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Tour-Rückblick

McIlroys Drama und ein verhängnisvolles Fähnchen

Rory McIlroy erlebt bei der Dubai Desert Classic ein bitteres Ende und auf der PGA Tour sorgt ein falsch gestecktes Fähnchen für ein schmerzliches Doppel-Bogey. Der Rückblick aufs Wochenende.

31. Januar 2022

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Die deutsche Performance auf den internationalen Touren ließ in der vergangenen Woche etwas zu wünschen übrig. Doch dies bedeutet nicht, dass es keine Geschichten aus Dubai, Kalifornien oder Florida zu erzählen gibt. Dafür sorgten in erster Linie zwei tragische Figuren. Der Rückblick:

DP World Tour


(Rory McIlroy, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

Er ging als der absolute Top-Favorit in die Dubai Desert Classic und wurde seiner Rolle bis kurz vor Schluss auch gerecht. Rory McIlroy bekam in seiner titelreichen Karriere bereits zwei Mal die überdimensional große Trophäe im Emirates GC überreicht und war am Sonntag auf einem guten Weg, mit dem einzigen dreimaligen Champion des traditionsreichen Events, Ernie Els, gleichzuziehen. Der 32-Jährige begann den Finaltag als Zweiter mit einem Schlag Rückstand auf die Spitze.

Die ersten Probleme des Tages ereilten ihn aber an der Zehn, wo er in Folge eines verzogenen Drives auf dem Par 5 ein Strafschlag kassierte und mit einem gut geretteten Bogey davonkam. Auf den kleinen Rückschlag reagierte McIlroy mit zwei Birdies innerhalb drei Löcher und plötzlich war er wieder ganz vorne dabei. In geteilter Führung liegend, machte der Nordire erneut Bekanntschaft mit den Büschen des Majilis Course. Dieses Mal bereitete ihm ein verzogener Drive auf dem kurzen Par 4 der 17 Probleme. Jedoch konnte er hier einen Drop vermeiden und mit einem starken Up-and-Down aus dem hohen Rough das Par und damit die geteilte Spitzenposition bei -12 retten.


(Rory McIlroy aus dem Busch an der 17, Photo by Andrew Redington/Getty Images)

McIlroys Mitbewerber um den mit mehr als 1,2 Millionen Euro dotierten Rolex-Series-Titel waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Clubhaus und somit hatte der viermalige Major-Sieger sein Schicksal selbst in der Hand. Ein Birdie auf dem abschließenden Par 5 wäre gleichbedeutend mit dem Sieg gewesen. Ein Par hätte das Playoff mit Richard Bland und Viktor Hovland zur Folge gehabt. Von einem Bogey wollte man auf der viertleichtesten Bahn des Platzes kaum ausgehen. Wobei McIlroy schon in der ersten Runde im Wasserhindernis vor dem 18. Grün landete und einen Schlagverlust erlitt.

Und das gleiche Szenario spielte sich dann auch in der entscheidenden Phase des Turniers ab. Erneut griff McIlroy aus 243 Metern Entfernung zur Fahne das Grün an und schnell wurde ihm klar, dass sein Ball nicht trocken bleibt. Der Annäherungsschlag bog umgehend nach rechts ab und landete gute zehn Meter vor dem Grün im Wasser. Es folgte Schlag Nummer vier aus der Drop Zone und dann der mit dem Einzug in Stechen gleichbedeutende Par-Putt, den McIlroy vorbeischob. Die Back Nine entwickelten sich für den Ryder-Cup-Spieler zu einem Drama in mehreren Akten - ohne Happy End.

Vor die Mikrofone wollte McIlroy, der mit einer 71 (-1) ins Clubhaus kam, nach dieser herben Enttäuschung verständlicherweise nicht treten. Zumal ihm vor nicht allzu langer Zeit eine ähnlich tragische Schlussphase schon einmal einen Titelkampf vermieste. Auch damals ging es um einen Rolex-Series-Titel in Dubai. Beim Saisonfinale der abgelaufenen Spielzeit befand sich McIlroy in einem spannenden Duell gegen den späteren Sieger Collin Morikawa, als ein zu präziser Pitch die Fahne der 15. Bahn traf und der Ball anschließend in den Grünbunker rollte. Von diesem Moment an verlor er Schlag um Schlag und beendete das Finalevent auf dem geteilten sechsten Rang. Bei der Dubai Desert Classic wurde es am Ende immerhin Rang drei. Doch bei dieser Ausgangsposition auf dem 18. Fairway dürfte sich das Ergebnis wie eine schmerzhafte Niederlage anfühlen.


(Viktor Hovland, Photo by Ross Kinnaird/Getty Images)

Das Stechen, dem McIlroy gerne beigewohnt hätte, fand ein schnelles Ende. Denn Hovland notierte auf dem ersten Extra-Loch gleich das Birdie, während Bland das Up-and-Down aus dem Rough links vom Grün verpasste. Damit stand der 24-Jährige als Sieger der Dubai Desert Classic fest. Für den Norweger war es der zweite Sieg auf der DP World Tour und der dritte Titelgewinn innerhalb fünf Starts weltweit. Hovland legte einen beeindruckenden Schlussspurt am Sonntag hin und beendete die Runde mit Birdie-Eagle-Birdie. Seine 66 (-6) bedeutete die Tagesbestleistung für den jungen Ryder-Cup-Spieler, der dank dieses Sieges auf den dritten Rang in der offiziellen Weltrangliste vorrückte.

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Von den drei deutschen Startern bei der Dubai Desert Classic erreichten mit Matti Schmid und Nicolai von Dellingshausen zwei den Cut. Für Maximilian Kieffer war bereits nach zwei Runden Schluss. Ein Schlag fehlte ihm auf den Einzug ins Wochenende. Bei Schmid war sogar lange Zeit eine Top-Ten-Platzierung in Aussicht. Vor der Finalrunde lag er nur zwei Zähler außerhalb der besten Zehn. Eine 78 (+6) am Finaltag warf den 24-Jährigen jedoch bis auf den geteilten 35. Rang (Par) zurück. Für eine deutliche Verbesserung im noch jungen Race to Dubai langte es aber trotzdem. Schmid rangiert nach drei gespielten Turnieren auf dem 63. Platz in der Saisonwertung.


(Nicolai von Dellingshausen, Photo by Pedro Salado/Quality Sport Images/Getty Images)

Von Dellingshausen gab in Dubai sein Saisondebüt. Zudem war es sein allererster Auftritt bei einem Rolex-Series-Event überhaupt. Richtig glänzen konnte der 29-Jährige am Freitag, als er mit einer 66 (-6) zu den besten Spielern des Tages gehörte. Und diese Traumrunde war auch bitter nötig, nachdem Von Dellingshausen mit einer 77 (+5) ins Turnier startete. Auch wenn der geteilte 60. Platz am Ende keine Jubelschreie auslöste, konnte der Mann vom GC Hubbelrath Positives aus seiner ersten Turnierwoche des Jahres ziehen.

PGA Tour


(Jon Rahm, Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images)

Was McIlroy in Dubai war, war Jon Rahm bei der Farmer Insurance Open in Torrey Pines. Beide konnten am jeweiligen Austragungsort bereits zwei Titel holen und beide gingen in dieser Woche als klare Favoriten an den Start. Und wie es der Zufall so wollte, sollte beiden am Ende ein Schlag auf den Einzug in ein Stechen fehlen. Rahm hätte auf dem abschließenden Par 5 des South Course ein Birdie benötigt, um mit Luke List und Will Zalatoris gleichzuziehen, notierte jedoch nur das Par. Damit wurde der Weltranglistenerste, der hier im vergangenen Jahr seinen ersten Major-Titel feierte (US Open), geteilter Dritter mit einem Gesamtergebnis von 14 unter Par.

Besser waren nur die bereits erwähnten US-Amerikaner List und Zalatoris, die beide vor ihrem jeweils ersten PGA-Tour-Sieg standen. Doch nur einer von beiden konnte es werden und aufgrund eines Birdies auf dem ersten Extra-Loch ging der mit 1,5 Millionen US-Dollar dotierte Titel an den zwölf Jahre älteren List (37), der zuvor 205 PGA-Tour-Events in Folge sieglos blieb. Im FedExCup ging es für den Mann aus Seattle bis auf den vierten Rang vor. Zalatoris dürfte dagegen noch etwas seinem 2,5-Meter-Putt zum Birdie auf der letzten Bahn nachtrauern, der ihm den vorzeitigen Sieg gebracht hätte. Doch mit seinen 25 Jahren wird sich dem Kalifornier sicherlich noch die ein oder andere Gelegenheit auf einen ersten PGA-Tour-Titel ergeben.

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Ebenfalls noch ohne PGA-Tour-Titel ist Stephan Jäger. Der derzeit einzige Deutsche mit einer PGA-Tourkarte befindet sich aber aktuell auch nicht in der Form, die einen baldigen Triumph absehbar macht. Jäger verpasste bei der Farmers Insurance Open seinen dritten Cut in Folge, obwohl er zum dritten Mal in Folge eine Auftaktrunde von jeweils 66 oder weniger Schlägen hinlegte. Zuletzt erlitt der 32-Jährige aber immer einen Rückschlag am zweiten Tag. So auch in Torrey Pines, wo Jäger auf dem North Course sieben Schläge unter Par blieb und dann auf dem South Course in Runde zwei eine 77 (+5) unterschrieb. Mit insgesamt zwei unter Par fehlte ihm damit ein Schlag auf den Einzug ins Wochenende. Die nächste Chance, diesem Negativtrend ein Ende zu setzen, bietet sich ihm beim AT&T Pebble Beach ProAm.


(Mackenzie Hughes mit seinem Caddie, Photo by Sam Greenwood/Getty Images)

Neben Jäger scheiterte auch Mackenzie Hughes nur denkbar knapp am Cut. Doch der Kanadier dürfte den Grund schnell ausgemacht haben. Denn in Runde eins schluckte der 31-Jährige eine ganz bittere Pille. Auf der 18. Bahn (Par 5) des North Course befand sich Hughes eigentlich auf dem Weg zu einem Birdie-Abschluss. Als er seinen Chip nah an die Fahne legte, fiel ihm jedoch auf, dass er soeben den falschen Ball spielte. Wie sich schnell herausstellte, markierte der zuständige Volunteer mit seinem kleinen Fähnchen versehentlich nicht Hughes‘ Ball, sondern ein Spielgerät, das dort offensichtlich schon länger im dichten Rough lag.

"Es liegt an mir, den Ball zu überprüfen, nicht an den Marshals", so der selbstkritische Unglücksrabe, der für dieses Vergehen zwei Strafschläge erhielt und seinen ursprünglichen Ball aus dem Rough weiterspielen musste. Nach Regel 6.2c zählte der Schlag nach dem falschen Ball aber nicht, womit Hughes mit seinem offiziell fünften Versuch auf dem Grün landete. Das Up-and-Down schaffte er nicht und somit landete ein Doppel-Bogey auf der Karte. Dabei war das Birdie schon in Reichweite. Dieses Missgeschick kostete also bis zu drei Schläge. Ein Schlag fehlte Hughes am Ende für den Cut.

LPGA Tour


(Lydia Ko und Danielle Kang, Photo by Douglas P. DeFelice/Getty Images)

Die Zuschauer des Gainbridge LPGA wurden Zeugen eines unglaublich engen Duells zwischen Lydia Ko und Danielle Kang. Die beiden befreundeten Top-Ten-Spielerinnen boten sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen, das bis zur letzten Bahn offen war. Ko ging mit einem Zwei-Schläge-Vorsprung in den Finaltag, doch Kang konnte bereits im frühen Verlauf der Runde aufschließen. Von dort an waren Kleinigkeiten entscheidend und am Ende setzte sich Ko dank eines hervorragend gelesenen Birdie-Putts an der 15 an die Spitze. Die beiden stärksten Damen des Turnierverlaufs notierten jeweils ein Birdie auf der 16 und auch auf den letzten beiden Löchern nahmen sie sich nichts. Damit stand Ko zum 17. Mal in ihrer Karriere als Siegerin eines LPGA-Events fest.

Die Weltranglistendritte kassierte für den Triumph im Boca Rio Golf Club in Boca Raton einen Preisscheck in Höhe von 300.000 US-Dollar und schraubte damit ihre Gesamteinnahmen auf der LPGA Tour auf knapp 12,7 Millionen US-Dollar hoch. Und das mit erst 24 Jahren. Auch wenn die Neuseeländerin im vergangenen Jahr ohne Sieg blieb, konnte sie eine ansteigende Formkurve in ihrem Spiel erkennen, seitdem sie mit Star-Trainer Sean Foley zusammenarbeitet. "Ich habe das Gefühl, ich spiele deutlich konstanter", erklärte Ko nach dem Erfolg. "Ich konnte im vergangenen Jahr zwar nicht gewinnen, aber ich spielte oft oben mit und wenn man häufig an der Tür klopft, dann öffnet sie sich meist irgendwann."

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Verschlossen blieb die Tür beim Gainbridge LPGA dagegen für das deutsche Trio. Weder Sophia Popov noch Esther Henseleit oder Caroline Masson schafften es ins Wochenende. Während bei Popov und Henseleit lediglich ein Schlag auf den Cut fehlte, waren es bei Masson derer zwei. Für alle drei geht es in dieser Woche weiter zur LPGA Drive on Championship in Fort Myers. Vielleicht finden sie dort den passenden Schlüssel.

Die Ergebnisse der Deutschen:

  • PGA Tour, Farmers Insurance Open: Stephan Jäger CUT
  • Korn Ferry Tour, The Bahamas Great Abaco Classic: Jeremy Paul T18 und Thomas Rosenmüller T69
  • DP World Tour, Dubai Desert Classic: Matti Schmid T35, Nicolai von Dellingshausen T60 und Maximilian Kieffer CUT
  • LPGA Tour, Gainbridge LPGA: Sophia Popov, Esther Henseleit und Caroline Masson CUT
  • Sunshine Tour, Vodacom Origins of Golf Final: Freddy Schott T15

Daniel Dillenburg

Daniel Dillenburg
Freier Redakteur

Daniel Dillenburg schreibt seit 2013 über den schönen Golfsport und ist nun nach seinem Bachelorstudium im Fach Medienwissenschaft nach Wien gezogen. Artikel werden trotzdem noch in hochdeutsch verfasst.



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