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Handicap Papa

Wir sind uns grün

Unser Handicap-Papa-Kolumnist steht einmal im Jahr auf Grün und ist positiv überrascht: am Masters-Wochenende gehörte der Fernseher ihm.

13. April 2022

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Eines kann man dem Veranstalter des Masters - dem Augusta National Golf Club - nicht vorwerfen: Greenwashing. Während jedes Unternehmen dieser Welt versucht, noch ein Fitzelchen Grün in sein Logo oder die Firmenstrategie hineinzubasteln, können sich die Mannen (ja, mit Frauen haben sie's in Augusta nicht so) um Chairman Fred Ridley entspannt zurücklehnen: Grün war das Masters schon immer.

Und auch wenn ich mit grün nicht allzu viel am Hut habe, einmal im Jahr werde auch ich ein Grüner. Wie vermutlich jeder Golfliebhaber dieses Planeten. Dieses Turnier ist nun mal der Goldstandard. Es hat alles: Geschichte, Mythos, Drama. Und es produziert die besten Bilder! Das Masters ist der Zott-Werbespot für Golf. Die Fernsehbilder halten mit jedem Computergetunten Hollywood-Blockbuster mit. Unwirklich perfekt.

Heile Welt, Teil I

Nennen Sie mich Ignorant: Aber genau diese perfekten Bilder habe ich gerade gebraucht. Selten freute ich mich auf das Masters so sehr wie in diesem Jahr. Vier Tage Schreckensbilder-Auszeit. Stattdessen perfektes Grün, Sonnenschein, jubelnde Menschen - in kurz: heile Welt. 

Dass obendrein im Vorfeld die Nachricht von Tigers Start hereinflatterte, machte es perfekt. Was mir wiederum verdeutlichte, was für ein alter Sack ich doch geworden bin. Tiger ist für mich das, was für meinen Vater Franz Beckenbauer im Fußball war: die einzig wahre Ikone. Völlig wurschd, ob er eine 50 über spielt. Hauptsache er spielt. Und auch egal, welch großartige Young Guns neben ihm über den Fairway schlumpern – und natürlich, wie im aktuellen Fall Scottie Scheffler - das Master auch gewinnen. Lothar Matthäus hatte bei meinem Vater eben auch keine Chance. Als Golffan bin ich also auf Traditionsmannschaftniveau.

Heile Welt, Teil II

Nun, was mich aber an diesem Wochenende tatsächlich irritierte: Selbst bei uns zu Hause - in dem wir uns für gewöhnlich um die Fernbedienung kloppen wie Ali und Foreman um den WM-Titel: alles ruhig. "Papa guckt heute Abend Golf", verkündete meine Freundin. Beiläufiges Achselzucken beim Fußvolk. Klar, seitdem jedes Kind sich vor sein eigenes Endgerät verdrückt, hat der Vati freie Bahn. Ich vermisse fast schon die Streitereien über mein "langweiliges, doofes Golf".

Friede, Freude, Masters-Glück

Bleibt die bange Frage: DARF man in dieser heutigen Zeit, in der schon ein Indianer-Kostüm zum Shitstorm führt, in der jedes zu groß geratene Auto eine Inquisition nach sich zieht, in der die Twitter-Kolonnen jedes falsch gegenderte Statement vor den Menschenrechtgerichtshof bringen wollen überhaupt Golf schauen? Und sich am Ende daran noch erfreuen? Diesen vom Großkapital durchfinanzierten Snobsport?

Ja! Man darf nicht nur, man muss! Ich habe diesen Ausflug ins Golferglück genossen, mit Scheffler gejubelt, mit Cam Smith gelitten, mit der Crowd gejubelt, als Tiger seinen Start bei der Open in St. Andrews angekündigt hat. 

Lassen Sie uns dankbar sein, aber nicht den Kopf in den Sand stecken. Geht's raus und spielt's Golf! Denn Glück lässt sich nicht ansparen.

Bleiben Sie sportlich, gesund und fröhlich.

Fabian Kendzia

Fabian Kendzia
Handicap-Papa-Kolumnist

I Alter: 44 Jahre I Wohnort: Erfurt, Thüringen I festangestellt in einer Werbeagentur I Familienstand: Freundin, 2 Kinder

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