Tour-Vorschau

Das Ende einer Ära

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit den Saisonfinals auf der European sowie der LPGA Tour.

17. November 2021

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Eine weitere Finalwoche steht an. Und dieses Mal wird gleich auf zwei Touren um den Gesamtsieg gekämpft. Deutsche TeilnehmerInnen sind ebenfalls am Start. Etwas Wehmut schwingt beim Saisonfinale auf der European Tour mit. Das Ende einer knapp 50-jährigen Ära erwartet uns. Die Vorschau:

European Tour


(Lee Westwood, Gewinner des Race to Dubais 2020, und Titelverteidiger Matt Fitzpatrick, Photo by Ross Kinnaird/Getty Images)

Was offiziell 1972 von der PGA ins Leben gerufen wurde, erfährt knapp 50 Jahre später eine drastische Änderung. Denn die DP World Tour Championship markiert das letzte Turnier der European Tour. Und geschmeidiger hätte der Übergang kaum durchgeführt werden können, dient der Hauptsponsor des Saisonfinals ab kommender Saison auch als Namensgeber der gesamten Golftour. Aus European Tour wird also DP World Tour und daran wird man sich womöglich erstmal gewöhnen müssen. Die Vorstufe zu diesem Einschnitt war die Umbenennung der European Tour Order of Merit in das mittlerweile etablierte Race to Dubai. Dass aber zwölf Jahre nach dieser Neuerung die European Tour Geschichte sein wird, daran haben damals wohl nicht mal die größten Zyniker glauben wollen.

Es steht also eine geschichtsträchtige Woche bevor. Schauplatz ist, fast schon standesgemäß, der Earth Course in Dubai. Hier ist die erstmals 2009 ausgetragene DP World Tour Championship seit jeher zuhause und hier haben sich bereits etliche Topstars zum Champion Golfer of the Year küren lassen. Rekordsieger des Race to Dubais ist Rory McIlroy mit drei Erfolgen. Zwei Mal davon gelang ihm der Dubai-Doppelpack - also der Sieg bei der Tour Championship und der gleichbedeutende Gewinn der Gesamtwertung (2012 & 2015). Henrik Stenson ist der einzige Spieler, der seinen Titel beim Saisonfinale erfolgreich verteidigen konnte (2013 & 2014). Die vergangenen fünf Ausgaben der World Tour Championship brachten nur drei unterschiedliche Sieger hervor. Matt Fritzpatrick triumphierte hier 2016 und geht in dieser Woche als Titelverteidiger an den Start, Jon Rahm feierte 2017 und 2019 einen finalen Erfolg und Danny Willett beendete 2018 seine Sieglosserie, die er seit seinem Masters-Triumph 2016 mit sich schleppte.


(Collin Morikawa, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Von den oben genannten ehemaligen Turniersiegern wird neben Stenson, der sich Sportlich nicht für das Finale qualifizierte, auch der Spanier und Weltranglistenerste vermisst. Rahm - Dritter im Race to Dubai - sagte seinen Start genauso wie Viktor Hovland und Justin Rose ab. Dieser Umstand erhöht die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, dass die Saisonwertung der European Tour in diesem Jahr erstmals von einem US-Amerikaner gewonnen wird. Denn mit Collin Morikawa und Billy Horschel gehen gleich zwei Spieler aus den USA als Nummer eins und zwei des Race to Dubais in das letzte Event der Saison. Nur vier Verfolger können die beiden theoretisch noch einholen, doch alle von ihnen, namentlich Tyrrell Hatton, Min Woo Lee, Matt Fitzpatrick und Paul Casey, müssen die World Tour Championship gewinnen und sind auf Schützenhilfe der beiden Führenden angewiesen. Immerhin der Engländer Fitzpatrick weiß, wie man die Konkurrenz auf dem Earth Course hinter sich lässt.

Mit neun Millionen US-Dollar schüttet die World Tour Championship das höchste Preisgeld auf der European Tour aus - die Majors und WGCs mal ausgenommen. Bei nur 53 Spielern im Feld dürfen sich also alle Teilnehmer nochmal auf einen saftigen Preischeck zum Abschluss einer langen Saison mit insgesamt 40 Events freuen. Etwas kurios: Sergio Garcia und Patrick Reed sind in dieser Woche ebenfalls am Start, obwohl sie nicht die eigentlich erforderte Mindestanzahl an regulären European-Tour-Events (vier) spielten. Ihnen wurden jedoch spezielle Einladungen ausgehändigt, um den Star-Faktor in Dubai etwas anzuheben. Nach den zahlreichen Absagen sind sechs Spieler aus den Top 25 der Weltrangliste am Start. Morikawa ist als Nummer zwei der Welt der Bestplatzierte. Nicht umsonst bemüht man sich seitens der European Tour darum, den amtierenden Open-Champion häufiger auf der zukünftigen DP World Tour begrüßen zu dürfen und stattete ihn im Vorfeld der Tour Championship mit einer "Honorary Life Membership" aus. Der 24-Jährige ist erst der 57. Spieler, dem diese Ehre zuteilwurde. Auch Martin Kaymer und Bernhard Langer besitzen eine solche lebenslange Mitgliedschaft.


(Martin Kaymer, Photo by Luke Walker/Getty Images)

Kaymer war mit einer Ausnahme (2019) bei allen Ausgaben der Tour Championship dabei. In diesem Jahr qualifizierte er sich als 47. des Race to Dubais denkbar knapp und wird mit einem guten Saisonabschluss versuchen, diese Platzierung noch ein wenig zu verbessern. Kaymers Bilanz auf dem Earth Course ist solide. Sieben Mal beendete er das Finale unter den besten 20, einmal wurde er geteilter Zehnter (2015). Bei der Dubai Championship in der vergangenen Woche, die auf dem benachbarten Fire Course stattfand, konnte sich der zweimalige Major-Sieger etwas warmspielen und wurde geteilter 13. mit einem Gesamtergebnis von 18 unter Par. Ähnlich niedrige Ergebnisse sind auch auf dem Earth Course zu erwarten. Das Par-72-Design von Greg Norman mit einer Gesamtlänge von etwas mehr als 7.000 Meter hält zwar einige Wasser- sowie Bunkerhindernisse bereit, jedoch erwartet die Spieler auf den meisten Löchern weite Fairways und große Grüns. Das Rekordergebnis stammt von Zweifachsieger Stenson, der 2013 nur 263 Schläge (-25) benötigte.

Der zweite Deutsche im Feld ist Maximilian Kieffer. Als 49. im Race to Dubai war es bei ihm sogar noch etwas knapper als bei seinem Landsmann. Dass der 31-Jährige aber seit August nur einen Cut verpasste, zeigt seine Konstanz in dieser Saison. Zudem wurde Kieffer im April zwei Mal in Folge Zweiter und unterstrich damit einmal mehr sein Potenzial, auch endlich ein Turnier auf der European Tour zu gewinnen. Bei der DP World Tour Championship nahm er zuvor erst einmal teil - 2015, als er sein bislang bestes Jahr auf der European Tour spielte und 55. im Race to Dubai wurde. Dieses Endergebnis wird er in dieser Spielzeit unterbieten können. Das steht jetzt schon fest, da James Morrison als Nummer 54 des Race to Dubais der schlechtplatzierteste Spieler im Feld ist. Kieffers Blick dürfte aber auch aufgrund seines geteilten 17. Rangs in der vergangenen Woche eher nach vorne gehen.

Aus Österreich ist einzig Bernd Wiesberger am Start. Der achtmalige European-Tour-Sieger geht als Nummer zehn des Race to Dubais in die letzte Woche der Saison und konnte in den vergangenen Wochen mit starken Resultaten überzeugen (T20, T12, T11, T2). Sein bestes Ergebnis bei der Tour Championship in Dubai feierte Wiesberger 2016, als er geteilter Vierter wurde.

LPGA Tour


(Nelly Korda, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Das Saisonfinale auf der LPGA Tour verspicht ebenfalls einen spannenden Kampf um den Titel "Player of the Year". Aktuell führt Nelly Korda diese Wertung an. Ihr Vorsprung beträgt jedoch nur zehn Punkte auf Jin Young Ko, die diese Auszeichnung bereits 2019 einmal erhielt. Die beiden derzeit besten Spielerinnen der Welt nahmen sich das ganze Jahr über nichts. Beide holten jeweils vier Titel und wechselten sich immer wieder ab, was die Führung in der Weltrangliste anging. Die CME Group Tour Championship findet im Tiburón Golf Club und damit in Kordas Heimatbundesstaat Florida statt. "Ich liebe dieses Event", so die 23-Jährige im Vorfeld des Turniers. "Ich liebe diesen Golfplatz. Ich liebe jedes Florida-Event, zu dem ich fahren kann. Ich fühle mich immer wie zuhause und kann auf die Unterstützung von Familie und Freunden setzen."

Korda kann also auf den Heimvorteil hoffen und reiste frisch von ihrem Sieg bei der Pelican Women’s Championship nach Florida. Ko konnte dieses Event aber bereits im vergangenen Jahr gewinnen und wird alles daransetzen, ihren Titel zu verteidigen. "Mein Schwung und mein Spiel fühlen sich fast perfekt an", erklärte die Südkoreanerin. "Ich bin sehr glücklich zurück zu sein und kann mich noch an jedes Loch und jeden Schlag aus dem vergangenen Jahr erinnern." Zudem spielt Ko seit einigen Monaten für eine besondere Person in ihrem Leben, die seit März nicht mehr unter uns weilt. In der Vorwoche der ANA Inspiration bekam die 26-Jährige einen Anruf ihrer Mutter mit der traurigen Nachricht, dass ihre Oma verstorben sei. Seitdem beendete Ko zehn von 15 Events unter den Top Ten. "Sie schaut aus dem Himmel auf mich herunter. Sie möchte sehen, wie ich viele Siege hole. Deswegen arbeite ich hart und ich habe vier Turniere gewonnen. Sie wird also glücklich sein." Ein Titelgewinn beim Finale wäre die Krönung einer sportlich herausragenden und zugleich emotional anspruchsvollen Saison.


(Esther Henseleit, Photo by Chung Sung-Jun/Getty Images)

Während sich auf der European Tour zwei Deutsche für das Saisonfinale qualifizierten, schafften dies auf der LPGA Tour gar drei deutsche Damen. Esther Henseleit geht als Nummer 37 im Race to CME Globe in das mit fünf Millionen US-Dollar dotierte Event in Naples. Die 22-Jährige wird immer noch als Rookie geführt und belegt in dieser eigenen Wertung den fünften Rang. Vier ihrer 18 gespielten Turniere beendete sie unter den Top Ten. Der größte Erfolg war ein vierter Rang bei der Marathon LPGA Classic im Juli, wo sie mehr als 100.000 US-Dollar an Preisgeld verdiente. Allein die Qualifikation für die Tour Championship ist schon als äußerst positiv einzuordnen. Zudem liegt sie aktuell noch vor den beiden arrivierten LPGA-Spielerinnen Caroline Masson und Sophia Popov.

Masson (45.) erreichte in diesem Jahr drei Mal die Top Ten und wurde vor wenigen Wochen beim Cognizant Founders Cup Zweite. Und die 32-Jährige zählt in dieser Woche definitiv zu den erfahrensten Damen im Feld. Masson ist nämlich zum neunten Mal in Folge beim Finale dabei. Für Popov ist es dagegen die erste Teilnahme an der Tour Championship. Genauso wie bei Masson stehen auch bei ihr drei Top-Ten-Ergebnisse in der Saisonbilanz. Bei den vergangenen zwölf Turnieren scheiterte sie aber sieben Mal am Cut. Die Euphorie, nach sechs Jahren endlich mal beim Finale dabei sein zu dürfen, könnte Popov aber zu einem positiven Abschluss der Saison beflügeln.

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour, The RSM Classic: Stephan Jäger
  • LPGA Tour, CME Group Tour Championship: Esther Henseleit, Caroline Masson und Sophia Popov
  • European Tour, DP WOrld Tour Championship: Maximilian Kieffer und Martin Kaymer

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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