilian Kieffer T17
  • PGA Tour Champions, Charles Schwab Cup Championship: Bernhard Langer 17. und Alex Cejka T18

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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