US Open

Rahms perfekter Sonntag

Jon Rahm wird seiner Favoritenrolle bei der US Open in Torrey Pines gerecht und gewinnt seinen ersten Major-Titel.

21. Juni 2021

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Hätte sich Jon Rahm einen Sonntag malen können, dann sähe er vermutlich genau so aus: Finaltag bei einer US Open. Torrey Pines. Und das alles am "Father’s Day". Es waren die perfekten Rahmenbedingungen für den größten Erfolg in der Karriere des 26-jährigen Basken. Zwei Wochen nachdem er wegen eines positiven Corona-Tests, in komfortabler Führung liegend, beim Memorial aus dem Verkehr gezogen wurde, ging Rahm als Top-Favorit in das dritte Major des Jahres. Nicht nur sprach die aktuelle Form des jungen Vaters, der erst im April Papa wurde, für ihn. Auch der Austragungsort hatte schon immer einen besonderen Platz in Rahms Herzen. Zum einen gewann er hier bei der Farmers Insurance Open 2017 seinen ersten PGA-Tour-Titel. Zum anderen erfolgte der Heiratsantrag an seine Frau Kelley in San Diego, der Lieblingsstadt des Ehepaares.

Es hätte sich also kein anderer Ort besser geeignet für den lang ersehnten ersten Major-Sieg für "Rahmbo". Der inzwischen mit seiner Familie in Scottsdale, Arizona, lebende Spanier schien sich selber diesen besonderen Tag herausgepickt zu haben. Es war alles angerichtet. "Ich glaube sehr stark an Karma", so Rahm, dem das Erlebnis beim Memorial, als er mit sechs Schlägen führte und aufgeben musste, extra Energie freigesetzt zu haben schien. "Nachdem was vor zwei Wochen passierte, bin ich wirklich positiv geblieben, im Wissen, dass etwas Großes auf mich zukommen würde." Größer als das, was am Sonntag der 121. US Open geschah, hätte es kaum kommen können. Mit drei Schlägen Rückstand auf das Führungstrio um Mackenzie Hughes, Russell Henley und Louis Oosthuizen ging Rahm in den Finaltag.


(Jon Rahm nach seinem Birdie auf der 18, Photo by Keyur Khamar/PGA TOUR via Getty Images)

Während Namen wie Rory McIlroy, Collin Morikawa, Hughes oder Henley reihenweise auf den anspruchsvollen Back Nine vom South Course Federn ließen, entwickelte sich auf den finalen Löchern ein Zweikampf zwischen Oosthuizen und Rahm. Letzterem unterlief seit der vierten Bahn kein Fehler mehr und nach sieben Pars in Folge erfolgte auf den letzten beiden Löchern die Explosion des Jon "Rahmbo" Rahm. Auf der 17 fiel ein Birdie-Putt aus 7,5 Metern und auf der 18 lochte er nochmal aus 5,5 Metern zum Birdie. Damit setzte Rahm die Bestmarke bei sechs unter Par und Oosthuizen benötigte nach einem Bogey auf der 17 ein Eagle auf dem abschließenden Par 5, um ins Stechen einzuziehen. Es wurde nur das Birdie und so stand Rahm als Gewinner der US Open 2021 fest.

"Dies ist definitiv für Seve", sagte ein emotionaler Rahm nach einer 67 (-4), der geteilt besten Runde des Tages. "Ich weiß, dass er dieses Turnier am meisten von allen gewinnen wollte." Seve Ballesteros feierte fünf Major-Siege. Die PGA Championship sowie die US Open fehlten in seiner Titelsammlung. Rahm war nach Seve, José María Olazábal, und Sergio Garcia nicht nur der vierte spanische Major-Sieger. Er war auch der erste Spanier, der die US Open gewinnen konnte. "Ich wusste nicht, wie es wird, aber ich wusste, dass wir an einen besonderen Ort kommen", sprach Rahm über Torrey Pines. "Ich habe hier meinen Durchbruch gefeiert und es ist ein sehr besonderer Ort für meine Familie." Entsprechend groß war die Freude bei der Familie Rahm, als sie gemeinsam den großen Erfolg feiern durften. Auch Rahms Eltern waren natürlich anwesend. Wobei der zweieinhalb Monate alte Sohn Kepa wohl noch einige Jahre brauchen wird, um zu realisieren, welch einen besonderen Vatertag sein Papa da gerade erlebte.


(Papa Rahm gratuliert seinem Sohn, Photo by Ezra Shaw/Getty Images)

Während Rahm Momente für die Ewigkeit erlebte, gratulierte Oosthuizen einmal mehr anderen zum Sieg. Schon bei der PGA Championship auf Kiawah musste er sich einzig Phil Mickelson geschlagen geben. Für den Südafrikaner, der 2010 die Open Championship gewann, war es bereits der sechste zweite Platz bei einem Major. Zwei Schläge hinter ihm beendete Harris English das Event als alleiniger Dritter. Den vierten Rang teilten sich Guido Migliozzi, Brooks Koepka und Morikawa, der seine Titelchancen mit einem Doppel-Bogey auf der 13 (Par 5) verspielte. McIlroy erlaubte sich auf der Zwölf einen ähnlich großen Schnitzer und schoss sich ebenfalls mit einem Doppel-Bogey aus dem Titelrennen. Der Nordire wurde am Ende geteilter Siebter mit Branden Grace, Daniel Berger, Paul Casey, Xander Schauffele und Scottie Scheffler.

Martin Kaymer beendete die US Open auf einem geteilten 26. Rang bei drei über Par. Matthias Schmid und Bernd Wiesberger waren am Cut gescheitert.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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