Tour-Vorschau

Woods' Rückkehr in die Komfortzone

Vorschau auf das Tour-Geschehen mit der Hero World Challenge sowie der ersten Woche der LPGA Q-Series.

01. Dezember 2021

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Trotz einer prominenten Teilnehmerliste liegt der Fokus bei der Hero World Challenge in dieser Woche zum Großteil auf den Geschehnissen abseits des Platzes. Grund dafür ist die lang ersehnte Rückkehr des Turniergastgebers auf die PGA-Tour-Bühne. Dabei verspricht die Sportliche Konstellation ebenfalls jede Menge Spannung. Gleiches gilt für die Q-Series der LPGA Tour. Die Vorschau:

PGA Tour


(Fünfmaliger Sieger der Hero World Challenge: Tiger Woods, Photo by Mike Ehrmann/Getty Images)

In den seltensten Fällen nimmt der Gastgeber nicht an seiner eigenen Party teil. Und doch kam dies bei der Hero World Challenge schon häufiger vor. 2008 verpasste Tiger Woods beispielsweise sein eigenes Turnier aufgrund einer Knieoperation nach seinem US-Open-Erfolg. Im Folgejahr trat er aus privaten Gründen nicht an. In diesem Jahr ist Woods einmal mehr nicht im Teilnehmerfeld vertreten und doch ist er in Albany vor Ort. Damit ist der 15-malige Major-Sieger erstmals seit seinem schweren Autounfall im Februar wieder bei einem PGA-Tour-Event anwesend - auch wenn er selbst nicht zu den Schlägern greift. So weit ist seine Reha dann doch noch nicht fortgeschritten. Immerhin stand vor knapp zehn Monaten eine Amputation seines rechten Beins im Raum. "Ich bin froh, dass ich noch lebe und auch noch mein Bein habe", so Woods bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Hero World Challenge.

Der 45-Jährige stellte sich am Dienstag zum ersten Mal seit dem Genesis Invitational im Februar den öffentlichen Fragen. Etwa 35 Minuten stand er der Presse Rede und Antwort. Während dieser Zeit verspürte er - wie er auf Nachfrage zugab - weiterhin Schmerzen in seinem Bein sowie Rücken. "Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Bein jemals wieder so sein wird wie früher", erklärte Woods, der sich nach dem Unfall mehreren operativen Eingriffen am Schienbein sowie Fuß unterziehen musste. Ein sportliches Comeback ist also noch nicht absehbar. Auch wenn Woods immerhin schon wieder Bälle schlagen kann. Entsprechend groß sind die Hoffnungen der Fans, dass der Hall of Famer vielleicht schon bei der 150. Open Championship in St. Andrews spielen könnte. Zwei Mal konnte er das Major auf diesem Platz bereits gewinnen. Die Open im Juli wäre Woods‘ 23. Teilnahme am einzigen Herrenmajor auf europäischem Boden.

Unabhängig vom Zeitpunkt des Comebacks machte Woods bei der PK deutlich, dass er nie wieder Vollzeit auf der PGA Tour unterwegs sein wird. Die Tage seien vorbei. Er werde maximal ausgewählte Turniere mitnehmen und dabei stets auf seinen Körper hören. Dies bedeute jedoch nicht, dass Woods nicht mehr konkurrenzfähig sein wird. "Ich kenne das Rezept", entgegnete er der Frage, ob er jemals wieder ein Turnier gewinnen werde. Er müsse sich nur wieder wohlfühlen. Klar ist auch, dass sich eine seiner größten Komfortzone genau dort befindet, wo er sich in dieser Woche bei der Hero World Challenge aufhält: Auf der Tour unter Gleichgesinnten und Freunden. "Ich habe die Sticheleien und das Gefrotzel mit den Jungs vermisst", gab Woods zu. Gute Freunde wie Rory McIlroy, Justin Thomas oder Jordan Spieth sind bei dem Einladungsturnier auf den Bahamas dabei und werden ebenfalls froh sein, ihr Idol außerhalb seines Krankenbetts in Florida zu sehen. Woods ist zurück auf der PGA-Tour-Bühne. Auch wenn wir auf sein sportliches Comeback noch etwas warten müssen.


(Gewinner des Race to Dubais 2021: Collin Morikawa, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Die Hero World Challenge wurde 2000 von Woods ins Leben gerufen und gilt seit jeher als ein nettes Beisammensein einiger der besten Spieler der Welt, bevor man sich für ein paar Wochen in die Weihnachtspause verabschiedet. Offizielle FedExCup-Punkte werden bei dem Event, dessen Erlöse der Tiger Woods Foundation zugutekommen, nicht vergeben. Dafür stehen aber Weltranglistenpunkte auf dem Spiel, die in dieser Woche einen entscheidenden Einfluss auf das OWGR haben könnten. Denn sollte Collin Morikawa das mit 3,5 Millionen US-Dollar dotierte Turnier gewinnen, so würde der zweimalige Major-Sieger den Spanier Jon Rahm von Platz eins verdrängen und damit auch das Jahr als Weltranglistenerster beenden.

Blickt man auf die aktuelle Form des 24-jährigen US-Amerikaners, dann geht er auch als der Top-Favorit der insgesamt 20 Teilnehmer in das 72-Löcher-Event. Morikawa reist als frisch gekürter Champion des Race to Dubais nach Albany und könnte als erst vierter Spieler der Geschichte, noch vor Erreichen seines 25. Lebensjahres die Nummer eins der Welt werden. Die drei Spieler, die dies vor ihm schafften, heißen McIlroy, Spieth und natürlich Woods. Sie alle sind, wie bereits erwähnt, auch in dieser Woche dabei. Einen besseren Ort, dem Meilenstein dieses Trios nachzueifern, gibt es also kaum.

LPGA Tour


(Polly Mack, Photo by Andy Mead/ISI Photos/Getty Images)

Die Saison auf der LPGA Tour ging bereits vor zwei Wochen zu Ende. Mit ihrem Sieg bei der CME Group Tour Championship gewann Jin Young Ko nicht nur das Saisonfinale, sondern sie setzte sich auch im Rennen um den Gesamtsieg gegen die US-Amerikanerin Nelly Korda durch. Bis diese Namen wieder um Titel mitspielen, dauert es noch eine Weile. Die neue Spielzeit wird am 20. Januar in Florida eröffnet. Bis dahin steht bei den meisten Spielerinnen Erholung auf der Tagesordnung. Nicht aber für diejenigen, die ihre LPGA-Tourkarte noch nicht sicher haben. Für die stehen nämlich zwei entscheidende Wochen bevor, beginnend mit vier Runden in Mobile, Alabama. 110 Spielerinnen treten bei der Q-Series an und die besten 70 und Geteilten qualifizieren sich für die zweite Woche, wo dann die Top 45 eine Tourkarte für die LPGA Tour erhalten.

Neben drei Spielerinnen aus den Top 20 der Weltrangliste treten bei dem Qualifikationsturnier auch vier deutsche Damen an. Isi Gabsa und Sophie Hausmann beendeten die Gesamtwertung der Symetra Tour unter den Top 25 und verdienten sich so ihren Platz im Feld. Die Amateurin Polly Mack kämpfte sich bereits durch die ersten beiden Stages und hofft nun auf den großen Durchbruch. Und Olivia Cowan qualifizierte sich als Fünfte der LET-Order-of-Merit für die Q-Series. Der Weg zur Karte ist aber noch lang. Acht Runden müssen in den nächsten zwei Wochen gespielt werden, will man am Ende eine Chance haben. Ausrutscher sind insbesondere aufgrund der hohen Leistungsdichte im Feld nicht erlaubt. Mit Caroline Masson, Esther Henseleit und Sophia Popov sind in der kommenden Saison bereits drei Deutsche sicher auf der LPGA Tour unterwegs. Vielleicht gesellt sich bald noch die ein oder andere dazu.

Die Deutschen im Einsatz:

  • LPGA Tour, LPGA Q-Series: Olivia Cowan, Sophie Hausmann, Polly Mack und Isi Gabsa
  • PGA Tour Latinoamérica, Argentine Open: Velten Meyer

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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