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Tour-Rückblick

Fitzpatrick feiert, Murray flippt aus

Matthew Fitzpatrick krönt sich im The Country Club zum US-Open-Champion. Andere hatten weniger Spaß in Boston. Der Rückblick aufs Wochenende.

20. Juni 2022

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Das war die US-Open-Woche. Und sie bot uns alles, was eine typische US-Open-Woche zu bieten hat. Top-Schläge von Top-Golfern auf einem Platz, der manch einen zur Weißglut treibt. Doch ein Spieler scheint sich im The Country Club zuhause zu fühlen: Matt Fitzpatrick konnte seinen zweiten großen Titel in Brookline, Massachusetts, feiern und tritt damit in legendäre Fußstapfen. Der Rückblick:

US Open


Will Zalatoris und Matt Fitzpatrick, Photo by Jared C. Tilton/Getty Images)

2013, im Alter von 18 Jahren, trug sich Matt Fitzpatrick in die Geschichtsbücher der US Amateur Championship ein. Als erster Engländer seit mehr als 100 Jahren gewann er das prestigeträchtige Amateurturnier. Der damalige Austragungsort: The Country Club in Brookline, Massachusetts. Neun Jahre später konnte der Mann aus Sheffield seine ganz persönliche Geschichte an diesem Ort um ein historisches Kapitel ergänzen. Fitzpatrick gewann als erst zweiter Spieler nach Jack Nicklaus die US Amateur Championship und die US Open an selber Stelle. Nicklaus gelang dieses Kunststück damals in Pebble Beach.

"Ich liebe es, auf diesem Golfplatz zu spielen", sagte Fitzpatrick nach seinem ersten Major-Triumph über den anspruchsvollen Par-70-Kurs in der Boston-Region. "Er liegt mir so gut. Er passt gut zu meinem Spiel. Ich spiele schon seit einiger Zeit gut, und ich glaube, es hat sich einfach so ergeben, dass dies der Ort ist, an dem es passieren sollte." Fitzpatrick, als siebenmaliger DP-World-Tour-Champion zum dritten Major des Jahres gereist, ging als geteilter Führender mit Will Zalatoris in den Finaltag. Beide Spieler boten sich einen spannenden Titelkampf bis zum letzten Loch, in den auch der Weltranglistenerste dank vier Birdies auf den ersten sechs Löchern eingriff.

Die Finalrunde war also geprägt von einem engen Dreikampf zwischen Fitzpatrick, Zalatoris und Scottie Scheffler, in dem jeder der drei zwischenzeitlich mal die Nase vorne hatte. Fehler auf dem kniffligen, harten Terrain erlaubten sich alle Spieler. Am Ende sollte derjenige jubeln, der sein Ergebnis am besten zusammenhalten konnte. Scheffler erlaubte sich - genauso wie Fitzpatrick - Bogeys auf den Löchern 10 und 11. Zalatoris ließ zwischen Bahn 12 und 15 zwei Schläge liegen. Die beste Schlussphase erwischte jedoch der 27-jährige Engländer, der zuvor erst zwei Top-Ten-Finishes bei Majors erzielte.

Fitzpatrick lochte einen Birdie-Putt aus knapp 15 Metern an der 13 ein und meldete weitere Titelansprüche mit einem Schlaggewinn auf der 15 an. Sein wohl wichtigster Schlag des Turniers gelang dem Ryder-Cup-Spieler auf der Schlussbahn. Mit einem Schlag Vorsprung ging es auf die 18, wo Fitzpatricks Abschlag in einem Fairway-Bunker landete. Die Tür war plötzlich nochmal offen für Zalatoris, der sicher auf dem Fairway lag und auch Scheffler dürfte sich die Situation mit einem Zähler Rückstand im Clubhaus ganz genau angeschaut haben. Doch Fitzpatrick ließ sich bei seinem zweiten Schlag keine Nerven anmerken. Aus dem Sand zauberte er seinen Ball 5,5 Meter an den Stock und nachdem auch Zalatoris seinen Birdie-Putt vorbeischob, stand der US-Amateur-Champion aus 2013 als Gewinner der 122. US Open fest.

"Das bedeutet mir sehr viel", sagte der Sieger, der nun ein Wörtchen mit seinem Vorgänger Nicklaus reden wird. "Ich weiß nicht, ob Jack [Nicklaus] das hier hört, aber er hat mich zu Beginn des Jahres ein bisschen zurechtgewiesen! Ich habe das Member-Member-Turnier in seinem Club gewonnen, und er sagte: 'Na endlich, Glückwunsch zum Sieg in den USA'. So kann ich zu ihm zurückgehen und sagen: 'Jack, ich habe dieses Jahr zum zweiten Mal gewonnen'." Feiern konnte Fitzpatrick den Triumph gemeinsam mit Caddie Billy Foster sowie seiner Familie, mit der er übrigens bei derselben Gastfamilie nächtigte wie vor neun Jahren bei seinem Amateur-Erfolg. "Es ist so klischeehaft, aber es ist das, wovon man als Kind träumt." Und so schloss sich am Sonntag ein Kreis, der irgendwie vorbestimmt gewesen zu sein.

Geteilte Zweite wurden Zalatoris und Scheffler bei einem Gesamtergebnis von fünf unter Par. Für Zalatoris war es bereits der dritte zweite Rang bei einem Major. Bereuen tue er nach dieser anstrengenden Woche jedoch nichts: "Ich fand, dass ich die ganze Woche über großartig gespielt habe, vor allem, weil ich so gut gestartet bin wie heute. Das tut natürlich weh. Natürlich ist es schade, dass ich in meiner Karriere bisher dreimal Zweiter bei den Majors geworden bin, aber ich klopfe weiter an diese Tür. Wir tun offensichtlich die richtigen Dinge."

Gleiches gilt für Scheffler, der nur knapp an seinem zweiten Major-Sieg nach dem Triumph beim Masters im April vorbeischrammte. "Es war eine Woche wie eine Achterbahnfahrt", so die Nummer eins der Welt. "Am Ende um den Titel mitgespielt zu haben, hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Leider hatten wir nur einen Schlag zu wenig." Die beste Runde der Turnierwoche, eine 65 (-5), hievte Hideki Matsuyama auf den alleinigen vierten Rang bei -3. Collin Morikawa und Rory McIlroy teilten sich den fünften Platz bei -2.

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(Grayson Murray, Photo by David Cannon/Getty Images)

Dass kein anderes Major so frustrierend sein kann wie die US Open, ist nicht erst seit der vergangenen Woche bekannt. Doch einen mentalen Einbruch wie am Finaltag in Brookline, Massachusetts, sieht man dann doch eher selten. Grayson Murray, Nummer 544 der Welt, verlor zwei Mal auf seiner Finalrunde komplett die Nerven und entledigte sich zwei seiner Schläger. Den ersten Ausraster erlaubte sich Murray, der mit +8 in den Sonntag ging, auf der siebten Bahn des Country Clubs. Nach einem Quadruple-Bogey schleuderte der 28-Jährige, der seine zweite US Open spielte, seinen Putter mit ordentlich Wut im Bauch ins dichte Rough am Grün.

Diesen Schläger konnte Murray nach dieser Aktion wenigstens wieder einsammeln und verwenden. Anders sah das mit seinem Eisen aus, das er für seine Annäherung an der Zehn nutzte. Nach einem Hook auf dem Par 4, musste der verantwortliche Schläger dran glauben und wurde über dem Knie in der Mitte geteilt. Murray schien den Sonntag im Country Club also nicht wirklich genießen zu können, was angesichts einer 80 (+10) zum Abschluss auch durchaus verständlich war. Mit +18 beendete der US-Amerikaner das Turnier auf dem vorletzten Platz. Aber immerhin schaffte er seinen ersten Cut bei der US Open.

Damit hat Murray unter anderem Marcel Schneider und Yannik Paul etwas voraus. Beide Deutschen mussten bei ihrem US-Open-Debüt nämlich nach zwei Runden die Segel streichen. Für Paul war es gar das Major-Debüt und obwohl am Ende sieben Schläge auf den Cut fehlten, war der DP-World-Tour-Rookie nicht ganz unzufrieden mit seiner Leistung. Auf Instagram resümierte er: "Ich habe meine Zeit bei der US Open wirklich genossen. Mein Spiel war gar nicht so schlecht - ich habe einfach zu viele Fairways um ein paar Meter verfehlt und aus dem Rough ist es schwer, einen guten Score zu erzielen. Es war eine tolle Erfahrung und ich kann es kaum erwarten, weiter hart zu arbeiten, um bald konstant bei Majors zu spielen!"

Für Schneider war es der zweite Major-Auftritt nach seinem Debüt bei der Open Championship 2021. Auch da verpasste er den Cut. Während damals acht Schläge fehlten, waren es dieses Mal derer 14. Auch hier dürfte der Frust also relativ groß gewesen sein, auch wenn Ausraster wie bei Murray ausblieben. Die nächste Chance auf Wochenendgolf haben Paul und Schneider bei der anstehenden BMW International Open vor heimischem Publikum im Golfclub München Eichenried.

Challenge Tour


(Freddy Schott, Photo by Johannes Simon/Getty Images)

Die Kaskáda Golf Challenge hielt zwei erfreuliche Ergebnisse aus deutscher Sicht parat. Sowohl Freddy Schott als auch Jannik de Bruyn feierten in Brünn, Tschechien, ihr jeweils bestes Karriereergebnis auf der Challenge Tour. Der Turnierverlauf der beiden Deutschen hätte aber unterschiedlicher kaum sein können. Während de Bruyn mit der zweitbesten Runde des Finaltages auf den letzten Drücker unter die Top Ten stürmte, ging Schott als geteilter Führender in den Sonntag, musste dann jedoch einige Plätze einbüßen.

Schott klagte nach seiner 67 (-4) am Samstag über Rückenprobleme, die ihn bereits länger plagten, jedoch war ihm bis dato davon nichts anzumerken. Der 21-Jährige lag nach drei Runden bei 16 unter Par und hatte seinen ersten Titel als Profi im Visier. Ein Triple-Bogey auf der zweiten Bahn bedeutete jedoch einen frühen Dämpfer und auch im Laufe des Tages konnte er nicht mehr an seine Leistungen von den Vortagen anknüpfen. Am Ende wurde es eine 75 (+4), die trotzdem noch den geteilten vierten Rang bedeutete und das damit beste Resultat seiner noch jungen Karriere in Europas Liga zwei. Im Challenge Tour Ranking ging es vor auf den 37. Platz

De Bruyn, in diesem Jahr erst zum dritten Mal auf der Challenge Tour im Einsatz, glänzte mit einer 64 (-7) im Finale und verbesserte sich auf den geteilten achten Rang. Auch für ihn bedeutete dieses Resultat eine neue persönliche Bestmarke. Für den 22-Jährigen waren dies die ersten Punkte des Jahres. Nick Bachem rundete das erfreuliche Abschneiden für die deutschen Challenge-Tour-Spieler mit einem geteilten 13. Rang ab.

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Ladies European Tour


(Sophie Witt, Credit: Tristan Jones/LET)

Einen deutschen Titelgewinn wie im vergangenen Jahr gab es dieses Mal zwar nicht aus London zu vermelden. Ein gutes Pflaster war die Aramco Team Series im Centurion Club aber einmal mehr für die deutschen Ladies. Erst versenkte Olivia Cowan am zweiten Tag ihren Abschlag auf der zweiten Bahn zum Hole-in-One. Dann feierte, einen Tag später, Sophie Witt ihre bislang beste Platzierung auf der Ladies European Tour. Die 19-Jährige verbesserte sich dank einer 71 (-2) am Finaltag auf den geteilten neunten Rang und erzielte damit ihr zweites Top-Ten-Ergebnis ihrer noch jungen Profilaufbahn.

Für Cowan war das Hole-in-One das erste Ass auf der Ladies European Tour und das vierte ihrer Karriere. Im vergangenen Jahr gewann sie das Team-Event gemeinsam mit ihrer Freundin Sarina Schmidt sowie zwei weiteren MitspielerInnen. In der vergangenen Woche spielten die beiden Deutschen erneut zusammen, dieses Mal reichte es jedoch nur zum 34. Platz.

Ihre Nachfolgerinnen waren vier Damen rund um die Team-Kapitänin Nicole Garcia aus Südafrika. Im Stechen setzten sie sich gegen das Team Wikstrom durch. Die Einzelwertung gewann Bronte Law aus England dank eines Eagles auf der 18. Landsfrau Georgia Hall wurde Zweite, während Linn Grant, Gewinnerin des Scandinavian Mixed aus der Vorwoche, mit einem dritten Platz ihre starke Form fortsetzte.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Major, US Open: Marcel Schneider Yannik Paul CUT
  • Ladies European Tour, Aramco Team Series – London (Einzel): Sophie Witt T9, Leonie Harm T22, Luisa Dittrich & Olivia Cowan T47 und Helen Tamy Kreuzer, Leticia Ras-Anderica & Sarina Schmidt CUT; Karolin Lampert WD
  • Challenge Tour, Kaskáda Golf Challenge: Freddy Schott T4, Jannik de Bruyn T8, Nick Bachem T13, Michael Hirmer T41, Bernd Ritthammer T46, Dominic Foos T60, Timo Vahlenkamp T63 und Alexander Knappe, Yannick Schutz, Jonas Kölbing, Max Rottluff, Tim Tillmanns & Felix Katzy CUT; Allen John WD
  • Korn Ferry Tour, Wichita Open: Jeremy Paul T61 und Thomas Rosenmüller CUT
  • LPGA Tour, Meijer LPGA Classic: Caroline Masson T12, Isi Gabsa T40 und Sophia Popov & Esther Henseleit CUT
  • Epson Tour, Ann Arbors Road to the LPGA: Polly Mack T16 und Greta Isabella Völker CUT; Sophie Hausmann WD
  • PGA Tour Canada, ATB Classic: Lukas Euler T34 und Alexander Herrmann CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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