Tour-Rückblick

Hervorragende Harm und präziser Jäger

Leonie Harm feiert bei der Women's Open ihr bestes Major-Ergebnis und Stephan Jäger gelingt ein Hole-in-One. Der Rückblick aufs Wochenende.

23. August 2021

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Wir haben die letzte Major-Woche des Jahres hinter uns und nochmals gab es aus deutscher Sicht ein hervorragendes Ergebnis zu bejubeln. Doch auch auf den anderen Touren überzeugten zahlreiche Deutsche. Ein Spieler erzielte sogar ein Hole-in-One. Der Rückblick:

Women’s Open


(Leonie Harm, Photo by David Cannon/R&A/R&A via Getty Images)

Welch eine Woche für Leonie Harm bei der Women’s Open in Carnoustie. Zunächst erreichte sie als einzige Deutsche das Wochenende beim letzten Major des Jahres und dann spielte sie an den letzten beiden Tagen jeweils Runden in den Sechzigern, um sich sukzessive auf dem Leaderboard nach oben zu arbeiten. Harm, die erst im vergangenen Jahr ins Profilager wechselte, machte dank einer 67 (-5) am Finaltag elf Plätze auf dem Tableau gut und beendete die Women’s Open auf dem geteilten siebten Rang.

Damit war die 23-Jährige die beste Nicht-LPGA-Tour-Spielerin im Feld. Das Mitglied der Ladies European Tour erhielt für ihr erstes Top-Ten-Ergebnis bei einem Major ein Preisgeld in Höhe von 143.000 Euro. Vor dieser Woche in Schottland lag Harms Preisgeldrekord noch bei 18.000 Euro, das sie für ihren zweiten Rang beim Saisonauftakt in Südafrika erhielt. Im Race to Costa del Sol, der Saisonwertung der Ladies European Tour, rückte die gebürtige Stuttgarterin, die für den GC St. Leon-Rot spielt, auf den fünften Rang vor.


(Anna Nordqvist, Photo by Warren Little/R&A/R&A via Getty Images)

Allzu weit weg war Harm auch nicht von der Spitze bei der Women’s Open. Drei Schläge benötigte sie nach den vier Runden nur mehr als die Siegerin Anna Nordqvist, die mit einem Gesamtergebnis von zwölf unter Par ihren dritten Major-Sieg feierte. Die Schwedin beendete damit eine Durststrecke von drei titellosen Jahren und ergatterte sich zudem einen Platz im europäischen Solheim-Cup-Team, das am Montag durch die Captain’s Picks von Catriona Matthew finalisiert wird. Für die 34-jährige Nordqvist bedeutet dies die siebte Teilnahme an dem Kontinentalvergleich gegen die US-Amerikanerinnen. Obendrauf gab es für den Sieg einen Preisscheck in Höhe von 744.000 Euro.

Etwas tragisch endete das Finale für die Dänin Nanna Koerstz Madsen, die als geteilte Führende auf die 18 ging und das Turnier mit einem Doppel-Bogey beendete. Damit verspielte sie nicht nur den Sieg, sondern auch ihren sicheren Startplatz bei eben jenem Solheim Cup. Madsen muss nun hoffen, dass Matthew eine ihrer sechs Wild Cards für die 26-Jährige einsetzt. Neben Nordqvist gehen vom 31. August bis 6. September folgende fünf Europäerinnen sicher auf Punktejagd: Emily Kristine Pedersen, Georgia Hall, Sophia Popov, Charley Hull und Carlota Ciganda.


(Catriona Matthew, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Neben Madsen werden unter anderem der Finnin Sanna Nuutinen gute Chancen auf einen Platz im Team eingeräumt. Daran dürfte auch die 76 (+4) am Finaltag der Women’s Open, die ihr jegliche Titelchancen raubte, nichts geändert haben. Ein ordentliches Ausrufezeichen setzte die Schwedin Madalene Sagstrom, die in Carnoustie geteilte Zweite mit Hall und der US-Amerikanerin Lizette Salas wurde. Die größte Überraschung der vergangenen Woche war aber Louise Duncan aus Schottland, die als Amateurin geteilte Zehnte wurde. Die 21-Jährige dürfte mit Sicherheit dann irgendwann in der Zukunft eine Rolle beim Solheim Cup spielen.

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Korn Ferry Tour


(Stephan Jäger, Photo by Stan Badz/PGA TOUR)

Als einer von 25 Spielern, die sich ihre PGA-Tour-Karte bereits über die reguläre Saison sichern konnten, ging Stephan Jäger obendrein als Titelverteidiger der Albertsons Boise Open und zugleich Führender der Gesamtwertung in das erste Event der Korn Ferry Tour Finals. Auf die weiteren 25 Karten, die nach den drei Turnieren dieser Serie vergeben werden, schielen entsprechend andere. Und trotzdem will der Deutsche das Maximum aus diesen Finalevents herausholen, denn immerhin erhält der beste Spieler der Saison nicht nur die volle Spielberechtigung für die erste Liga. Auch darf er an der Players Championship 2022 teilnehmen. Dass Jäger auch nach dieser langen regulären Saison noch über den entsprechenden Fokus für den Endspurt verfügt, bewies er die Woche über in Boise, Idaho.

Jäger beendete das mit einer Million US-Dollar dotierte Event auf dem geteilten vierten Rang, nur zwei Schläge hinter dem Gewinner Greyson Sigg. Dabei gelang dem Deutschen am Finaltag unter anderem ein Hole-in-One auf der vierten Bahn. Für den 32-Jährigen war dies bereits das zweite Ass des Jahres, nachdem er schon bei einem PGA-Tour-Event im März mit seinem Abschlag einlochte. Trotz der starken Woche musste Jäger vorerst seine Führung in der Gesamtwertung abgeben. Diese übernahm Sigg dank seines zweiten Siegs auf der Korn Ferry Tour. Dessen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Jäger beträgt aber nicht einmal 100 Punkte. Bei 1.000 Punkten, die an den jeweiligen Gewinner eines Finalturniers gehen, stehen Jägers Chancen auf den Gesamtsieg also immer noch sehr gut.


(Matthias Schwab, Photo by Steve Dykes/Getty Images)

Auch aus österreichischer Sicht gab es ein äußerst positives Ergebnis zu vermelden. Neben Jäger teilte sich nämlich unter anderem Matthias Schwab den vierten Rang bei der Albertsons Boise Open. Der European-Tour-Spieler, der bei seinem ersten Korn-Ferry-Tour-Event gleich um den Titel mitspielte, hat damit seine Tourkarte für die PGA Tour bereits sicher. Den 26-Jährigen aus Schladming dürften wir in der kommenden Saison also häufiger in den USA abschlagen sehen.

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European Tour


(Marcel Siem, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Marcel Siem spielte seit seinem Comeback-Erfolg bei der Le Vaudreuil Golf Challenge im Juli vier Turniere. Alle vier zählten zur European Tour, für die sich der Deutsche eigentlich erst noch über die Challenge-Tour-Rangliste qualifizieren muss. Bei seinen jüngsten Auftritten stellte Siem, der schon vier Titel auf der European Tour gewinnen konnte, aber bereits unter Beweis, dass er gerüstet zu sein scheint, sollte es ab der kommenden Saison wieder regelmäßig in der ersten Liga um Siege gehen. Zunächst war da der sensationelle Auftritt bei der 149. Open Championship, nur wenige Tage nach seinem Erfolg in Frankreich, als der 41-Jährige bei seinem ersten Major seit sechs Jahren geteilter 15. wurde und damit die zweitbeste Major-Platzierung seiner Karriere feierte. In der vergangenen Woche schnupperte Siem erneut am ersten Top-Ten-Ergebnis des Jahres auf der European Tour.

Beim Czech Masters in Prag ging Siem als geteilter Zehnter in den Finaltag und büßte nach einer Par-Runde zwei Plätze auf dem Leaderboard ein. Immerhin war der geteilte zwölfte Rang Siems bestes Resultat auf der European Tour seit Dezember. Damals schloss er das Golfjahr 2020 mit einem geteilten sechsten Rang in Südafrika ab. Für die überzeugende Woche im Albatross Golf Resort, dem bekanntesten Golfplatz Tschechiens, erhielt Siem knapp 15.000 Euro Preisgeld. Die nächste Gelegenheit, sich weiter an die European-Tour-Luft zu gewöhnen, bietet sich dem Familienvater bereits in dieser Woche, wenn es zum European Masters nach Crans Montana geht. Punkte für das Challenge-Tour-Ranking, in dem Siem aktuell den fünften Rang belegt, werden dann wieder ab September gesammelt.


(Johannes Veerman, Photo by Oisin Keniry/Getty Images)

Den Titel beim Czech Masters holte sich der US-Amerikaner Johannes Veerman. Bei seinem 59. Start auf der European Tour gelang ihm eine 68 am Finaltag, um sich mit zwei Schlägen Vorsprung gegen die geteilten Zweiten Tapio Pulkkanen und Landsmann Sean Crocker durchzusetzen. Für den 29-Jährigen war es der erste Titel auf der Tour. Im Race to Dubai katapultierte ihn dieser Sieg auf den 29. Rang.

Zwei Löcher vor Schluss lag der Finne Pulkkanen noch in alleiniger Führung. Nach einem Bogey-Doppel-Bogey-Finish fiel der 31-Jährige jedoch zurück und wartet damit weiterhin auf seinen Durchbruch auf der European Tour. Zwischenzeitlich in geteilter Führung lag auch Henrik Stenson. Der Schwede beendete das Czech Masters auf dem geteilten vierten Platz und feierte damit sein bestes European-Tour-Ergebnis seit August 2019.

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PGA Tour Champions


(Alex Cejka, Photo by James Gilbert/PGA TOUR via Getty Images)

Dank eines hervorragenden Schlussspurts von vier unter Par auf den letzten vier Löchern feierte Alex Cejka bei der Boeing Classic sein viertes Top-Ten-Ergebnis des Jahres. Mit einer 66 (-6) am Finaltag gelang dem zweifachen Major-Sieger die geteilt beste Runde des Turniers und am Ende fehlten ihm nur zwei Zähler auf den Sieger Rod Pampling, der seinen ersten Titel auf der PGA Tour Champions holte.

Während Cejka nach diesem starken Resultat unverändert auf dem 15. Platz im Charles Schwab Cup rangiert, verdrängte Jim Furyk dank eines geteilten zweiten Rangs in Snoqualmie, Washington, Bernhard Langer vom zweiten Platz in der Saisonwertung. Langer kam am Finaltag etwas in Straucheln, als er auf der 15. Bahn des The Club at Snoqualmie Ridge, einem Par 5, ein Doppel-Bogey kassierte und mit einem Tagesergebnis von even Par ins Clubhaus kam. Auf dem Tableau ging es damit zurück auf den geteilten 18. Rang. Die letzten Wochen versprechen jedoch jede Menge Spannung im Kampf um den Gesamtsieg. Die ersten drei Spieler, mit Jerry Kelly als Führenden, liegen aktuell nur 140.000 US-Dollar an Preisgeld auseinander.

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PGA Tour


(Cameron Smith, Photo by Tracy Wilcox/PGA TOUR via Getty Images)

Wer sich den Titel beim ersten Event der FedExCup-Playoffs holt, wird erst am Montag entschieden. Dies wurde bereits am Samstag bekannt, nachdem das National Hurricane Center für Sonntag einen tropischen Sturm in der Region um New Jersey vorhersagte. Die PGA Tour verschob die vierte Runde der Northern Trust daher um einen Tag nach hinten. Bereits um 7.30 Uhr Ortszeit sollen die ersten Spieler auf den Platz gehen. Aus der besten Position gehen Jon Rahm und Cameron Smith in dieses Finale. Beide teilen sich die Führung bei 16 unter Par, nachdem Smith am Samstag beinahe eine 59 im Liberty National spielte. Der Südafrikaner Erik van Rooyen folgt nur einen Schlag dahinter bei -15.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • PGA Tour Champions, Boeing Classic: Alex Cejka T5 und Bernhard Langer T18
  • Women's Open: Leonie Harm T7 und Karolin Lampert, Esther Henseleit, Olivia Cowan, Sophia Popov, Laura Fünfstück, Aline Krauter Caroline Masson CUT
  • European Tour, Czech Masters: Marcel Siem T12, Max Schmitt, Nicolai von Dellingshausen & Bernd Ritthammer T50, Marcel Schneider 65. und Sebastian Heisele CUT
  • Challenge Tour, Sydbank Esbjerg Challenge: Yannik Paul T15, Hurly Long T21, Velten Meyer T37, Max Rottluff T43, Jonas Kölbing T48 und Alexander Knappe, Thomas Rosenmüller, Hinrich Arkenau, Dominic Foos & Allen John CUT
  • Ladies Access Series, PGA Championship (nach zwei von drei Runden): Verena Gimmy T14, Patricia Isabel Schmidt T29, Carolin Kauffmann T35 und Sandy Voss CUT
  • Korn Ferry Tour, Albertsons Boise Open: Stephan Jäger T4
  • Forme Tour, Forme Open: Lukas Euler 4.

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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