Tour-Vorschau

Endlich wieder bei den Großen

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit dem Saisonstart auf der PGA Tour und einem Traditionsevent in den Niederlanden.

15. September 2021

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Bevor wir uns in die Ryder-Cup-Woche stürzen, richten wir den Fokus auf das erste Event der neuen PGA-Tour-Saison, inklusive der Nummer eins der Welt. Zudem lohnt ein Blick ins Nachbarland, wo zahlreiche Deutsche ihr ganz eigenes Kapitel in der langen Turniergeschichte schreiben wollen. Die Vorschau:

PGA Tour


(Stephan Jäger, Photo by Steve Dykes/Getty Images)

Voller Stolz hielt Stephan Jäger die Trophäe als bester Spieler der vergangenen Korn-Ferry-Tour-Saison in den Händen, als er im Vorfeld der Fortinet Championship zum Interview vor die Kamera trat. "Die ist schwer", wunderte sich der gebürtige Münchner über das offensichtlich stattliche Gewicht der kupfernen Auszeichnung. "In dieses Stück habe ich viel Herz und Schweiß reingelegt. Es wird definitiv einen Platz in meinem Trophäenschrank erhalten." In der Tat stecken in diesem Preis, anders als sonst, zwei Jahre harte Arbeit, nachdem man die Saison 2020 wegen der vielen Corona-bedingten Turnierabsagen in dieses Jahr erweiterte. "In einer normalen Saison reicht dir meist schon ein Sieg. Aber bei so vielen Events muss man mehrmals vorne mitspielen." Jäger gewann in der abgelaufenen Spielzeit zwei Turniere und erreichte elf weitere Male die Top Ten.

Neben dem Stück Kupfer wurde Jäger natürlich auch mit der vollen PGA-Tour-Karte belohnt - zum dritten Mal in seiner Karriere. Und dort steht in dieser Woche das erste von insgesamt 47 Turnieren der neuen Saison auf dem Programm. Dank des Gesamtsieges darf Jäger bei den meisten dieser Events mitspielen. Einzig für die Majors, WGCs sowie Invitationals muss er sich noch qualifizieren. Den Startplatz bei der Players Championship hat der 32-Jährige dagegen schon sicher. "Das ist eines der größten Events der Saison", so Jäger über das sogenannte "fünfte Major". "Ich freue mich darauf, mit den besten Spielern der Welt abzuschlagen."


(Das Silverado Resort, Photo by Daniel Shirey/Getty Images)

Sollte Jäger aber seine jüngste Form aus der Endphase der vergangenen Korn-Ferry-Tour-Saison in die PGA Tour tranSportieren können, dann ist durchaus einiges von dem einzigen Deutschen mit einer PGA-Tour-Karte zu erwarten. Zuletzt erreichte er nämlich drei Top-Fünf-Ergebnisse in Serie. Zudem betritt Jäger in dieser Woche kein Neuland. Zwei Mal spielte er bereits auf dem Silverado Resort and Spa’s North Course, dem Austragungsort der dieswöchigen Fortinet Championship. 2018 wurde er hier geteilter 30. nach einer starken 69er-Finalrunde - damals lief das Turnier noch unter dem Namen Safeway Open. Im vergangenen Jahr spielte sich der Par-72-Kurs in Napa, Kalifornien, durchschnittlich knapp 1,8 Schläge unter Par. Es wird in dieser Woche also durchaus darum gehen, Birdies hinterherzujagen. Ein Bereich, in dem Jäger zu den stärksten Spielern der vergangenen Saison zählte. Die Zeichen stehen also nicht so schlecht, dass dem Trophäenschrank womöglich bald ein weiterer Neuzugang hinzugefügt wird.

Mit dem Aufstieg in die erste Liga steigt aber natürlich auch die Leistungsdichte der Konkurrenz. So nutzt beispielsweise Jon Rahm das letzte Turnier vor dem Ryder Cup, um sich nochmals den nötigen Feinschliff zu holen. Der Spanier schlägt erstmals seit 2016 (T15) bei dem Saisonauftakt ab und geht logischerweise als klarer Favorit in die Woche. Aber auch Kevin Na befindet sich in einer absoluten Topform. Der US-Amerikaner beschloss die abgelaufene PGA-Tour-Saison mit einem dritten Rang bei der Tour Championship, dem sechsten Top-25-Ergebnis in Serie. Titelverteidiger Stewart Cink zieht dem Start in Kalifornien die Hochzeit seines Sohnes vor.

European Tour


(Martin Kaymer bei der Dutch Open 2010, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Zwischen BMW PGA Championship und Ryder Cup heißt es Dutch Open. Das Turnier in den Niederlanden zählt nicht mehr zu den hochdotierten Events im Kalender der European Tour. Dafür blickt es aber auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1972 zurückgeht. Namen wie Seve Ballesteros, Payne Stewart oder Colin Montgomerie trugen sich bereits in die prominente Siegerliste ein. Und auch für Deutschland bot die Dutch Open schon zahlreiche glorreiche Momente. So gewann Bernhard Langer die niederländische Meisterschaft drei Mal, zuletzt 2001 in Noordwijk. Sven Strüver feierte hier 1997 seinen zweiten von insgesamt drei European-Tour-Titeln. Und auch Martin Kaymer durfte im Nachbarland schon einmal jubeln. Im Jahr seines ersten Major-Triumphs war die KLM Open eines von vier Events, dass der gebürtige Düsseldorfer gewinnen konnte.

In diesem Jahr ist einiges neu in den Niederlanden. Oder zumindest eine Rückkehr. Denn erstmals seit 2003 heißt das Event wieder Dutch Open, nachdem KLM 16 Mal als Turniersponsor fungierte. Eine Premiere feiert dagegen der Austragungsort in dieser Woche. Erstmals geht es nach Cromvoirt, nahe der Provinz-Hauptstadt ´s-Hertogenbosch, wo sich der Par-72-Kurs von Bernardus Golf erstreckt. Erst 2018 wurde das Millionenprojekt auf dem sandigen Stück Land fertiggestellt und prompt erhielt man den Zuschlag für drei Austragungen des European-Tour-Events. Nachdem die Ausgabe im vergangenen Jahr abgesagt werden musste, steht nun also in dieser Woche die Feuertaufe für das neue golferische Aushängeschild der Region an. An Hindernissen bietet der Bernardus Golf so ziemlich alles, was man von einem Platz erwarten kann: Bäume, Wasserhindernisse und zahlreiche Bunker.


(Joost Luiten bei der KLM Open 2013, Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Nachdem Louis Oosthuizen seinen zunächst angekündigten Start in den Niederlanden nun doch absagen musste, geht dessen Landsmann Branden Grace als Top-gesetzter Spieler in die Woche. Die Nummer 57 der Welt spielte in dieser European-Tour-Saison erst fünf Turniere und konnte außer bei der US Open (T7) noch nicht wirklich überzeugen. Ganz anders schaut dies bei einem weiteren Südafrikaner aus: Dean Burmester konnte in diesem Jahr nämlich bereits ein Turnier gewinnen und beendete vier weitere in den Top Ten. Als 23. des Race to Dubais zählt er zu den Top-Favoriten bei der Dutch Open. Die größte niederländische Hoffnung ist, wie schon in den vergangenen Jahren, Joost Luiten, der sein Heimspiel bereits zwei Mal gewinnen konnte. In dieser Saison waren zwei Top-Ten-Resultate bislang das höchste der Gefühle.

Deutschland schickt auch einige Herren ins Rennen. Mit Matthias Schmid, Freddy Schott, Maximilian Kieffer, Max Schmitt, Marcel Siem, Nicolai von Dellingshausen und Alexander Knappe sind gleich sieben deutsche Profis am Start. Vor allem Kieffer fühlte sich in der Vergangenheit immer sehr wohl in den Niederlanden. Bei seinen vergangenen sechs Starts erreichte er jedes Mal das Wochenende und 2015 wurde er geteilter Zwölfter. Siem, der seinen Start bei der German Challenge in der vergangenen Woche kurzfristig absagen musste, ist nach überstandener Schulterverletzung wieder fit und "glücklich, dass sich dieses Problem nun doch so schnell gelöst hat".

Die Deutschen im Einsatz:

  • PGA Tour Champions, Sanford International: Bernhard Langer und Alex Cejka
  • Ladies European Tour, Ladies Open de France: Sarina Schmidt, Leonie Harm, Olivia Cowan, Franziska Friedrich und Leticia Ras-Anderica
  • European Tour, Dutch Open: Matthias Schmid, Freddy Schott, Maximilian Kieffer, Max Schmitt, Marcel Siem, Nicolai von Dellingshausen und Alexander Knappe
  • Challenge Tour, Open de Provence: Marcel Schneider, Hurly Long, Yannik Paul, Max Rottluff, Jonas Kölbing, Dominic Foos, Hinrich Arkenau, Allen John und Christian Bräunig
  • LPGA Tour, Cambia Portland Classic: Esther Henseleit
  • PGA Tour, Fortinet Championship: Stephan Jäger
  • Symetra Tour, Guardian Championship: Sophie Hausmann und Isi Gabsa
  • Ladies Access Series, Lavaux Ladies Open: Luisa Dittrich, Patricia Isabel Schmidt, Verena Gimmy, Chiara Noja und Sandy Voss

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg, schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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