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Tour-Rückblick

Zauber-Flop und eine 'seltsame Regelung'

Santiago Tarrio begeistert mit einem Zauberschlag aus dem Bunker und Padraig Harrington ist nicht einverstanden mit einer Regelauslegung. Der Rückblick aufs Wochenende.

24. Januar 2022

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Das erste volle Tour-Wochenende des Jahres 2022 liegt hinter uns und es brachte jede Menge spannende Geschichten hervor. Auf der DP World Tour zauberte ein Spanier aus dem Bunker, bei den Champions legte Bernhard Langer mit einer Top-Ten-Platzierung los und zwei Regelfälle zeigten, wie undurchsichtig der Graubereich im Regelwerk auch für die Profis manchmal sein kann. Der Rückblick:

DP World Tour


(Thomas Pieters, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Während sich die Konkurrenz in Person von Viktor Hovland oder Shane Lowry mit Doppel- und Triple-Bogeys aus dem Titelkampf schossen, blieb Thomas Pieters weitestgehend cool und brachte den knappen Vorsprung von einem Schlag über die Ziellinie. In einer kontrollierten Art und Weise sicherte sich der 29-Jährige bei der Abu Dhabi HSBC Championship seinen sechsten Titel auf der DP World Tour und ging damit als erster belgischer Sieger eines Rolex-Series-Events in die Geschichte ein. Belohnt wurde Pieters obendrein mit dem größten Preisscheck seiner Karriere. Satte 1,2 Millionen Euro gab es für den Sieg. Damit liegt die belgische Nummer zwei in der ewigen Geldrangliste der DP World Tour nur noch 660.000 Euro hinter dem ersten Ryder-Cup-Spieler Belgiens, Nicolas Colsaerts.

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Im Siegerinterview sprach Pieters auch über die Inspiration, die einst von seinem Landsmann ausging. "Als Kind habe ich Golf geschaut und gedacht, dass es unmöglich für mich ist, so weit zu kommen. Doch dann betrat Nico [Colsaerts, Anm. d. Red.] die Szene und fing an zu gewinnen. Das inspiriert die Kinder und hoffentlich kann ich das gleiche zu Hause tun." Die jüngste Vorstellung auf Yas Links war definitiv inspirierend. Pieters hielt in Abu Dhabi Spieler wie Rafa Cabrera Bello, Tyrrell Hatton oder eben den Weltranglistensiebten Hovland hinter sich und erlaubte sich nur ein Bogey am Sonntag. Und das an einem Tag, an dem mit Henrik Stenson lediglich ein Spieler fehlerfrei blieb. Zur Belohnung rangiert Pieters ab dieser Woche wieder unter den Top 35 der Welt. Um Startplätze für die Majors sowie WGCs muss er sich demnach erstmal keine Gedanken mehr machen. Genügend Fläche also, um sich weiter zu präsentieren und den Nachwuchs in der Heimat zu inspirieren.


(Santiago Tarrio, Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Apropos inspirierend: Dies lässt sich auch mit Sicherheit über den Spanier Santiago Tarrio sagen. Der Gesamtdritte der vergangenen Challenge-Tour-Saison ist seit diesem Jahr in Liga eins unterwegs und feierte in Abu Dhabi sein Rolex-Series-Debüt. Drei 75er-Runden (+3) in Folge waren da zwar nicht das erwünschte Ergebnis für den 31-Jährigen, dafür sorgte er aber am Schlusstag für einen faszinierenden Bunkerschlag. In Manier des Superstars Phil Mickelson setzte Tarrio zum Rückwärts-Flop-Shot an und begeisterte damit die Fans. Aufgenommen wurde das Ganze mit einer Handy-Kamera und zu sehen ist auch, dass der zweimalige Challenge-Tour-Sieger seinen Zauberschlag ziemlich nah an die Fahne setzte. Welch eine Zirkusnummer vom Rookie, die unter anderem auch von Hurly Long in den Kommentaren bei Instagram honoriert wurde: "Er ist mein absoluter Liebling! Er spielt einfach so, wie er Bock hat. Legende."

Aus deutscher Sicht war es ein durchwachsener Start ins neue Jahr auf der DP World Tour. Matti Schmid scheiterte deutlich um acht Schläge am Cut und Maximilian Kieffer erreichte zwar das Wochenende nach einer starken zweiten Runde, konnte jedoch dann nicht mehr groß vorne angreifen. Mit einem Gesamtergebnis von +6 beendete der 31-Jährige die Abu Dhabi HSBC Championship auf dem geteilten 65. Rang. In dieser Woche treten beide Deutsche bei der Dubai Desert Classic an. Beim zweiten Rolex-Series-Event in Folge haben sie dann die Gelegenheit, ihre jeweilige Leistung verbessern.

Regelfrage


(Ernie Els, Photo by Chris Condon/PGA TOUR)

Wann darf eine auf der Runde beschädigte Ausrüstung ausgetauscht werden und wann nicht? Diese Frage stellten sich bestimmt schon einige Golfer, wenn sie plötzlich einen Riss in ihrem Ball entdeckten oder der Schlägerkopf vom Schaft wegflog. Dass solche Fälle eher zur Seltenheit gehören, zeigte sich auch an der Besonderheit zweier Fälle in der vergangenen Woche. An zwei unterschiedlichen Orten kamen Spieler mit beschädigter Ausrüstung in Kontakt. Doch nur einer von ihnen durfte zu einem Ersatz greifen. Der andere musste mit einem Riss in seinem Driver weiterspielen. Wie kam es dazu?

Auf der einen Seite hatten wir Ernie Els, der auf Hawaii die Mitsubishi Electric Championship spielte. Auf der anderen Seite, knapp 15.000 Kilometer entfernt, eröffnete Padraig Harrington sein Golfjahr bei der Abu Dhabi HSBC Championship. Els‘ Fall ereignete sich an der 16. Bahn des Hualalai GC. Sein nach rechts verzogener Drive landete auf Lavagestein und hoppelte von dort aus mit viel Glück ins Rough. Els‘ Ball wurde bei dem unsanften Aufprall beschädigt und so rief er vor seinem zweiten Schlag einen Regeloffiziellen heran. Dieser entschied nach Regel 4.2c, dass der Südafrikaner seinen Spielball ersetzen darf. Hier heißt es: "Der Spieler darf nur dann einen anderen Ball neu einsetzen, wenn der ursprüngliche Ball deutlich sichtbar zersprungen oder eingekerbt ist und diese Beschädigung während des zu spielenden Lochs aufgetreten ist, aber er darf nicht ersetzt werden, wenn der Ball lediglich zerkratzt, abgeschürft oder seine Farbe beschädigt oder verfärbt ist."

Die Beschädigung an Els‘ Spielball war also offensichtlich groß genug, um einen frischen Ball straffrei ins Spiel bringen zu dürfen. Anders sah dies bei Harringtons Beispiel aus. Hier war es nicht der Ball, der beschädigt wurde, sondern der Driver des Iren. Inmitten seiner dritten Runde auf dem Yas Links bemerkte der Ryder-Cup-Kapitän aus 2021, das die Schlagfläche seines Drivers einen Riss aufwies. Wie sich herausstellte, war dieser Schaden aber nicht schwerwiegend genug, um auf einen Ersatz zurückzugreifen.

Ein Austausch ist nur möglich, wenn ein Schläger (ohne mutwillige Selbstverschuldung) kaputt geht oder signifikant beschädigt wird. Wäre der Schlägerkopf beispielsweise in seine Einzelteile zerfallen oder vom Schaft geflogen, hätte er ersetzt werden dürfen. Ein kleiner Riss auf der Schlagfläche reiche hier jedoch nicht aus. Harrington bezeichnete diese Regelentscheidung später als "seltsam", wurde aber von dem kleinen Schaden wohl nicht weiter behindert und traf fünf der verbleibenden sechs Fairways. Für die Finalrunde hatte er dann wieder einen neuen Schlägerkopf im Bag.

PGA Tour Champions


(Bernhard Langer, Photo by Chris Condon/PGA TOUR via Getty Images)

Bernhard Langers erster Auftritt als sechsmaliger Charles-Schwab-Cup-Champion ging fast schon standesgemäß mit einer Top-Ten-Platzierung zu Ende. Der 64-Jährige hatte nach einer 66 (-6) zum Auftakt der Mitsubishi Electric Championship noch direkten Kontakt zur Spitze, den er dann aber aufgrund einer 71 (-1) am Freitag abreißen lassen musste. Mit einer 68 (-4) am Schlusstag kämpfte sich Langer aber zurück in sein gewohntes Gefilde. Der geteilte zehnte Rang ist ein solider Start für den 42-maligen PGA-Tour-Champions-Sieger, der sich in der Winterpause an seinem linken Knie behandeln ließ und offensichtlich wieder ohne große Schmerzen bei den besten Senioren der Welt mitspielen kann.

Einen Rekord muss sich Langer nach der Eröffnungswoche auf Hawaii aber erstmal teilen. Denn Miguel Ángel Jiménez zog mit dem Deutschen gleich, was die Titelanzahl im Hualalai GC angeht. Der Spanier setzte sich am zweiten Extra-Loch gegen den Neuseeländer Steven Alker durch und feierte damit seinen dritten Sieg bei der Mitsubishi Electric Championship. Für den 58-jährigen Jiménez, der in dieser Woche bei der Dubai Desert Classic antritt, war dies der elfte Turniererfolg auf der PGA Tour Champions. Alex Cejka beendete das erste Turnier der neuen Saison auf dem geteilten 34. Rang.

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LPGA Tour


(Nelly Korda mit Handschuhen, Photo by Julio Aguilar/Getty Images)

Es war unerwartet kühl beim Saisonauftakt der LPGA-Damen in Florida. Bei Temperaturen um die zehn Grad Celsius hatte ausgerechnet die Lokalmatadorin ihre Schwierigkeiten, am Finaltag des Tournament of Champions auf Betriebstemperatur zu kommen. Nelly Korda, Weltranglistenerste und Führende nach drei Runden, kämpfte sich am Sonntag bei regnerischen Bedingungen zu einer 75 (+3) im Lake Nona Golf & Country Club. "Ich habe gefroren", so die 23-Jährige, die mit dieser Finalleistung nicht die Spitzenposition halten konnte. "Mir wird immer kälter als es eigentlich ist." Deswegen meide Korda auch die Turniere in kühleren Klimazonen. "Ich weiß nicht warum", so die US-Amerikanerin weiter. "Ich fühle mich da so steif."

Dass sich ausgerechnet die gebürtige Kalifornierin Danielle Kang bei diesen Bedingungen deutlich wohler fühlte, dürfte dabei doch etwas verwundern. Im Gegensatz zu Korda habe sie sich jedoch ganz speziell auf solche Umstände vorbereitet. Über die Winterzeit ging es für Kang früh am Morgen in ihrer Heimat Las Vegas auf den Platz. Mit mehreren Schichten Klamotten wurde so das Spielen im Kalten trainiert. Mit Erfolg. An den beiden kalten Wochenendtagen in Florida schoss sie Runden von drei beziehungsweise vier unter Par. "Das war wahrscheinlich das beste Golf, das ich jemals im Kalten gespielte habe und darauf bin ich stolz", so Kang, für die es der sechste Erfolg auf der LPGA Tour war.


(Sophia Popov, Photo by Julio Aguilar/Getty Images)

Auch Sophia Popov kämpfte sich durch das kalte Florida-Wochenende. Die einzige Deutsche im Feld spielte Runden von 72, 70, 72 und 76 Schlägen und beendete den Saisonauftakt auf dem geteilten 18. Rang bei +2. Bei nur 29 teilnehmenden Damen wahrscheinlich nicht das Ergebnis, das sie sich vornahm, jedoch dürfte sie der Preisscheck in Höhe von 23.158 US-Dollar über das Ergebnis hinweggetröstet haben. Und nach der Finalrunde wärmte sie sich mit Freundin und LPGA-Kollegin Anne van Dam bei einer heißen Tasse Kaffee wieder auf. Bleibt abzuwarten, wie sich die Temperaturen in Florida entwickeln. Bereits in dieser Woche steht mit der Gainbridge LPGA nämlich der zweite Stopp des Florida-Swings auf dem Programm. Wenn es nach Korda und Popov  ginge, dürfte es gerne ein paar Grad wärmer werden.

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PGA Tour


(Hudson Swafford, Photo by Steph Chambers/Getty Images)

Eine ereignisreiche Back Nine mit fünf Birdies, zwei Bogeys und einem Eagle ging verhältnismäßig unspektakulär mit einem Par von Hudson Swafford zu Ende. Doch die "Vier" auf dem abschließenden Par 4 des Stadium Course (PGA West) in La Quinta mit Wasser auf der linken Seite war ein hart erkämpftes und zugleich wichtiges Par, nachdem ihm sein erster Putt deutlich zu weit ausrollte. Landsmann Tom Hoge lauerte bereits mit zwei Zählern Rückstand in der Gruppe hinter Swafford und hätte gerne noch eine Chance auf ein Playoff wahrgenommen.

Doch der 34-Jährige behielt die Nerven, brachte mit einer 64 (-8) die geteilt beste Runde des Tages ins Clubhaus und stand damit als Sieger der American Express fest. Swafford gewann an selber Stelle bereits vor fünf Jahren seinen ersten Titel auf der PGA Tour. Der Sieg am Sonntag war sein dritter Erfolg in USAs höchster Spielklasse. Mit dem Sieg rückte der Mann aus Tallahassee, Florida, auf den siebten Rang im FedExCup vor.

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Die Ergebnisse der Deutschen:

  • PGA Tour Champions, Mitsubishi Electric Championship: Bernhard Langer T10 und Alex Cejka T34
  • Korn Ferry Tour, The Bahamas Great Abaco Classic (Beginn Sonntag): Jeremy Paul und Thomas Rosenmüller
  • DP World Tour, Abu Dhabi HSBC Championship: Maximilian Kieffer T65 und Matti Schmid CUT
  • LPGA Tour, Tournament of Champions: Sophia Popov T18

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.

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