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HIO Fitting

Wann Stahl- oder Graphit-Schäfte spielen?

HIO-Fitting-Experte Marco Burger zeigt Vor- und Nachteile der verschiedenen Schaft-Materialien auf.

07. Juni 2022

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Gott sei Dank muss man sich die Frage nach Stahl- oder Graphit-Schäften inzwischen nicht mehr bei den Hölzern stellen, da diese quasi nur noch mit Graphit-Schäften kombiniert werden. Bei den Eisen und Wedges findet man immer noch beide Materialien und vielen Spielern und Spielerinnen sind die Unterschiede sowie Vor- und Nachteile nicht bekannt. Vorneweg sagt HIO-Fitting-Experte Marco Burger, dass es nicht ein besser oder schlechter gibt: "Auch hier sollte der Schaft im Idealfall an Körper und Schwung angepasst werden und diese können ja bekanntlich sehr unterschiedlich ausfallen."

Einen Stahl-Schaft erkennt man in der Regel an der typischen Chrom-Optik, wohingegen ein Graphit-Schaft meist mit Lackierungen/Stickern ausgestattet ist. Mit wohl der größte Unterschied zwischen diesen beiden Materialien ist die Gewichtsspanne. Ein Stahl-Schaft für Eisen beginnt bei knapp 65 g und endet bei 140 g. Graphit-Schäfte für Eisen hingegen gehen von 35 g bis 130 g. Wichtig hierbei ist, dass schon 10 g Unterschied für jeden normalen Golfer spürbar sein können - nicht unbedingt in Ruhe, aber umso deutlicher, sobald sich der Schläger in Bewegung befindet.

Oftmals sind sehr leichte Schäfte nur in weicheren Flex-Varianten (L, A, R) und schwere Schäfte nur in steiferen Flex-Varianten (R, S, X) erhältlich. Dies hat den Grund, dass es äußerst schwierig ist, einen leichten Schaft zu entwickeln, der gleichzeitig besonders steif ist. Indem man die Wandstärke eines Werkstoffes erhöht, erhöht man in der Regel auch die Steifigkeit und das Gewicht. 

Je mehr Kraft und Geschwindigkeit ein Spieler produziert, desto mehr Gewicht kann er bewegen und auch "fühlen". Golfer mit weniger Geschwindigkeit sollten sich grundlegend eher an leichten Graphit Schäften orientieren. Man sollte es aber definitiv testen, da das subjektive Schlaggefühl sehr unterschiedlich ausfallen kann. Ein leichter Schaft kann die Geschwindigkeit steigern und den Ball durch etwas mehr Biegung einfacher in die Luft befördern. Ein schwerer Schaft wird in aller Regel eher flacher fliegen und ist mehr auf Kontrolle ausgelegt. Indirekt wird durch das Schaftgewicht die Balance oder in der Fachsprache das Schwunggewicht beeinflusst. Je leichter der Schaft, desto kopflastiger und je schwerer der Schaft, desto grifflastiger wird der Schläger.

Für Damen und Senioren kommen zu 95% nur Graphit-Schäfte in Frage, weil weniger Gewicht in der Regel besser beschleunigt werden kann und es zudem schonender für Muskeln/Sehnen/Gelenke ist. Bei Herren hängt es dann von der Geschwindigkeit/Schlagweite und der persönlichen Präferenz ab, ob in den Eisen und Wedges Stahl oder Graphit besser funktioniert.

Vorteile, die das jeweilige Material mit sich bringen kann:

Stahl:

  • stabiles Schwunggefühl durch geringere Biegung
  • höhere Stabilität bei Bodenkontakt
  • in schweren Gewichtsstufen verfügbar mit ggf. erhöhter Kontrolle
  • ggf. erhöhte Präzision
  • meist günstiger als ein Graphit
  • flacherer Ballflug

Graphit:

  • angenehmes, weicheres Schlaggefühl
  • schonender für Gelenke (weniger Vibrationen)
  • in sehr niedrigen Gewichtsklassen verfügbar
  • ggf. erhöhte Schwunggeschwindigkeit und resultierend größere Schlagweite
  • unzählige Farboptionen
  • höherer Ballflug

Eine erhöhte Präzision bei Stahl und eine höhere Schwunggeschwindigkeit bei Graphit sind keineswegs Annahmen, die bei allen Spielertypen zutreffen. Fühlt sich ein Spieler mit einem Graphit-Schaft deutlich wohler, so wird er auch mit diesem präziser schlagen können. Andersrum erhöht ein Spieler, der in der Lage ist "viel" Gewicht effizient zu bewegen, mit einem leichten Graphit-Schaft nicht automatisch seine Schwunggeschwindigkeit. Ignoriert man das Gefühl und den individuellen Spieler, so sollte man sich bei kleiner 120 m Schlagweite mit dem Eisen 7 tendenziell auf Graphit-Schäfte fokussieren und bei größer 160 m im Gegenzug den Fokus auf Stahl-Schäfte setzen. Dazwischen ist viel individueller Spielraum und ein ausgiebiger Test von beiden Materialien zu empfehlen.

Sebastian Burow

Sebastian Burow
Freier Redakteur



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