Training: Putt-Special

Wer lesen kann ist klar im Vorteil

Putt-Drills und Grün-Lesetechniken: Profi-Tipps, um Grüns besser zu lesen und Putts verlässlicher einzuschätzen. 

29. Oktober 2020

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"Gute Nerven und Vertrauen machen einen guten Putter aus", sagt Golflegende Gary Player, der mit seinen Mitte 80 kaum mehr Putts pro Runde benötigt als die besten auf den großen Touren. "Schauen Sie sich auf jedem Grün immer zuallererst die Lochkanten an und achten Sie auf eine beherzte Ballgeschwindigkeit", fügt der neunmalige Major-Sieger aus Südafrika an und weist darauf hin, dass man von Youngsters sehr gut abschauen kann, wie sie mutig und ohne zu zögern jedes Loch attackieren.

Es gibt aber noch ein paar weitere Anhaltspunkte, wie Sie sich im Lesen der Grüns verbessern und das Gefühl für Break und Roll verfeinern können.

  • "Rollen Sie auf Übungsgrüns öfters Bälle mit der Hand", rät Bernhard Langer. Dadurch bekommen Sie mehr Gefühl für die ideale Linie und das Gefälle.
  • "Achten Sie darauf, ob Sie mit oder gegen den 'Grain', also die Graswuchsrichtung, Putten", sagt Kurzspiel-Magier Phil Mickelson. Mit wird der Ball mehr Break annehmen als gegen.
  • Gray Players Pre-Putt-Routine: Stellen Sie sich zum Probeschwung hin, schauen Sie erst zum Ziel und dann zum Ball. Dann schauen Sie wieder zum Ziel und machen mit Blick auf dem Loch Probeschwünge, wobei Sie sich den bevorstehenden Putt vorstellen und antizipieren, wie stark Sie ihn spielen wollen. Nun sprechen Sie den Ball ohne Zeit zu verlieren an, schauen noch ein Mal kurz zum Loch, wieder zurück zum Ball und putten ihn dann mit vollem Vertrauen auf Ihr Gefühl.
  • "Vergessen Sie das Loch", lautet die oberste Prämisse von Tour-Legende Miguel Angel Jiménez. "Wir wissen doch alle, wie weit es weg ist und haben automatisch die richtige Geschwindigkeit. Es geht dann nur um die Linie. Also bestimmen wir diese und spielen dann über einen Punkt auf ihr, der nahe beim Ball ist."
  • Der achtmalige Gewinner der European-Tour-Saisonwertung Colin Montgomerie rät, 100 Putts in Folge aus unter einem Meter zu lochen - jeden Tag. Geht einer daneben, müssen Sie von Neuem beginnen. Nach eigenen Worten ist das das ganze Geheimnis seines Erfolgs auf den kurzgemähten Rasenflächen. 

  • AimPoint-Instructor Rolf Kinkel rät, ein Zwischenziel auf der Ziellinie und ihrer Verlängerung anzupeilen. Das kann nahe beim Ball (30 cm), auf Höhe des Lochs (Zielpunkt) oder gar ein Baum hinter dem Grün sein, wobei bei Letzterem das Drehen des Kopfs das Zielen erschweren kann. "Schauen Sie unmittelbar vor dem Putt nur noch unmittelbar vor Ihrem Putt nur noch zum Zwischenziel und/oder Zielpunkt und nicht mehr zum Loch."
  • Mental-Experte Walter Rotter sagt: "Sie treffen den Ball dann am besten und lochen ihn am häufigsten ein, wenn Sie nur an Ihr Ziel denken. Je kleiner Ihr Ziel ist, desto besser arbeiten Körper und Geist zusammen, um genau dorthin den Ball rollen zu lassen."
  • "Seien Sie stolz auf Ihre Putt-Technik." (Annika Sörenstam, zehnmalige Major-Siegerin)
  • "Die Umgebung eines Grüns ist entscheidend für die Geschwindigkeit", sagt PGA-Pro Christian Neumaier. Merkmale für schnelle Grüns sind: helle Oberfläche, exponierte Lage mit Wind und Sonne, hohe Temperaturen sowie die Tageszeit, da sie meist in der Frühe geschnitten werden. Merkmale eher langsamer Grüns: dunkles Gras, viel Schatten, Nässe und die Tageszeit - Gras wächst am Nachmittag.
  • Stefan Quirmbach, 5-Sterne-Professional der PGA of Europe und Präsident der PGA of Germany, sagt: "Es macht viel mehr Sinn, lange Putts zu trainieren." Aus der Distanz von einem Meter lochen die weltbesten Spieler 97 Prozent aller Putts, bei zwei Metern verringert sich dieser Anteil schon drastisch auf 55 Prozent und aus vier Metern gelingt es ihnen nur noch, 22 Prozent ihrer Putts einzulochen. Für lange Putts sollten Sie üben, den Ball immer mittig zu treffen. Und für kurze Putts sollten Sie seiner Meinung nach ein paar Anpassungen vornehmen: "Stellen Sie den Putter deutlich steiler, greifen Sie mit den Händen kürzer, drehen Sie die Hände nach außen und erhöhen Sie den Griffdruck der linken Hand, damit dann im Pendeln die linke Hand verhindert, dass sich der Putterkopf verdreht."

Gut zu wissen: Ideal dosiert ist ein Ball, der am Loch noch eine Geschwindigkeit hat, die ihn bis rund 30 Zentimeter über das Loch hinauslaufen lassen würde. Ein Ball, der so schnell rollt, dass er 1,20 Meter über das Loch hinauslaufen würde, verengt den Eintrittskorridor ins Loch auf 2,5 Zentimeter.

Übungsvorschlag I - Circle-Putting: Stecken Sie acht Tees im kreis um ein Loch mit Break und Putten Sie nacheinander aus je einen Ball von jeder Position - Sie lernen das Gefälle und Rollverhalten des Balls ganz neu kennen.

Übungsvorschlag II - Nord-Ost-Süd-West-Prinzip: Stecken Sie vier Mal fünf Tees im Abstand von etwa 50 cm in alle Himmelsrichtungen auf vier Linien um das Loch herum. Spielen Sie je einen Ball vom kürzesten Tee jeder Linie und arbeiten Sie sich so nach außen zu den längsten Putts vor - jeder gelochte Putt gibt einen Punkt und Sie wollen die volle Punktzahl erreichen. 

Sebastian Burow

Sebastian Burow
Chefredakteur Golf.de/Mygolf

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