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Regeln & Etikette

Abnormale Kursbedingungen

Wenn sich der Ball in einem ungewöhnlichen Platzverhätnis befindet oder dieser Bereich beim nächsten Schlag stört, kann unter gewissen Voraussetzungen straflose Erleichterung genommen werden.

30. Juni 2022

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Was tun, wenn der geschlagene Ball am Rande eines Abflussgitters liegenbleibt? Diese Frage hat sich Justin Thomas jüngst bei der US Open 2022 gestellt. Der ehemalige Weltranglistenerste stand auf dem Fairway der Par-4-Bahn 4 im Country Club in der dritten Runde der US Open und sein Ball befand sich in der Nähe eines Abflusses, der von einem Metallgitter bedeckt war. Thomas rief einen Regeloffiziellen herbei und nach Gesprächen spielte er den Ball so weiter, wie er lag. /

Dabei hätte der 29-jährige US-Amerikaner vor seinem Schlag in einen Bunker durchaus nach strafloser Erleichterung fragen können. Dazu hätte der 15malige PGA-Tour-Champion allerdings angeben müssen, dass er beim Schlag durch dieses Gitter behindert wird. Das tat Thomas allerdings nicht, wie er nach dem Major erzählte. "Ich rief einen Regeloffiziellen an, um eine Entscheidung darüber zu treffen, und im Geiste des Spiels wollte ich nicht den Abfluss betreten. Ich hatte das Gefühl, dass ich sehr leicht hätte sagen können, dass ich behindert werde und einen straffreien Drop bekommen würde. Aber so etwas würde ich nicht tun. "

Die Frage der Störung?

Mit Blick auf Regel 16.1, die abnormale Kursbedingungen beschreibt (z.B. Störungen durch Tierlöcher, zu reparierende Bodenfläche, unbewegliche Hindernisse oder vorübergehendes Wasser), war die Entscheidung des Offiziellen richtig. Der Abfluss ist zwar ein unbewegliches Hindernis und ist innerhalb abnormalen Kursbedingungen definiert, bei der man eine straflose Erleichterung nehmen kann. Allerdings im Falle eines knapp außerhalb eines solchen Bereiches liegenden Balles (abseits des Grüns) nur dann, wenn man dadurch beim folgenden Schlag behindert wird. Dies war nach eigenen Aussagen von Thomas nicht der Fall gewesen.

Prinzipiell gibt es einige Kriterien, die Golfer in Regel 16.1a (1) erfüllen müssen, bevor sie einen straflosen Drop nehmen können. Nämlich dann, wenn ein Ball sich in oder auf einem abnormalen Kurszustand befindet oder wenn er den Bereich der beabsichtigten Haltung oder des beabsichtigten Schwungs physisch stört. Oder dann, wenn sich ein Ball auf dem Grün befindet, auf dem ein abnormaler Kurszustand die Spiellinie beeinträchtigt. Wenn keine dieser Bedingungen zutreffen, dann gibt es keine straflose Erleichterung.

golf course penalty area (photo by Thaninee Chuensomchit / Shutterstock.com)

Unterschiedliche Erleichterungsbereiche

Wenn sich der Ball eines Spielers im allgemeinen Bereich befindet und es zu Behinderung durch einen abnormalen Kurszustand auf dem Platz kommt, kann der Spieler straflose Erleichterung nehmen, indem er den ursprünglichen Ball oder einen anderen Ball in einem Erleichterungsbereich neben oder hinter dem Referenzpunkt fallen lässt. Diese Stelle ist der nächstgelegene Punkt des vollständigen Raumes für eine mögliche Spielfortsetzung ohne Behinderung und nicht näher zum Loch, von welchem innerhalb einer Schlägerlänge ein Drop vorgenommen wird.

Bei einem derartigen Fall im Bunker muss sich bei einer straflosen Erleichterung der Erleichterungsbereich ebenfalls im Bunker befinden. Ansonsten darf man außerhalb des Bunkers nur unter einem Schlag Strafe eine Erleichterung auf der zurückliegenden Linie zwischen Loch und Ball und nicht näher zum Loch als der ursprüngliche Ball nehmen. Auf dem Grün gilt der Bereich direkt neben dem abnormalen Kurszustand (nicht näher zum Loch) als Position, von welcher straflos weitergespielt wird. Wenn definierte No-Play-Zonen beim nächsten Schlag eine Behinderung darstellen und auf Bedingungen in Regel 16.1 zutreffen, dann muss eine straflose Erleichterung genommen werden.

 

Robert M. Frank

Robert M. Frank
Leitender Redakteur

Nach abgeschlossenem Sportwissenschaft-Studium an der TU München ab 2008 als freier Autor/Reporter/Sportjournalist für Online-Portale, Tageszeitungen, Zeitschriften und Agenturen tätig. Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1981, stieß 2018 zum Redaktionsteam hinzu und ist seit März 2022 Leitender Redakteur bei myGOLF.de. Golferische Heimat: Gut Rieden in Starnberg



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