Tour-Rückblick

Woods-Update und McIlroys Sinneswandel

Es tauchen neue Bilder vom verletzten Tiger Woods auf und Rory McIlroy verliebt sich auf den zweiten Blick in Olympia. Der Rückblick aufs Wochenende.

01. August 2021

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Die erste Medaillenentscheidung in der olympischen Golfkonkurrenz ist gefallen und die USA darf sich über Gold freuen. Jedoch sollen nicht nur die Sommerspiele in Tokio Thema sein. Auch neue Bilder von Tiger Woods tauchten in der vergangenen Woche auf und in Nordirland fand ein Turnier statt, bei dem mehrere Sieger gekürt wurden. Zudem könnte bei den weiblichen Senioren die erfolgreichste Golferin aller Zeiten ihr erstes Kapitel ihrer zweiten Karriere geschrieben haben. Der Rückblick:

Tiger Woods

Bereits im Vorfeld der 3M Open in Minnesota, die in der Vorwoche des olympischen Herrenturniers stattfand, gab Rickie Fowler ein kleines, aber positives Update zum Gesundheitszustand des verletzten Tiger Woods. "Es war bis hierhin ein langer Weg, er hat noch einen langen Weg vor sich, aber er arbeitet hart", so Fowler, der in Florida ein Nachbar des 15-fachen Major-Siegers ist. Vor wenigen Tagen tauchten nun neue Fotos aus Los Angeles auf, auf denen Woods auch gut fünf Monate nach seinem schweren Autounfall noch auf Krücken zu sehen ist.

Der sich Gerüchten zufolge an der Seite von Freundin Erica Herman auf dem Weg zu einer Untersuchung beim Doktor befindende Superstar scheint jedoch bei weitem nicht mehr so beeinträchtigt zu sein wie beim letzten Mal, als Bilder von ihm im Internet auftauchten. Damals war das rechte Bein, das mehrere Brüche erlitt, noch dick eingegipst. Inzwischen scheint Woods die lädierte Seite aber immerhin wieder leicht belasten zu können. Damit kommt der 45-Jährige seinem primären Ziel, endlich wieder normal laufen zu können, ein Stück näher. Ein golferisches Comeback ist jedoch noch nicht abzusehen.

Olympische Sommerspiele


(Rory Sabbatini, Xander Schauffele und C.T. Pan, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Xander Schauffele zitterte sich am Sonntag zu Gold, Rory Sabbatini flog mit einer 61er-Finalrunde zu Silber und der Bronzerang wurde in einem Sieben-Mann-Stechen entschieden. Das Herrenturnier bei den Olympischen Spielen lieferte einige besondere Geschichten und selbst die Spieler, die ohne Medaille nach Hause fliegen, werden das Erlebnis in Tokio nicht vergessen. So auch Rory McIlroy, der sich bei der Open Championship noch etwas skeptisch hinsichtlich der Woche im Kamusagaseki Country Club äußerte. "Ich bin nicht wirklich patriotisch", sagte der Nordire, der bei Olympia unter der irischen Flagge abschlug. In Tokio würde er nur antreten, weil er denke, dass es das richtige sei. Vorfreude auf ein solch großes Event hörte man aus McIlroys Aussagen damals noch nicht heraus.

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Diese Ansicht scheint sich jedoch nach den gesammelten Eindrücken rund um das olympische Erlebnis um 180 Grad gewandelt zu haben. McIlroy, der sich letztlich im Stechen um Bronze, das vom Taiwanesen C.T. Pan gewonnen wurde, am dritten Extra-Loch verabschiedete, verliebte sich auf den zweiten Blick in Olympia. "Es ist enttäuschend, ohne Zählbares abzureisen, aber ich habe noch nie so hart für einen dritten Platz gekämpft", sagte der 32-Jährige, der die Woche entsprechend auf dem geteilten vierten Rang abschloss. "Ich hätte gerne eine Medaille gewonnen, aber es war eine brillante Woche. Ich habe die Zeit mit Shane [Lowry] und all den anderen sehr genossen. Es war ein bisschen wie eine Rückkehr in alte Zeiten, als wir noch nicht um Geld spielten."


(Shane Lowry und Rory McIlroy, Photo By Ramsey Cardy/Sportsfile via Getty Images)

Die Aussagen von vor dem Event nahm McIlroy zurück und bezeichnete sie im Nachhinein als "impulsiv". "All das hier zu erleben, zu sehen und zu fühlen, nicht nur olympisches Golf, sondern Olympia generell, dieser olympische Geist - der hat mich definitiv angesteckt und ich freue mich darüber, wie die Woche ausgegangen ist und freue mich auf die Zukunft." Entsprechend euphorisch blickte McIlroy schon am Sonntag in Richtung Olympische Sommerspiele 2024, die in Paris stattfinden werden. Dort soll es dann auch klappen mit der Medaille. Da scheint einer aber richtig auf den Olympia-Geschmack gekommen zu sein.


(Hurly Long, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

Während McIlroy erst noch vom olympischen Zauber überzeugt werden musste, gingen die deutschen Athleten Hurly Long und Max Kieffer mit deutlich mehr Vorfreude in das Turnier. Mit Rang 35 beziehungsweise Platz 45 hatten sie letztlich zwar nichts mit dem Kampf um die Medaillen zu tun, jedoch wird beiden diese Erfahrung, unabhängig vom Ergebnis, für immer in Erinnerung behalten. "Ich bin sicher, sie werden diese intensiven Tage auf einem der besten Plätze der Welt nie vergessen - denn sie sind jetzt für immer Olympioniken", sagte Marcus Neumann, Sportdirektor des Deutschen Golf Verbandes. Am Mittwoch folgen nun die Damen mit ihrem Turnier. Dort dürfen dann unter anderem Sophia Popov und Caroline Masson Olympia-Luft schnuppern. Wobei Masson bereits 2016 für Deutschland antreten durfte. 

ISPS Handa World Invitational


(Pajaree Anannarukarn, Brendan Lawlor und Daniel Gavins, Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Im Schatten des olympischen Wettbewerbs fand in Nordirland ein Turnier der LPGA, Ladies European und European Tour statt, das entsprechend zwei Sieger hervorbrachte. Zum einen holte die LPGA-Spielerin Pajaree Anannarukarn ihren ersten Titel als Proette, nachdem sie die US-Amerikanerin Emma Talley im Stechen bezwang. Zum anderen durfte der Engländer Daniel Gavins seinen ersten Sieg auf der European Tour feiern. Beide erhielten jeweils einen Siegerpreisscheck in Höhe von 225.000 US-Dollar. Das Duo strahlte jedoch nicht alleine auf dem entsprechenden Siegerfoto. Denn auch der Ire Brendan Lawlor hielt eine Trophäe in der Hand, nachdem er das über 36 Löcher andauernde Turnier der EDGA (ehemals European Disabled Golf Association) Tour für sich entschied. Für den 22-Jährigen war es der zweite Sieg in Folge, womit er nun die Führung im World Ranking for Golfers with Disability (WR4GD) übernahm. Auch wenn im Galgorm Castle Golf Club keine olympischen Medaillen vergeben wurden, wurde auch hier der entsprechende Geist gelebt.

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Und auch aus deutscher Sicht lohnte sich ein Blick auf die britische Insel. Denn Matthias Schmid spielte lange Zeit vorne mit und musste sich erst am Samstag aus der Spitzengruppe verabschieden. Der erst vor zwei Wochen ins Profilager gewechselte Regensburger blieb an drei Tagen unter dem jeweiligen Platzstandard - am Donnerstag und Freitag wurde auf zwei Kursen gespielt - und wurde letztlich geteilter 19. bei sieben unter Par. Damit sicherte sich Schmid seinen bislang größten Preisscheck (knapp 15.000 Euro), nachdem er in der Vorwoche 47. wurde. Das dritte Profiturnier spielt der 23-Jährige bereits in wenigen Tagen, wenn die European Tour in St. Andrews ihre Zelte aufschlägt. Bei der Hero Open wird dann auch Marcel Siem wieder das erste Mal seit seinem geteilten 15. Rang bei der Open Championship abschlagen.

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US Senior Women’s Open


(Annika Sörenstam, Photo by Rich Schultz/Getty Images)

Am 9. Oktober des vergangenen Jahres feierte Annika Sörenstam ihren 50. Geburtstag. Somit durfte die dreimalige Siegerin der US Women’s Open in dieser Saison erstmals die US Senior Women’s Open mitspielen. Für die Schwedin ging damit ein Traum in Erfüllung. Erstmals in ihrer Karriere trat sie in Anwesenheit ihrer beiden Kinder Ava und William bei einem Major an. Und auf Anhieb sollte es zum ersten Major-Erfolg auf Seniorenebene reichen.

Im Brooklawn Country Club ließ die World Golf Hall of Famerin ihrer Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance und entschied die dritte Ausgabe der US Senior Women’s Open mit acht Schlägen Vorsprung für sich. Landsfrau Liselotte Neumann belegte Rang zwei bei vier unter Par. Da blieben selbst die Augen der Kleinen nicht trocken, als Mama Annika ihr Siegerinterview gab.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • Olympic Men’s Golf Competition: Hurly Long T35 und Maximilian Kieffer T45
  • ISPS Handa World Invitational, Damen: Karolin Lampert T25, Esther Henseleit T34 und Franziska Friedrich, Laura Fünfstück, Olivia Cowan, Sarina Schmidt und Carolin Kauffmann CUT
  • ISPS Handa World Invitational, Herren: Matthias Schmid T19, Max Schmitt T32 und Bernd Ritthammer & Nicolai von Dellingshausen CUT

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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