Tour-Rückblick

Jäger, Major und Corona-Drahma

Stephan Jäger schnuppert erneut am direkten Aufstieg, bei den Damen gibt es einen Major-Einbruch und Jon Rahm muss aufgeben. Der Rückblick aufs Wochenende.

07. Juni 2021

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Bei der Porsche European Open in Winsen (Luhe) wird erst am Montag ein Sieger gekrönt. Diese Zeremonie haben die anderen Touren bereits hinter sich. Deutsche Gewinner gab es in der vergangenen Woche zwar nicht, aber deutsche Top-Resultate wurden trotzdem erzielt. Zudem gab es sowohl auf der LPGA Tour als auch auf der PGA Tour tragische Figuren. Der Rückblick:

Korn Ferry Tour

Für Stephan Jäger gibt es seit einigen Wochen nur noch ein Ziel: Saisontitel Nummer drei holen, um sich umgehend die Tourkarte für die PGA Tour zu sichern. Dass der gebürtige Münchner ab der kommenden Spielzeit eine Liga weiter oben spielen wird, steht bereits fest. Der Titel-Hattrick wäre jedoch eben mit einem direkten Aufstieg verbunden und so könnte Jäger noch einige PGA-Tour-Events in dieser Saison mitnehmen. Eine gute Ausgangslage, dieses Ziel zu erreichen, hatte der Führende im Gesamtranking schon einmal im vergangenen Monat, als er bei der Knoxville Open als Führender in den Finaltag ging. Damals reichte es jedoch noch nicht für die Rückkehr auf die PGA Tour.

Die nächste gute Chance erspielte sich Jäger bei der Rex Hospital Open. Das Turnier, das am ersten Tag von Wetterkapriolen in Raleigh, North Carolina, beeinträchtigt war, verlangte dem 32-Jährigen einiges ab, als er wegen der langen, vorangegangenen Unterbrechung am Freitag 36 Löcher am Stück absolvieren musste. Wirklich aus der Bahn warf ihn dieser ungewohnte Turnierablauf nicht. Jäger legte Runden von 66 und 67 Schlägen eine 63 (-8) am Samstag nach und setzte sich somit erneut an die Spitze eines Leaderboards der Korn Ferry Tour.


(Stephan Jäger gratuliert Mito Pereira, Photo by Tracy Wilcox/PGA TOUR via Getty Images)

Jedoch war Jäger nicht der einzige Spieler bei 17 unter Par nach 54 gespielten Löchern. Auch Mito Pereira aus Chile und der US-Amerikaner Andrew Novak gingen aus der Pole-Position ins Finale. Während Novak den vierten Tag eins über blieb, lieferten sich Jäger und Pereira ein spannendes Duell um den Titel. Beide Spieler verbesserten sich jeweils mit einem Birdie auf der vergleichsweise leichten 15 (Par 5) des The CC at Wakefield Plantation auf insgesamt 21 unter Par und machten den mit 117.000 US-Dollar dotierten Triumph in einem Play-off unter sich aus - mit dem besseren Ende für den Chilenen.

Jäger verschob nämlich seinen Birdie-Putt am ersten Extra-Loch und Pereira legte seinen zweiten Schlag zuvor so nah an die Fahne, dass der Putt zum Sieg nur noch Formsache war. Damit feierte der 26-Jährige seinen zweiten Sieg auf der Korn Ferry Tour, nachdem er bereits im vergangenen Jahr einen Titel holte. Auch Pereira ist also nur noch einen Schritt vom direkten Wiederaufstieg entfernt. Dass dieser einem jedoch nicht geschenkt wird, musste Jäger nun ein weiteres Mal in Erfahrung bringen. Bei der aktuellen Form wird dies jedoch nicht die letzte Chance gewesen sein für den Deutschen.

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LPGA Tour


(Leonie Harm, Photo by Mateo Villalba/Quality Sport Images/Getty Images)

Fünf deutsche Damen waren bei der US Women’s Open am Start. Ins Wochenende des zweiten Majors des Jahres schaffte es mit Leonie Harm jedoch nur eine aus dem Quintett. Für Caroline Masson, die Amateurin Aline Krauter, Sophia Popov sowie Karolin Lampert war bereits nach zwei Runden Schluss. Jedoch stand allen voran bei Krauter und Lampert allein die Erfahrung, bei diesem prestigeträchtigen Event, das obendrein noch im historischen Olympic Club in San Francisco stattfand, dabei sein zu können, im Vordergrund.

Da werden die beiden gestandenen LPGA-Spielerinnen schon etwas enttäuschter abgereist sein. "Das war eine harte Woche für mich bei der US Women’s Open, aber der Olympic Club war großartig", so Popov auf Twitter. "Solch ein toller Platz. Ich wünschte, ich hätte noch zwei weitere Runden spielen können, aber mein Körper sagte 'nein'."

Deutlich erfreulicher verlief die Woche für Harm, die sich mit Runden von 73 und 75 für das Wochenende qualifizierte. Dort konnte sie ihre Position unter den besten 50 behaupten und mit einem Gesamtergebnis von 13 über Par teilte sie sich den 49. Rang mit Spielerinnen wie Anna Nordqvist oder Carlota Ciganda. Eine Statistik von Harm fiel in der Major-Woche ganz besonders auf. Die 23-Jährige, die sich dank eines Top-Ergebnisses auf der LET für die US Women’s Open qualifizierte, haute den Ball durchschnittlich fast so weit vom Tee wie die längste Spielerin auf der LPGA Tour, Lexi Thompson. In diesem Bereich des Spiels kann Harm also definitiv mit den besten Spielerinnen der Welt mithalten.


(Yuka Saso, Photo by Ezra Shaw/Getty Images)

Dass einem lange Abschläge aber noch lange keine Siege garantieren, das musste am Sonntag auch Thompson schmerzlich erfahren. Den fast schon sicher geglaubten Titel gab die elffache LPGA-Tour-Siegerin mit fünf verlorenen Schlägen auf den letzten acht Löchern aus der Hand. Die Nutznießerinnen waren Nasa Hataoka aus Japan und die Philippinin Yuka Saso. Die beiden Youngsters (Hataoka 22 und Saso 19) zogen mit einem jeweiligen Gesamtergebnis von vier unter Par ins Stechen ein, das bei der US Women's Open über zwei Löcher gespielt wird und erst bei anschließendem Gleichstand ins Sudden Death geht. Ein Birdie an dritten Extra-Loch von der Teenagerin Saso sollte die Entscheidung bringen. Für sie war es der erste Titel auf der LPGA Tour überhaupt. Zudem dürfen die Philippinen ihren ersten Major-Erfolg feiern.

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Ladies European Tour


(Olivia Cowan, Photo by flickr/Tristan Jones)

Am Ende fehlten nur zwei Schläge auf die Siegerin Pia Babnik aus Slowenien, die sich im Stechen gegen die Engländerin Annabel Dimmock durchsetzte. Olivia Cowan bewies auch beim dritten LET-Event des Jahres ihre Ambitionen, in der Gesamtwertung vorne mitmischen zu wollen, und beendete die Jabra Ladies Open auf dem geteilten dritten Rang (-2). Bei dem über drei Tage andauernden Event im Evian Resort Golf Club sprang für die gebürtige Homburgerin schon die zweite Top-Ten-Platzierung der Saison heraus. Damit rangiert Cowan im Race to Costa del Sol (Order of Merit) auf dem achten Rang, einen Platz hinter Leonie Harm, die parallel bei der US Women’s Open abschlug. Belohnt wurde die starke Wochenvorstellung mit knapp 10.000 Euro Preisgeld.

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Challenge Tour

Kurz nachdem Jeremy Paul bei einem Turnier der Swing Thought Tour in Boulder City seinen dritten Profisieg feiern konnte, ging es für den Spieler vom GC Mannheim-Viernheim auf die europäische Challenge Tour. Damit verabschiedete sich der 27-Jährige zunächst von seinem Vorhaben, es über die Monday Qualifier ins Feld einiger Korn-Ferry-Tour-Events zu spielen. Dafür soll also nun in Europa der nächste Schritt Richtung Erstklassigkeit vollzogen werden.


(Jeremy Paul beim Sieg auf der Swing Thought Tour)

Pauls ersten drei Auftritte verliefen noch etwas durchwachsen (nur ein Cut), jedoch feierte er bei der Czech Challenge in der vergangenen Woche sein erstes Top-Ten-Ergebnis. Mit einem Gesamtergebnis von 15 unter Par sicherte er sich den achten Rang und nahm damit einen Scheck in Höhe von 5.600 Euro mit. In der Saisonwertung ging es bis auf den 61. Rang vor. Und auch Zwillingsbruder Yannik erwischte eine ordentliche Woche in Drítec. Mit insgesamt zehn unter Par teilte er sich den 22. Rang - schon sein drittes Top-25-Resultat seit Mitte Mai. Die Paul-Brüder kommen allmählich an auf der Challenge Tour.

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PGA Tour


(Jon Rahm, Photo by Keyur Khamar/PGA TOUR via Getty Images)

Spieler und Zuschauer stellten sich beim Memorial Tournament bereits auf etwas weniger Spannung für das Finale ein. Immerhin führte Titelverteidiger Jon Rahm nach drei Runden mit sechs Schlägen Vorsprung  und alles sah danach aus, als würde der Spanier erneut im Muirfield Golf Club triumphieren. Doch nach einer beeindruckenden Back Nine mit sechs Birdies am Samstag, wartete schon am Grünrand eine bittere Botschaft auf den Ryder-Cup-Spieler. Ein Offizieller der PGA Tour musste nämlich Rahm die bittere Nachricht überbringen, dass dessen letzter Corona-Test positiv ausfiel und er daher umgehend aus dem Verkehr gezogen werden müsse. Statt seinem wahrscheinlich sechsten PGA-Tour-Sieg entgegen zu spazieren, ging es für Rahm also in Quarantäne, wo er sich nun weiter an die Bestimmungen der Tour halten wird.

Die Reaktion des 26-Jährigen auf diese überraschende Wende sprach Bände. Rahm war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, ob der einmaligen Chance, den Titel beim Turnier des großen Jack Nicklaus zu verteidigen. Der Gastgeber sprach dem Betroffenen auf Twitter sein Mitgefühl persönlich aus: "Ich habe Mitleid mit Jon Rahm. Er hat diese Woche absolut brillantes Golf gespielt. Jon wusste schon am Montag, dass er mit einer positiv auf COVID getesteten Person in Kontakt kam, und folgte allen PGA-Tour-Protokollen, die sich mit der Kontaktverfolgung beschäftigen."

Demnach sei Rahm die gesamte Woche über negativ getestet worden sein. Bis eben zu jenem Samstag, als er sich mit einer hervorragenden 64 (-8) vom restlichen Spielerfeld absetzte. "Ich wünsche Jon eine gute Erholung und hoffe, dass er bald wieder am Wettbewerb teilnehmen kann", so Nicklaus weiter. Rahm soll keinerlei Symptome verspürt haben.


(Collin Morikawa und Patrick Cantlay, Photo by Andy Lyons/Getty Images)

Dieser noch nie zuvor dagewesene Fall, dass ein Führender eines PGA-Tour-Events wegen eines positiven Corona-Tests aus dem Verkehr gezogen werden musste, rief natürlich wieder die anderen Mitstreiter auf den Plan. Allen voran die beiden neuen geteilten Führenden Collin Morikawa und Patrick Cantlay, die nach drei Runden bei insgesamt zwölf unter Par lagen. Das Duo teilte sich auch noch nach den finalen 18 Löcher die Führung, weswegen der Titelkampf im Stechen entschieden werden musste. Hier hatte letztlich Cantlay das glücklichere Ende für sich, als er das Play-off dank eines Pars auf dem ersten Extra-Loch gewann. Der vierte PGA-Tour-Erfolg für den 29-Jährigen war gleichbedeutend mit dem Sprung an die Spitze des FedExCup.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • European Tour, Porsche European Open (nach 2/3 Runden): Marcel Schneider T11, Sebastian Heisele T32, Maximilian Kieffer & Bernd Ritthammer T55 und Marcel SiemNicolai von Dellingshausen, Marc Hammer, Martin Kaymer, Freddy Schott, Florian Fritsch, Nick Bachem, Max Schmitt, Bendedict Staben, Yannik De Bruyn, Julian Kunzenbacher, Michael Hirmer, Matthias Schmid, Moritz Lampert und Georg Schultes
  • Korn Ferry Tour, Rex Hospital Open: Stephan Jäger 2. und Max Rottluff T18
  • LPGA Tour, US Women's Open: Leonie Harm T49 und Caroline Masson, Sophia Popov, Aline Krauter und Karolin Lampert
  • Challenge Tour, Czech Challenge: Jeremy Paul 8., Yannik Paul T22, Allen John & Velten Meyer T29, Jonas Kölbing T50, Thomas Rosenmüller 57. und Dominic Foos, Philipp Matlari, Hurly Long & Philipp Mejow CUT
  • Ladies European Tour, Jabra Italian Open: Olivia Cowan T3, Laura Fünfstück T36, Sarina Schmidt T59 und Leticia Ras-Anderica, Carolin Kauffmann, Anastasia Mickan & Franziska Friedrich CUT
  • PGA Tour Champions, Principal Charity Classic: Alex Cejka T11 und Bernhard Langer T15

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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