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Tour-Rückblick

Geht der Kapitän von Bord?

Um die LIV Tour ranken sich weitere Gerüchte und auf einigen internationalen Touren spielen Deutsche ganz vorne mit. Der Rückblick aufs Wochenende.

04. Juli 2022

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Die LIV Golf Series dominiert weiterhin die Schlagzeilen in den Golf-Zeitungen. Während auf der neuen Tour weiter mit schwindelerregenden Millionenprämien um sich geworfen wird, bangt das europäische Ryder-Cup-Team offensichtlich um ihren Kapitän. Derweil glänzen deutsche Golferinnen und Golfer auf den internationalen Touren. Der Rückblick:

LIV Golf Series


(Branden Grace und Greg Norman, Photo by Charles Laberge/LIV Golf via Getty Images)

Das zweite von acht Events der neuen LIV Golf Series fand in Branden Grace am Samstag ihren Sieger. Der Südafrikaner feuerte in der Finalrunde eine hervorragende 65 (-7) im Pumpkin Ridge in Portland und kassierte den größten Preisscheck seiner Karriere. Vier Millionen US-Dollar erhielt er für den Einzeltitel. Ein zweiter Rang in der Teamwertung brachte weitere knapp 400.000 US-Dollar ein. Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, mit welch finanzieller Wucht die neue, von Greg Norman initiierte Liga in den Golfmarkt stößt. Und so reißen auch die Gerüchte um weitere Neuzugänge nicht ab. Erst am Sonntag wurde bekannt, dass mit Paul Casey schon bald der nächste Top-30-Spieler auf der LIV-Tour abschlagen wird.

Gerüchten zufolge könnte Norman demnächst den nächsten Coup verkünden. Denn mit Henrik Stenson steht einer Quelle zufolge, die schon in der Vergangenheit frühzeitig von Zugängen erfuhr, der aktuelle Ryder-Cup-Kapitän der europäischen Mannschaft vor einem Wechsel zur Saudi-Liga. Auch The Times berichtete bereits über Verhandlungen zwischen dem Schweden und den LIV-Verantwortlichen. Der Wechsel des Major-Siegers könnte eine historische Folge nach sich ziehen. Denn entscheidet sich Stenson für LIV und damit gegen die PGA sowie DP World Tour, dann würde er seines Kapitänsamts für den im nächsten Jahr in Rom anstehenden Ryder Cup enthoben werden. Dies gab ein Offizieller der DP World Tour bereits bekannt.


(Henrik Stenson, Photo by Hailey Garrett/Getty Images)

Vor nicht allzu langer Zeit besuchte Stenson unter anderem das Kolosseum in Rom für eine Ryder-Cup-Promo-Tour. Zudem benannte er mit Thomas Björn und Edoardo Molinari bereits zwei seiner Vice-Captains für den Kontinentalvergleich. Sollte sich Stenson also seinen Ryder-Cup-Kollegen wie Lee Westwood, Sergio Garcia, Casey oder Martin Kaymer anschließen und seiner eigentlichen Heimattour den Rücken kehren, könnte womöglich einer von beiden, Björn oder Molinari, das Kapitänsamt übernehmen. Nach den kürzlich bekannt gegeben Sanktionen seitens der DP World Tour (100.000 Pfund Strafe sowie Turniersperren) und den daraufhin angedrohten Klagen von einigen europäischen Spielern, wird uns das Thema "LIV" also auch weiterhin kontrovers begleiten.

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Ladies European Tour


(Leonie Harm, Credit: Tristan Jones/LET)

 

Bei der Premiere des Amundi German Masters im Golf- und Country Club Seddiner See fehlte nicht viel zum absoluten Traum-Comeback der Ladies European Tour in Deutschland. Nach sechs Jahren war man endlich wieder zu Gast und am Ende fehlte nur ein Schlag zum Heimsieg der überragend aufspielenden Leonie Harm. Lediglich ein Birdie der jungen Schwedin Maja Stark auf der 18 sorgte dafür, dass die Deutsche nicht im Stechen, sondern auf dem geteilten zweiten Rang landete. "Maja [Stark, Anm. d. Red.] ist eine fantastische Spielerin, und wenn sie ins Rollen kommt, dann können wir oft nur staunen und lernen", so die Stuttgarterin nach einer fehlerfreien Finalrunde. "Ich bin aber auch stolz auf meine eigene Leistung. Das Aufwärmen verlief nicht gut und auf dem Weg zum ersten Abschlag habe ich zu meinem Caddie gesagt, dass es heute eher ein Kampf wird."

Der Kampf endete fast mit dem ersten LET-Titel für Harm. Mit dem geteilten zweiten Rang stellte sie aber ihr persönlich bestes Resultat auf der Tour ein und konnte entsprechend zufrieden sein mit der Woche in Berlin-Brandenburg. "Auf dem Platz habe ich auf einmal angefangen, meine Eisen nahe an die Fahne zu schlagen und ich habe auch keine schwerwiegenden Fehler gemacht. Deshalb ist die Score-Karte sauber geblieben und ich konnte einige Chancen nutzen. Ich habe heute versucht, die anderen Ergebnisse auszublenden, mich auf mich zu konzentrieren und es auch zu genießen, in der Heimat gut unterwegs zu sein."

Während Stark mit ihren erst 22 Jahren bereits ihren vierten LET-Titel feierte, konnten weitere Deutsche beim Heimspiel glänzen. Die gebürtige Berlinerin Polly Mack wurde nach dem Schlag des Tages, einem Eagle auf der 18, geteilte Vierte, gemeinsam mit Landsfrau Olivia Cowan. "Ein besseres Ergebnis kann man sich nicht erträumen", sagte Mack, die ihr Profi-Debüt auf der LET gab. "Und das vor der eigenen Familie und Freunden. So ein Eagle zu erzielen, wo der Ball hinter dem Loch aufkommt und zurück spinnt, ist unglaublich." Esther Henseleit rundete das starke deutsche Abschneiden mit einem geteilten achten Rang ab.

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Korn Ferry Tour


(Jeremy Paul, Photo by Isaiah Vazquez/Clarkson Creative/Getty Images)

Läuft aktuell bei den Gebrüdern Paul. Während Yannik (DP World Tour) erst kürzlich sein Major-Debüt bei der US Open feiern durfte, erzielte Zwillingsbruder Jeremy am Wochenende die beste Platzierung seiner Korn-Ferry-Tour-Karriere. Beim The Ascendant in Berthoud, Colorado, wurde der 28-Jährige geteilter Dritter und verbesserte sich damit in der Saisonwertung auf den 33. Rang. Die beste Runde der Woche hob sich Paul für den Finaltag auf, an dem er sechs Schläge unter Par blieb. Am Ende fehlten ihm nur zwei Zähler auf den Sieger Zecheng Dou aus China. Die Top 25 am Ende der regulären Saison qualifizieren sich für die PGA Tour. Die Aufstiegsränge sind für Paul also in Sichtweite.

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Challenge Tour


(Freddy Schott, Photo by Valerio Pennicino/Getty Images)

Und wieder schnupperte Freddy Schott an seinem großen Durchbruch auf der Challenge Tour. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ging der 21-Jähriger als Führender in den Finaltag eines Events und auch wenn es in Italien erneut nicht zum Titel reichte, erzielte der Düsseldorfer zum dritten Mal in Folge eine Top-5-Platzierung. Bei der Italian Challenge Open wurde Schott nach zwei 71er-Runden am Wochenende geteilter Fünfter. Damit machte er weitere Plätze in der Saisonwertung gut. Nach 13 von 31 Events in dieser Spielzeit rangiert Schott nun auf dem zwölften Platz im Road to Mallorca. Die besten 20 erhalten am Ende der Saison eine DP-World-Tour-Karte.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • PGA Tour, John Deere Classic: Stephan Jäger T30
  • Ladies European Tour, Amundi German Masters: Leonie Harm T2, Polly Mack & Olivia Cowan T4, Esther Henseleit T8, Isi Gabsa T22, Sophie Witt T36, Helen Tamy Kreuzer T63 und Chiara Horder, Verena Gimmy, Luisa Dittrich, Leticia Ras-Anderica, Karolin Lampert Carolin Kauffmann CUT; Franziska Friedrich RTD
  • Challenge Tour, Italian Challenge: Freddy Schott T5, Max Rottluff T26, Alexander Knappe T50 und Philipp Mejow, Velten Meyer, Dominic Foos, Felix Katzy, Nick Bachem, Timo Vahlenkamp & Allen John CUT; Bernd Ritthammer RTD
  • Korn Ferry Tour, The Ascendant: Jeremy Paul T3 und Thomas Rosenmüller CUT
  • Epson Tour, Island Resort Championship: Polly Mack & Greta Isabella Völker CUT
  • PGA Tour Canada, Prince Edward Island Open: Lukas Euler T28 und Alexander Herrmann T40
  • Major, US Senior Open Championship: Alex Cejka T13 und Bernhard Langer CUT
  • PGA Tour Latinoamérica, Bupa Tour Championship: Velten Meyer T52
  • LET Access Series, Hauts de France: Chiara Noja & Patricia Isabel Schmidt T6, Anastasia Mickan T34, Maria Theresa Licka & Sandy Voss T44 und Alena Oppenheimer CUT
  • DP World Tour, Irish Open: Marcel Schneider T20, Maximilian Kieffer & Matti Schmid T30, Marcel Siem & Hurly Long T37, Yannik Paul T58 und Sebastian Heisele & Nicolai von Dellingshausen CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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