Tour-Vorschau

Acht Deutsche im Major-Einsatz

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit zwei Major-Events und einem kleineren European-Tour-Event in Wales.

21. Juli 2021

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Golffans bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Auf die Open Championship in der vergangenen Woche folgen zwei weitere Major-Events in Europa. Und das Beste daran: Jede Menge Deutsche sind dabei. Wer spielt wo und wie stehen die jeweiligen Titelchancen? Die Vorschau:

Evian Championship


(Jin Young Ko, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Was der Players Championship bei den Herren seit Jahren nachgesagt wird ("fünftes Major"), erreichte die Evian Championship - damals noch Evian Masters - 2013, als man als fünftes Damen-Event den Major-Status erlangte. Schon im Jahr 2000 wurde das prestigeträchtige LET-Turnier von der LPGA Tour co-sanktioniert, was einen enormen Preisgeld- sowie Image-Boost zur Folge hatte. Das Major-Upgrade 13 Jahre später ging mit aufwändigen Renovierungsarbeiten am Austragungsort, dem malerischen Evian Resort Golf Club, einher. Der auf einer Meereshöhe von 500 Metern gelegene Par-71-Kurs besticht allen voran durch seinen Ausblick über den Genfer See sowie auf die französischen Alpen. Zudem zieren den spektakulären Parkland-Kurs zahlreiche Bunker- sowie Wasserhindernisse. Für kontinentaleuropäische Verhältnisse erwartet die Damen obendrein sehr schnelle Grüns, auf denen man den Ball erst einmal zum Halten bringen muss.

Nachdem im vergangenen Jahr Corona für eine Absage des einzigen europäischen Majors außerhalb der britischen Inseln sorgte, feiert die französische Vermögensverwaltung Amundi ihr Debüt als Titelsponsor der Evian Championship. Gefeiert wird die neue Partnerschaft mit einer Preisgelderhöhung auf 4,5 Millionen US-Dollar, womit man sich als zweithöchstdotiertes Damenevent hinter der US Women’s Open (5,5 Millionen) einreiht. Folglich möchte niemand der besten Golferinnen der Welt diese Veranstaltung verpassen. In dieser Woche treten sieben der Top-Ten-Spielerinnen im Rolex Ranking an. Die Weltranglistenzweite Jin Young Ko versucht ihren Titel aus 2019 zu verteidigen und ihre Führung im Rolex Ranking zurückzuerobern, nachdem sie von Nelly Korda, die bei der Women’s PGA Championship ihren ersten Major-Sieg feierte, von der Spitze verdrängte wurde.


(Der Evian Resort Golf Club, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Neben den internationalen Topstars treten auch sechs deutschen Damen beim vierten Major des Jahres an. Die besten Chancen auf eine Top-Platzierung können Esther Henseleit eingeräumt werden. Die 22-Jährige belegt zwar nur den 100. Platz im Rolex Ranking, was jedoch ihre aktuelle Form anbelangt, ist der Siegerin der LET Order of Merit 2019 einiges zuzutrauen. Zuletzt wurde Henseleit zwei Mal Vierte auf der LPGA Tour und bei der Women’s PGA Championship Ende Juni feierte sie ihr bislang bestes Major-Ergebnis (T15).

Müsste man das inoffizielle deutsche Favoritinnen-Ranking fortführen, würden dahinter wohl Sophia Popov sowie Caroline Masson auftauchen. Beide haben in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie auf der ganz großen Bühne mithalten und - im Falle Popovs - sogar Major-Titel holen können. Massons Bilanz bei der Evian Championship ist jedoch ausbaufähig. Bei sieben Teilnahmen schaffte sie es noch nie unter die Top 30. Für Popov ist es gar ihr Debüt im Südosten Frankreichs.


(Leonie Harm, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Doch damit ist Popov nicht allein. Auch Olivia Cowan, Aline Krauter sowie Leonie Harm sind das erste Mal dabei. Für Cowan ist es die insgesamt sechste Teilnahme bei einem Major und in einer solch guten Form wie dieses Jahr befand sich die gebürtige Hamburgerin wohl noch nie. Erst in diesem Monat feierte sie beim ATS London Team Event ihren ersten Titel auf der Ladies European Tour, wo sie als Sechsplatzierte der Order of Merit aktuell ganz vorne mitmischt. Krauter wiederum qualifizierte sich dank ihres Sieges bei der Women’s Amateur Championship 2020 für ihre erste Evian Championship, nachdem sie in diesem Jahr bereits bei der US Women’s Open sowie der ANA Inspiration Major-Erfahrung sammeln durfte. Harm komplettiert das deutsche Sextett und feiert ebenfalls ihr Debüt, obwohl sie als Gewinnerin der British Amateur 2018 eigentlich schon damals für die Evian Championship spielberechtigt gewesen wäre, jedoch auf ihren Start verzichtete.

Senior Open Championship


(Bernhard Langer bei der Senior Open Championship 2014, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

Die Senioren beschließen ihre Major-Saison mit der Senior Open Championship in Sunningdale, wo dieses Event nun schon zum dritten Mal stattfindet. Erst 2015 war man hier zu Gast, als Marco Dawson mit einem Schlag Vorsprung auf Bernhard Langer gewann. Dies war übrigens eines von insgesamt elf Top-Ten-Resultaten, die der Deutsche bei der Senior Open feierte. Eine unglaubliche Bilanz. Vier Mal holte er bei diesem Event, das erstmals 1987 stattfand, bereits den Titel. Das letzte Mal war 2019 in Royal Lytham and St. Annes, weswegen Langer in dieser Woche als Titelverteidiger antritt. Auch hier machte nämlich Corona im vergangenen Jahr einen Strich durch die Rechnung der Veranstalter.

Aber bleiben wir bei Langer, der die Senior Open in dem vergangenen Jahrzehnt förmlich dominierte. Seit 2011 erreichte er hier jedes Mal die Top Ten. Hinzukommt eine starke aktuelle Form mit zwei Top-Ten-Ergebnissen in Folge. Wie wichtig Langer das einzige Senioren-Major in Europa ist, zeigt die Entscheidung, nicht bei der Open Championship in der vergangenen Woche teilgenommen und sich stattdessen voll und ganz auf Sunningdale vorzubereitet zu haben. Der 63-Jährige geht als Top-Favorit ins letzte Major des Jahres und will seinen ersten Sieg seit der Cologuard Classic 2020 in Angriff nehmen.


(Alex Cejka, Photo by Phil Inglis/Getty Images)

So lange wartet Alex Cejka noch nicht auf einen weiteren Titel. Der Champions-Rookie feierte erst Ende Mai seinen zweiten Major-Sieg in Folge. Nun steht also seine erste Teilnahme bei der Senior Open auf dem Programm. Die vergangenen vier Events auf der PGA Tour Champions schloss Cejka außerhalb der Top Ten ab. Hinzukam ein verpasster Cut bei der BMW International Open. Ein dritter Major-Triumph käme also etwas aus dem Nichts - ähnlich wie seine ersten beiden. Vielleicht also kein schlechtes Omen für den 50-Jährigen, dessen bestes Abschneiden bei einer Open Championship 25 Jahre zurückliegt. Damals wurde Cejka geteilter Elfter in Royal Lytham & St. Annes.

European Tour


(Cazoo Open, Photo by Warren Little/Getty Images)

Woche vier von sieben auf den britischen Inseln steht an und nach dem großen Highlight in Royal St. George’s fährt man einige Gänge herunter, was das Prestige der Events angeht. Doch damit tut man der Wales Open, die in diesem Jahr erstmals Cazoo Open heißt und in Person von Fußballstar Gareth Bale einen prominenten Unterstützer an der Seite hat, womöglich Unrecht. Denn auch wenn das Preisgeld im Vergleich zur Open um fast ein Zehntel eingedampft wird und mit Matt Wallace (58) nur ein Spieler aus den Top 60 der Welt antritt, blickt das Event auf eine recht lange Historie zurück. Das Celtic Manor Resort in City of Newport war eigentlich seit 2000 eine absolute Konstante im Kalender der European Tour, bevor man das Turnier zwischen 2015 und 2019 einige Jahre aus dem Programm nahm. Nicht zuletzt fand hier 2010 der Ryder Cup statt.

Im vergangenen Jahr feierte die walisische Meisterschaft aber ihre Rückkehr und sollte die European Tour an ihrer aktuellen Strategie festhalten, die Reisestrapazen möglichst gering zu halten, hat das Event gute Chancen, auch in den kommenden Saisons als Teil des UK Swings zu überleben. Mit Paul Lawrie, Miguel Ángel Jiménez oder Graeme McDowell konnten sich immerhin schon einige große europäische Namen in die Siegerliste eintragen. Titelverteidiger Romain Langasque, der im vergangenen Jahr mit insgesamt acht unter Par zwei Schläge vor dem Finnen Sami Välimäki gewann, tritt in dieser Woche nicht an. Der beste Deutsche bei der 2020er Ausgabe war Sebastian Heisele als geteilter 15. bei -2. Der groß gewachsene Challenge-Tour-Sieger ist auch in dieser Woche als einer von insgesamt sechs Deutschen am Start.


(Matthias Schmid, Photo by David Cannon/R&A/R&A via Getty Images)

Spannend wird zu beobachten sein, wie Matthias Schmid, der eine Einladung nach Wales erhielt, bei seinem Profi-Debüt abschneidet. Noch in der vergangenen Woche wurde der 23-Jährige vom GC Herzogen-Aurach mit der begehrten Silver Medal, als er die Open Championship als bester Amateur abschloss. Dies gelang vor ihm noch kein Deutscher. Die Erwartungen an den Neu-Profi sind also nicht gerade gering, jedoch zeigte Schmid bereits in München, dass er bei einem regulären European-Tour-Event mithalten kann.

Die Deutschen im Einsatz:

  • Evian Championship: Leonie Harm, Olivia Cowan, Aline Krauter, Esther Henseleit, Caroline Masson und Sophia Popov
  • European Tour, Cazoo Open: Sebastian Heisele, Marcel Schneider, Bernd Ritthammer, Max Schmitt, Matthias Schmid und Nicolai von Dellingshausen
  • The Senior Open Championship: Alex Cejka und Bernhard Langer
  • Korn Ferry Tour, Price Cutter Charity Championship: Stephan Jäger
  • Challenge Tour, Italian Challenge: Dominic Foos, Philipp Mejow, Moritz Lampert, Freddy Schott, Alexander Knappe, Jonas Kölbing, Velten Meyer, Hinrich Arkenau, Thomas Rosenmüller, Allen John und Yannik Paul

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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